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Personentransport statt Fliegerei

Dienstag morgen, kurz nach dem Start vom Flughafen Berlin Tegel

Heute gibt es bei Air Berlin zum ersten Mal keinen im Flugpreis enthaltenen Service mehr. Ich weiß nicht mehr genau, wie lange ich schon Stammkunde bin und wöchentlich mindestens zweimal begeistert mit Air Berlin fliege. Mindestens seit zehn Jahren. Das macht ungefähr 100 Flüge pro Jahr (ich mache immer nur sehr wenig Urlaub im Jahr) mal mindestens 10 Jahre, also gute tausend Flüge, die ich immer sehr genossen habe. Ein Teil des sehr schönen Rituals meiner Fliegerei war das kurze Gespräch mit den meist äußerst hübschen Flugbegleiterinnen, was es denn heute schönes Gäbe und die vielen abwechselnden ‚Bittesehrs‘ und ‚Dankesehrs‘ und am Ende das ‚Herzlichen Dank‘ zur Crew, über das sich ein paar von ihnen manchmal sogar freuten.

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Frauke Petry hat aus der AfD durch einen Putsch gegen die Gründer der Partei aus einer ehemals national gesinnten bürgerlichen Partei eine Arbeiterpartei, eine Volkspartei gemacht. Die Arbeiterbewegung teilte sich bereits im 19. Jahrhundert auf in die kommunistischen internationalen Sozialisten, in die libertären Anarchisten und die antikommunistischen nationalen Sozialisten. Vorgestern bekamen diese neuen nationalen Sozialisten in Berlin auf Anhieb 14,2 Prozent der Wählerstimmen. Sie haben viele Abgeordnete in das Abgeordnetenhaus entsannt, unter diesen nationalen Sozialisten einige überzeugte Nationalsozialisten, die meisten davon unter vorgehaltener Hand, einer sogar offen bekennend durch seine frühere Mitgliedschaft in einer rechtsextremistischen Partei.

Wir sitzen hier in Sechserreihen in diesem Flugzeug und kommen gerade aus Berlin. Die meisten der Passagiere sind wie ich Berliner, die für ein paar Tage irgendwo in Westdeutschland zu tun haben. In zwei Reihen sitzen jeweils 12 Personen. Das bedeutet, dass theoretisch mindestens einer und manchmal auch zwei die Nationalen Sozialisten wählt. Ich kann den Gedanken nicht ertragen. Mir wird übel dabei.

Ich frage den Chefstewart warum es denn keinen Kaffee oder kein Trinkwasser mehr gibt. Er antwortet mir ausweichend: „Das ist doch schon seit dem Siebzehnten so!“

Ich überlege und mir fällt ein, dass der Siebzehnte der letzte Samstag war. Sie haben es uns also mal wieder an einem Wochenende untergejubelt. So macht man das. Der Samstag war genau der Tag vor der Wahl in Berlin. Steht beides in einem höheren Zusammenhang? Sind es nur die Zeichen unserer Zeit: Geiz und Menschenverachtung. Der Geiz der Airline, die ihren eigenen Kunden (..) keinen Kaffee mehr spendiert, und die Menschenverachtung der AfD, deren Mitglieder offen auf Flüchtlinge (!) schießen lassen wollen, wenn man einen Grenzübertritt anders nicht verhindern kann.

Vorgestern um 18 Uhr als die Wahllokale schlossen und die ersten Hochrechnungen auf den Mattscheiben flimmerten, hat Berlin zum zweiten Mal seine Unschuld verloren. Ich schäme mich, ein Berliner zu sein. Und ich verabscheue euch AfD-Wähler unter den Berlinern. Ich hoffe, Jesus existierte wirklich und er ist wie die Christen glauben der Gottessohn und Richter. Ich hoffe, das jüngste Gericht wird wirklich kommen und Gottes Sohn wird euch für diese Sünde gegen die Menschlichkeit abstrafen. Ich hoffe, ihr werdet für euer herzloses Kreuz im Kästchen neben dem Kürzel ‚AfD‘ am heiligen Sonntag in der Hölle schmoren. Das wünsche ich euch. Und ich schäme mich zutiefst für euch und besonders für die ehemaligen CDU-Wähler unter euch. Christen! Dass ich nicht lache!

Im Grunde reflektieren diese Nationalen Sozialisten, die ihr da wählt, und ihr, die ihnen mit eurer elenden Stimme, zu neuer Macht in unserem schönen Land verhelft, doch nur den Menschenhass unserer digitaliserten Welt.

Ihr seid es wieder gewohnt, dass man nichts umsonst bekommt, dass man nicht ‚Bitte‘ und nicht ‚Danke‘ sagt. Ihr seid harte Maßnahmen zum Landesschutz gewohnt und streckt am Flughafen freiwillig ohne Widerrede wie die Schwerverbrecher die Hände hoch. Ihr empfindet weder die Menschenverachtung und Erniedrigung an euch selbst wie an anderen.

Ihr seid es gewohnt, dass man in mechanisierten Maschinenprozessen, die schief liefen, nach dem menschlichen Versagen sucht. Ihr seid es gewohnt, dass man an eurer Stelle Roboter bevorzugt, weil diese Dinge anerkanntermaßen wertvoller als ihr Menschen seid. Ihr fordert nicht die Zerschlagung der Roboter. Stattdessen fordert ihr das Erschlagen von Menschen, die mit euch um die noch wenigen Arbeitsplätze buhlen würden.

Ihr seid es gewohnt, dass eure Kinder in ihren Kinderzimmern in stundenlangen Abschlachtorgien Tausende virtuell verstümmeln und ermorden. Und ihr seht ihnen jeden Morgen in ihre kalten Augen, wenn sie einmal ausnahmsweise von ihrem digitalen Taschencomputer aufsehen. Und ihr seid so kalt wie eure Kinder, wenn ihr diese menschenverachtende Parteien wählt. Gute Vorbilder seid ihr. Die Vorbilder einer Welt des Todes und des Schreckens.

Denn ihr seid die Antwort. Ihr seid der manifestierte Menschenhass als Antwort auf eure menschenverachtende Umwelt. Ihr habt eure Weltsichten niemals philosophisch reflektiert, so wenig wie eure neuen Anführer, so wenig wie Frau Dr. Petry aus Dresden, die manchmal hier im Flugzeug der Air Berlin sitzt.

Heute ging ich zum ersten Mal aus dem Flugzeug, ohne mich bei der Crew zu bedanken. Der Virus der Menschenverachtung hatte mich befallen. Ich sah starr auf den Boden wie alle anderen.

Menschen fliegen. Dinge transportiert man.

Die Fliegerei ist heute zum Personentransport geworden.

Über monstermaschine

Blogger, Diplom-Ingenieur, TU, Raumfahrttechnik, Embedded Systems, Mitglied VDI, DGLR

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