KI – das große Missverständnis

In der heutigen Zeit, also in den letzten Monaten und Jahren, geht es mal wieder in den Medien vermehrt um das Thema Künstliche Intelligenz. Das ist jetzt bereits der dritte oder vierte Hype seit ca. 1960 als die Compiler aufkamen und damit die natürliche Sprache mehr oder weniger in der Programmierung von Rechenmaschinen eingeführt wurde. Ich muss sagen, es langweilt schon. Denn es gibt beim Begriff der Künstlichen Intelligenz ein gewisses Missverständnis: es gibt sie nicht.

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Bildquelle: JonMcLoone, Wikipedia

 

Die Tage habe ich mir in Tübingen mal ein aktuelles Buch über Künstliche Intelligenz gekauft und muss sagen: seit 1995, als der letzte große Hype herrschte, an den ich damals, jung und naiv, also dumm, selber glaubte, hat sich nichts grundlegendes verändert. Ja, jetzt ist alles bigger, faster, smaller, smarter. Was heisst das schon? Die Algorithmen zur Klassifikation und Prädiktion und zum Training von neuronalen Netzen haben sich nicht geändert. Die Mathematik ist von unhandlichen Vektoren und Matrizen nun zu eleganteren Tensoren übergegangen. Das wurde auch mal endlich Zeit, nachdem man das in anderen Bereichen wie Differentialgeometrie, Baustatik und Aerodynamik schon längst geschafft hatte…

Die Rechenleistung pro Watt oder pro Dollar ist nun wesentlich größer als damals und damit kann man im Bereich Embedded Systems, aber auch bei Verteilten Systemen nun mit gegebenem Geld viel mehr erreichen. Neuronale Netze werden nun neuerdings nicht mehr nur für optische Mustererkennung sondern auch für Verhaltens-Mustererkennung von Konsumenten eingesetzt. Wie unendlich langweilig das ist! Die Methoden der künstlichen Intelligenz werden nun den weit verbreiteten, simplen Geistern in Wirtschaft und Politik auf verständliche Art und Weise dargereicht und diese sind entzückt von deren Komplexität, die nur für sie existiert.

Wie fing alles an? Was ist Künstliche Intelligenz überhaupt? In den Fünfzigerjahren des letzten Jahrhunderts wurden Computer ausschließlich in Maschinencode programmiert. Das heißt für jeden Maschinenbefehl wie ‚lade Register A mit dem Wert in Speicherzelle X‘ oder ‚addiere Register A und B‘ gab es eine zugeordnete Zahl, die den Befehl repräsentierte. Diese Zahlen, die die Befehle numerisch codierten, wurden zusammen mit den Nummern der eigentlichen Zahlenwerte A, B oder X in einem Speicher abgelegt und der Programmzähler sprang danach durch die Zahlen und führte die entsprechenden Maschinenbefehle auf dem Prozessor zusammen mit ihren Zahlenwerten aus. So funktionieren im Prinzip alle Programmrechner: ob Laptop oder Smartphone, moderne Waschmaschine, Digitalfernseher, Heizungsthermostat oder Großrechner.

Irgendwann Ende der Vierzigerjahre des zwanzigsten Jahrhunderts, also schon bei den ersten Computern überhaupt, kam jemand auf die Idee, wenigstens die Maschinenbefehle nicht als Nummern sonder als Kürzel von drei Buchstaben eingeben zu können, damit man sich nicht so viele Zahlen im Kopf merken musste. Das war aber noch ein simpler Übersetzer, nicht sehr intelligent, und hatte mit den späteren Compilern und Interpretern noch wenig zu tun.

