Maschinenbegriffe

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Maschine zur Gewinnung elektrischer Energie aus atomaren Explosionen

Es folgen einige Definitionen, Beschreibungen, Theorien, Erkenntnisse und Überlegungen zum Maschinenbegriff. Sie sollen als Diskussionsgrundlage dienen und mit der Zeit weiter ausgebaut werden.

Machaná

Das Wort ‚Maschine‘ leitet sich vom Wort ‚Machaná‘ ab, das dem altgriechischen dorischen Dialekt entstammt.

Machaná (dorisch) = List, Mittel, Vorrichtung

Werkzeug – Maschine – Automat

Wie unterscheidet man Werkzeuge, Maschinen und Automaten? Wo ist der Übergang zwischen Werkzeug und Maschine und wo der Übergang zwischen Maschine und Automat?

Was ist das Merkmal eines Werkzeuges?

  • Die populäre Definition eines Werkzeuges ist die eines Dings zu Verlängerung/Verstärkung von menschlichen Muskeln. Diese Definition ist auch bei Marx und Deleuze/Guattari zu finden.
  • Ein Werkzeug ist im Gegenteil zu Maschinen und Automaten immer von geringer Komplexität.
  • Das Verfahren oder die List liegt beim Werkzeug zum größten Teil beim Menschen. Nur ein kleiner Teil des Verfahrens / der List manifestiert sich in der speziellen Form des Werkzeugs.

Kann ein Werkzeug auch ein Mechanismus zur Verlängerung/Verstärkung des Hirns seins? Hier wären der Abakus, der Rechenschieber und der Sextant als klassische Beispiele einfacher Werkzeuge ganz richtig zu benennen. Aber ist in deren Weiterführung zum Beispiel ein Taschenrechner oder gar ein moderner Navigationscomputer noch ein Werkzeug? Und waren diese einfachen Werkzeuge nicht vielmehr die Verlängerung/Multiplikation der menschlichen Finger zum Abzählen und zum Zeigen?

Gerne wird Computersoftware ebenfalls als ‚Werkzeug‘ bezeichnet. Eigentlich übersteigen solche ‚Werkzeuge‘ wie Software und Computer (Rechenmaschinen) bei weitem die Komplexität klassischer Maschinen und Automaten, daher ist diese Bezeichnung des ‚Gehirnverstärkungs-Werkzeugs‘, wenn auch als Analogon zur Muskelverstärkung zwar eindimensional logisch richtig gedacht, aber im Kontext einer Maschinentheorie äußerst problematisch.

Was ist das Merkmal einer Maschine?

  • Maschine manifestiert in Form von in Materie geformter List ein Verfahren, einen Prozess (dorisches Wort ‚Machaná‘, Christian Wulff, Marx, Deleuze)
  • Die Maschine dient der vornehmlich der Gütererstellung, sie ist wie das Werkzeug ein Produktionsmittel (Marx).
  • Der Mensch wird zur Aufrechterhaltung des laufenden Arbeitsprozesses der Maschine benötigt.
  • Der Mensch ist Teil eines bis ins Detail geplanten Gütererstellungs-Prozesses, und wird damit zum lebenden Teil eines Produktionsmechanismus (Taylor).
  • Ein solcher Produktionsmechanismus hat selbst wiederum einen Maschinencharakter. Die gesamte Maschine funktioniert um so besser, um so mehr der Mensch selbst spezialisiertes lebendes Maschinenteil wird (Fordismus).
  • Eine Maschine ist grundsätzlich vielfach komplexer als ein (klassisches) Werkzeug.
  • Die häufig übliche Benennung von Computern oder Computersoftware als ‚Werkzeug‘ unterminiert diese Einteilung von Werkzeug, Maschine und Automat nach Komplexität aber.

Was ist das Merkmal eines Automaten?

