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Unsterblichkeit durch autogene Zucht

Eine Philosophie über die autogene Evolution intelligenten Lebens begründet auf einer Erweiterung der planetaren Ökologie


Vorwort

Die Natur hat von Anbeginn Mittel und Wege vorgesehen, das wir Menschen uns ohne jede Technik zu unsterblichen Wesen transformieren können, wann immer wir dies wollen. Warum? – Weil sie menschliche Wesen aus ganz bestimmten Gründen dringend braucht und wir ihr dann, wenn es soweit ist, als kosmische Bauersleute und Methusalems von Nutzen sein werden. Es gibt einen langsamen, natürlichen Weg zur Unsterblichkeit, der in seiner Umsetzung erst einmal abstoßend erscheint. Viel verlockender und vor allem ‚klinisch sauberer‘ erscheinen die schnellen, medizinisch-technischen Wege, die heute diskutiert werden, und die allesamt Abkürzungen zum selben Ziel zu sein scheinen: Unsterblichkeit. Sie enden, wie der Autor zeigt, allesamt in der ethischen Katastrophe. Der augenscheinlich ethisch problematische, schmutzige aber natürliche Weg entpuppt sich im Laufe des Textes als der alleinig ethisch vertretbare und einzig gangbare Weg.

Lukas Cranach Der Jungbrunnen

„Nur für uns kosmische Eintagsfliegen sind die Entfernungen zwischen den Sternen anscheinend unüberwindbar.“

Einführung

Die ersten Lebewesen, die auf der Erde entstanden, alterten vermutlich nicht. Und auch heute gibt es noch viele Lebewesen auf unserem Planeten, die keinem merklichen Alterungsprozess unterliegen. Erst vor kurzem hat man bei Ölbohrungen eine uralte Bakterienkultur entdeckt, deren Individuen zum Teil schon seit 64 Millionen Jahren leben. Ihr Alter wurde mit physikalischen Methoden von hoher Präzision bestimmt. In Tasmanien hat man einen lebenden Strauch gefunden, der mit Hilfe der Radiokarbonmethode auf über 43 Tausend Jahre alt bestimmt wurde. Es gibt niedere Tiere im Ozean, die Schwämme, die über 10.000 Jahre alt werden. Es steht eine Fichte im schwedischen Hochgebirge, deren Alter man auf über 9500 Jahre bestimmt hat. Bäume gehören neben den Wirbeltieren zu den komplexesten Lebensformen auf dem Planeten. Die Berichte von uralten Pflanzen mehren sich in den letzten Jahren. Bei den Biologen hat ein breites wissenschaftliches Interesse an lebenden Uralt-Exemplaren aller Arten begonnen und die Suche nach den ältesten Lebewesen beginnt gerade erst im größeren Stil. Bei den Wirbeltieren kennt man zum Beispiel den Grönlandwal, bei dem man bei einem gefangenen Exemplar nachweislich ein Alter von über 200 Jahren bestimmen konnte. Wale sind als hochentwickelte Säugetiere genauso kompliziert wie Menschen aufgebaut. Auch einige Arten von Schildkröten und bestimmte Papageienarten sind schon lange dafür bekannt, uns Menschen lange zu überleben. Es gibt biblische Berichte von Menschen, die einst sehr viel älter wurden als wir heutigen Menschen. Vor wenigen Jahrzehnten, als man den Glauben an alte Legenden gerade abgelegt hatte, und der Wunsch nach konsequenter Wissenschaftlichkeit einzog, wollte man nicht mehr ohne Weiteres hinnehmen, dass irdisches Leben so alt werden kann. Nun gibt es bereits viele empirische Beweise dafür, die auch den wissenschaftsgläubigen Menschen überzeugen. Als man die ersten uralten, lebenden Organismen entdeckte, hat man angenommen, dass es vielleicht mit der Komplexität oder Größe eines Organismus zusammenhinge, wie alt dieser werden könne – diese Meinung hat sich als falsch herausgestellt. Heute spricht man vom ‚Programmierten Altern‘ und weiss das die innere Lebensuhr der Zellen von Art zu Art ein ökologisches Optimum aus verschiedenen ökologischen Faktoren wie Nahrungs- und Platzangebot, Vorhandensein von Fressfeinden, Fortpflanzungs-, Überlebens- und Anpassungsfähigkeit darstellt, unabhängig von Größe und Komplexität der Art.

Unsterblichkeit in der Natur

In diesem Text geht es mir darum, festzustellen, dass Unsterblichkeit – genau genommen Quasiunsterblichkeit – erst einmal gar nichts besonderes ist und auch nie war. Das Leben ist von Natur aus quasiunsterblich, hat aber mit der Zeit das programmierte Altern auf zellularer Ebene erfunden, um jeder Art ihre optimale Lebenszeit zuzuteilen. Altern und Tod sind die eigentlichen Errungenschaften des Lebens, ohne die eine Entwicklung und Evolution nie hätte stattfinden können. Den von mir eingeführten Begriff Quasiunsterblichkeit werde ich später erklären und von anderen Begriffen der Unsterblichkeit differenzieren. Die optimale Lebenszeit eines Organismus ist bestimmt durch das Nahrungs- und Platzangebot, die Fortpflanzungswahrscheinlichkeit, sonstige Umweltbedingungen, das Vorhandensein von Fressräubern (Prädatoren) und weiteren ökologischen und populationsbiologischen Faktoren, darunter die Überlebensfähigkeit oder Robustheit und die Anpassungsfähigkeit an Umweltveränderungen. Für manche Arten ist es zum Beispiel von Vorteil sich schnell und zahlreich fortzupflanzen bevor die durchschnittliche Lebenserwartung durch ihre Umwelt, meist durch vorhandene Prädatoren, erreicht wird. Für andere Arten ist es existenziell, lange genug zu leben, um in der Weite ihres Lebensraumes überhaupt einem Sexualpartner zu begegnen. Wieder andere müssen ihren Nachfahren schnell Platz machen, dass der Generationenwechsel möglichst zügig stattfindet und die evolutionäre Entwicklung der Art mit einer schnellen Umweltveränderung mithalten kann. Die Natur gibt jeder Art die Lebenszeit, die im ökologisch-populationsbiologischen Kontext am sinnvollsten ist. Diese Lebenszeit der Arten reicht von einigen Tagen bis Millionen Jahren und dies ist erst einmal unabhängig von Größe und Komplexität der jeweiligen Art. Die populationsbiologischen Prozesse, die dabei die durchschnittliche Lebenserwartung der Individuen bestimmen, sind faszinierenderweise geradezu trivial und von jedem Menschen auf Anhieb zu verstehen.

Es ist ohne weiteres möglich, jede Art innerhalb einer Zeitspanne von größenordnungsmäßig tausend Generationen zu extremer Langlebigkeit hin zu züchten und auch umgekehrt zu extremer Kurzlebigkeit, wenn man sich die Prinzipien der Populationsgenetik zu Nutze macht. Das populationsgenetische Prinzip der Lebenserwartungsverschiebung entspricht ungefähr folgender Überlegung: Wenn sich Organismen in einem bestimmten Alter fortpflanzen, treten für die Reproduktion der Art Gendefekte, die erst in einem Alter nach der Reproduktion auftreten, nicht mehr in Erscheinung. Man spricht in diesem Zusammenhang auch vom sogenannten Selektionsschatten. Egal welche Veränderungen oder Krankheiten bei einem Organismus in der Zeit nach der Reproduktion auftreten, diese spielen für die folgenden Generationen keine Rolle mehr, sie liegen im Selektionsschatten.

Wenn man jedoch die Zeit der Reproduktion künstlich nach hinten verschiebt, indem man zum Beispiel Männchen und Weibchen anfangs voneinander trennt, wird zwar die Reproduktionsrate sinken, werden aber vor allem alle Organismen, die einen schwerwiegenden Gendefekt besitzen, der in der Zeitspanne zwischen dem ursprünglichen Reproduktionsalter und dem neuen Reproduktionsalter auftritt, sich nicht mehr zum Zeitpunkt des neuen Reproduktionsalters vermehren können. Sie werden nämlich vor diesem neuen Reproduktionsalter entweder sterben oder unfruchtbar werden. Damit wird der Gendefekt im Erbgut der Art allgemein eliminiert. Das führt wiederum dazu, dass die durchschnittliche Lebenserwartung wie auch das maximale durchschnittliche Reproduktionsalter der Population zunehmen, da bestimmte Gendefekte, die sonst Lebewesen in einem Alter zwischen ihrem ursprünglichen Reproduktionsalter und dem neuen Reproduktionsalter töteten oder den Organismus schwächten, ausgestorben sind. Jede Art besitzt ein statistisches maximales Fruchtbarkeitsalter. Oberhalb dieses Alters können die Individuen der Art im Durchschnitt keine Nachkommen mehr zeugen.

Was im Labor durch eine zeitweise Trennung von Männchen und Weibchen geschieht, passiert in der Natur durch große Distanz und daraus resultierender geringer Paarungswahrscheinlichkeit. Die dann nach dem eben erklärten Prinzip aus sich heraus entstehende höhere durchschnittliche Lebenserwartung der Individuen ist natürlich auch die Voraussetzung, die Fortpflanzungswahrscheinlichkeit statistisch zu erhöhen. Das heisst das lange Leben der Individuen garantiert bei geringer Paarungswahrscheinlichkeit in der Zeiteinheit überhaupt die Aufrechterhaltung der Population.

Umgekehrt, wenn man die Männchen und Weibchen anfangs zusammen lässt und ab einem festgesetzten Alter für immer voneinander trennt und dieses Alter des endgültigen Getrenntseins mit der Zeit immer weiter zu einem jüngeren Alter hin verschiebt, wird die durchschnittliche Lebenserwartung durch den auftretenden Selektionsschatten sinken. Die für die Reproduktion irrelevanten Gendefekte im Selektionsschatten werden dafür sorgen, dass die Lebenserwartung der Art insgesamt sinken wird. Das Genom dieser Populationen wird voller Fehler sein, die aber für die Reproduktion keine Rolle spielen, weil sie erst nach dem Reproduktionsalter auftreten. Diese vielen Fehler im Genom sind aber wiederum die Quelle vieler möglicher Mutationen, die eine schnelle Entwicklung der Art ermöglichen. In der Natur geschieht diese Trennung von Männchen und Weibchen ab einem bestimmten Alter zum Beispiel durch eine hohe statistische Sterblichkeit aufgrund von Fressfeinden oder gravierende Umweltveränderungen, zum Beispiel von aufkommenden Warm- und Eiszeiten.