Dann kamen die Computerwissenschaftler auf folgende Idee, mit der alles begann: wenn es möglich wäre, in natürlicher Sprache mit dem Computer zu kommunizieren, dann könnte auch der Dümmste einen Computer bedienen, und man bräuchte keine ausgebildeten Spezialisten mehr dazu. Man begann mit der Linguistik zu experimentieren. Schnell stellte sich heraus, dass Sprache nur mit einem riesigen Vorwissen und insbesondere nur mit Kontextwissen funktioniert. Ein Satz, der aus den selben Worten besteht, kann in unterschiedlichen Kontexten, die als Bild im Kopf des Zuhörers entstehen, völlig unterschiedliche Bedeutungen haben. Ein Beispiel:

„Ich liebe Ziegen!“

Ohne Kontextwissen kann es sich hier um die Aussagen verschiedenster Personen in verschiedensten Situationen handeln:

  • eines Tierfreundes, der Ziegen mag
  • eines Sodomisten, der wirklich in Ziegen verliebt ist
  • eines Feinschmeckers, der von Ziegenkäse oder -milch redet
  • einer modischen Frau, die gerade einen Kaschmir-Pullover anprobiert
  • eines humorigen Gentlemens, der auch vor Frauen mit schwierigem Charakter nicht zurück schreckt
  • eines ironischen Menschen, der entweder Ziegen, Ziegenkäse, Kaschmir-Pullover oder sonstwas nicht ausstehen kann

Dieses Beispiel erläutert, stark vereinfacht, warum es Anfang der Sechzigerjahre des zwanzigsten Jahrhunderts nicht gelang, die natürliche Sprache mit dem Programmrechner zu verbinden. Es gelang nie, bis heute nicht. Deshalb muss man mit Siri & Co. so schematisch und vordefiniert reden. Diese sogenannte Spracherkennung erkennt nur Schlüsselwörter und eine große Menge vordefinierte Phrasen – mehr nicht. Das wird sich auch niemals ändern, wegen dieses Kontextwissens, zu dem Siri & Co. nicht annähernd fähig sind, weil sie dafür Phantasie bräuchten, die man aber nicht programmieren kann. Es mussten damals an die natürliche Sprache angelehnte Kunstsprachen entwickelt werden, die logisch eineindeutig waren. Beispiele sind: Fortran, Basic, Pascal, C, Java. Man könnte heute diese Programmiersprachen auch mit Spracherkennungssystemen eingeben. Man tut es nur nicht, weil tippen schneller geht. Jede Spracherkennung am Computer ist somit keine Erkennung von natürlicher Sprache sondern nur die Erkennung einer gewissen Kunstsprache, an die sich der menschliche Maschinenbediener (z.B. der Siri-User) anpassen muss.

Versuche, mit wirklicher, menschlicher Sprache, also natürlicher Sprache, mit Computern zu kommunizieren, scheiterten grandios. Sie scheiterten aber anders als man denkt: Es war nicht so, dass niemand mit dem Computer über natürliche Sprache kommunizieren konnte. Es gab Menschen die das durchaus konnten, die durchaus glaubten, der Computer unterhielte sich auf ihrem Niveau mit ihnen, oder sie sich mit ihm. Menschen, die im Experiment, bei dem sie gefragt wurden, ob sie am Terminal mit einem Menschen oder einer Maschine kommunizierten, nicht sicher unterscheiden konnten: es waren die Dummen und die Verwirrten.

Dumme und verwirrte Menschen wahren nicht in der Lage, dem Computerprogramm nur zwei, drei treffende, tief sitzende, intelligente Fragen zu stellen, mit dem sie es hinter das Licht geführt hätten. Sie waren nicht in der Lage, eine intelligente Konversation über dem Niveau von stereotypischen Phrasen zu führen. Die Dummen oder Verwirrten glaubten, dass sie mit Menschen sprachen, wenn sie in Wirklichkeit mit einem simplen Algorithmus voller vorgefertigter Klischees redeten. Der berühmteste dieser Algorithmen hieß Eliza und wurde von Prof. Joseph Weizenbaum am MIT programmiert.

Wenn sie das nicht glauben können, dann ehrt sie das. Unterhalten sie sich einfach mal in einer Eckkneipe mit wirklich dummen Menschen oder mit – ich nenne sie mal: – leicht geistig verwirrten Menschen, die durchaus irgendwo in der Arbeitswelt jeden Tag ihren Mann stehen.

Übrigens fand dieser großartige Herr Weizenbaum schon damals mit Eliza eindeutig messbar heraus, dass wirkliche Intelligenz nichts mit Status, Beruf, Position, Titel, Geschlecht, Rasse, Alter, usw. zu tun hat. Es gab Kinder, die sobald sie schreiben konnten, jederzeit die Sätze eines Menschen unter Maschinen am Terminal heraus zu picken in der Lage waren und es gab Professoren für Künstliche Intelligenz am MIT, die das nicht konnten.