  • der Mensch wird NICHT benoetigt, um den laufenden Arbeitsprozess des Automaten aufrechtzuerhalten
  • wird der Mensch im Arbeitsprozess zum größten Teil nicht benötigt und nur noch an einigen wenigen Stellen, spricht man von einem ‚Halbautomaten‘
  • der Mensch wird aber zur Entwicklung / Wartung / Instandsetzung / Reparatur des Automaten ebenso wie bei der Maschine gebraucht
  • Bei programmierbaren Automaten kommt die menschliche Tätigkeit der Programmierung hinzu, die es bei reinen Maschinen nicht gibt. Diese Programmierung kann ungeheure Komplexität erreichen.
  • Oft wird die komplexe Programmierung von weiteren Automaten übernommen, die dazu programmiert werden. Diese Automaten müssen keinen körperliche Existenz besitzen und können selbst rein virtuelle Software sein, z.B. Assembler, Linker, Compiler, CASE-‚Tools‘ (computer aided software engineering), Autosar, UML
  • ein Automat ist grundsätzlich komplexer als eine Maschine, insbesondere wenn er programmierbar ist

Apparat, Mechanismus, Gerät, Instrument

Wo sind die Begriffe Apparat, Mechanismus, Gerät und Instrument einzuordnen?

Ein Apparat meint meist entweder eine kleine Maschine oder einen kleinen Halbautomaten.

  • Der klassische Photoapparat wäre das beste Beispiel für die Bezeichnung eines kleinen Halbautomaten als ‚Apparat‘.
  • Der Begriff impliziert Komplexität, wird daher meist NICHT für einfache Werkzeuge wie Hammer, Axt oder Stemmeisen genutzt.
  • Das Wort Apparat hebt besonders die Kleinheit einer komplizierten Maschine oder eines – von Natur aus komplizierten – (Halb-)Automaten hervor.
  • Das Wort Apparat wird meist für ursprünglich mechanische kleine Maschinen oder kleine Halbautomaten benutzt

Ein Mechanismus meint meist das komplexe Innenleben eines Dings oder rein abstrakte Komplexität

  • Ursprünglich war ein Mechanismus ein mechanisches Ding von höherer Komplexität
  • Mechanismus wird heute als Synonym für komplexe Maschinen oder Automaten genutzt, selbst wenn diese keine mechanischen Teile besitzen.
  • Der Begriff impliziert in jedem Fall Komplexität, wird daher meist nicht für einfache Werkzeuge genutzt.
  • Mechanismus meint gleichermaßen das Innenleben eines Geräts, Apparats oder Instruments und einer Maschine oder eines Automaten.
  • Mit einem Mechanismus können auch reine Prozessabläufe gemeint sein, die sich erst einmal überhaupt nicht in irgend einer körperlichen Form manifestieren, sondern rein abstrakt existieren.
  • Das Wort Mechanismus betont die Komplexität

Ein Gerät meint meist eine kleine Maschine oder ein Ding irgendwo zwischen einfachem Werkzeug und Maschine.

  • Oft als Synonym zum Apparat gebraucht.
  • Oft als Synonym für kompliziertere Werkzeuge (z.B. Bohrschrauber), selten für einfache Werkzeuge benutzt (z.B. Stemmeisen)
  • Oft werden elektrische oder elektronische Mechanismen als Gerät bezeichnet, z.B. Radiogerät, Funkgerät, Plattenspieler, Küchengerät
  • Es kann aber auch als Synonym für Maschinen (z.B. Baustellengerät) oder Automaten (z.B. Navigationsgerät) stehen.
  • Das Wort wird meist eher für ursprünglich elektrische kleine Maschinen oder Werkzeuge gebraucht

Ein Instrument ist meist ein Ding zwischen Werkzeug und Maschine von hoher Präzision, kann aber auch ein Automat sein.

  • Ein Instrument kann auch ein Apparat oder ein Gerät sein.
  • Nur ein ein Mechanismus wird selten als Instrument bezeichnet.
  • Der Name impliziert meist einen ausgeprägten sensorischen oder präzisen Charakter
  • Oft ist ein Instrument ein Messgerät.
  • Wenn ein Instrument kein Messgerät ist, dann handelt es sich meist um ein präzises Ding zur wissenschaftlichen oder technischen Arbeit.
  • Ein Instrument hat oft einen feinmechanischen oder elektronischen Charakter.
  • Es kann aber auch ein einfaches Präzisionswerkzeug sein wie zum Beispiel ein Skalpell

Theatermaschine

Für das altgriechische Theater bauten Menschen die ersten Maschinen der Welt. Es waren die Gottesmaschinen, die den Gott in die Handlung herabschweben ließen:

  • Das ‚Deus ex Machina‘, oder griechisch ‚Theòs epì mechanés‘ meint die Auflösung komplex verstrickter Handlungen am Ende eines Dramas durch einen vom Himmel herab steigenden Gott.
  • Aischylos, Sophokles, Euripides waren griechische Dramatiker, die den Deus ex Machina in früher intensiver, spaeter nur noch in einer Meta-Handlung einsetzten.