Es gibt weitere Mechanismen der Populationsgenetik, die ebenfalls auf die durchschnittliche Lebenserwartung der Individuen wirken, und das Gesamtbild etwas verkomplizieren. Am Ende dieses Textes werde ich zum Beispiel den Einfluss von Stress auf die Lebenserwartung von Organismen in ihrer Umwelt erwähnen. Aber das eben beschriebene einfach zu verstehende Prinzip der Lebenserwartungsverschiebung nach jung oder alt ist der die anderen Einflüsse dominierende Mechanismus. Man kann es im Labor an schnelllebigen sich sexuell fortpflanzenden Organismen über viele Generationen in relativ kurzen Zeiträumen jederzeit nachstellen und deren vererbte durchschnittliche Lebenserwartung künstlich vervielfachen oder auch reduzieren – so wie man will. Die Lebenserwartung eines natürlichen Organismus lässt sich frei einstellen.

Wenn man diesen Mechanismus der Einstellung der Lebenserwartung einmal verstanden hat, wird sofort klar, dass es jederzeit möglich ist, einer Art ein gewünschtes Lebensalter anzuzüchten. Das Wort Zucht impliziert, dass dies von außen gewollt durchgeführt würde. In der Natur ersetzt der ökologische evolutionäre Druck die Hand des Züchters. Ökologisch evolutionärer Druck meint, dass die Population einer Art sich auf die Umgebungsbedingungen hin optimal einrichtet und im dynamisch rückgekoppelten ökologischen Regelprozess der Entwicklung des Lebens in seiner Umwelt eine maximale Erfolgswahrscheinlichkeit für die Art erreicht. Die Population pflanzt sich fort und der populationsgenetische Mechanismus der Lebenserwartungsverschiebung, den ich eben beschrieben habe, sorgt durch entropische oder negentropische Veränderungen im Erbgut, also junge oder ältere Fortpflanzung, für ein sich einstellendes für die Art optimales durchschnittliches Reproduktionsalter der Individuen. Die sich daraus ebenfalls ergebende durchschnittliche Lebenserwartung ist nur ein unbedeutender Seiteneffekt des durchschnittlichen Reproduktionsalters und ist für das ökologische System insofern irrelevant solange die Alten die Jungen nicht blockieren. Dies bedeutet bei manchen Arten eine Lebenspanne von 80 Jahren und bei manchen eben von 9500 Jahren oder auch nur von drei Tagen, abhängig von den Umweltfaktoren, zum Beispiel von den Fressfeinden und von der Größe des Lebensraumes.

Theorien des Alterns

Man nennt die Theorie, welche die Entwicklung einer programmierten durchschnittlichen Lebensspanne jeder Art erklärt, die ‚Evolutionstheorie des Alterns‘. Sogenannte proximate Theorien der Biologie liefern Erklärungsmodelle dafür, wie ein Organismus altert. Dazu gehört zum Beispiel die sogenannte ‚Schadenstheorie‘, die davon ausgeht, dass sich die Schäden im Körper mit der Zeit komulieren, bis der Organismus nicht mehr lebensfähig ist. Die Evolutionstheorie des Alterns jedoch erklärt als einzige geschlossene und logische Theorie das Warum: demnach ist das Altern ein Ergebnis des Evolutionsprozesses. Die ersten Lebewesen besaßen noch nicht die Fähigkeit zu altern. Das Altern entstand erst im Laufe der Evolution als eine Errungenschaft späterer Lebewesen, die das Überleben als Art durch das Sterben der Individuen erleichterte. Mit dieser Theorie lassen sich nahezu alle Phänomene, die im Zusammenhang mit dem Altern stehen, erklären. Mit Hilfe verschiedener Modellorganismen wurden Übereinstimmungen zwischen der Evolutionstheorie des Alterns und durchgeführten Experimenten festgestellt. Als Modellorganismen bezeichnet man in der Biologie einfach zu züchtende Lebewesen, die gerne für Untersuchungen genommen werden, wie Fadenwürmer, Taufliegen, Zebrabärblinge, Krallenfrösche, Hühner, Mäuse, bestimmte Bakterien, Pilze und Pflanzen. Die Evolutionstheorie des Alterns ist derzeit die einzige experimentell bestätigte Theorie des Alterns.

Die Evolutionstheorie des Alterns spiegelt sich auf zellulärer Ebene wieder durch eine Voreinstellung der Zellen für eine bestimmte maximale Lebenszeit. Man spricht heute allgemein vom ‚Programmierten Altern‘ der Zellen. Jeder Organismus besitzt also Gensequenzen, die ihm genau vorschreiben, ob und ab wann er wie zerfallen soll. Man hat zumindest einen Mechanismus des Programmierten Alterns bereits identifiziert: die Telomere, Molekülketten an den Chromosomenenden, die sich von Zellteilung zu Zellteilung verkürzen, bis sie der Zelle signalisieren, dass sie sich nicht mehr teilen soll; eine Art innerer Sanduhr der Zelle. Ein weiterer Beweis für die Theorie des Programmierten Alterns sind einige unter dem Oberbegriff Progerie zusammengefasste Erbkrankheiten, die durch den Faktor fünf bis zehn beschleunigten Alterns der Erkrankten gekennzeichnet sind. An Progerie erkrankte Patienten sehen bereits im Kindesalter wie Greise aus, mit faltiger Haut, eingefallenen Wangen, langen Nasen, etc. Die Kinder leiden an den selben Gebrechen wie hochbetagte Alte und sterben früh. Bei dem sogenannten Hutchinson-Gilford-Syndrom hat man mittlerweile auf molekularer Ebene Parallelen des beschleunigten Alterns zum beschleunigten Telomer-Abbau gefunden.

Zellen sind also ursprünglich quasiunsterblich gewesen und haben unter anderem mit den Telomeren einen Mechanismus zur vorprogrammierten Selbstzerstörung entwickelt. Jedoch sind die Telomere nicht die einzigen Mechanismen, die den Tod der Zellen bewirken. Neueste Erkenntnisse der Zytologie lassen vielmehr ein Bild vermuten, als hätte die Evolution mehrere redundante Lebensuhren und damit weiter Mechanismen entwickelt, die das Erlöschen des Individuums garantieren. Falls ein Sterbemechanismus versagt, greift ein anderer. Sollte sich dies weiter als richtig erweisen, würde dies wiederum beweisen, das die Natur das ursprünglich quasiunsterbliche Leben mit großem Aufwand erst einmal sterblich werden ließ, um einen Generationswechsel und die damit verbundene Entwicklung der Arten zu ermöglichen. Sterblichkeit und Vergänglichkeit als Motor der Entwicklung – etwas ähnliches beobachten wir in unserem eigenen Leben bei der geistigen Entwicklung, wo ältere Generationen geistige Entwicklungen in der Gesellschaft langfristig nicht blockieren können, weil sie sterblich sind und den Jungen irgendwann Platz machen müssen.

Begriffe der Unsterblichkeit

Im vorigen Kapitel habe ich einen Begriff eingeführt ohne ihn definiert zu haben: Quasiunsterblichkeit. Das will ich nun nachholen. Unsterblichkeit ist nicht gleich Unsterblichkeit. Man muss vielmehr verschiedene Begriffe unterscheiden. Ich fange erst einmal mit dem uns eher vertrauten, dem sterblichen Leben, an.

Sterbliches Leben wird durch Unfälle, Naturkatastrophen, Raubtiere, Krankheiten, beim Menschen zusätzlich Mord und Totschlag oder Krieg unfreiwillig beendet. Entgeht das Leben mit Glück diesen katastrophalen Todesmechanismen dann wird es durch unterschiedliche vorprogrammierte Selbstzerstörungsmechanismen der Zellen nach einer gewissen Zeit von innen heraus unbewusst beendet. Bewusstsein entwickelnde Lebewesen haben zusätzlich die Option freiwillig das Leben zu beenden. Das ist vielleicht der eindeutigste und polarisierendste Unterschied zwischen bewusster und instinktiver Lebensform. Rein instinktives Leben besitzt keinen Drang zur Selbstzerstörung, denn es benötigt ihn ja nicht, da es wie fast alles Leben den Tod auf zellularer Ebene bereits sicher und mehrfach redundant in sich trägt. Wer philosophische Fragen zu stellen vermag, der wird sich daher irgendwann einmal wundern, warum intelligentes, Bewusstsein entwickelndes Leben diese zusätzliche Möglichkeit der willentlichen Selbstzerstörung überhaupt besitzt, wo es doch genauso wie unbewusstes, instinktives Leben bereits mehrere vollautomatische Todesmechanismen auf zellularer Ebene in sich trägt?

Quasiunsterbliches Leben wäre ein Leben, dass über keine innere Lebensuhr, keinen eingebauten Selbstzerstörungsmechanismus verfügt, ähnlich den Bakterien, die man bei Ölbohrungen entdeckt hat. Das ursprüngliche Leben auf der Erde, von dem man vermutet, dass es noch keinem natürlichen Tod unterlag, wäre ebenfalls nach meiner Definition quasiunsterblich. Jedoch kann ein solches quasiunsterbliches Leben weiterhin jederzeit durch einen Unfall, eine Katastrophe, eine Krankheit oder bei Bewusstsein entwickelndem Leben auch durch Freitod versterben, was die durchschnittliche Lebenserwartung der Art auf einen bestimmten endlichen Wert reduziert. Diese endliche Lebenserwartung würde typischerweise bei niederen Lebensformen unter optimalen Umweltbedingungen im Bereich von zehn Millionen Jahren liegen, so wie wir dies gemessen haben, vielleicht sogar in die Milliarden Jahre gehen. Bei höheren Lebensformen würde die statistische Lebenserwartung aufgrund ihrer größeren Beweglichkeit, und der damit verbundenen größeren Unfallwahrscheinlichkeit, und ihrer größeren Empfindlichkeit aufgrund größerer Komplexität wohl eher irgendwo im Zeitrahmen von Jahrhunderten bis Jahrzehntausenden liegen. Dieses Verhältnis der Lebensdauer zwischen quasiunsterblichen Bakterien und hypothetischen quasiunsterblichen Wirbeltieren von fünf Größenordnungen kann natürlich nur ein Schätzwert sein.

Die Quasiunsterblichkeit des frühen Lebens auf der Erde, beziehungsweise seine Sterblichkeit aufgrund von Unfällen, Katastrophen und Krankheiten, erklärt sehr schön, warum die Entwicklung des frühen Lebens auf der Erde im Präkambrium vergleichbar sehr langsam verlief aber auch warum es überhaupt eine Entwicklung gab: die Organismen waren eben doch nur quasiunsterblich und machten langsam aber sicher immer wieder einmal Platz für neue Generationen. Die quasiunsterblichen primitiven Wesen wurden damals meistens entweder durch Krankheit oder Naturkatastrophen dahingerafft. Die Wahrscheinlichkeit für tödliche Unfälle war bei einzelligen Lebewesen eher gering. Vielleicht schwammen sie hier und da einmal versehentlich in einen heißen Vulkanschlot hinein oder schwappten mit den Wellen zu weit aufs Land hinaus und vertrockneten in der Sonne. Mit der Erfindung des Programmierten Alterns und schnellen Todes und dem daraus resultierenden schnellen Generationswechsel konnte das Leben im Paläozoikum dann einen immensen Entwicklungsschub verzeichnen. Am Ende des Paläozoikums war fast alles Leben auf der Erde sterblich. Seit dem gibt es nur noch ein paar sehr seltene quasiunsterbliche Organismen in wenigen ökologischen Nischen wie es scheint, wie die erwähnten Bakterien.

