Maschinenbegriffe

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Maschine zur Gewinnung elektrischer Energie aus atomaren Explosionen

Es folgen einige Definitionen, Beschreibungen, Theorien, Erkenntnisse und Überlegungen zum Maschinenbegriff. Sie sollen als Diskussionsgrundlage dienen und mit der Zeit weiter ausgebaut werden.

Machaná

Das Wort ‚Maschine‘ leitet sich vom Wort ‚Machaná‘ ab, das dem altgriechischen dorischen Dialekt entstammt.

Machaná (dorisch) = List, Mittel, Vorrichtung

Werkzeug – Maschine – Automat

Wie unterscheidet man Werkzeuge, Maschinen und Automaten? Wo ist der Übergang zwischen Werkzeug und Maschine und wo der Übergang zwischen Maschine und Automat?

Was ist das Merkmal eines Werkzeuges?

  • Die populäre Definition eines Werkzeuges ist die eines Dings zu Verlängerung/Verstärkung von menschlichen Muskeln. Diese Definition ist auch bei Marx und Deleuze/Guattari zu finden.
  • Ein Werkzeug ist im Gegenteil zu Maschinen und Automaten immer von geringer Komplexität.
  • Das Verfahren oder die List liegt beim Werkzeug zum größten Teil beim Menschen. Nur ein kleiner Teil von Verfahrens/List manifestiert sich in der speziellen Form des Werkzeugs.

Kann ein Werkzeug auch ein Mechanismus zur Verlängerung/Verstärkung des Hirns seins? Hier wären vielleicht der Abakus, der Rechenschieber und der Sextant als klassische Beispiele einfacher Werkzeuge zu benennen. Aber ist in deren technischen Weiterführungen zum Beispiel bei Taschenrechnern oder gar bei modernen Navigationscomputern noch von Werkzeugen zu reden? Und waren diese ursprünglichen einfachen Werkzeuge nicht vielmehr die Verlängerung/Multiplikation der menschlichen Finger zum Abzählen und zum Zeigen als eine Verlängerung/Vertärkung des Gehirns?

Gerne wird Computersoftware ebenfalls als ‚Werkzeug‘ bezeichnet. Eigentlich übersteigen solche ‚Werkzeuge‘ wie Software und Computer (Rechenmaschinen) bei weitem die Komplexität klassischer Maschinen und Automaten, daher ist diese Bezeichnung des ‚Gehirnverstärkungs-Werkzeugs‘, wenn auch als Analogon zur Muskelverstärkung zwar eindimensional logisch richtig gedacht, aber im Kontext einer umfassenden Maschinentheorie äußerst problematisch.

Was ist das Merkmal einer Maschine?

  • Maschine manifestiert in Form von in Materie geformter List ein Verfahren, einen Prozess (dorisches Wort ‚Machaná‘, Christian Wulff, Marx, Deleuze)
  • Die Maschine dient vornehmlich der Gütererstellung, sie ist wie das Werkzeug ein Produktionsmittel (Marx).
  • Der Mensch wird zur Aufrechterhaltung des laufenden Arbeitsprozesses der Maschine benötigt.
  • Der Mensch ist Teil eines bis ins Detail geplanten Gütererstellungs-Prozesses, und wird damit zum lebenden Teil eines Produktionsmechanismus (Taylor).
  • Ein solcher Produktionsmechanismus hat selbst wiederum einen Maschinencharakter (Marx, sog. „Fragment über Maschinen“). Die gesamte Maschine funktioniert um so besser, um so mehr der Mensch selbst spezialisiertes lebendes Maschinenteil wird (Fordismus).
  • Eine Maschine ist grundsätzlich vielfach komplexer als ein (klassisches) Werkzeug.
  • Die häufig übliche Benennung von Computern oder Computersoftware als ‚Werkzeug‘ unterminiert diese Einteilung von Werkzeug, Maschine und Automat nach Komplexität aber.

Was ist das Merkmal eines Automaten?

  • der Mensch wird NICHT benoetigt, um den laufenden Arbeitsprozess des Automaten aufrechtzuerhalten
  • wird der Mensch im Arbeitsprozess zum größten Teil nicht benötigt und nur noch an einigen wenigen Stellen, spricht man von einem ‚Halbautomaten‘
  • der Mensch wird aber zur Entwicklung / Wartung / Instandsetzung / Reparatur des Automaten ebenso wie bei der Maschine gebraucht
  • Bei programmierbaren Automaten kommt die menschliche Tätigkeit der Programmierung hinzu, die es bei reinen Maschinen nicht gibt. Diese Programmierung kann ungeheure Komplexität erreichen.
  • Oft wird sehr komplexe Programmierung von weiteren Automaten übernommen, die dazu programmiert werden. Diese Automaten müssen keinen körperliche Existenz besitzen und können selbst rein virtuelle Software sein, z.B. Assembler, Linker, Compiler, CASE-‚Tools‘ (computer aided software engineering), Autosar, UML.
  • ein Automat ist grundsätzlich komplexer als eine Maschine, insbesondere wenn er frei programmierbar ist

Apparat, Mechanismus, Gerät, Instrument

Wo sind die Begriffe Apparat, Mechanismus, Gerät und Instrument einzuordnen?