Also halten wir fest: KI funktioniert nur bei Dummen. Wir haben dies ganz gut bei den Wahlsiegen der Rechtspopulisten in den USA, Russland und in Deutschland sehen können. Wer Bots schreibt, die die richtigen Phrasen in den Sozialen Netzwerken dreschen, der wird vielen naiven Menschen einen neuen Freund beiseite stellen, den sie überaus gerne mögen, weil er ihnen aus dem Herzen spricht. Würde man versuchen, ihnen die Wahrheit zu sagen, würde man versuchen ihnen zu erklären, welch lächerlich simpler, unintelligenter Fliegenfalle sie täglich auf den Leim gehen, würden sie nur eine weitere, neue Verschwörung herbeireden. Und zwar aus einem einzigen Grund: um weiter dumm bleiben zu dürfen. Denn denken ist ja bekanntlich anstrengend.

Aber deshalb wurde die KI ja ursprünglich entwickelt: aufgrund des steigenden Bedarfs von Programmierern fand man nicht mehr genug ausreichend schlaue Programmierer und daher brauchte man ein Programm, den Compiler, der es weniger schlauen Programmierern ermöglichte, trotzdem Computer programmieren zu können. Endlich konnten Doofe programmieren!

Wenn es um Intelligenz geht, sind viele Menschen immer schnell eingeschnappt, besonders die, die nicht so intelligent sind. Und deshalb einigte man sich hurtig darauf, dass ein Compiler eigentlich keine Künstliche Intelligenz sei, sondern nur ein dummes Programm, und dass die Programmierung mit Compilern ’normal‘ sei und ‚wirtschaftlicher‘ und ‚effektiver‘ im Gegensatz zum direkten Eingeben von Maschinenbefehlen. Das das nicht so ist, weiß jeder gute Assembler-Programmierer und lächelt über die Dummen, die C++ einsetzen müssen. Und die C++ Programmierer lächeln wiederum über die Dummen, die Java einsetzen müssen. Und die wiederum lachen über Basic-Programmierer. Und so schaut jeder auf den anderen herab. Und natürlich weiß jeder Java-Programmierer, dass C++ nur veraltet ist mit seinen Zeigern auf Speicheradressen – fast so veraltet wie jener sagenumwobene Assembler.

Die Datenbanken in den Siebzigerjahren des zwanzigsten Jahrhunderts wurden eingeführt, weil viele Dumme einfach zu schlampig sind, sauber Buch zu halten. Ein guter Buchhalter hätte niemals eine Datenbank benötigt, es ging ja über Jahrhunderte vorher sehr gut ohne Datenbanken. Mit dem explodierenden Wirtschaftswachstum im zwanzigsten Jahrhundert aber, brauchte man nun plötzlich zehntausende guter Buchhalter aus dem Nichts. Woher sollte man diese nehmen? Sie heranzuziehen hätte Jahrzehnte gedauert. Man hatte also ad hoc nur schlechte zur Verfügung, deshalb brauchte man Datenbanken. Und mit den Datenbanken konnten auch Dumme endlich sauber kontieren und bilanzieren.

Schnell wurde neu definiert, dass eine Datenbank selbstverständlich keine Künstliche Intelligenz ist.

Die Expertensystem in der Medizin wurden eingeführt, weil der Doktortitel in der Medizin einfach zu leicht zu erreichen ist und viele Mediziner einfach zu dumm und ungebildet sind, ohne Expertensysteme die richtige Diagnose zu stellen. Unsere auf der einen Seite kränkelnde, wehleidige, körperlich degenerierende, auf der anderen Seite dem Jugend- und Gesundheitswahn verfallene Gesellschaft benötigt einfach so viele Mediziner und Doktoren, dass die Universitäten längst resigniert haben. Natürlich könnte ein guter Arzt jederzeit besser diagnostizieren als ein Expertensystem. Aber es gibt gar nicht genügend gute Ärzte bei diesem riesigen Bedarf!

