Philosophische Grundlagen der Stellaren Ökologie

Kritik der reinen Vernunft

Kants Kritik der reinen Vernunft wies den reinen Rationalismus einst in seine Grenzen und verwies dabei auf die fundamentale Bedeutung der Absicherung der Erkenntnis durch Beobachtung. Er wollte damit den Wettstreit zwischen kartesianischem Rationalismus und dem reinen Empirismus beenden, indem er einerseits die Bedeutung von Beobachtung hervorhob, andererseits einen Raum für die große Bedeutung der Geisteswissenschaften wie Mathematik, Logik und Sprache ließ, die ja unabhängig vom Versuch existieren.

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Karl Jaspers

Hegels Dialektik & Marx‘ Dialektischer Materialismus

Der deutsche Idealismus, allen voran Hegel mit seiner Dialektik von These, Antithese und Synthese – so verwandt diese mit dem versuchsgestützten Trial-and-Error Prinzip der Wissenschaft scheint – hat jedoch die formale Logik hinter sich gelassen und damit jedes wissenschaftliche Denken, wo formale logische Widersprüche nicht geduldet werden können, untergraben. Indem sie den logischen Widerspruch mit These und Antithese zuließ, die sich dann jeweils ‚fruchtbar‘ in einer Synthese wiederfinden sollten, und sich in Form eines philosophischen Formalismus mit Universalanspruch über die Möglichkeit eines kritischen Hinterfragens stellte (sich selbst, nicht die untersuchenden Objekte), hat die Dialektik in der Folge jede Art von kritischem wissenschaftlichem Arbeiten, unmöglich gemacht, denn die Wissenschaft wurde der Dialektik untergeordnet und damit konnte sie deren unlogisches Fundament und die daraus folgende (irrationale) Politik nicht mehr aufzeigen.

Der aus Hegels Dialektik hervorgehende Dialektischen Materialismus, stellt nur eine einfache Umkehrung von dessen Identitätsphilosophie dar: die Materie der Welt ist nicht formbarer Geist, sondern der Geist ist formbare Materie wie die Welt und vor allen geistigen Bedürfnissen stehen die materiellen Bedürfnisse. Eine ökonomisch begründete, historische dialektische Entwicklung der Gesellschaft dogmatisch voraussehend, hat der Dialektische Materialismus in seiner Ausprägungen des Kommunismus den kritischen wissenschaftlichen Diskurs aller Bereiche der Gesellschaft schließlich beendet. In dem aus dem Dialektischen Materialismus und seiner argumentativen Flexibilität durch seine innere Unlogik heraus sich entwickelnden Irrationalismus diente schließlich alle Wissenschaft nur noch der Machterhaltung des Regimes und alle Technik gipfelte in der Waffenentwicklung.

Irrationalismus & Nationalsozialismus

Parallel entwickelte sich der Nationalsozialismus aus einer anderen Geschichtsinterpretation zum selben materialistischen Irrationalismus und damit verbundener dialektisch begründeten logischen Unantastbarkeit. Alle Wissenschaft wurde den totalitären Regimen, die ihren Machtanspruch aus verschiedener Interpretation der historischen Entwicklung bezogen unterworfen. Wissenschaftlichkeit war nicht mehr die Basis einer vernünftigen, pragmatischen Abstimmung. Damit wurde jede Abstimmung irrational und man konnte sie genau so gut ganz abschaffen. Niemals hatten es totalitäre Despoten leichter in der Welt, ihren Machtanspruch zu begründen, als nach Hegels Dialektik.

Digitaler Irrationalismus

Die selbe Entwicklung, weg von der Wissenschaftlichkeit zu einer neuen – aus digitalen Massenmedien gestützten – Irrationalität, erleben wir heute. Heute ist es nicht der Wahrheitsanspruch eines Dialektischen Materialismus, welcher Logik und kritisches Hinterfragen untergräbt. Heute ist es der Wahrheitsanspruch der Numerik, der Computerberechnungen, die alles in der Welt zu erklären, zu simulieren, vorauszusagen vorgibt und selbst glaubt. Auf der einen Seite wird die ‚Kristallkugel Computer‘ vor Vernunft, Einsicht, Verstehen und Experiment gestellt. Auf der anderen Seite ist selbst der Vernünftigste und Kritischste nicht mehr sicher vor überzeugenden virtuellen Simulationen der Wirklichkeit, die Wahrheit und manipulierte Wahrheit mehr und mehr verschwimmen lassen. Wir müssen daher aufpassen, das wir unsere Demokratie nicht aufgrund der Computer verlieren. Wissenschaftlichkeit und Demokratie hängen unmittelbar zusammen. Die Computer und ihre Numerik untergraben die wissenschaftliche Basis der Gesellschaft heute mehr und mehr und führen in die Irrationalität. So ungewohnt dieser Gedanke vor dem Begriff einer ‚Computerwissenschaft‘ auch für den einen oder anderen klingen mag.