Ein Apparat meint meist entweder eine kleine Maschine oder einen tragbaren Halbautomaten.

  • Der klassische Photoapparat wäre das beste Beispiel für die Bezeichnung eines tragbaren Halbautomaten als ‚Apparat‘.
  • Der Begriff impliziert Komplexität, wird daher meist NICHT für einfache Werkzeuge wie Hammer, Axt oder Stemmeisen genutzt.
  • Das Wort Apparat hebt besonders die Kleinheit einer komplizierten Maschine oder eines – von Natur aus komplizierten – (Halb-)Automaten hervor.
  • Das Wort Apparat wird meist für ursprünglich mechanische kleine Maschinen oder kleine Halbautomaten benutzt

Ein Mechanismus meint entweder das komplexe Innenleben eines Dings oder sogar eine ganz und gar abstrakte Komplexität.

  • Ursprünglich war ein Mechanismus ein (oft verborgenes) mechanisches Innenleben von höherer Komplexität
  • Mechanismus wird heute als Synonym für komplexe Maschinen oder Automaten genutzt, selbst wenn diese keine mechanischen Teile besitzen.
  • Der Begriff impliziert in jedem Fall Komplexität, wird daher meist nicht für einfache Werkzeuge genutzt.
  • Mechanismus meint gleichermaßen das Innenleben eines Geräts, Apparats oder Instruments und einer Maschine oder eines Automaten.
  • Mit einem Mechanismus können auch komplexe Prozessabläufe gemeint sein, die sich erst einmal überhaupt nicht in irgend einer körperlichen Form manifestieren, sondern rein abstrakt existieren.
  • Das Wort Mechanismus betont die Komplexität.

Ein Gerät meint meist eine kleine Maschine oder ein Ding irgendwo zwischen einfachem Werkzeug und Maschine.

  • Oft als Synonym zum Apparat gebraucht.
  • Oft als Synonym für kompliziertere Werkzeuge (z.B. Bohrschrauber), selten für einfache Werkzeuge benutzt (z.B. Stemmeisen)
  • Oft werden elektrische oder elektronische Mechanismen als Gerät bezeichnet, z.B. Radiogerät, Funkgerät, Plattenspieler, Fernsehgerät, Küchengerät
  • Es kann aber auch als Synonym für Maschinen (z.B. Baustellengerät) oder Automaten (z.B. Navigationsgerät) stehen.
  • Das Wort wird meist eher für ursprünglich elektrische kleine Maschinen oder Werkzeuge gebraucht
  • Ein Gerät ist logisch eher schlecht einzuordnen und der etymologische Aspekt der begrifflichen Einordnung dominiert.

Ein Instrument ist meist ein Ding zwischen Werkzeug und Maschine von hoher Präzision, kann aber auch ein Automat sein.

  • Ein Instrument kann auch ein Apparat oder ein Gerät sein.
  • Nur ein ein Mechanismus wird nie als Instrument bezeichnet.
  • Der Name impliziert meist einen ausgeprägten sensorischen und präzisen Charakter
  • Oft ist ein Instrument ein Messgerät.
  • Wenn ein Instrument kein Messgerät ist, dann handelt es sich meist um ein präzises Ding zur wissenschaftlichen oder technischen Arbeit.
  • Ein Instrument hat oft einen feinmechanischen oder elektronischen Charakter.
  • Es kann aber auch ein einfaches Präzisionswerkzeug sein wie zum Beispiel ein Skalpell.

Werkzeug & Mensch – Maschinen

Einfache Werkzeuge werden in Verbindung mit dem Menschen oft zu komplexen Werkzeug & Mensch-Maschinen:

  • Musikinstrument & Musiker, z.B. Violine & Geiger
  • Sportgerät & Sportler, z.B. Fahrrad & Fahrer
  • Werkzeug & Handwerker, z.B. Hammer & Kunstschmied
  • etc.

Tänzer, Akrobaten, Pantomimen und Bodenturner zeigen, dass der menschliche Körper durch immer währendes Training bestimmter Bewegungsabläufe für sich und insbesondere im Zusammenspiel mit anderen bereits zur perfekten Maschine werden kann. Jedoch gibt es in Verbindung mit einfachen Werkzeugen noch wesentlich mehr Möglichkeiten der Kommunikation zwischen Menschen und zwischen Mensch und Umwelt (z.B. alleine Fahrradfahren in der Natur).

Theatermaschine

Für das altgriechische Theater bauten Menschen die ersten Maschinen der Welt. Es waren die Gottesmaschinen, die den Gott in die Handlung herabschweben ließen:

  • Das ‚Deus ex Machina‘, oder griechisch ‚Theòs epì mechanés‘ meint die Auflösung komplex verstrickter Handlungen am Ende eines Dramas durch einen vom Himmel herab steigenden Gott.
  • Aischylos, Sophokles, Euripides waren griechische Dramatiker, die den Deus ex Machina in früher intensiver, spaeter nur noch in einer Meta-Handlung einsetzten.