Bei den Expertensystemen dauerte der Streit darum, ob es sich bei ihnen um künstliche Intelligenz handele oder nicht, etwas länger. Zuerst konnten die selbsternannt schlauen Programmierer der Expertensysteme noch auf die dummen Mediziner herab schauen. Erst als die Programmierer selbst auf Expertensysteme umstiegen, wurde es zum Usus, dass Expertensysteme selbstverständlich nicht intelligent sind.

Heute benötigt die Industrie so viele Programmierer, dass es unmöglich geworden ist, genügend erfahrene Programmierer zu finden. Man gibt unerfahrenen Anfängern Expertensysteme wie UML-basierte automatische Code-Generatoren oder zum Beispiel in der Autoindustrie ‚Autosar‘-basierte Kodierer in die Hand, mit denen sie zwar jahrzehntelanges Vorwissen (gegen hohe Preise für die Tools) auf Knopfdruck einsetzen können, aber niemals wirklich verstehen werden, was sie da eigentlich tun. Sie sind und bleiben dummer als ihre Vorgänger, denn sie haben in ihrem Beruf unter dem Kostendruck durch die allgegenwärtige Optimierung keine Zeit mehr, wirklich zu verstehen, was sich hinter den eingesetzten Programmier-Automaten verbirgt. Diese Expertensysteme sind in der Tat für Dumme gedacht. Man findet einfach nicht mehr genügend Schlaue! In der Praxis geht die Rechnung aber nicht ganz auf, und die komplizierten Tools funktionieren teilweise noch nicht so gut, so dass man immer wieder händeringend erfahrene Programmierer sucht, die wenigstens die Tools einmalig zum Laufen bringen können, bevor man unerfahrene daran setzen kann.

Das pikante an all diesen KI-Systemen wie Compiler, Datenbank und Expertensystem ist aber: mit der Anwendung dieser KI werden ihre dummen Benutzer für immer dazu verdammt, niemals schlauer zu werden. Diese KI schließt ja genau die Lücke, das Vakuum in ihrem Geist, also ihre Unwissenheit und ihr Unvermögen. Und weil das größtenteils schon gut funktioniert, wird niemand „das Rad neu erfinden“ wollen. Aber wenn es doch nur ein simples Rad wäre!

In den Neunzigern entdeckte die Wirtschaft, dass Qualitätskontrolle mit intelligenten elektronischen Kameras und Bildverarbeitungs-Systemen besser funktioniert als mit ungebildeten Hilfsarbeitern. Mit dem rasant steigenden Wirtschaftswachstum waren einfach nicht mehr genügend erfahrene Vorarbeiter verfügbar, die den anderen ‚auf die Finger‘ schauen konnten. Diese systematisch inhärente Dummheit der neu aufgestellten Teams, wurde durch Künstliche Intelligenz optischer Systeme kompensiert. Interessanterweise ist die Diskussion, ob es sich bei Mustererkennung um Künstliche Intelligenz handelt oder nur um einen dummen Mechanismus, noch nicht zu Ende geführt. Wahrscheinlich werden noch nicht genügend von ihrer Intelligenz überzeugte studierte Bürger von Muster-Erkennungssystemen ersetzt. So lange es noch die anerkanntermaßen Dummen wie ‚die Arbeiter‘ sind, die man mit Mustererkennung verbessert oder auf Neudeutsch ‚enhanced‘, muss es sich um künstliche Intelligenz handeln. Sobald man jedoch einmal Doktoren und Professoren standardmäßig mit Muster-Erkennungssystemen ausstatten wird, handelt es sich dabei natürlich nur noch um dumme Mechanismen und die Intelligenz liegt selbstverständlich ganz woanders.

Es handelt sich meiner Erfahrung nach um einen Chauvinismus bei der Computerunterstützung von Tätigkeiten, der begrifflich rein willkürlichen und dem jeweiligen Zeitgeist genügend zwischen anerkanntermaßen Künstlicher Intelligenz und unintelligentem Mechanismus trennt.