Theateroktober: Meyerhold-Theater und Erstes Moskauer Arbeitertheater mit der Methode der Biomechanik:

  • Meyerhold entwickelte seine Methode der Biomechanik (Meyerholds Pseudo-Taylorismus) aus der Comedia dell’arte sowie dem russischen Balagan Zirkus-Genre.
  • Meyerholds Maschine war der Körper der Schauspieler.
  • Die Schauspieler wurden durch das Drehbuch biomechanisch so programmiert, dass sich im Laufe der Handlung eine artistische Fortbewegung von Körpern und Dingen ergab

Sergej Tretjakows ‚Theater der Attraktionen‘ und besonders sein Stück ‚Gasmasken‘:

  • Sein Stück ‚Gasmasken‘ wurde einer Meldung der Prawda um 1923 entnommen, wonach Arbeiter eines Gaswerks im Ural abwechselnd ein gefährliches Leck abdichteten, indem jeder 3 Minuten Vergiftungen in Kauf nahm.
  • Tretjakows ‚Gasmasken‘ war in der frühen Sowjetunion ein großer Erfolg. Es traf den Nerv der Zeit.
  • Dieses populäre Stück und seine reale Vorlage waren wohl der Urplot zu den Massnahmen in Tschernobyl, wo Soldaten 1986 in einer Menschenkette hintereinander für kurze Zeit radioaktive Verstrahlung in Kauf nahmen, um den Reaktorkern abzusichern. Es handelte sich um eine menschliche Aufräummaschine.
  • Man kann wohl davon ausgehen, dass die Bekanntheit dieser Idee der menschlichen Aufräummaschine in Tretjakows ‚Gasmasken‘ letztendlich großen Teilen der Bevölkerung Kiews 1986 Gesundheit und Leben rettete.

Majakowskis ‚Mysterium buffo‘ ist ein futuristisches Theaterstueck.

Sergej Eisensteins Maschinisches Theater:

  • Eisensteins programmierbare Maschine war das Publikum.
  • Die Stücke waren auf maximale Einbeziehung und Interaktion mit dem Publikum zugeschnitten.
  • Dies führte bei einigen Aufführungen zu teilweise gewollten und ungewollten tumultartigen Aufständen bis hin zu Straßenzügen und Demolierungen

Auch: Welimir Chlebnikow, Alexej Krutschomych, Cabaret Voltaire, Heartfield, Grosz, Rodtschenko, das Pariser Theater ‚Grand Guignol‘, Walter Benjamins ‚Zur Kritik der Gewalt‘

Useless Machine

Die Unsinnsmaschine als philosophisches Sezierobjekt.

  • Die ‚useless machine‘ oder ’senseless machine‘, die im angelsächsischen Raum verbreitet ist, stellt mit ihrer Sinnlosigkeit oder ihrer Emanzipation von der Nützlichkeit die Maschinenbegriffe besonders gut heraus.
  • Sie beweist, dass auch die komplizierteste Maschine durchaus keinem Zweck und keinem Nutzen dienen muss, und sie nur einem reinen Selbstzweck genuegen kann.
  • Berühmtes Beispiel: das Tamagotchi, ein kommerzielles Elektronikgerät aus Japan, das keinem Sinn und Zweck diente aber trotzdem ein Verkaufsschlager war
  • Heutiges Beispiel: das Smartphone, das den größten Teil der Zeit als als sinnfreie ‚Fingerspielerei‘ genutzt wird, wie früher Zigaretten oder klassische ‚Handschmeichler‘.
  • Useless machines werden oft als Kritik am Digitalen Zeitalter aufgefasst, da der Großteil der digitalen Dinge eigentlich nicht benötigt wird.