Theateroktober: Meyerhold-Theater und Erstes Moskauer Arbeitertheater mit der Methode der Biomechanik:

  • Meyerhold entwickelte seine Methode der Biomechanik (Meyerholds Pseudo-Taylorismus) aus der Comedia dell’arte sowie dem russischen Balagan Zirkus-Genre.
  • Meyerholds Maschine war der Körper der Schauspieler.
  • Die Schauspieler wurden durch das Drehbuch biomechanisch so programmiert, dass sich im Laufe der Handlung eine artistische Fortbewegung von Körpern und Dingen ergab

Sergej Tretjakows ‚Theater der Attraktionen‘ und besonders sein Stück ‚Gasmasken‘:

  • Sein Stück ‚Gasmasken‘ wurde einer Meldung der Prawda um 1923 entnommen, wonach Arbeiter eines Gaswerks im Ural abwechselnd ein gefährliches Leck abdichteten, indem jeder 3 Minuten Vergiftungen in Kauf nahm.
  • Tretjakows ‚Gasmasken‘ war in der frühen Sowjetunion ein großer Erfolg. Es traf den Nerv der Zeit.
  • Dieses populäre Stück und seine reale Vorlage waren wohl der Urplot zu den Massnahmen in Tschernobyl, wo Soldaten 1986 in einer Menschenkette hintereinander für kurze Zeit radioaktive Verstrahlung in Kauf nahmen, um den Reaktorkern abzusichern. Es handelte sich um eine menschliche Aufräummaschine.
  • Man kann wohl davon ausgehen, dass die Bekanntheit dieser Idee der menschlichen Aufräummaschine in Tretjakows ‚Gasmasken‘ letztendlich großen Teilen der Bevölkerung Kiews 1986 Gesundheit und Leben rettete.

Majakowskis ‚Mysterium buffo‘ ist ein futuristisches Theaterstueck.

Sergej Eisensteins Maschinisches Theater:

  • Eisensteins programmierbare Maschine war das Publikum.
  • Die Stücke waren auf maximale Einbeziehung und Interaktion mit dem Publikum zugeschnitten.
  • Dies führte bei einigen Aufführungen zu teilweise gewollten und ungewollten tumultartigen Aufständen bis hin zu Straßenzügen und Demolierungen

Auch: Welimir Chlebnikow, Alexej Krutschomych, Cabaret Voltaire, Heartfield, Grosz, Rodtschenko, das Pariser Theater ‚Grand Guignol‘, Walter Benjamins ‚Zur Kritik der Gewalt‘

Useless Machine

Die Unsinnsmaschine als philosophisches Sezierobjekt.

  • Die ‚useless machine‘ oder ’senseless machine‘, die im angelsächsischen Raum verbreitet ist, stellt mit ihrer Sinnlosigkeit oder ihrer Emanzipation von der Nützlichkeit die Maschinenbegriffe besonders gut heraus.
  • Sie beweist, dass auch die komplizierteste Maschine durchaus keinem Zweck und keinem Nutzen dienen muss, und sie nur einem reinen Selbstzweck genuegen kann.
  • Berühmtes Beispiel: das Tamagotchi, ein kommerzielles Elektronikgerät aus Japan, das keinem Sinn und Zweck diente aber trotzdem ein Verkaufsschlager war
  • Heutiges Beispiel: das Smartphone, das den größten Teil der Zeit als als sinnfreie ‚Fingerspielerei‘ genutzt wird, wie früher Zigaretten oder klassische ‚Handschmeichler‘.
  • Useless machines werden oft als Kritik am Digitalen Zeitalter aufgefasst, da der Großteil der digitalen Dinge eigentlich nicht benötigt wird.

Rechenmaschine (engl. Computer)

Geschichte der Rechenmaschinen

  • Mechanische Rechenmaschinen seit ca. 70 v. Chr. (Mechanismus von Antikythera).
  • Davon unabhängige Neuerfindung der mechanischen Rechenmaschinen ca. 1645 (Pascaline von Blaise Pascal)
  • Elektromechanische vollautomatische Rechenmaschinen (Elektromotoren, Relais) seit ca. 1927
  • Elektronische Rechenmaschinen mit Vakuum-Röhren seit 1946 (ENIAC).
  • IBM verkaufte die mit Vakuum-Röhren ausgestattete IBM650 zwischen 1953 und 1962 über 2000 mal. Die Speicher der mechanischen und elektromechanischen Rechenmaschinen waren durchweg noch nichtflüchtig. Seit den Vakuum-Röhren, die ihre Information nur im Betrieb hielten, brauchte man zusätzliche nichtflüchtige Speicher. Typische nichtflüchtige Speicher waren in den Fünfzigerjahren die Magnettrommeln (vom Prinzip ähnlich der späteren Festplatten).
  • Erste kommerzielle Transistor-Rechner seit 1959 (Olivetti Elea 9003).
  • IBM verkaufte seinen ersten Transistor-Rechner IBM7070 seit 1960.
  • Das berühmte System/360 von IBM wurde seit 1964 verkauft. Das System/370 seit 1970. Nichtflüchtige Speicher waren erst Magnetkernspeicher, später Festplatten.
  • Rechner Zentraleinheiten auf Silizium-Mikrochips seit 1971 (Intel 4004). Spätere Baureihen des System/370 besaßen Mikrochips als CPU.
  • Die DEC PDP-11 war der meistgebaute Minicomputer der 1970er Jahre mit Silizium-Mikrochips. Die Heimcomputer der späten 1970er und frühen 1980er besaßen ebenso bereits Silizium-Mikrochips.
  • 1990 führte IBM sein System/390 ein, das teilweise bis heute noch in Betrieb ist, und später von der zSeries (64bit) seit 2000 abgelöst wurde.
  • ‚Nanometer‘-Chips mit kleinsten Strukturgroessen von 45 Nanometern seit 2007 (Intel Core 2 Duo), seit 2010 Intel Core i7 Sandy Bridge mit 32 Nanometern, seit 2012 Intel Core i7 Ivy Bridge mit 22 Nanometern, seit 2015 Intel Skylake Architektur mit 14 Nanometern.