Das Erbe Kants & Poppers

Die Stellare Ökologie basiert also einerseits auf Kants Kritiken, indem sie neben der rein erfahrbaren Welt eine metaphysische Welt zumindest zulässt, also kein reiner Materialismus ist. Sie beschäftigt sich hauptsächlich mit den messbaren, erfahrbaren Aspekten der Welt, die sich beweisen lassen (wie einen Sinn der menschlichen Existenz), und sucht durch logische Induktion nach den letzten Gründen, die sich aber nicht beweisen lassen (wie einen Sinn allen Lebens im Universum). Außerdem nutzt sie die Methoden eines wissenschaftlichen Denkens im Sinne Karl R. Poppers, wo Versuch und Irrtum zu Hypothesen und Theorien und wiederum neuen Hypothesen führen, die in einer freien Gesellschaft von Jedermann überprüfbar zu einer maximal möglichen Approximation von Wahrheit führen. Sie lehnt die Dialektik nach Hegel und die materialistische Dialektik nach Marx und Engels ab, weil sie ein veraltetes und vielfach fehlgeschlagenes Denksystem darstellen, das aufgrund seines inneren logischen Widerspruchs immer im Irrationalismus endete. Irrationalismus ist aber das Ende jeder freien Gesellschaft. Deshalb lehnt die Stellare Ökologie auch die Vernunftsperspektive eliminierende Philosophien wie die Schopenhauers oder Nietsches ab, wenn sie auch deren Gesellschaftskritik aus dem damaligen historischen Kontext heraus anerkennt. Heute führt die Digitalisierung der Gesellschaft durch Computer in allen Bereichen in weiten gesellschaftlichen Kreisen zu immer mehr Irrationalität. In der Theorie der Stellaren Ökologie sind Computer zur Erreichung des Sinns menschlicher Existenz aber nicht notwendig. Deshalb verzichtet sie bewusst weitestgehend auf eine Einbeziehung dieser die Wahrheit und das wissenschaftliche Denken gefährdenden Technologie und stuft aus diesem Grund Computertechnik für die Gesellschaft aus logischer Überlegung insgesamt als gefährlicher als zum Beispiel Nukleartechnik ein.

Lebensphilosophische Grundlagen

Die Lebensphilosophie des 19. Jahrhunderts ist in der Stellaren Ökologie gewiss eingegangen. Henri Bergsons élan vital, die ursprünglichen Lebenskraft, ist sicherlich – wenn auch nie expliziert – hier und da als Gedanke vorhanden: besonders da, wo eine stille Akzeptanz des Faktums einer Entwicklung des Lebens aus einer reinen Beobachterrolle nicht mehr ausreicht und theologische Erklärungsversuche unpassend erscheinen. Darwins Evolutionstheorie des Lebens ist ebenso vorhanden: das Trial-and-Error in der Natur bei der langwierigen Hervorbringung sternfahrender Lebewesen und der natürliche Selektionsmechanismus des globalen Impakts seien hier als typisch darwinistische Gedanken erwähnt. Wilhelm Diltheys Hermeneutik des Lebens und seine Korruptibilität, die jede Weltanschauung fraglich erscheinen lassen, spielt eher keine Rolle. Simmels Soziologie, die aus Gedanken zu Kant, Nietsche und Darwin hervorging, mit ihrem zynischen Funktionalismus von Moral, Recht und Religion, die alleine dem Schutz menschlichen Lebens gegen die Natur dienen, spielt ebenfalls eine geringe Rolle in der Stellaren Ökologie: weil der Mensch sich durch seine ultimative Freiheit, sich immer zwischen Leben und Tod entscheiden zu können, nicht nur allen gesellschaftlichen sondern auch allen natürlichen Zwängen entziehen kann.