Ein ‚unsterbliches Leben freiwilliger Art‘ würde nicht einmal durch Unfall, Naturkatastrophe oder Krankheit ein Ende finden. Diese Todesursachen wären zum Beispiel durch hoch entwickelte Technik beseitigt. Hier sind unendlich viele technische Lösungen denkbar von Genbanken und Datenbanken, von biologischen, mechanischen und virtuellen Körperlichkeiten, und Wiederherstellungsmethoden jeglicher Art. Die Science Fiction Literatur ist voll von Vorschlägen und Szenarios zu diesem Thema, die fast immer – wenn es sich nicht gerade um Unterhaltungsliteratur im eigentlichen Sinne handelt – der Vorbereitung eines interessanten philosophischen Gedankenspiels dienen. Einzig und allein die freie Entscheidung des Individuums würde das unsterbliche Leben freiwilliger Art beenden können – also seine Selbsttötung. Sollte die Natur für intelligentes Leben einen Weg bereithalten, das sterbliche Leben zu überwinden, könnte man weitergehen und sich fragen, ob es möglich sein könnte, über eine natürliche Quasiunsterblichkeit hinaus mit Hilfe von Technik sogar ein unsterbliches Leben zu entwickeln. Wenn dies möglich wäre, würde dies im Umkehrschluss sofort erklären, warum intelligentes Leben diese zusätzliche Option des Freitods besitzt: sonst wären die Individuen irgendwann in einem selbst geschaffenen unsterblichen Leben für immer gefangen.

Die vorigen Überlegungen führen, wenn man sie logisch nur etwas variiert, zu einem Begriff des ‚unsterblichen Lebens unfreiwilliger Art‘. Darin würde das Leben ebenfalls nicht durch Unfall, eine Naturkatastrophe oder eine Krankheit ein Ende finden können. Ein Freitod wäre in diesem Leben jedoch unmöglich: entweder weil das Leben kein Bewusstsein besäße und somit gar nicht auf die Idee eines Suizids käme, oder weil durch bestimmte Verhinderungsmechanismen ein Freitod unmöglich wäre. Man könnte sich ein Szenario mit einer Art Zwangswiederherstellung vorstellen. Ich kann mir zur Zeit kein Leben ohne Bewusstsein vorstellen, dass in der Lage ist, Tod durch Unfall, Naturkatastrophe und Krankheit zu überwinden. Ich kann mir einfach keine andere Lösung als eine hochentwickelte technische Lösung vorstellen, von der ich ausgehe, dass sie nur von Bewusstsein entwickelndem Leben geschaffen werden kann. Daher glaube ich, das unsterbliches Leben dem Bewusstsein vorbehalten ist. Aber vielleicht reicht meine Vorstellungskraft nur nicht aus. Vielleicht kann auch unbewusstes Leben überragende Technik erschaffen. Man denke an die Termiten und ihre Lehmbauwerke. Vielleicht gibt es im Universum sogar nichttechnische Lösungen zur Überwindung von Unfall, Naturkatastrophe und Krankheit. Was wissen wir schon von der Welt? Wieviel des Universums haben wir bisher bereist?

Die Frage des Zwangs zum Leben bleibt jedoch, sie ist völlig unabhängig vom Wie und Wann und wird beim Bewusstsein besitzenden Leben letztendlich zum Scheidepunkt jeglicher Freiheitsphilosophie und damit auch jeglicher Ethik. Ich möchte an dieser Stelle noch nicht über den Zusammenhang von Freiheit und Tod philosophieren und überlasse dies erst einmal sehr gerne dem Leser.

Ewiges Leben unterscheidet sich von unsterblichem Leben in der Form, dass es keinerlei zeitliche Begrenzung kennt. Unsterbliches Leben würde aufgrund seines Bezugssystems Welt und Kosmos letztendlich allerspätestens mit dem Ende des Universums ein Ende finden. Ewiges Leben jedoch würde nach seiner Definition weiter und für immer existieren. Ewiges Leben würde demnach auch die Grenzen des Kosmos überwinden und völlig unabhängig vom Universum existieren.

Statistische Lebenserwartung

Bei quasiunsterblichem Leben und besonders bei sterblichem Leben macht eine Unterteilung in freiwillig und unfreiwillig für Bewusstsein entwickelnde Lebensformen keinen großen Sinn, weil in beiden Fällen jederzeit eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, unfreiwillig durch einen Unfall, eine Naturkatastrophe oder eine Krankheit aus dem Leben zu scheiden. Außer dem bewussten Freitod gibt es im sterblichen und quasiunsterblichen Leben immer auch die Möglichkeit, die Wahrscheinlichkeit für einen tödlichen Unfall oder eine tödliche Krankheit um ein vielfaches zu erhöhen, und damit das Leben statistisch viel schneller zu beenden. Als Stichworte seien an dieser Stelle Risikofreude, Leichtsinnigkeit, Extremsport, Ignoranz, Alkohol- und Drogenmissbrauch, ungesunde Lebensweise, Extremverhalten, Raserei und Provokation genannt. Es gibt also ein vielfältiges Repertoire an Verhaltensweisen, welche die Wahrscheinlichkeit des individuellen Todes immens erhöhen. Diese Erhöhung der Todeswahrscheinlichkeit kann absichtlich durch Abwägung, aus Überzeugung, oder aus Todessehnsucht geschehen oder unabsichtlich durch Unerfahrenheit oder geringe Intelligenz des Individuums.

Das quasiunsterbliche Leben wird somit abhängig vom Lebenswandel des Individuums nach kürzeren bis längeren Zeiträumen beendet. Die Unterschiede in der Lebensspanne können daher erheblich variieren. Das sterbliche Leben wird nach einer typischen von der Art abhängigen, in den Zellen vorprogrammierten Zeitspanne beendet. Der Lebenswandel kann die Lebenszeit weiter statistisch verkürzen. Der vom Lebenswandel abhängige Unterschied in der Lebenszeit ist beim sterblichen Leben aber eher unerheblich. Wenn jemand nicht gerade einer Abusus (und dem damit oft einher gehenden rapiden körperlichen Zerfall) oder anderem über jeden Maßstab gehendem Extremverhalten unterliegt, liegen die statistischen Unterschiede zu völlig gesund und vernünftig lebenden Menschen normalerweise lediglich im Bereich weniger Jahre Lebenszeit. Es ist äußerst faszinierend zu beobachten, wie die sterblichen Menschen sich mit Hilfe von Sport, gesunder Ernährung, sogenannter ‚bewusster‘ Lebensweise, usw. häufig gerade so benehmen, als wären sie nicht sterblich, sondern quasiunsterblich und gewännen durch ihre Exerzizien und ihre Selbstdisziplinierung viele Jahrtausende statt nur weniger Jahre an statistischer Lebenserwartung hinzu. Zumal der Begriff Statistik von vornherein impliziert, dass es keine Garantie auf eine Lebensverlängerung gibt, sondern nur die Wahrscheinlichkeit für ein paar Jahre mehr steigt. Ich frage mich dann immer: Ist ihnen eine Ahnung von einem quasiunsterblichen Leben von der Natur mitgegeben worden oder haben sie einfach nur Angst vor dem Sterben oder vielleicht auch vor dem Tod?

Freiheit und Tod

Wir erleben heute, wie Menschen, die nunmal sterblich sind, gegen ihren Willen aufgrund medizinischen Rechts und fehlender Patientenverfügungen für Zeiträume bis zu einigen Jahren zum Leben gezwungen werden. Diese Zwangsmaßnahmen an Sterblichen lässt nichts gutes für eine unsterbliche Lebensform erwarten, sollten Menschen jemals bis zu der Möglichkeit einer solchen Unsterblichkeit aufsteigen. Mit einer Lebenserzwingung, wie sie heute vor dem Hintergrund der Sterblichkeit allen menschlichen Lebens teilweise völlig sinnlos aus einer medizinischen Doktrin der Lebenserhaltung um jeden Preis heraus praktiziert wird, würden weiterführende, technisch-medizinische Möglichkeiten der Lebensverlängerung bei einer technisch ermöglichten Unsterblichkeit von einem anscheinenden zukünftigen Paradies schnell zu einer unentrinnbaren Hölle mutieren. Bei einer Unsterblichkeit unfreiwilliger Art wären solche Maßnahmen dann keine hoffnungsvolle, segensspendende Bereicherung mehr sondern im Falle eines glücklosen, leidvollen Lebens vielleicht der schlimmste aller jemals von Menschen erdachten Albträume – eine Falle, eine ewiges unentrinnbares Gefängnis, eine Art von Apokalypse oder Hölle auf Erden. Es ist daher fundamental wichtig, dass wir erst einmal die individuelle Freiwilligkeit von Leben und Sterben zu sehen und zu respektieren erlernen, bevor wir uns durch unsere schnell fortschreitende medizinische Technik in Zukunft eventuell nicht revidierbarer unendlicher Folter und Leid aussetzen.

Auch ‚ewiges Leben‘ könnte wie ‚unsterbliches Leben‘ in freiwillige und unfreiwillige Art unterschieden werden. Die Definition ewigen Lebens sagt, dass es selbst den Bezugsrahmen eines vergänglichen Universums sprengen würde. Wenn wir einmal logischerweise annehmen, dass der, den wir Gott nennen, ein solches ewiges Leben besäße, stellte sich damit die interessante Frage: könnte Gott sein ewiges Leben beenden? Da Gott per Definition allmächtig ist: ja, selbstverständlich.

Jedem Menschen muss deshalb klar sein, dass ein unsterbliches oder unendliches Leben unfreiwilliger Art das Ende von Freiheit bedeuten würde. Nur in einem sterblichen, quasinsterblichen oder unsterblichen Leben freiwilliger Art ist der Mensch frei: Die Möglichkeit, aus dem Leben zu scheiden, die Möglichkeit, diese freie Wahl zu besitzen, ist die letzte und ultimative Freiheit. Ja, in diesem einem Punkt sind wir Gott gleich. Nur in diesem Punkt können wir mit Sicherheit sagen, dass wir nach seinem Ebenbild geschaffen wurden. Die Freiheit des Lebens ist die letzte aller Fragen. Die Erkenntnis aus dieser Fragestellung durchzieht gleichbedeutend alle Lebensformen im Universum: sterblich, quasiunsterblich, unsterblich oder ewig. Ihre Antwort ist die Definition von Freiheit und allem was aus Freiheit geschaffen ist: Kunst, Geist, Ästhetik, Ethik, Moral.