Rechenmaschine (engl. Computer)

Geschichte der Rechenmaschinen

  • Mechanische Rechenmaschinen seit ca. 70 v.Chr (Mechanismus von Antikythera).
  • Elektromechanische Rechenmaschinen (Elektromotoren, Relais) seit ca. 1900
  • Elektronische Rechenmaschinen mit Vakuum-Röhren seit 1946 (ENIAC). IBM verkaufte über 2000 IBM650 zwischen 1953 und 1962. Die Speicher der mechanischen und elektromechanischen Rechenmaschinen waren durchweg noch nichtflüchtig. Seit den Vakuum-Röhren, die ihre Information nur im Betrieb hielten, brauchte man zusätzliche nichtflüchtige Speicher. Typische nichtflüchtige Speicher waren in den Fünfzigerjahren die Magnettrommeln (ähnlich der späteren Festplatten).
  • Erste kommerzielle Transistor-Rechner seit 1959 (Olivetti Elea 9003). IBM verkaufte seinen ersten Transistor-Rechner IBM7070 seit 1960. Das berühmte System/360 von IBM wurde seit 1964 verkauft. Das System/370 seit 1970. Nichtflüchtige Speicher waren erst Magnetkernspeicher, später Festplatten.
  • Rechner Zentraleinheiten auf Silizium-Mikrochips seit 1971 (Intel 4004). Spätere Baureihen des System/370 besaßen Mikrochips als CPU. Die DEC PDP-11 war der meistgebaute Minicomputer der 1970er Jahre mit Silizium-Mikrochips. Die Heimcomputer der späten 1970er und frühen 1980er besaßen ebenso bereits Silizium-Mikrochips. 1990 führte IBM sein System/390 ein, das teilweise bis heute noch im Betrieb ist, und später von der zSeries (64bit) seit 2000 abgelöst wurde.
  • ‚Nanometer‘-Chips mit kleinsten Strukturgroessen von 45 Nanometern seit 2007 (Intel Core 2 Duo), seit 2010 Intel Core i7 Sandy Bridge mit 32 Nanometern, seit 2012 Intel Core i7 Ivy Bridge mit 22 Nanometern, seit 2015 Intel Skylake Architektur mit 14 Nanometern.

Auch: Programmrechner, Universalrechner, Turing-Architektur, Harvard-Architektur, Prozessor, Turingmaschine, Emulator, Virtueller Speicher

Fahrzeug

Vom einfachen Werkzeug (Hochrad) bis zum komplexesten Automaten aller Zeiten (Tesla Model S, Mercedes Benz E-Klasse).

Motorrad heißt auf Italienisch ‚Machina‘.

Lastkraftwagen, stammt vom von Ochsen gezogenen Wagen ab.

Das Automobil hat einen Maschinencharakter (der Motor), wie auch einen Werkzeugcharakter (Kraft- und Geschwindigkeitsverstärker)

Die Maschinentheorie Deleuzes / Guattaris angewandt auf das Automobil:

  • In der Maschinentheorie Deleuzes und Guattaris waere das Automobil für sich in seiner ursprünglichen Form bis ca. 1970 eher ein kommunikationsarmes Werkzeug also ein Kraftverstärker, eine Prothese.
  • Der Automobilverkehr wäre aus ihrer Sicht aber eine typische Maschine, denn er besitzt einen hervorstechenden Kommunikationscharakter zwischen Menschen.

Aber der Mensch kann zusammen mit dem Automobil, wenn er eine ‚Fahrkunst‘ entwickelt, also ein ausgeprägtes fahrerisches Können, in dieser gegenseitigen Kommunikation von Straße, Reifen, Kupplung, Motor und Mensch wohl eine Fahrmaschine im Sinne Deleuzes / Guattaris werden. In Anlehnung an die Fahrradmaschinen in Flann O’Briens ‚Der dritte Polizist‘. Findet diese Kommunikation nicht mehr statt, z.B. im pilotierten oder autonomen Fahren, verschwindet der Maschinencharakter von Mensch und Automobil wieder und das Fahrzeug wird zum reinen Automaten.

Hebegerät

Hebegeräte sind die ältesten Maschinen überhaupt. Die klassischen Kriegsmaschinen waren anfangs allesamt Hebegeräte. Die Gottesmaschine im Theater für das Deus Ex Machina war ebenso ein Hebegerät.