Dann kamen die Navigationscomputer, welche die mathematischen Gebiete der Topologie, Geometrie und Graphentheorie in Verbindung mit Datenbanken und linearen Optimierungsalgorithmen dem Dümmsten und Letzten und geistig Schwächsten als Wegbeschreibung – ‚vorwärts, links, geradeaus‘ – verständlich aufbereiteten. Plötzlich fanden völlig orientierungslose, verwirrte und wirklich saudumme Halbwesen zielsicher von A nach B, ohne dass sie sich jemals mit dem Kartenmaterial und mit den Gegebenheiten der Landschaft, der Straßenverhältnisse, der Tageszeit, des Wetters, usw. vertraut gemacht hätten. Alles was früher einen vernünftigen Fahrer oder guten Beifahrer ausgemacht hatte, war plötzlich wertlos, also keine Intelligenz mehr. Somit sind Topologie, Geometrie, Graphentheorie und Optimierungsalgorithmen heute unter Fachleuten (die ja auch mit „Navi“ fahren) oft anerkanntermaßen keine intelligenten Verfahren mehr, sondern stupide Mechanismen.

Das man für jedes dieser mathematischen Gebiete viele Jahre Schulausbildung für das Grundverständnis und noch mehr Jahre für die Umsetzung in Navigationsalgorithmen benötigt, ist doch egal, man kann den fertigen Mechanismus ja beliebig kopieren, wenn er einmal vorliegt. All die guten Fahrer und Beifahrer in einem Land wieder heranzuziehen, hätte dagegen Millionen Mannjahre benötigt. Also lässt man es bleiben, wenn man alternativ dem jungen, naiven Nichtskönner eine kleine schwarze Kiste beistellen kann. Mal wieder ein Beispiel, wie der wirtschaftliche Druck Unvermögen und Abhängigkeit, also Idiotie fördert.

Dann kamen Amazon und Google und haben die Mustererkennung auf den Endkonsumenten bei seinem Kaufverhalten angewandt. Anhand der riesigen Börsenerfolge dieser Unternehmen, wurde klar, wie gut man Menschenmassen anhand ihres Verhaltens mit idiotischen Klischees, chauvinistischen Stereotypen und autistischem Schubladendenken einordnen kann. Aber die Menschen bei denen das funktioniert sind durchweg: nicht spontan, nicht sprunghaft, nicht kreativ, nicht unvorhersehbar, nicht aufregend – eben: dumm. Wir wissen alle, dass die meisten Menschen keine Intelligenzbestien sind, nein wir wissen sogar, daß auch der Schlauste immer wieder seine wirklich dummen Momente hat. Albert Einstein soll einmal gesagt haben: bei der Unendlichkeit des Universums sei er sich nicht sicher, bei der Unendlichkeit der Dummheit schon. Wenn Einstein also recht hatte, dann ist es doch kein Wunder, dass Amazon und Google mit ihren auf Dumme spezialisierten Internet-Algorithmen Milliardenumsätze machen.

Nun wird gerade alles, was mit Big Data und Neuronalen Netzen zur Mustererkennung und Klassifikation zu tun hat, von vielen Ökonomen als Künstliche Intelligenz hochgelobt. Solange sie glauben, dass hier intelligente Algorithmen auf minderwertige, menschliche Stereotypen losgelassen werden, mögen sie diese neue Computertechnik als Künstliche Intelligenz bezeichnen. Wenn sie irgendwann einmal nach ihren eigenen, auf sie selbst angewandten, Profiling-Analysen selbst lächerlich da stehen, werden wir garantiert beobachten, wie diese „Superintelligenz“ jener jetzt so hippen Algorithmen von den Ökonomen verleugnet werden wird.

Das Missverständnis der Künstlichen Intelligenz lautet: es gibt sie nicht.

Denn es gibt nur künstliche Dummheit. Eine künstliche Dummheit, die in der Lage ist, dort Lücken zu füllen, wo man sonst auf noch dummere Menschen zurück greifen müsste.

Das fatale an der KI: sie lässt nicht zu, dass viele dieser Dummen, die die KI mit etwas weniger Dummheit ausstattet und dabei temporär geistig verstärkt, dass diese Dummen mit der Lebenszeit, mit ihrer persönlichen Erfahrung und Berufserfahrung zu schlauen Menschen werden – so wie es den Generationen zuvor durch Nachahmung des Verhaltens der Erfahrenen ermöglicht wurde. Denn von KI kann man als Mensch durch Nachahmung nichts lernen.