Altruistische Unsterblichkeit

Man kann zwischen altruistischer Unsterblichkeit und egoistischer Unsterblichkeit unterscheiden. Egoistische Formen von Unsterblichkeit wären die, welche man für gewöhnlich überhaupt als Unsterblichkeit bezeichnet: das Ego des Individuums bleibt erhalten, die Erinnerungen, das Wissen, die Erfahrungen und Gefühle, alle Eigenschaften, die Persönlichkeit ausmachen, existieren weiter. Der uralte Wunsch nach Unsterblichkeit zielt üblicherweise darauf, das Ego und die Persönlichkeit für immer und ewig zu erhalten.

Sterbliches Leben ist nur aus dieser egoistischen Sicht sterblich. Eine altruistische Sichtweise lässt jedoch erkennen, dass das Leben nicht nur nach seiner Entstehung in den ersten zwei Milliarden Jahren im Präkambrium quasiunsterblich war, sondern auch danach. Genau genommen gibt es überhaupt kein sterbliches Leben. Eigentlich sind wir alle quasiunsterbliche Wesen – als Gemeinschaft. Oder anders ausgedrückt: wir Menschen sind zusammen ein riesiger, quasiunsterblicher Organismus, ein Staaten-, Stammes-, oder Schwarm-Wesen, das seit etwa zwei Millionen Jahren existiert und weiter wächst, während sich seine Ausläufer – die Individuen der Art – weiter entwickeln. Die Gene werden vererbt. – Bei der sexuellen Fortpflanzung sind es statistisch etwa 50% der eigenen Genvariationen, die auf jeden Nachfahren übertragen werden. Global gesehen bleiben alle Gene jedoch zu 100% erhalten und werden nur immer wieder neu kombiniert (von hier und da auftretenden Mutationen einmal abgesehen).

Bei Bewusstsein entwickelnden Lebewesen ist eine Weitergabe des Wissens, der eigenen Erkenntnisse, Eindrücke und Wertvorstellungen über gesprochene und geschriebene Sprachen möglich. Die Teilsprachen Prosa, Lyrik, Musik und Mathematik haben mit der Zeit ihre eigenen ausgefeilten Notationen entwickelt. Es ist aufgrund einfacher logischer Überlegungen davon auszugehen, dass solche Sprachen universelle Instrumente darstellen und nicht ausschließlich von Menschen entwickelt werden, sondern von jeder Art von intelligentem Leben, wenn auch die Worte und Grammatiken mit Sicherheit andere sind.

Begriff der Auferstehung

Die Auferstehung der Toten beschäftigt die Menschen schon ebenso lang wie die Frage der Unsterblichkeit. Wenn man einst als Jäger eines Steinzeitstammes aus eigener Anschauung bei der Jagd oder im Krieg schnell lernte, dass Menschen nicht ganz so unsterblich sind, wie sie sich in Phasen der Euphorie fühlen, dann entstand sicherlich irgendwann einmal der diffuse Wunsch, dass man sich einst an einem anderen Ort wieder treffen würde. Und so haben fast alle Kulturen der Welt einen bestimmten Begriff von der Auferstehung der Toten entwickelt.

Bei Fragen zur Auferstehung der Toten handelt es sich um eine ganz andere Problematik als bei den Fragen zur Unsterblichkeit des Lebens. Wer braucht eine Auferstehung der Toten? Quasiunsterbliches oder unsterbliches Leben können erst einmal nur Lebensformen besitzen, die bereits mit dieser Veranlagung geboren werden. Der Mensch als sterbliches Lebewesen mit Bewusstsein entwickelt in seinem kurzen Leben manchmal – abhängig von Kulturkreis, Umfeld und persönlichen Erlebnissen – die Hoffnung, eine zweite Chance wäre möglich. Man wünscht sich, man könne eines Tages von den Toten auferstehen und ein zweites Leben erlangen. Meistens ist dieses gewünschte zweite Leben dann ewig. Zumindest zwei der großen Religionen hoffen auf solch eine ultimative Fortsetzung des jetzigen Lebens. Und beide haben ganz richtig eine grundsätzliche Unterscheidung zwischen ewigem Himmel und ewiger Hölle erkannt. In der Theologie werden Himmel und Hölle als Ergebnis der Handlungen und Entscheidungen der Menschen wie eine Belohnung oder Bestrafung gehandhabt. Es gibt aber auch Religionen, die nach der Auferstehung der Toten kein ewiges sondern ein unsterbliches Leben sehen. Dieses unsterbliche Leben kann entweder freiwilliger oder unfreiwilliger Art sein. Die Buddhisten sehen zum Beispiel ein unsterbliches Leben unfreiwilliger Art, aus dem man sich nur durch gute Taten befreien kann. Das Ziel in dieser Religion ist also tatsächlich der Tod! Man ist überzeugt, dass der Mensch von Natur aus immer wieder neu geboren wird und sucht den Ausweg aus dieser immer währenden Wiederkehr.

Eine Auferstehung der Toten, kann zum Beispiel durch eine Wiedererweckung des alten Körpers geschehen. Daran glaubten bekanntermaßen die alten Ägypter und mumifizierten ihre Leichen mit Weihrauch und ätherischen Ölen. Und auch die Menschen unserer Epoche glauben daran und bewahren ihre Leichen durch sogenannte kryonische Suspension auf: Das heisst, sie bewahren die Toten in Kryostaten mit flüssigem Stickstoff und glauben, Generationen in der Zukunft könnten sie einst wiederbeleben und dann unsterblich werden lassen. Eine Auferstehung von den Toten muss aber nicht gezwungenermaßen im eigenen Körper geschehen. Sie kann auch in einem neuen Körper, einem anderen Körper von anderem Geschlecht oder anderer Rasse, einem nicht-menschlichen Körper oder in einem körperlosen Zustand geschehen. Dieser Glaube wird ebenso von verschiedenen alten Religionen wie auch der modernen Wissenschaft geteilt. Der Verdacht, bei Naturwissenschaft handele es sich zumindest Teilweise um einen Religionsersatz, liegt bei solchen Betrachtungen gewissermaßen auf der Hand.

Trennung von Leib und Seele

Im Weltbild der alten Ägyptern gab es keine Trennung von Körper und Geist. Somit musste ein Mensch, der sich vornahm, eines Tages von den Toten aufzuerstehen, dafür Sorge tragen, dass sein Körper unbedingt erhalten bliebe. Dieser Glaube führte zu der berühmten Technik des Einbalsamierens und den heutigen Mumien: diesen vertrockneten menschlichen Körpern, die vielen Jahrtausenden integral widerstanden haben.

Die begriffliche Trennung von Leib uns Seele fand im Mittelmeerraum erst in der griechischen Philosophie statt. Das römische Reich übernahm die Geisteswissenschaft seiner hellenistischen Vorgänger und das Christentum wurde im römischen Reich groß und übernahm damit ebenfalls die griechische Philosophie. Angesichts des offensichtlichen Zerfalls des verwesenden Körpers, bestand als einzige Alternative zum künstlichen Erhalt des Körpers, wie die Ägypter dies praktizierten, nur die Trennung von Hülle und eigentlicher Wesenheit, von Fleisch und Seele, von Körper und Geist. Die Entwicklung der christlichen und später der muslimischen Religion hängen sehr stark mit dem dringenden Wunsch zur Unsterblichkeit und der daraus begründeten Trennung von Körper und Geist zusammen.

In der jüdischen Religion ist diese Trennung von Körper und Geist zwar auch vorhanden, aber weniger intensiv diskutiert. Jedoch streben Juden keine Unsterblichkeit an. Sie leben vielmehr im Jetzt und Hier und wollen das Leben auf Erden so gut wie möglich gestalten – ein Paradies auf Erden aus Gottes Willen und Menschen Hand. Der klassische Humanismus hat viele Ideen aus dem Judentum übernommen.

Im fernen Osten hat der Buddhismus eine Lehre des Spirituellen also Seelenhaften sehr detailliert entwickelt. Hier ist es jedoch so, dass die Seelen von Natur aus unsterblich sind und von Körper zu Körper über die Generationen der Menschen wandern. Nur, wer ohne Sünde ist und alle Gebote des Lebens erfüllt, kann dieser ewigen Zwangswiederkehr entkommen und für immer in Glückseligkeit ruhen.

Der sozialistische Materialismus leugnet die Seele und alles Spirituelle und jede Prädestination. Es gibt kein Leben nach dem Tod und keine Unsterblichkeit. Der Mensch kann nur durch die Taten der Gemeinschaft altruistisch unsterblich werden. Die Erziehung kann jeden Menschen zu einem besseren Menschen machen. Es gibt keine Menschen von höherem oder geringerem Wert. Der Mensch formt alleine als Staatenwesen die Welt und es gibt keinen Gott.

Das esoterisch-spirituelle Weltbild, welches als Gegenbewegung zum sozialistisch-materialistischen Weltbild ungefähr zur selben Zeit wie Marxismus und Nationalsozialismus entstand, glaubt ebenso wie der Buddhismus an eine Seelenwanderung und Reinkarnation des unsterblichen Geistes in verschiedenen Körpern.

Das naturalistisch-materialistische Weltbild der modernen Naturwissenschaften, also die Philosophie der meisten Mediziner, Physiker, Biologen und Chemiker heutzutage, leugnet größtenteils ebenfalls die Existenz des Spirituellen, also der Seele, und sucht kein Leben nach dem Tod und auch keine Unsterblichkeit. Diese philosophische Richtung hat aber aufgrund der Erkenntnisse der modernen Biologie den Glauben an eine evolutionäre Entwicklung des Lebens (Darwin) und der Gesellschaft (Spencer) auch ohne unmittelbaren menschlichen Einfluss aus den Naturgesetzen heraus angenommen. Erziehung ergänzt die Prädestination aus der individuellen genetischen Konfiguration, die auch die Qualität des Menschen bestimmt. Gott existiert entweder nicht oder nur als Schöpfer der Welt, der Mensch ist auf sich alleine gestellt.