  • Pumpe
  • Kran (Baumaschinen)
  • Klassische Kriegsmaschinen
  • Gottesmaschine im Theater

Musikmaschine

Musikmaschinen waren im Laufe der Zeit zum Beispiel:

  • Spieluhr
  • Leierkasten
  • Drumcomputer, z.B. Roland TR-808
  • ‚Marble-Machine‘ von Wintergatan

Roboter

Sind Roboter notwendigerweise Automaten? Manipulatoren sind oft keine Automaten und doch werden sie oft als Roboter bezeichnet. Diese Manipulatoren werden dann ferngesteuert. Ein Manipulator, der programmgesteuert ist, also ein Automat oder ein Halbautomat ist, kann als Roboter bezeichnet werden.

Verschiedene Arten von Robotern nach Tätigkeitsfeld eingeteilt:

  • Fertigungsroboter
  • Handlingroboter
  • Serviceroboter
  • Security-Roboter
  • Gehmaschinen (Logistik-Roboter)
  • Autonome Autos (Fahrroboter)
  • Kampfroboter

Roboter sind entweder mobile Automaten oder imitieren menschliche Körperteile, die zur Arbeit genutzt werden, wie Hände und Arme oder die Beine.

Antriebsmaschine

Antriebsmaschinen können zum Beispiel nach ihrer Energiequelle eingeteilt werden:

  • Wind (Segelschiffe, Mühlen)
  • Wasser (Mühlen)
  • Menschlicher Antrieb (Fahrrad, Rikscha, Göpel, Wellrad)
  • Tierischer Antrieb (Fuhrwerk, Göpel, Wellrad)
  • Schwerkraftantrieb (Uhrgewicht)
  • Federantrieb (Uhrwerk)
  • Heißdampf (Dampfmaschine, Dampfturbine)
  • Elektrizität (Elektromotoren)
  • Erdöl (Otto-, Diesel-, Wankel-Motoren, Gasturbinen, Raketen)

Kapitalistischer Produktionsprozess von Gütern

Der mechanische Mechanismus sowie der Mechanismus des Arbeitsprozesses beinhalten menschliches Vorwissen in ‚eingefrorener‘ Form und die Maschine entsteht nach Marx in der Symbiose von ‚wissendem‘ Mechanismus und ‚unwissendem‘ Bediener.

  • Der Bediener des Mechanismus muss daher nicht selber über dieses Vorwissen verfügen.
  • Der Bediener des Mechanismus muss sich nur an einen vorgefertigten Prozessablauf halten.
  • Mechanismus und Mensch ergeben zusammen die typische Produktionsmaschine.
  • Heutige Expertensysteme, die gerne als Künstliche Intelligenz definiert werden, sind ebenfalls typische Maschinen im Marx’schen Sinne

Taylorismus (Prozesssteuerung von Arbeitsabläufen):

  • Ursprünglich in der Produktion eingeführt
  • Seit ca. 1995 auch in der Produktentwicklung
  • Und seit ca. 2010 auch in der Ausbildung

Fordismus (stark standardisierte Massenproduktion):

  • Zerlegung und Staffelung von Arbeit in viele kleine Einzeltätigkeiten
  • Durch Standardisierung und Qualitätskontrolle wird Staffelung ermöglicht

Rechtssystem

Gutes Beispiel einer typischen Maschine ist das Rechtsystem.

Rechtssystem = Rechtsmaschine

Die Gesetze entsprechen dem Mechanismus bei der Güterproduktion.

Der Mensch als Bediener (Jurist) wendet sie in einem logischen Prozessablauf an, muss aber nicht über das gesamte ‚eingefrorene‘ Vorwissen, das die Rechtsmaschine beinhaltet, verfügen. Der Jurist ist der Maschinist der Rechtsmaschine.

Das Rechtssystem als Maschine funktioniert nur, wenn die Gesetze ein bestimmtes Vorwissen über Zustände und eine bestimmte korrigierende Absicht als Ziel enthalten und darüber hinaus, wenn sich der Mensch als Bediener, so wie er es in einer juristischen Ausbildung lernt, prozessmäßig verhält.

Staatsapparat als Maschine

Eine Übercodierung der Maschine zu einem Staatsapparat kam und kommt vor. Häufig sind es totalitäre Regime, die mit einer zentralistischen Machtausübung versuchen, ein Land mit Hilfe ihrer zentral gesteuerten Staatsmaschine unter Kontrolle zu bringen. Beispiele für den Versuch von Machtausübung mit Hilfe des Staates sind:

  • Stalins Russland
  • Hitler-Deutschland
  • DDR
  • Nordkorea
  • Tuerkei, etc.