Rechenmaschinen waren bis 1927 Apparate, Geräte oder Mechanismen ab 1927 wurden sie mit den ersten vollautomatischen elektromechanischen Mechanismen zu Automaten. Wenn man von Computern spricht meint man meist frei programmierbare Automaten.

Der Computer ist sozusagen der erste frei programmierbare Automat, auf dem beliebig komplexe Software laufen kann, sofern Syntax, Speicherort und -größe und sonstige Fehlerfreiheit (z.B. Endlosschleifen) eingehalten werden. Erst wurde er zu reinen Rechenzwecken eingesetzt, später auch zur Steuerung von Anlagen und Produktionsprozessen. Heute steuern Computer fast jede Art von Maschine und transformieren damit alle Maschinen nach und nach zu Automaten. Der Computer kann Motoren ansteuern oder Sensoren auswerten und wird damit zum universellen Steuer- und Regelgerät.

Es existiert ein universeller mathematischer Beweis, dass es letztendlich kein absolut fehlerfreies Programm geben kann. (Abschnitt 4 in https://monstermaschine.wordpress.com/2017/06/05/how-to-create-a-universe/). Alan Turing hat dabei bewiesen, dass es (selbst auf einer perfekten Maschine – bei unperfekten sowieso) nicht möglich ist, im Vorhinein zu berechnen, ob das Programm jemals in eine Endlosschleife kommen wird oder nicht. Das bedeutet es bedarf bei jedem Programm immer eines Operators, der das Programm im Notfall zurück setzen kann. Wenn das Universum also eine Maschine wäre, bedürfte es in jedem Fall eines Wartungsteams, mindestens eines Wesens, die es jederzeit ‚reseten‘ könnte, wenn es sich ‚aufhinge‘. Soviel zum Thema Atheismus in diesem Artikel 😉

Auch: Programmrechner, Universalrechner, Turing-Architektur, Harvard-Architektur, Prozessor, Turingmaschine, Emulator, Virtueller Speicher, Virtuelle Maschinen (s.u.).

Virtuelle Maschine

Eine virtuelle (Rechen-)Maschine ist eine Rechenmaschine (Computer), die selbst nur aus reiner Software besteht. Die (Anwendungs-)Software, die auf der virtuellen Maschine läuft, kann keinen Unterschied zu einer realen Maschine feststellen (oder anders gesagt: läuft in keinen Fehlerzustand) und wird in der virtuellen Maschine ebenso gut abgearbeitet wie in der realen Maschine. Der Prozessor, die Register, der Akkumulator, die Busse, die Speicher, der gesamte Aufbau des Computers ist in der virtuellen Maschine als Programm abgebildet. Jeder Arbeitsschritt in dieser Software entspricht aber exakt dem, was die Hardware in der realen Maschine mit dem Programm getan hätte, um es auszuwerten. Deshalb bemerkt das Programm keinen Unterschied.

Nach Deleuze und Guattari im ‚Anti-Oedipus‘ (Strukturalisten) gilt: Maschine in der Bedeutung der antiken Machina ist Kommunikationsfaktor. Werkzeug (in seiner nicht-maschinischen Form) eine kommunikationslose Verlängerung (Prothese, Verstärkung, Beschleunigung). Die virtuelle Maschine als virtueller Computer ohne real existierende Maschinenteile zeigt dies sehr schoen: ihr Prozessor, all ihre weiteren Maschinenteile sind reine Ideen, eine Ansammlung von Algorithmen, die in einer beliebigen Programmiersprache umgesetzt wurden, aber außer als Kommunikationsfaktor nicht existieren, denn die virtuelle Maschine selbst existiert ja ebenso nicht und ist selbst nur Kommunikationsfaktor auf einer anderen Maschine.

Die virtuelle Maschine läuft als Client-Maschine auf einer Host-Maschine (Host von engl. Gastgeber). Die Host-Maschine kann entweder eine reale Rechenmaschine sein oder wiederum eine virtuelle Maschine. Beliebige Verschachtelungstiefen sind denkbar, die aber von der Rechenkapazität der als Basis dienenden realen Rechenmaschine limitiert werden.

Software, Algorithmen und Zustandsmaschinen

Software für sich ist keine Maschine, kann aber vielerlei Mechanismen oder Maschinen bilden. Eingebettete Zustandsmaschinen/Zustandsautomaten sind das bekannteste Beispiel.