Die KI verdammt die Dummen zu ewiger Dummheit, weil es so einfach ist, mit ihr für kurze Zeit, immer dann, wenn es benötigt wird, etwas weniger Dummheit durch programmierte Algorithmen automatisiert zu erzeugen.

Die meisten Dummen bleiben sowieso für immer geistig träge. Sie haben keine Veranlagung zu Höherem, sie besitzen kein Streben nach Werten und Aufklärung. Sie hinterfragen nicht die Dinge und wollen nicht verstehen. Denn sie sind bequem. Und Bequemlichkeit ist die Quelle aller Dummheit, wie uns unsere griechischem Vorfahren bereits lehrten. Solche geistig Trägen in der Gesellschaft kann die KI sehr einfach und effektiv jederzeit geistig verstärken und ihren ökonomischen Wert, also ihre Produktivität, dann und dort, wann und wo es benötigt wird, erhöhen.

Viele Menschen wären aber in der Lage, sich zu verbessern, sich im Leben vom dummen, naiven Anfänger bis hin zum Talent, ja sogar zum Genie zu erheben. Albert Einstein wiederum ist das beste Beispiel, der von sich selbst erzählt haben soll, dass er als Junge sehr faul war. Solche Menschen können sich erheben, weil sie nach Aufklärung streben, weil sie die Dinge hinterfragen und vor allem, weil sie fleißig sind. Denn Werte wie Fleiß und Hartnäckigkeit haben sich immer schon im Leben ausgezahlt. Doch diese Menschen, die unbedingt wollen, werden heutzutage zunehmend von der KI unterdrückt. Ein junger Albert Einstein würde heutzutage wahrscheinlich ständig auf sein Smartphone schauen, sich die neuesten Apps herunterladen, die ihm einfachste Denkarbeit einsparen und für den Rest seines Lebens dumm und faul bleiben.

Aber sind es nicht gerade solche Menschen, die Aufsteiger, die sich vertikal in der Hierarchie einer Gesellschaft bewegen, die den jeweils Mächtigen am gefährlichsten werden könnten? Die Mächtigen fürchten sich nicht vor den Doofen. Sie fürchten sich auch nicht vor der etablierten, gesellschaftlichen Intelligenz, die sie für ihre Zwecke einsetzen und kontrollieren. Sie fürchten sich auch nicht vor den heutzutage mit Künstlicher Intelligenz ‚verstärkten‘ etwas weniger dummen Doofen. Sie fürchten sich aber vor dem entfachten Feuer eines unberechenbaren Aufsteigers, der erst unauffällig und dumm gewesen, mit der Zeit immer schlauer wurde.

Das unberechenbare Feuer der Starken, der Wollenden, wird nun mit der KI eingedämmt: keinem Doofen wird es mehr ermöglicht – schon aus einfacher ökonomischer Überlegung heraus – durch einen aufwendigen Lernprozess weniger dumm zu werden, wo dies die KI doch bereits jederzeit, vollautomatisch und kostengünstig für ihn erledigt, wenn Bedarf besteht. Der nächste Schritt darüber hinaus, ausgehend von weniger dumm zu noch weniger dumm zu werden, bleibt dem jungen und naiven Doofen somit für immer verwehrt. Seine persönliche Entwicklung ist nicht mehr gefragt, man bringt ihm stattdessen bei, ‚intelligente‘ Mechanismen zu bedienen.

Es besteht die dringende Gefahr, dass aufgrund des durch die KI bedingten Bruches des uralten Nachahmungsprinzips (so wie Primaten nunmal lernen), die Industriegesellschaft ihren Nachwuchs soeben flächendeckend geistig abtötet und somit als Gemeinschaft zur Bedeutungslosigkeit degeneriert. Menschen erlernen vor allem durch Nachahmung die Fähigkeiten anderer Menschen. Stellt man ihnen eine sogenannte KI zur Seite, erlernen sie die Fähigkeiten ihrer Vorgänger nicht.