Der Existentialismus Jaspers

Letztere Gedanken führen uns über Sören Kierkegaards radikalen Analyse der menschlichen Existenz in augenblicklichen Entscheidungssituationen zu Karl Jaspers Abhandlungen zum Verhalten des Menschen in Grenzsituationen. Jaspers und seine jüdische Ehefrau hatten immer geeignete Medikamente bei sich, um einer möglichen Deportation durch die rassistischen Nazi-Schergen entgehen zu können. Nur der Einmarsch der Amerikaner 1945 rettete ihr Leben. Doch nie hätten sie ihre Freiheit verloren. Für Jaspers war die vernünftige gesellschaftliche Entwicklung in eine demokratische Kultur und Zivilisation letztendlich auf die einzelnen Individuen angewiesen: ihre Standhaftigkeit und ihr Mut auch in lebensgefährdenden Situationen Menschenwürde zu wahren und moralisch motivierten überdurchschnittlichen Einsatz zu zeigen. Der Mensch ist nur im Angesicht des Todes authentisch. Die Stellare Ökologie argumentiert an vielen Stellen wie Karl Jaspers, was nicht daran liegt, das der Autor Karl Jaspers gelesen hätte, sondern selbst Erfahrungen von menschlichen Grenzsituationen und der daraus hervor wachsenden Handlungsfreiheit und geistigen Freiheit in jungen Jahren selbst erfuhr. Letztendlich kann nur der Mensch, der sich seiner Endlichkeit stellt, daraus als Mensch hervor gehen.

Überwindung der Absurdität des Lebens

Sartres negative Dialektik, die trotz aller akzentuierten Freiheit und Autonomie der menschlichen Existenz aus der Konfrontation mit ihrer Endlichkeit vor allem deren Absurdität hervorhebt und damit Kiergegards und Heideggers „Geworfenheit“ in das Leben in Tod, Angst und Schuld hervorhebt, ist in der Stellaren Ökologie nicht zu finden. Camus ging sogar noch einen Schritt weiter und sagte das die Absurdität des menschlichen Lebens gerade dem Verlangen nach Sinn entstammen würde, das immer wieder nur enttäuscht würde. Daher müsse sich der Mensch mit seinem Suizid konfrontiert sehen, da sein Leben ja offensichtlich sinnlos sei. Wer aber in den Suizid flüchte, wäre nur ein schlechter Verlierer, da er die faktische Sinnlosigkeit des Lebens nicht ertragen würde. Die Stellare Ökologie überwindet Camus existentialistischen Gedankengang der Absurdität, weil sie eine überprüfbare Antwort zum Sinn menschlichen Lebens liefert. Sollte die Prüfung sich als falsch herausstellen, bleibt uns aber immerhin wenigstens Camus‘ ‚Le Mythe de Sisyphe‘..

Differenzierung der Sinnfragen

Kann eine Theorie, die den Sinn menschlichen Lebens zu erklären beansprucht, überhaupt wissenschaftlich sein? Einige bekannte Philosophen des 20. Jahrhunderts haben den Sinn menschlicher Existenz mit dem Sinn des Lebens per se gleichgesetzt. Wenn sie dann in ihren philosophischen Gedankengebäuden bewiesen, dass ein Sinn des Lebens nicht nachweisbar und zu einem logischen Zirkelschluss führen würde, schlossen sie damit implizit auf die Sinnlosigkeit menschlichen Lebens. Ihre Gedanken wurden populär, auch wenn sie falsch sind. Schlimm nur, dass solche Gedanken, Teil des gesellschaftlichen Wissens wurden, und daher heute kaum hinterfragt werden. Camus hatte Recht, das eine Kiergegaard’sche Flucht in die Religion, nur eine Notlösung darstellt. Die Stellare Ökologie stellt einen dritten Weg vor: Wir kennen zwar nicht den Sinn des Lebens, jedoch können wir – als Menschheit – unseren eigenen Sinn in der Welt durchaus erkennen (und wissenschaftlich beweisen), selbst dann wenn wir ausschließlich einem höheren universellen Prinzip des Lebens dienten, dessen Sinn (der Sinn des Lebens an sich) wir nicht kennen. Unser Sinn ist völlig unabhängig von einem Sinn des Phänomens Lebens im Universum, wie auch von einem Sinn der Welt – einem Sinn des Alls. Dies wird besonders deutlich, wenn wir für uns eine von der Natur gegebene, klar definierte Aufgabenstellung erkennen und wissenschaftlich beweisen können. Und das ist in der Tat so: mit Hilfe empirischer Methoden und ein wenig Logik können unsere gegebene Aufgabe klar identifizieren. Wenn wir dann auch nicht wissen, warum es diese Aufgabenstellung gibt, und von wo oder was oder wem sie kommt, so wissen wir, wenn wir eine Aufgabe klar identifizieren können, danach wenigstens, warum es uns gibt: zur Erfüllung dieser Aufgabe. Damit erkennen wir mit wissenschaftlichen Methoden den Sinn menschlicher Existenz in der Biologie unabhängig von einem höheren Sinn des Lebens oder einem Sinn der Welt.

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