Solche Zustandsmaschinen sind relativ einfache Algorithmen, die nur unter klar definierten Übergangsbedingungen von einem Zustand in den anderen springen. In der Mechanik wären sie vielleicht mit einem komplizierten Schaltgetriebe vergleichbar, welches das hoch- und runterschalten nur unter bestimmten Bedingungen zulässt. Eingebettete Zustandsmaschinen können als Software aber noch wesentlich komplexer als das komplizierteste mechanische Getriebe werden und dabei jederzeit veränderbar und immer noch beherrschbar bleiben. Sie werden genutzt, um ein sauberes, determinierbares Verhalten einer Software zu erhalten (das Gegenteil vom Spaghetti-Code sozusagen).

Ansonsten ist Software erst mal nur eine beliebige Liste von Instruktionen für programmierbare Maschinen (Automaten) und für sich selbst (ohne eine in SW geschriebene Maschinenalgorithmik) weder ein einfacher Mechanismus noch eine Maschine. Die Maschine kann sich nur als Idee durch die Software im Prozessor als Informationsverarbeitung manifestieren. Nur in Form der virtuellen Maschine und deren virtuellem Prozessor (der meist aus vielen Zustandsmaschinen besteht) wird Software wiederum selbst zum freiprogrammierbaren Automaten.

Protokolle und Netzwerkprotokolle

Das klassische Protokoll ist eine Art temporärer Prozess-Beschreibung, der sich beispielsweise auf eine Großveranstaltung bezieht. Zum Beispiel bedarf der Empfang der Staatsgäste so vieler Maßnahmen, Absicherungen, Vorbereitungen, Alternativlösungen, dass die Komplexität nur noch beherrschbar bleibt, wenn alles nach einem Protokoll abläuft. Dann wird das geschriebene Protokoll zur Software und die Teilnehmer zu einem verteilten System von einfachen Informationsverarbeitern, die sich nach diesem Protokoll verhalten. Zusammen ergeben sie die programmierte komplexe Maschine Großveranstaltung.

Netwerkprotokolle, die gerne auch als Mechanismen, also als Maschinen betrachtet werden, sind eigentlich komplexe Zustandsautomaten, die klar definiert von einem Zustand in den nächsten springen und so den Verkehr auf den Datennetzwerken regeln. Sie sind wie das klassische Protokoll niedergeschrieben, diesmal in Software. Jedoch meint das Netzwerkprotokoll mehr das Ergebnis, die Protokollmaschine und weniger die Programmierung, wie das klassische Protokoll. Man könnte sie mit Ampelanlagen auf Straßenkreuzungen vergleichen, nur gehen wesentlich mehr Parameter zum Umschalten der Zustände ein (bei einfachsten Ampeln ist es allein die Zeit) und es gibt bei Netzwerkprotokollen meist mehr als vier Zustände (rot, rot & gelb, grün, gelb). Manche Netzwerkprotokolle erreichen durchaus die Komplexität einfacher Prozessoren.

 

Fahrzeug

Vom einfachen Werkzeug (Hochrad) bis zum komplexesten Automaten aller Zeiten (die Autobahn-Selbstfahrassistenten von z.B. Tesla Model S, Mercedes Benz E-Klasse).

Motorrad heißt auf Italienisch ‚Machina‘.

Lastkraftwagen, stammt vom mit Hilfe von Ochsen gezogenen Wagen ab.

Das Automobil hat einen Maschinencharakter (der Motor), wie auch einen Werkzeugcharakter (Kraft- und Geschwindigkeitsverstärker)

Die Maschinentheorie Deleuzes / Guattaris angewandt auf das Automobil:

  • In der Maschinentheorie Deleuzes und Guattaris waere das einzelne Automobil für sich in seiner ursprünglichen Form bis ca. 1970 eher ein kommunikationsarmes Werkzeug also ein Kraftverstärker, eine Prothese.
  • Der moderne Automobilverkehr in den Großstädten ab 1970 wäre aus ihrer Sicht aber eine typische Maschine, denn er besitzt einen hervorstechenden Kommunikationscharakter.

Aber der Mensch kann zusammen mit dem Automobil, wenn er eine ‚Fahrkunst‘ entwickelt, also ein ausgeprägtes fahrerisches Können, in dieser gegenseitigen Kommunikation von Straße, Reifen, Kupplung, Motor und Mensch wohl eine Fahrmaschine im Sinne Deleuzes / Guattaris werden. In Anlehnung an die Fahrradmaschinen in Flann O’Briens ‚Der dritte Polizist‘. Findet diese Kommunikation nicht mehr statt, z.B. im pilotierten oder autonomen Fahren, verschwindet der Maschinencharakter von Mensch und Automobil wieder und das Fahr-Zeug wird zum Fahr-Automaten.

Hebegerät

Hebegeräte sind die ältesten Maschinen überhaupt. Die klassischen Kriegsmaschinen waren anfangs allesamt Hebegeräte. Die Gottesmaschine im Theater für das Deus Ex Machina war ebenso ein Hebegerät.