Das transhumanistische Weltbild der Computerwissenschaftler, sieht die Seele wieder wie die Ägypter als etwas mit dem Körper verbundenes. Die Seele ist die ‚Software‘ auf der ‚Hardware‘ des Körpers. Jedoch ist die Seele hier nicht wie bei den Ägyptern untrennbar mit dem Körper verbunden, sondern kann auch auf jeder beliebigen anderen Hardware ‚laufen‘. Genauso wie sie im Rechner namens Gehirn Daten verarbeitet, kann die Seele auch auf einen elektronischen Rechner hochgeladen werden, um dort Daten zu verarbeiten (‚upload‘). Die Erschaffung eines künstlichen Maschinenmenschen ist möglich. Die Evolution hat den biologischen Menschen nur hervorgebracht, dass dieser den nächsten Schritt tue, die intelligenten Maschinen zu erschaffen, um danach das Universum diesen neuen Wesen zu überlassen. Die Maschinen werden das Paradies erschaffen und am Ende der Zeit zu dem werden, was wir Gott nennen. Die heutigen Computerwissenschaftler sehen sich somit als die Erschaffer dessen, was wir Gott nennen, also per Definition (Gott ist ja das Höchste und der Ursprung von Allem) als Gott selbst.

Die in späteren Kapiteln erwähnten Ideen zum Erlangen einer individuellen Unsterblichkeit, setzten entweder eine Trennung von Körper und Geist implizit voraus, wie Seele als reine Software oder Seele als Betriebssystem des Transhumanistischen Roboters oder sind unabhängig davon, wie der Cyborg, der Klon, medizinische Lösungen oder die autogene Zucht. Alle altruistischen Formen von Unsterblichkeit sind ebenfalls unabhängig von der Trennung von Seele und Geist.

Es gibt Philosophien oder Religionen, die annehmen, dass Seelen unabhängig vom Körper existieren können (Buddhismus, Esoterische Spiritualität), dass Körper ohne Seele existieren können (Sozialistischer Materialismus, Naturalistischer Materialismus), dass Körper und Seele eine verbundene Einheit bilden (Ägypter), dass Seelen wie das Körperlich-Materielle beherrschbar und manipulierbar sind (Transhumanisten) oder ausschließlich einem höheren Wesens außerhalb der Welt unterstehen (Judentum, Christentum, Islam).

Die Zucht von quasiunsterblichen Lebewesen

Quasiunsterbliche Wesen zu züchten ist eigentlich ganz einfach, wenn man viel Zeit mitbringt. Da uns die Natur alle dafür notwendigen populationsgenetischen Mechanismen zur Verfügung stellt, kann man diese Mechanismen ebenso praktisch nutzen. Ein normaler Züchter kann diese Mechanismen ebenso für seine Tierzucht nutzen, wenn er die grundlegenden Mechanismen einmal verstanden hat und die entsprechende Geduld über hunderte Generationen seiner Zucht mitbringt. Bei langlebigeren Lebewesen wird der Züchter seine Zucht an seine eigenen Nachfolger weitergeben müssen, und diese wiederum weiter an ihre, usw., bis eine erhebliche Verlängerung der durchschnittlichen Lebenszeit der Individuen der gezüchteten Art erreicht ist.

Man muss, wie oben erklärt wurde, nur das Reproduktionsalter künstlich nach hinten verschieben, indem man Männchen und Weibchen kontrolliert voneinander trennt. Dann stellt sich das lange Leben von alleine ein. Erst sinkt die Reproduktionsrate und alle Organismen, die einen Gendefekt besitzen, der später auftritt als das ursprüngliche Reproduktionsalter – aber noch vor dem neuen Reproduktionsalter – werden vor diesem neuen Reproduktionsalter entweder unfruchtbar oder sterben. Sie werden sich nicht mehr zum Zeitpunkt des neuen Reproduktionsalters vermehren können. Man darf die Abstände zwischen dem alten und neuen Reproduktionsalter nur nicht zu groß werden lassen, weil die Population dann sehr zurückgeht und lange braucht, um sich wieder zu erholen. Wenn der Züchter in dieser Erholungsphase den Fehler begeht, die Geschlechter schneller zusammenzubringen, um die Erholung der Population zu beschleunigen, macht er das Ergebnis seines letzten Schrittes wieder zunichte. Nur nachhaltige Geduld über sehr lange Zeit kann zu einer Lebensverlängerung durch Zucht führen.

Da ein Organismus normalerweise nur fruchtbar ist, wenn er sich in einem allgemein gesunden körperlichen Zustand befindet, ist diese Zucht auch nicht auf ein Aussterben von Individuen durch letal wirkende Gene angewiesen. Nein, im Gegenteil, die meisten der Individuen werden einfach weiterleben, sind aber aufgrund von Krankheiten unfruchtbar. Die Natur hat es so eingerichtet, dass der Körper bei den meisten Krankheiten in eine Art Sparmodus verfällt, so dass auf die zur Selbsterhaltung nicht unmittelbar benötigten Körperfunktionen – und dazu gehört der energieaufwändige Fortpflanzungsapparat – als erstes verzichtet wird. Nur die Individuen mit durchschnittlich gesünderen Genen werden sich im neuen, also höheren Reproduktionsalter noch vermehren. – Die anderen Individuen mit weniger gesunden Genen sterben einfach von Generation zu Generation aus, meist ohne selbst dabei einen frühen Tod zu erleiden – sie haben einfach keine Nachkommen mehr, weil das durchschnittliche Reproduktionsalter für sie einfach zu hoch ist.

Damit wird jeder in jüngerem Alter schwächende Gendefekt im Erbgut über die Generationen eliminiert, weil die Organismen, die ihn in sich trugen, sich nicht mehr reproduzieren konnten. Das führt wiederum dazu, dass die durchschnittliche Lebenserwartung wie auch das durchschnittlich maximale Fruchtbarkeitsalter der Population von Generation zu Generation zunimmt, da bestimmte Gendefekte, die sonst Lebewesen in einem Alter zwischen ihrem ursprünglichen Reproduktionsalter und dem neuen Reproduktionsalter töteten oder unfruchtbar machten, nicht mehr auftreten.

Diese Zucht zur Quasiunsterblichkeit funktioniert. Man kann sie jederzeit im kleinen Rahmen bei schnelllebigen Organismen wie Fruchtfliegen über ein paar Jahre testen und dabei eine merkliche Verlängerung der durchschnittlichen Lebenszeit der Individuen der Population erreichen. Man kann sie ebenso bei Hunden und Katzen durchführen. Jedoch wird die Zucht hier nicht Jahre sondern Jahrhunderte benötigen um eine merkliche Lebensverlängerung der Haustiere zum Beispiel um gut das Doppelte auf etwa 25 bis 30 Jahre zu erreichen. Man könnte aber genauso gut ihre durchschnittliche Lebenserwartung in solchen Zeiträumen auf die Hälfte oder weniger herab züchten, wenn man dies wollte.

Die heutige Lebenserwartung von Haustieren wie Hunden und Katzen ist letztendlich die, die dem Menschen über die lange Zeit, in der er mit ihnen nun schon zusammenlebt, unbewusst am gefälligsten war. Die Lebenserwartung besonders von Hunden entspricht nicht rein zufällig der Länge eines typischen Lebensabschnitts wie der Kindheit. Dann wendet sich der Mensch typischerweise meist neuen Dingen zu. Der Haushund stammt direkt vom Wolf ab, jedoch wird der Wolf in Gefangenschaft deutlich älter als Hunde. Das zeigt, dass der Mensch auf die Lebenserwartung der Hunde offensichtlich korrigierend Einfluss genommen hat. Wildhunde werden zum Beispiel etwa 20 Jahre alt, Rotfüchse, die ebenfalls zur Familie der Hunde gehören, von denen der Haushund aber nicht abstammt, werden nur etwa sieben Jahre alt. Beim Verhältnis der Lebenserwartung von Hauskatzen und Wildkatzen ist es ähnlich wie bei den Wölfen und Hunden: Wildkatzen werden in Gefangenschaft deutlich älter als Hauskatzen. Sie wurden über die Jahrtausende zu einer geringeren Lebenserwartung gezüchtet. Umgekehrt ist es bei den Kaninchen. Wildkaninchen werden in der Gefangenschaft unter optimalen Bedingungen bei weitem nicht so alt wie Hauskaninchen, die eben außer als Nahrungslieferant mit der Zeit auch immer mehr als Streicheltier der Menschenkinder Verwendung fanden und das erklärt, warum das durchschnittliche Lebensalter der Hauskaninchen sich durch Zucht zum Streicheltier dem der anderen Haustierer wie Hunde und Katzen allmählich annähert. Der Mensch ersetzt bei den Haustieren das natürliche ökologische System, welches sonst zu einer bestimmten Lebenserwartung führen würde. Man könnte auch sagen, er ist der bestimmende ökologische Faktor der Haustiere.

Abgrenzung von der Unmenschlichkeit

Funktioniert diese Zucht zu längerer Lebenserwartung auch am Menschen? Natürlich! Der Mensch ist letztendlich biologisch systematisch gesehen ein Säugetier wie Hunde und Katzen. Dennoch Vorsicht: jede Art von Zucht am Menschen ist ein extremer Eingriff in die gesellschaftlichen, politischen und ethischen Strukturen der Gesellschaft. Wir reden hier letztendlich von Eugenik und diese kann sehr schnell ganz böse für andere Zwecke missbraucht werden, wie uns die Geschichte lehrt. Ich versuche meine Worte in diesem Kapitel so unmissverständlich wie möglich zu wählen, und bitte sie, meine Leser, jedoch trotzdem um Nachsicht, sollte eine Formulierung, immer noch eine von mir bisher unentdeckte Zweideutigkeit enthalten.

Die Überlegungen am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts zur Eugenik, die kurze Zeit später im Zeitalter des Faschismus, besonders im deutschen Nationalsozialismus, Bestandteil der autoritären Rassenpolitik der Machthabenden wurden, sind dadurch sehr in Verruf geraten, obwohl sie praktisch niemals in irgend einer Form umgesetzt oder getestet wurden. Die Nationalsozialisten brüsteten sich zwar mit ihrer angeblichen Selektion einer Elite mit dem Ziel, einen Übermenschen oder ‚Herrenmenschen‘ – wie sie diesen selbst nannten – zu züchten. Die Zeitspanne der Regierung durch die Nazis reichte aber nur – vor dem Hintergrund der selbst proklamierten tausend Jahre – lächerliche zwölf Jahre lang, viel zu kurz um von Anfängen, geschweige Ergebnissen einer Zucht in irgend einer Form überhaupt sprechen zu können – aber lang genug um für den gewaltsamen Tod von 50 Millionen Menschen verantwortlich zu sein! Es konnte also gar keine Menschenzucht vorliegen, nicht einmal in Ansätzen. Die Zucht am Menschen bedarf Zeiträumen von mindestens einigen Jahrhunderten bis Jahrtausenden um überhaupt Veränderungen feststellen zu können. Nach Jahrzehnten kann keine Veränderung vorliegen, das ist biologisch völlig unmöglich.