Nach Deleuze und insbesondere nach Guattari kann eine solche Machtausübung durch eine Staatsmaschine nicht funktionieren, weil Maschine erstens ausgeprägten Kommunikationscharakter besitzt (der von Freiheit lebt) und zweitens Identifizierung und Stratifizierung flieht, wobei sie immer neue Formen der Verkettung von Singularitäten erfindet. Eine Staatsmaschine entwickelt also immer schnell ein unberechenbares Eigenleben, so dass sie den Machthabern früher oder später entgleiten muss.

Maschinentheorien

Antike:

  • dorisch Machaná = List, Mittel, Vorrichtung
  • Plautus/Ennius: machina als Lehnwort aus dem Dorischen: List, Kunstgriff, Täuschung
  • Deutsches Wort ‚Erfindung‘ kommt dieser Ursprungsbedeutung am nächsten. Der ‚Erfinder‘ hat auch in der Tat immer den Ruf eines Verrückten, Unberechenbaren, Wahnsinnigen, manchmal auch eines Bösen.
  • Vitruv, römischer Architekt, Erbauer von Kriegsmaschinen unter Caesar und Augustus: „Maschine als Zusammenhalt (Kontinuum) und Verkettung von materiellen Komponenten. Hat höchste Vorzüge in der Bewegung von Lasten.“

Neuzeit:

  • Christian Wolff in seiner ‚Deutschen Metaphysik‘ von 1719: compositio et motus „Maschine ist ein zusammengesetztes Werk, dessen Bewegung in der Art der listigen Zusammenstellung gegründet ist.“
  • Leibniz Weltmaschine aus Singularitäten und Monaden
  • Karl Marx: Fragment ueber Maschinen in den ‚Grundrissen der Kritik der politischen Oekonomie‘ von 1857. 12. Kapitel des ‚Kapitals‘ ueber Werkzeuge. 13. Kapitel des ‚Kapitals‘ über Maschinen. Maschinen als von der menschlichen Hand geschaffene Organe des menschlichen Hirns, als vergegenstaendlichte Wissenskraft (MEW 42, 602)

Moderne:

  • Poststrukturalistische Maschinentheorie
  • Maschinenphantasien des Futurismus, Konstruktivismus, Surrealismus (Fritz Lang, H.R.Giger)
  • Norbert Wieners Kybernetik und Soziokybernetik
  • Systemtheorie
  • Italienischer Operaismus
  • Simondon und Canguilhems wissenschaftstheoretische Maschinentheorie
  • Anerkennung der Bedeutung der Technik fuer die Philosophie
  • Deleuze und Guattari im ‚Anti-Oedipus‘ (Strukturalisten): Maschine in der Bedeutung der antiken Machina ist Kommunikationsfaktor. Werkzeug (in seiner nicht-maschinischen Form) eine kommunikationslose Verlängerung, Prothese, Verstärkung, Beschleunigung.
  • Guattari: Werkzeug als ‚Proto-Maschine‘. Maschine als nicht-identitäres Begriffsgefäß für alles, was Identifizierung und Stratifizierung flieht. Maschine erfindet ständig neue Formen der Verkettung von Singularitäten.
  • Donna Haraways Cyborg Theorien und die Cyberfeministische Internationale

Werkzeug-Mensch-Maschinen

Einfache Werkzeuge werden in Verbindung mit dem Mensch zu Werkzeug-Mensch-Maschinen:

  • Musikinstrument
  • Fahrrad
  • Handsäge
  • Axt, etc.

Kriegsmaschinen

Erwähnungen von klassischen Kriegsmaschinen:

  • Peleoponesischer Krieg
  • Archimedes
  • Ennius berichtet über mauerbrechende Kriegsmaschinen
  • Vitruv

Vernichtungsmaschinen

Beispiele für Vernichtungsmaschinen sind:

  • Endlösung in Hitler-Deutschland
  • Flächenbombardements über Dresden und Köln
  • Atombomben über Hiroshima und Nagasaki
  • Kampfdrohnen
  • Maschinengewehr
  • Vernichtungslager
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