  • Pumpe
  • Kran (Baumaschinen)
  • Klassische Kriegsmaschinen
  • Gottesmaschine im Theater

Musikmaschine

Musikmaschinen waren im Laufe der Zeit zum Beispiel:

  • Spieluhr
  • Leierkasten
  • Drumcomputer, z.B. Roland TR-808
  • ‚Marble-Machine‘ von Wintergatan

Roboter

Sind Roboter notwendigerweise Automaten? Manipulatoren sind oft keine Automaten und doch werden sie oft als Roboter bezeichnet. Diese Manipulatoren werden dann ferngesteuert. Ein Manipulator, der programmgesteuert ist, also ein Automat oder ein Halbautomat ist, kann als Roboter bezeichnet werden.

Verschiedene Arten von Robotern nach Tätigkeitsfeld eingeteilt:

  • Fertigungsroboter
  • Handlingroboter
  • Serviceroboter
  • Security-Roboter
  • Gehmaschinen (Logistik-Roboter)
  • Autonome Autos (Fahrroboter)
  • Kampfroboter

Roboter sind entweder mobile Automaten oder imitieren menschliche Körperteile, die zur Arbeit genutzt werden, wie Hände und Arme oder die Beine.

Antriebsmaschine

Antriebsmaschinen können zum Beispiel nach ihrer Energiequelle eingeteilt werden:

  • Wind (Segelschiffe, Mühlen)
  • Wasser (Mühlen)
  • Menschlicher Antrieb (Fahrrad, Rikscha, Göpel, Wellrad)
  • Tierischer Antrieb (Fuhrwerk, Göpel, Wellrad)
  • Schwerkraftantrieb (Uhrgewicht)
  • Federantrieb (Uhrwerk)
  • Heißdampf (Dampfmaschine, Dampfturbine)
  • Elektrizität (Elektromotoren)
  • Erdöl (Otto-, Diesel-, Wankel-Motoren, Gasturbinen, Raketen)

Produktionsmaschinen

Die Produktionsmaschine als mechanischer Mechanismus beinhaltet nach Marx menschliches Vorwissen in ‚eingefrorener‘ Form und die Maschine entsteht nach Marx in der Symbiose von ‚wissendem‘ (damals noch rein mechanischem) Mechanismus und ‚unwissendem‘ Bediener.

Beispiel Drehmaschine: Nur der ausgebildete, langgeübte Handwerker der Antike war in der Lage, gute und gleichmäßige Wellen aus Metall nach Plan zu drehen. Mit der modernen Drehmaschine und ihren Schlitten wurde diese Erfahrung in der Maschine in einem einfachen Mechanismus ‚eingefroren‘ und auf einmal konnten fast alle (außer völlig unbegabte) gute und gleichmäßige Wellen aus Metall nach Plan drehen.

Marx erweiterte diese Umsetzung ‚eingefrorenen Wissens‘ von der Produktionsmaschine auf den gesamten Produktionsprozess (darin zum Beispiel das Zeichnen der Pläne und das Beschaffen von Material enthalten):

Kapitalistischer Produktionsprozess von Gütern

Nicht nur der mechanische Mechanismus (die Produktionsmaschine), sondern auch und insbesondere der Mechanismus des gesamten Arbeitsprozesses beinhalten menschliches Vorwissen in ‚eingefrorener‘ Form und die Maschine entsteht in der Symbiose von ‚wissendem‘ Prozess und ‚unwissendem‘ Anwender.

  • Der Bediener des Mechanismus muss daher nicht selber über dieses Vorwissen verfügen.
  • Der Bediener des Mechanismus muss sich nur an einen vorgefertigten Prozessablauf halten.
  • Mechanismus (= Arbeitsprozess) und Mensch ergeben zusammen die typische Produktionsmaschine.
  • Heutige Expertensysteme, die gerne als Künstliche Intelligenz eingestuft werden, sind ebenfalls typische Maschinen im Marx’schen Sinne, denn sie ‚frieren ein‘, ja komprimieren geradezu über Jahrzehnte angeeignetes Expertenwissen in Datenbanken und machen dies schnell verfügbar.
  • Im Umkehrschluss müsste die ersten Produktionsprozesse im 19. Jahrhundert als erste freigesetzte künstliche Intelligenz betrachtet werden.
  • Der Preis der Einführung des Produktionsprozesses ist seine Stasis und damit das Wegfallen der Möglichkeit schneller Änderung und die grundsätzliche Unterdrückung des Kreativen (= Fehlerquelle).

Taylorismus (Prozesssteuerung von Arbeitsabläufen):

  • ursprünglich in der Produktion eingeführt
  • seit ca. 1995 auch global in der industriellen Produktentwicklung
  • solche Prozesse in der industriellen Entwicklung sind teilweise normiert (z.B., Spice, ASpice, CMMI, VDA), damit Kunden sie bereits bei der Zuliefererauswahl bewerten können, d.h. die Qualitäten der ‚Entwicklungsmaschinen‘ der Zulieferer numerisch vergleichen können
  • seit ca. 2010 gibt es Prozesse auch in der Ausbildung an den Universitäten zur numerischen Bewertung der Qualität von deren ‚Ausbildungsmaschinen‘.