Jedoch ist es sehr einfach, Eugenik als Vorwand zum Mord an unerwünschten Individuen zu missbrauchen – viel einfacher als mit philosophischen, politischen, religiösen oder soziologischen Begründungen. Man erfindet den Begriff der Rassenhygiene und grenzt polarisierend alle Bevölkerungsgruppen aus, die aus Vorurteilen, unterschwelligen Ängsten oder Vorlieben der Machthabenden nicht genehm sind. Die Eugenik der Nationalsozialisten war, betrachtet man sie genauer, purer Humbug. Sie war ein Vorwand wie die meisten ihrer politischen Theorien. Es war nicht mehr als Propaganda, weil Eugenik damals ein sehr beliebtes, angesehenes und breit diskutiertes Thema in der Gesellschaft war – es gab viele wissenschaftliche und populärwissenschaftliche, geradezu euphorische Publikationen zu diesem Thema.

Die Rassenhygiene der Nationalsozialisten war ihre Rechtfertigung der Massenvernichtung von mindestens vier Millionen unerwünschter Bürger – um sich obendrein als Diebe an dem Erbe der Ermordeten zu bereichern. Niemals war die Ideologie ihres Übermenschen auch nur ansatzweise wissenschaftlich fundiert – eine Mischung aus reiner Spekulation, willkürlichen Annahmen, hysterischen populistischen Reden, germanischen Mythen, esoterisch anmutenden Bräuchen, rassistischen Hasstiraden. Im Ergebnis wurde diese Rassenhygiene als Grund für die systematische Ausrottung von Juden, Kommunisten, Religiösen, Zigeunern, Behinderten und Obdachlosen in Vernichtungslagern genutzt – die selben Minderheiten gegenüber denen das Gros der Bevölkerung in Deutschland auch heute noch Ressentiments hegt. Nach den Wahlsiegen einer neuen nationalkonservativen Partei in Deutschland im Jahr 2015/2016, die ehemals bürgerlich orientiert, nach einem internen Machtkomplott jetzt als nationalistische, einwanderungskritische Arbeiterpartei auftritt und der genaueren Betrachtung ihrer Wählerschaft, sollte jedem klar sein, dass die Gefahr einer möglichen Wiederholung solcher Gräueltaten in Deutschland real existiert.

Heute ist wichtiger denn je: Wenn das Volk Eugenik ansatzweise versteht, kann sie nicht von Populisten zur Rechtfertigung von Menschenverachtung oder noch Schlimmerem herangezogen werden. Wenn man sie aber zum Tabuthema erklärt, dann kann dies aus Unwissenheit geschehen. Die Willkürauslegung von eugenischen Begriffen und ihre Reduktion auf eine reine Selektion, die zur systematischen Ermordung führt, hat das Bild der Deutschen bis heute international geprägt und lässt – obwohl Eugenik als Teilgebiet der biologisch-genetische Wissenschaft weltweit anerkannt ist – jeden vernünftigen Menschen in Deutschland beim Auftauchen eugenischer Fachvokabeln erst einmal erschaudern oder gleich aufschreien – und mit Recht!

Wenn die wissenschaftliche Gemeinschaft jemals ernsthaft einen ‚Superman‘ (auch ein beliebtes Idealwesen aus den dreißiger Jahren), also einen genetisch überlegenen Menschen züchten wollte – was sie bis jetzt niemals ernsthaft vorhatte (zumindest ist mir kein wissenschaftliches Forschungsprojekt dazu bekannt), dann würden solche Bestrebungen mit absoluter Sicherheit mit den willkürlichen, und wahnwitzigen, komplett unwissenschaftlichen Schlächter-Methoden der Nationalsozialisten keinerlei erkennbare Schnittmenge besitzen. Die biologische und medizinische Wissenschaft in Europa leidet bis heute an dem Nachhall der menschenverachtenden, sadistischen Quälversuche einiger korrumpierter, perverser Mediziner und Biologen in den Internierungslagern des selbsternannten Dritten Reiches. Dies und seine vielfältigen direkten und indirekten gesellschaftlichen und politischen Folgen ist bis heute der Grund für das Abwandern so vieler guter Naturwissenschaftler und Ärzte in die Vereinigten Staaten.

Ich möchte diesen Text an dieser Stelle mit aller mir möglichen Ausdruckskraft vom Neid, Hass, der Gewalt, Brutalität, des Sadismus, und der Perversion der SS, von der Rassendiskriminierung, der Euthanasie, dem Verrat an der Menschlichkeit und Menschenwürde, von der gestrigen und leider auch noch heute vorhandenen Menschenverachtung in Deutschland (das haben die gesellschaftlichen Reaktionen auf die Flüchtlingsströme im Jahr 2016 bewiesen) völlig klar und scharf gezogen abtrennen. Es darf hier keinen noch so winzigen oder diffusen Platz für Antihumanismus, Menschenverachtung oder Diskriminierung von Minderheiten egal aus welchem Grund und ganz besonders nicht aus genetischen Gründen geben.

Die folgenden Kapitel sollen das Gegenteil eines solchem antihumanistischen Gedankenguts sein. Es geht um biologische und demokratisch zu entscheidende Wissenschaft zum Wohle aller Menschen auf der Welt. Es ist absolut legitim, sich solche Gedanken zu machen und die positiven Aspekte dieser Gedanken einer zielgerichteten humanistischen Eugenik herauszuarbeiten, sowie gleichzeitig vor den Gefahren dieser Techniken, die sie genauso besitzen, wie alle anderen von Menschen erdachten Techniken, zu warnen. Natürlich kann eine missbrauchte Eugenik genauso zum Unwohl der Bevölkerung eingesetzt werden wie eine missbrauchte Medizin, missbrauchte Nukleartechnik oder – gerade äußerst akut – eine missbrauchte Informationstechnik. Es besteht auch bei einer Eugenik im humanistischen Sinne, wie bei allen menschlichen Techniken eine Gefahr des Missbrauchs. Sie bietet aber weise eingesetzt genau wie jede andere Technik Chancen und Potential das Leben der Menschen zu bewahren, zu verbessern und zu erleichtern.

Der Mensch züchtet sich selbst seit er denken kann

In der Vergangenheit hat es die autogene eugenische Zucht am Menschen durch den Menschen selbst immer gegeben – genau genommen seit er denken kann. Sie ist eine Selbstverständlichkeit des Menschseins und kennzeichnet den Menschen gegenüber anderen Lebensformen ohne Bewusstsein. Wie, gesagt die Nationalsozialisten haben keine Zucht am Menschen durchgeführt. Sie wären zu einer wissenschaftlich begründeten Eugenik auch gar nicht fähig gewesen, weil sie aus ideologischen Gründen bestimmte wissenschaftliche Fakten ignorieren mussten. Aus den selben ideologischen Gründen waren sie auch nicht zur Entwicklung der modernen Physik oder „Judenphysik“ – so nannten sie diese – fähig. Es gibt übrigens auch heute noch Menschen, die aus ideologischen, rassistischen Gründen zum Beispiel die Relativitätstheorie ablehnen – die am genauesten und am häufigsten in Versuchen bestätigte aller menschlichen Theorien überhaupt! In einem totalitären Staat ist kreative wissenschaftliche Arbeit immer nur in den Wissensgebieten möglich, die den Machthabern gerade genehm sind. Eine biologisch genetische Forschung aber, die den nationalsozialistischen Anführern wissenschaftlich empirisch beweisbar das Ergebnis geliefert hätte, dass das Genom der Deutschen gar nichts Besonderes ist – was sie aber unbedingt glauben wollten – und eigentlich das eines der vermischtesten Mischlingsvölker überhaupt ist, ist bereits in den Ansätzen unterdrückt worden. Daher gab es in Nazideutschland nie eine wissenschaftliche Eugenik, nur ideologisch begründeten Massenmord. Aber andere, wesentlich beständigere gesellschaftliche Phänomene und Institutionen haben sich teilweise über Jahrtausende sehr erfolgreich der genetischen Veränderung des menschlichen Erbguts gewidmet.

Das heute offensichtlichste und bekannteste Beispiel einer erfolgreichen autogenen Zucht sind die alten Adelsfamilien, die sich die Ehepartner ihrer Nachkommen nicht nur aus politischen sondern auch aus genetischen Überlegungen auswählten und damit über die Jahrhunderte eine Verbesserung der vererbbaren Eigenschaften ihrer Familien, ihrer Stämme anstrebten und sicherlich zum großen Teil auch erreichten. Wer Menschen aus adligen Familien kennt, der weiss wovon ich rede. Der idealisierte Begriff des Helden, einer Art übermenschliches Idealbildes von körperlicher und geistiger Perfektion, spielte im Adel von jeher eine große Rolle, angefangen bei den Königsfamilien der alten Griechen. Man war über lange Zeiträume bestrebt, die Nachkommenschaft in jeglicher Hinsicht, auch genetisch, zu verbessern und versuchte einer Verschlechterung entgegenzuarbeiten, soweit dies praktisch – also politisch – möglich war.

Es gibt in Asien ein großes Volk, das ganz bewusst und über lange Zeiträume durch eine kontinuierliche Politik der Bevorzugung bestimmter erwünschter individueller genetischer Merkmale seiner Staatsbürger und Staatsbeamten durch gezielte Förderung auf der einen Seite (Positionen, Geld, viele Frauen, viele Kinder) und strikte Verhinderung auf der anderen Seite (Ausschluss, Armut, keine Frauen, keine Kinder) genetisch verändert und geformt hat. Zu den bevorzugten genetisch vererbbaren Eigenschaften eines Idealbürgers gehörten psychosoziale Eigenschaften wie Folgsamkeit, Geduld, Ruhe und Gelassenheit. Man sollte sich darüber ganz im Klaren sein und sich nicht bei Menschen aus bestimmten asiatischen Ländern über typische Eigenschaften wundern. Auch müssen diese Eigenschaften, da sie in einer archaischen Zeit als Ideale definiert wurden, den heutigen Idealen eines Staates und seiner Staatsbürger nicht unbedingt entsprechen. Ich möchte an dieser Stelle bewusst jede Wertung vermeiden, da diese einer vorherigen langen Abhandlung über Vor- und Nachteile bedürfte. Nur eines ist sicher: diese Menschen wurden über Jahrtausende von anderen Menschen gezüchtet und genau so sieht das Ergebnis aus, wie es uns heute gegenübertritt.

Es gibt weiterhin ein Volk, das sich über Jahrtausende und hunderte Generationen immer als Minderheit in einer gesellschaftlichen, politischen und militärisch schwachen Position oft in der Diaspora befunden hat, und wo die Wahl des Partners durch die Eltern fast ausschließlich in Hinsicht der Intelligenz und der resultierenden Lebenstüchtigkeit der Enkelkinder ablief. Die Individuen dieses Volkes sind im Durchschnitt wesentlich intelligenter als die Individuen anderer Völker, die über lange Zeiträume größer und mächtiger waren und daher einem geringeren Selektionsdruck durch Zucht in Richtung Intelligenz ausgesetzt waren. Schlauheit ist unzweifelhaft immer und zu jeder Zeit von großem Vorteil. Leider ruft der damit verbundene Lebenserfolg oft schlimme Neider unter den anderen Völkern herbei.