Die Freiheit ist bereits verloren und die Gesellschaft ist durch KI nun für immer soziologisch erstarrt. Weil aber die Ursachen und die laufenden, oben erklärten intellektuellen Erstarrungsprozesse tief mit dem Internet verknüpft sind, kann Freiheit und gesellschaftliche Änderung logischerweise durch die Zerstörung des Internets wiedergewonnen werden. Eine Bürgerbewegung, eine Partei mit dem Ziel, das Internet und die darin verwobene KI abzuschaffen, ähnlich der Bewegung, die global die Plutoniumwirtschaft und die darin verwobene Nuklearwaffentechnik abschaffen will, wird entstehen. Sie wird unbewusst aus einem tiefen Misstrauen gegenüber den Ingenieuren, Mathematikern und Physikern entstehen, sie wird aus der Dummheit geboren werden. Die Dummheit wird siegen und uns die Freiheit wieder bringen. Warum ich daran glaube? Weil es immer so war.

Verbreitete Ideen einer Künstlichen Intelligenz, die die Menschheit evolutionär ablösen würde, sind absurd. – Weil es sie nicht gibt.

Es handelt sich bei KI um ein großes Missverständnis:

  • Es gibt keine Künstliche Intelligenz.
  • Unvermögen und Abhängigkeit von technischen Systemen ist Idiotie.
  • Die Abkürzung KI steht eigentlich für Künstliche Idiotie.
  • Diese Künstliche Idiotie ermächtigt weltweit die menschliche Dummheit.

Nur aus der Sicht der Geringsten sind die modernen, künstlichen Systeme intelligent.

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Ein Gedanke zu “KI – das große Missverständnis

  1. Nachtrag zum Artikel: Ich sprach in meinem Artikel damals von einer Bürgerbewegung, die entstehen würde, und prädizierte: „Sie wird unbewusst aus einem tiefen Misstrauen gegenüber den Ingenieuren, Mathematikern und Physikern entstehen, sie wird aus der Dummheit geboren werden.“ Ich glaubte, die Vernunft würde daraus mit der Zeit eine Partei entstehen lassen, aber dazu reicht es nicht einmal (!) – Die sogenannten ‚Gelbwesten‘ treiben seit Monaten ihr Unwesen auf Frankreichs Straßen und zerschlagen alle öffentlichen elektronischen Geräte, der sie habhaft werden (wie Geschwindigkeitsüberwachungsgeräte oder Überwachungskameras), die der Unterdrückung und Ausbeutung dienen, wie sie es glauben. Sie weigern sich zu verhandeln, denn sie sind dazu nicht fähig. Sie formieren sich nicht, denn dazu fehlen ihnen die ausformulierten Ziele. Die Gelbwesten sind nur die Vorboten des Mobs, der Internet, KI, Roboter und Digitalisierung den Garaus machen wird. Es kann gar nicht anders kommen, solange der technologische Trend einen Bildungsdruck aufbaut, dem nicht alle genügen können. Die Dummen werden letztendlich siegen. – So wie es immer war. Man muss kein Hellseher sein, um diese mögliche Zukunft klar zu sehen. Man muss nur aufhören, sich ständig selbst etwas vorzumachen. Ideale, Doktrinen, Maximen sind ja schön, aber immer nur für die, die sie nicht aufgezwungen bekommen. Wenn wir die einfachen Menschen nicht wieder in unsere Zukunftsszenarien und -überlegungen einbeziehen, wenn wir ihnen weiter ihre Zukunft offensichtlich vorenthalten, nein ihnen sogar die pure Existenzberechtigung indirekt mit allen Signalen, die wir aussenden, eindeutig absprechen, dann werden sie alles kaputtschlagen. Wir müssen die Digitalisierung auf ein vernünftiges Maß begrenzen, so wie wir es mit den Nuklearwaffen (einer weniger gefährlichen Technologie) einst getan haben. Sonst wird der Mob kommen. Oder wie Albert Einstein damals vorausschauend sagte: „Ich bin nicht sicher, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen wird [Anm.: heute sieht es mehr nach Computern als damals nach Atombomben aus], aber im vierten Weltkrieg werden sie mit Stöcken und Steinen kämpfen.“

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