Fordismus (stark standardisierte Massenproduktion):

  • Zerlegung und Staffelung von Arbeit in viele kleine Einzeltätigkeiten.
  • Durch Standardisierung und Qualitätskontrolle wird Staffelung (Modularisierung) ermöglicht, die einen leichten Austausch unterschiedlicher Module ermöglicht.
  • Austauschbare Module können Maschinen gegen billigere Maschinen sein, oder Arbeiter gegen billigere Arbeiter, Arbeiter gegen billigere Maschinen, Maschinen gegen billigere Arbeiter oder Zulieferer von Teilprodukten gegen billigere Zulieferer dieser Teilprodukte.
  • Immer dann, wenn Diskussionen von Austausch von Teilbereichen aufgrund höherer Wirtschaftlichkeit überhaupt geführt werden können, ist der Fordismus bereits (meist unbemerkt) eingeführt worden.

 

System

Der heutige, verallgemeinert System-Begriff in der Technik und darüber hinaus, meint nichts anderes als eine Maschine, die Tayloristisch einen programmierbaren Prozess durchläuft und Fordistisch aus austauschbaren Komponenten (Subsystemen) besteht.

Die Subsysteme müssen dabei global ein linear beschreibbares Verhalten zeigen (logarithmisch), damit sie beliebig gekoppelt werden können.

Die Regelung von einer oder mehrerer Rückkoppelungsschleifen können dabei mathematisch erfasst, prädiziert oder simuliert werden (Dynamik, Regelungstechnik).

Anlage

Eine Anlage ist ein Produktionsprozess, eine Maschine, die aus mehreren oder vielen einzelnen Produktionsmaschinen besteht, die größtenteils vollautomatisiert sind.

Die Anlage kann dynamisch rückgekoppelt sein oder statisch nicht-rückgekoppelt. Sie wird mit den Methoden der Systemtheorie beschrieben und ihr Verhalten ebenso vorausgesagt, was meist hervorragend funktioniert.

Ein Produktionsprozess, bei dem materielle Güter erstellt werden und der den Grad der vollständigen Automation (bis auf Wartung und Instandsetzung) erreicht, wird meist als Anlage bezeichnet. Wenn kompliziertere Automaten wie Roboter im Spiel sind, spricht man alternativ von Roboter-Straße, was nichts weiter als eine Anlage ist.

Rechtssystem

Gutes Beispiel einer typischen Maschine ist das Rechtsystem.

Rechtssystem = Rechtsmaschine

Die Gesetze entsprechen dem Mechanismus bei der Güterproduktion.

Der Mensch als Bediener (Jurist) wendet sie in einem logischen Prozessablauf an, muss aber nicht über das gesamte ‚eingefrorene‘ Vorwissen, das die Rechtsmaschine beinhaltet, verfügen. Der Jurist ist der Maschinist der Rechtsmaschine.

Das Rechtssystem als Maschine funktioniert nur, wenn die Gesetze ein bestimmtes Vorwissen über Zustände und eine bestimmte korrigierende Absicht als Ziel enthalten und darüber hinaus, wenn sich der Mensch als Bediener, so wie er es in einer juristischen Ausbildung lernt, prozessmäßig verhält.

Eine direkte Rückkoppelungsschleife ist nicht enthalten, wodurch das Rechtssystem über längere Zeit stabil bleibt, da die Gesetzgebung nicht innerhalb der einzelnen Prozesse direkt zurück wirkt und daher kein Regler eingebaut werden muss. Aus dieser Statik oder nicht vorhandenen Dynamik resultiert aber auch die oft als ungerecht und menschenfeindlich erlebte Rechtssprechung der Rechtsmaschine. Wenn die Mühlen einmal in Gang gesetzt wurden…

Staatsapparat als Maschine

Eine Übercodierung der Maschine zu einem Staatsapparat kam und kommt vor. Häufig sind es totalitäre Regime, die mit einer zentralistischen Machtausübung versuchen, ein Land mit Hilfe ihrer zentral gesteuerten Staatsmaschine unter Kontrolle zu bringen. Beispiele für den Versuch von Machtausübung mit Hilfe des Staates sind:

  • Stalins Russland
  • Hitler-Deutschland
  • DDR
  • Nordkorea
  • Tuerkei, etc.

Nach Deleuze und insbesondere nach Guattari kann eine solche Machtausübung durch eine Staatsmaschine nicht funktionieren, weil Maschine erstens ausgeprägten Kommunikationscharakter besitzt (der von Freiheit lebt) und zweitens ‚Identifizierung und Stratifizierung‘ flieht, wobei sie immer neue Formen der Verkettung von Singularitäten erfindet. Eine Staatsmaschine entwickelt also immer schnell ein unberechenbares Eigenleben, so dass sie den Machthabern früher oder später entgleiten muss.

Hinzu kommt, dass selbst in einem übermächtigen Staat, der Staatsapparat in einem Land immer nur einen gewissen Prozentsatz der Verteilung der Macht ausmachen kann. Alternativ zur Staatsmacht wird es voraussichtlich immer geben: das Nachtleben, darin enthalten illegales Glücksspiel, illegale Prostitution, illegale Bandenbildung, illegaler Waffenhandel; die zollfreien Zonen, diplomatische Immunität, Kirchenrecht, Begrenzung des Eingriffsbereichs durch Weite des Landes (= Anarchie, Selbstorganisation am äußersten Rand), Begrenzung des Eingriffsbereichs durch Komplexität (= Selbstorganisation des Molochs Weltstadt).