Dann gibt es ein Volk, das über Jahrhunderte als Arbeitssklaven gehalten und geknechtet wurde. Die Institution der Familie war ihnen nicht erlaubt und Männer und Frauen wurden unter Zwang ausschließlich zum Zeugen von Nachwuchs zusammengebracht. Die ‚Besitzer‘ jener Menschen betrachteten dieses Volk als Tiere und als Handelsware und züchteten erbarmungslos Arbeitssklaven durch die Auswahl der stärksten Männer und robustesten Frauen. Die schwachen Arbeiter und Arbeiterinnen wurden zu Tode geschunden und ihnen war Nachwuchs verwehrt. Nach seiner Selbstbefreiung liefert dieses Volk heute fast Ausnahmslos die größten Sportler, Athleten und Krieger – ein von den ehemaligen Besitzern eher unerwünschter Nebeneffekt der Menschenzucht zu großer Arbeitsleistung, Ausdauer und Gesundheit. Das dieses Volk ebenfalls nach Bach, Beethoven und Mozart im zwanzigsten Jahrhundert die größten Genies musikalischer Komposition hervorgebracht hat, zeigt nur deutlich, dass sich die Natur erstens nur zum Teil in ihr Handwerk pfuschen lässt und zweitens das menschliche Genie letztendlich über allem steht, unabhängig von jedem Zuchtziel.

Das schöne Weibchen des hässlichen Affen

Das beste, gelungenste und schönste Ergebnis einer von Hominiden an Hominiden durchgeführten autogenen Zucht lebt um uns und in uns und gewinnt immer mehr an Bedeutung und Macht, es ist das Urweibchen des Hominiden ‚Homo Sapiens‘, das aber heute mit seiner ursprünglichen Form kaum noch Ähnlichkeit hat. Die Weibchen dieser Menschenart waren noch vor geologisch sehr kurzer Zeit – vor nur 500 Tausend Jahren – genauso grobknochig, lederhäutig, behaart, breitmaulig und hässlich wie die Männchen. Sie waren aber aufgrund ihres energieintensiven Gebärapparates in Hinsicht von Muskelkraft und Größe den Männchen unterlegen und damit – gerade in der Zeit ihrer Schwangerschaft – den Männchen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Hier und da hat die genetische Variation nach dem Zufallsprinzip schönere Weibchen als andere produziert. Die körperlich überlegenen Männchen waren in ihrer geistigen Entwicklung damals gerade zum ersten Mal in der Lage, diese Schönheit zu erkennen und bevorzugten einfach die schöneren Weibchen. Die Grausamkeit und Brutalität des Homo Sapiens ist bekannt, man braucht diese nicht im Detail auszumalen. Es gibt keine Zeugenberichte aus der geschichtlichen Vorzeit nur Knochenfunde und logische Überlegungen dazu. Eines aber ist sicher: den frühen Weibchen ist großes Leid geschehen, an ihnen ist unsägliche Gewalt verübt worden. Mit der Zeit starben die Gene der den Männchen gleichenden Weibchen aus und die Gene der sich von den Männchen stark unterscheidenden, schöneren Weibchen setzten sich durch. Aber es war nicht nur die Schönheit des entstehenden ästhetischen Bildes eines ganz neuen Menschen – der Frau – die dabei eine Rolle spielte. Männchen bestehen nun einmal statistisch zu etwa 50% aus den Genen der Weibchen. Damit wirkte sich diese autogene Zucht zu einem Idealwesen namens ‚Frau‘ auch auf die Männchen selbst aus. Die hässlichen Männchen konnten ja unmittelbar beim Betrachten ihrer Nachkommen überprüfen, dass die schöneren Weibchen nicht nur schönere Töchter sondern auch schönere Söhne zur Welt brachten. Da man die Söhne aus einfacher Überlegung heraus als seine eigene Reproduktion verstand, machte dies jene schöneren Weibchen sehr begehrt. Sie wurden zur Handelsware – bei manchen urtümlicheren Völkern noch bis heute. Die Männchen des Homo Sapiens wurden dadurch mit der Zeit ebenfalls weniger stark behaart, weniger grobknochig, untersetzt, gekrümmt, klobig und insgesamt viel schöner anzusehen – zumindest im Durchschnitt.

Dieser Prozess einer autogenen Zucht zur Schönheit der eigenen Spezies durch die Bevorzugung der schöneren Exemplare eines der Geschlechter (logischerweise des schwächeren) kann natürlich nur bei Bewusstsein entwickelnden Arten auftreten, die ein Schönheitsideal, ein ästhetisches Empfinden zu entwickeln in der Lage sind. Damit transformieren sie sich selbst mit der Zeit hin zu diesem Ideal von Schönheit. Beim Homo Sapiens heisst dieses körperliche Ideal: unbehaart, samthäutig, symmetrisch, mathematisch proportioniert, ein aus mathematischen Grundkörpern aufgebauter Körper: Kugeln, Zylinder, Kegel, Ellipsoide, Quader. Die unbehaarte ebenmäßige Haut unterstreicht die mathematisch theoretischen Idealformen. Füße, Beine, Po, Rücken, Bauch und Brust, Schultern, Arme, Hände, Hals, Hinterkopf, Stirn, Nase, Mund und Kinn, Wangen, Augen und Ohren – die ganze philosophische, geisteswissenschaftliche Ästhetik hat sich letztendlich an der Idealvorstellung der menschlichen Proportionen festgemacht, und dabei besonders an ihrem ästhetischen Vorreiter, dem weiblichen Körper. Wir selbst sind mittlerweile körperlich weit mehr das Ergebnis unserer autogenen Zucht als das Ergebnis einer natürlichen Selektion. Wer das nicht sieht, hat sich wohl nie gefragt, warum es heute, nach so kurzer Zeit von nur wenigen hunderttausend Jahren so schöne Menschen gibt, obwohl wir damals – nach allem was wir von uns ausgegraben und rekonstruiert haben – so hässlich waren! Nun, wo die Weibchen in der heutigen Epoche, in der die Bedeutung von Körperkraft durch die Mechanisierung immer mehr zurücktritt, selbst an Bedeutung und Macht gewinnen, wird sich dieser Prozess unter Umständen auch noch auf eine Auswahl der Männchen durch die Weibchen ausdehnen. Damit wird die autogene Zucht zum Idealbild eines Menschen in Zukunft vielleicht noch schneller passieren. Der Homo Sapiens züchtet sich gerade in diesem Moment selbst, so wie er es immer tat, seit er ein Bewusstsein und Schönheitsempfinden besitzt.

Ich verlasse nun wieder die Begriffe der Tierwelt um den Homo Sapiens zu beschreiben, ich habe diese Begrifflichkeit natürlich in diesem Abschnitt absichtlich so gewählt, um den eventuellen Schock für manchen Leser so gering wie möglich zu halten. Denken sie über meine These einmal in Ruhe und allein an einem langen Abend logisch nach. Sie werden einsehen, dass sie möglich und mit allergrößter Wahrscheinlichkeit richtig ist. – Wenn sie auch alle derzeitigen Tabus bricht, dem sozialistisch-materialistischen pädagogisch orientierten philosophischen Weltbild der meisten heutigen Diplom-Soziologen widerspricht, gegen den Zeitgeist prallt und vielleicht sogar den einen oder anderen verärgern mag. Das tut mir leid, aber darauf will ich als Philosoph sicherlich keine Rücksicht nehmen, denn ich suche die Wahrheit und nicht den Konsens und auch nicht die in das gängige Weltbild passende Idee und ebenso nicht die angenehme Schmeichelei.

Es gab immer wieder Wissenschaftler, die in der Vergangenheit Darwins Evolutionstheorie gerade nach dem Auftauchen der ersten Funde von Urmenschen anzweifelten. Wie hätten wir uns, die wir mit diesen Urmenschen verwandt sein sollen, nur durch Mutation und Selektion so schnell aus jenen Tieren entwickeln können? Computermodelle wurden erstellt und lieferten keine plausiblen Erklärungen. Rückbesinnung zu de Lamarcks Evolutionstheorie bis hin zu Vermischungstheorien mit außerirdischen Raumfahrern kamen vor. Dabei ist es doch so einfach und liegt auf der Hand: Wir haben uns genauso schnell entwickelt wie unsere Hauskatzen oder Haushunde! Wir haben uns selbst genauso gezüchtet, wie wir unsere Haustiere gezüchtet haben. Unser Verstand machte uns dies möglich. Biologische Evolution passiert nicht alleine über Mutation und Selektion sondern zusätzlich und extrem effektiv über autogene Zucht. Die autogene Zucht ist das fehlende Teil im Puzzle der Evolutionstheorien.

Reproduktionsalter und Lebenserwartung nehmen weiter zu

Wir haben uns in den letzten Jahrhunderten autogen zu höherer Langlebigkeit gezüchtet. Dies geschah aber völlig unbewusst als Reaktion auf gesellschaftliche Veränderungen. Früher paarten sich Menschen im Alter von etwa 15 Jahren oder sogar jünger, damit war es für das Fortbestehen der Population egal, wenn viele Individuen bereits mit 30 Jahren verstorben waren, solange es genügend Überlebende gab, um weiterhin die Jungen aufzuziehen. Mit den Jahrhunderten stieg das durchschnittliche Reproduktionsalter von 15 auf 25 Jahre und damit die durchschnittliche Lebenserwartung. Die immer besser werdende medizinische Versorgung reduzierte die statistisch verursachte Todesrate durch Krankheit und Unfall zusätzlich und erhöhte die durchschnittliche Lebenserwartung darüber hinaus. Heute sind wir in unserer Gesellschaft, in der der Anteil von Akademikern mit langer Ausbildung immer weiter zunimmt, bereits bei einem durchschnittlichen Reproduktionsalter von nahezu 35 Jahren angelangt und damit würde die durchschnittliche Lebenserwartung auch ohne jede medizinische Versorgung sehr hoch liegen. Weil sich bei uns die unter 35-jährigen kaum noch paaren, sind fast alle Bürger bis 35 sehr gesund. Früher waren die meisten Menschen in diesem Alter bereits krank und gebrechlich. Warum dies so ist, habe ich in den vorigen Abschnitten unter dem Stichwort ‚Prinzip der Verschiebung des durchschnittlichen Reproduktionsalters‘ mehrmals erklärt.