Maschinentheorien

Antike:

  • dorisch Machaná = List, Mittel, Vorrichtung
  • Plautus/Ennius: machina als Lehnwort aus dem Dorischen: List, Kunstgriff, Täuschung
  • Deutsches Wort ‚Erfindung‘ kommt dieser Ursprungsbedeutung am nächsten. Der ‚Erfinder‘ hat auch in der Tat immer den Ruf eines Verrückten, Unberechenbaren, Wahnsinnigen, manchmal auch eines Bösen.
  • Vitruv, römischer Architekt, Erbauer von Kriegsmaschinen unter Caesar und Augustus: „Maschine als Zusammenhalt (Kontinuum) und Verkettung von materiellen Komponenten. Hat höchste Vorzüge in der Bewegung von Lasten.“

Neuzeit:

  • Christian Wolff in seiner ‚Deutschen Metaphysik‘ von 1719: compositio et motus „Maschine ist ein zusammengesetztes Werk, dessen Bewegung in der Art der listigen Zusammenstellung gegründet ist.“
  • Leibniz Weltmaschine aus Singularitäten und Monaden
  • Karl Marx: Fragment ueber Maschinen in den ‚Grundrissen der Kritik der politischen Oekonomie‘ von 1857. 12. Kapitel des ‚Kapitals‘ ueber Werkzeuge. 13. Kapitel des ‚Kapitals‘ über Maschinen. Maschinen als von der menschlichen Hand geschaffene Organe des menschlichen Hirns, als vergegenstaendlichte Wissenskraft (MEW 42, 602)

Moderne:

  • Poststrukturalistische Maschinentheorie
  • Maschinenphantasien des Futurismus, Konstruktivismus, Surrealismus (Fritz Lang, H.R.Giger)
  • Norbert Wieners Kybernetik und Soziokybernetik
  • Systemtheorie
  • Italienischer Operaismus
  • Simondon und Canguilhems wissenschaftstheoretische Maschinentheorie
  • Anerkennung der Bedeutung der Technik fuer die Philosophie
  • Deleuze und Guattari im ‚Anti-Oedipus‘ (Strukturalisten): Maschine in der Bedeutung der antiken Machina ist Kommunikationsfaktor. Werkzeug (in seiner nicht-maschinischen Form) eine kommunikationslose Verlängerung, Prothese, Verstärkung, Beschleunigung.
  • Guattari: Werkzeug als ‚Proto-Maschine‘. Maschine als nicht-identitäres Begriffsgefäß für alles, was Identifizierung und Stratifizierung flieht. Maschine erfindet ständig neue Formen der Verkettung von Singularitäten.
  • Donna Haraways Cyborg Theorien und die Cyberfeministische Internationale

Waffen und Kriegsmaschinen

Erwähnungen von klassischen Kriegsmaschinen:

  • Peleoponesischer Krieg
  • Archimedes
  • Ennius berichtet über mauerbrechende Kriegsmaschinen
  • Vitruv

Waffen und Kriegsmaschinen, ob zu Lande zu Wasser und in der Luft, ob unter Wasser oder im Weltraum, haben besonders folgende Eigenschaften:

  • sie sind meist beweglich
  • ihr Ziel ist entweder menschliches Leben zu töten oder zu erschweren oder die Waffenproduktion des Gegners zu bremsen oder feindliches Territorium zu erreichen (was oft aber nicht immer mit dem Töten von Menschen verbunden ist)
  • sie nutzen oft die neuesten technischen Errungenschaften
  • ihre Nützlichkeit, Effizienz (= Schlagkraft) wird mit der Anzahl der Toten beim Feind pro Toten beim Anwender gleichgesetzt

Vernichtungsmaschinen

Vernichtungsmaschinen unterscheiden sich von anderen Kriegsmaschinen. Das Ziel der Vernichtungsmaschine ist die maximale Effizienz. Beispiele für Vernichtungsmaschinen sind:

  • Die ‚Endlösung‘ in Hitler-Deutschland als übergreifender Prozess, der die Vernichtungslager (s.u.) beinhaltete.
  • Die Flächenbombardements über Dresden und Köln.
  • Der Abwurf der Atombomben über Hiroshima und Nagasaki.
  • Die Kampfdrohnen und ihre globale Infrastruktur (z.B. das Internet).
  • Das Maschinengewehr, die erste teilautomatisierte Massenvernichtungswaffe der Geschichte (der Schütze muss noch zielen, vorhalten, nachladen, heiße Rohre austauschen).
  • Vernichtungslager wie Auschwitz oder Treblinka, wo ein maschinischer Prozess nach Taylorschen Prinzipien die Tötungsrate von Menschen mit unerwünschten Religionen, Nationalitäten, Rassen oder Behinderungen industriell maximieren sollte und durch den begeisterten Eifer stupider Befehlsempfänger (denn mehr bedurfte es nicht bei der ausgefeilten Arbeitsteilung durch die Planer) auch tat.
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