Die Lebensverlängerung durch medizinische Versorgung greift statistisch erst nach dem statistischen Reproduktionsalter und verlängert vor allem das Leben nach der Reproduktion. Diese medizinische Lebensverlängerung hat somit auf die natürliche Lebenserwartung einer Art keinerlei Einfluss. Sobald die medizinische Versorgung wegfällt, fällt auch wieder die Lebenserwartung der Art auf einen natürlichen Wert, der nur von der Populationsbiologie und besonders das durchschnittliche Reproduktionsalter bestimmt wird.

Wenn das durchschnittliche Reproduktionsalter aufgrund weiterer gesellschaftlicher Veränderungen theoretisch auf 45 Jahre anstiege, würde die durchschnittliche natürliche Lebenserwartung der Individuen ohne jede medizinische Versorgung erneut merklich ansteigen, wahrscheinlich weit über 100 Jahre. Und bei guter medizinischer Versorgung kämen erneut noch ein paar Jahre statistische Lebenserwartung obendrauf. Auch würde das durchschnittliche Höchstalter der Fruchtbarkeit von Frauen weiter ansteigen. Es gäbe immer mehr Frauen, die noch mit 45 und darüber hinaus fruchtbar wären. Durch ein hohes Reproduktionsalter, werden die Gene, die eine Paarung in diesem Alter unmöglich machen eliminiert, vorausgesetzt man wagt sich nicht zu weit aus dem Kerngebiet der statistischen Glockenkurve der Altersverteilung des maximalen Reproduktionsalters hinaus, sonst stirbt die Art aus.

Aber es sollte auch klar sein, dass mit einer Erhöhung des durchschnittlichen maximalen Reproduktionsalters und der daraus ansteigenden genetisch ermöglichten maximalen Lebensspanne durch die ‚Verbesserung‘ der Erbanlagen, nichts über die Varianz, also die Abweichung, gesagt ist. Wahrscheinlich wird die Varianz weiter zunehmen, wenn die durchschnittliche Lebenserwartung weiter steigt. Das heisst es wird immer mehr Menschen geben, die im hohen Alter noch gesünder und fitter sind als andere, die viel jünger als sie sind. Die Gesellschaft muss sich darauf einstellen. Eine Verallgemeinerung eines erreichten Rentenalters innerhalb einer Zeitspanne von fünf Jahren zwischen 62 und 67 ist heute schon nicht mehr zeitgemäß. Es gibt Menschen, die mit 55 nicht mehr arbeitsfähig sind und andere führen noch mit 75 schwere Erdarbeiten in ihrem Garten durch. Aber es wäre ziemlich dumm den einen oder den anderen dafür zu loben oder zu tadeln, denn es handelt sich dabei nur um eine statistische Varianz zufälliger Erbanlagen. Und es kann jeden treffen, denn wir reden nur von Durchschnittswerten. Wir werden im Durchschnitt immer älter und im Durchschnitt im Alter immer gesünder. Und der triviale Grund dafür ist, dass wir uns aufgrund der modernen Gesellschaft mit ihren hohen Anforderungen immer später reproduzieren.

Medizinische Versorgung und Lebenserwartung

Es gibt leider einen verbreiteten Irrglauben – der die populationsgenetischen Grundlagen der Lebenserwartung einfach ignoriert, auch um unangenehme historische Themen nicht ansprechen zu müssen – die moderne medizinische Versorgung sei alleine für die heutige höhere durchschnittliche Lebenserwartung zuständig. Das ist falsch. Dies wird oft begründet mit der hohen Kindersterblichkeit vergangener Zeiten. Kleinkinder wurden aber damals gar nicht in den Statistiken mitgezählt. Rechnen sie es selber aus, bei einer Kindersterblichkeit von 50% – einem typischen Wert um das Jahr 1800 – müsste der Rest der Bevölkerung im Durchschnitt 80 Jahre – älter als wir heute – werden, um auf eine durchschnittliche Lebenserwartung von 40 Jahren zu kommen. Nein, die Kleinkinder – größtenteils die Opfer mangelnder Hygiene – wurden früher nicht mitgezählt. Erst als die Kindersterblichkeit mit der aufkommenden Hygiene ein vernünftiges Maß unterschritt, wurden Kinder in der Statistik zur Lebenserwartung überhaupt erfasst. Der entscheidende Anteil der Erhöhung der durchschnittlichen Lebenserwartung kam selbstverständlich nach den Regeln der Populationsbiologie durch die Zunahme des durchschnittlichen Reproduktionsalters in der Gesellschaft und nicht durch die Medizin.

Die medizinische Versorgung kann viele Altersgebrechen, die zu einem frühzeitigen Tode führen würden, wie faule Zähne, verschiedene Krebsformen, Kreislauferkrankungen, Asthma, Entzündungen bekämpfen und damit vielen Individuen ein viel längeres Leben bescheren. Die meisten dieser Individuen haben sich, wenn diese Krankheiten akut und damit die Fruchtbarkeit beeinträchtigend und später lebensbedrohend werden, aber bereits schon längst fortgepflanzt. Damit kommen die medizinischen Erleichterungen im Genom überhaupt nicht zum tragen. Das heisst, die neuen Generationen hätten diese Krankheiten ganz genauso, egal ob mit oder ohne Medizin. Wohingegen die weitere Verschiebung des durchschnittlichen Reproduktionsalters in unserer Gesellschaft von früher etwa 15 auf mittlerweile fast 35 Jahre alle Krankheiten, die früher zum Tode und vor allem zur Unfruchtbarkeit zwischen 15 und 30 Jahren führten, komplett eliminiert hat! Diese eugenische Reinigung von vielen harmlosen bis schweren Krankheiten, die heute entweder gar nicht mehr oder zumindest viel seltener, nämlich erst nach dem neuen, hohen Reproduktionsalter auftreten, hat trivialerweise unsere Lebenserwartung viel entscheidender erhöht als die Rettung des Lebens von kranken Individuen nach der Reproduktion. Mit letzterem beschäftigt sich die Medizin größtenteils. Ich will den Wert der Medizin nicht in Frage stellen, nur ihre Bedeutung zurecht rücken. Sie hat nichts zur genetisch bedingten Erhöhung der durchschnittlichen Lebenserwartung beigetragen. Die Bedeutung der Medizin, was die Lebenserwartung betrifft, ist viel geringer als allgemein angenommen wird.

Auch ich bin froh, wenn mir die Medizin einmal das Leben retten kann und ich nicht sofort an einem lästigen Altersgebrechen sterbe und danach vielleicht noch ein paar Jahre länger leben darf. Ich würde aber in jedem Fall abwägen, ob das Leben dann noch lebenswert wäre, bevor ich mich in die Hände von modernen Medizinern begäbe. In meinem persönlichen Bekanntenkreis gab es Menschen, die im Alter nach der Diagnose einer schweren Krankheit, obwohl sie alle Möglichkeiten gehabt hätten, wieder bewusst auf eine medizinische Versorgung und die Qualen der Behandlung verzichteten, und sich stattdessen in Ruhe und gelassen auf den Tod vorbereiteten, der ja letztendlich nicht abzuwenden ist. Sehr vernünftig, finde ich.

Stellare Ökologie – logische Erweiterung der planetaren Ökologie

Seit einiger Zeit arbeite ich an einer Erweiterung der ökologischen Theorie: danach sind Ökosysteme kein auf planetarer Ebene beschränktes in sich geschlossenes System, sondern offene Systeme, die sich interstellar über verschiedene Planetensysteme ausdehnen. Der Name dieser Theorie lautet daher ‚Stellare Ökologie‘. Die vorigen Kapitel verbinden sich schlüssig mit dieser Theorie, denn die Theorie der Stellaren Ökologie liefert beim Thema Unsterblichkeit zur Frage nach dem ‚Wie?‘ und der oben gegebenen Antwort ‚durch autogene Zucht’ ergänzend die Antwort auf die Frage nach dem ‚Warum?‘ – Warum ermöglicht es die Natur, dass sich intelligente Lebewesen jederzeit und auf sehr einfache Art und Weise zu quasiunsterblichen Wesen selbst zu züchten vermögen? Daher werde ich die Theorie der Stellaren Ökologie hier kurz beschreiben, bevor ich die Antwort geben kann.

In der Theorie der Stellaren Ökologie sind die Lebewesen, die in der Lage sind Dauerstadien auszubilden von besonderer Bedeutung. Dauerstadien sind dabei zum Beispiel Sporen, Samen oder Eier. Die Planeten eines Sonnensystems gehen von Natur aus durch klimatische Veränderungen mit viele Jahrtausende dauernden Eiszeiten hindurch. Diese klimatischen Veränderungen sind in Mehrfachsternsystemen besonders stark ausgeprägt, aber auch in Einfachsternsystemen wie unserem genügen die klimatischen Veränderungen bereits, auf feuchten Planeten wie der Erde regelmäßig Eispanzer von Kilometerdicke auszubilden. Die Erde zum Beispiel geht erwiesenermaßen seit mindestens 500 Tausend Jahren in einem regelmäßigen Zyklus von 70 Tausend Jahren durch Warm und Eiszeiten hindurch.

Die Evolution bedient sich nun eines Tricks, um nicht nach jeder Leben vernichtenden Eiszeit wieder die artenreiche Fauna und Flora der Warmzeit energieintensiv neu erschaffen zu müssen. Sie ermöglicht es ihnen, diese Eiszeiten mit ihren Dauerstadien wie Sporen, Eier und Samen in den Permafrostböden zu überstehen. Nach Jahrtausenden keimen sie wieder und die Evolution kann am Ende der natürlichen Entwicklung vor der letzten Eiszeit ansetzen und dort weitermachen, und muss nicht wieder alles von neuem entwickeln. Dies spart eine Menge Energie.

Nun kommt die Erweiterung der Permafrostböden auf die Kometen ins Spiel. Damit wird die Ökologie auf interstellare Ebene erweitert. Wenn ein Komet oder Asteroid auf einem Permafrostboden, der die Dauerstadien von Lebewesen enthält, einschlägt, dann wird gelegentlich Material aus dem Boden herausgeschlagen und auf Fluchtgeschwindigkeit beschleunigt, so dass Stücke des Permafrostbodens das Schwerefeld des Planeten verlassen können. Die Dauerstadien überleben diese riesige Beschleunigung, weil sie eingefroren sind und in dem kristallinen Gefüge keine Zerstörung durch Massenträgheitskräfte eintritt, wie dies zum Beispiel bei einer lebenden Bakterie oder einem lebenden Insekt passieren würde. Das herausgeschlagene Stück Permafrostboden kann nun das Planetensystem nach einem Swing-By an einem größeren Planeten des Systems (einem Vorbeiflug, der die Geschwindigkeit erhöht) verlassen und weiter durch den interstellaren Raum taumeln, bis es irgendwann von der Gravitation eines anderen Sterns in dessen System gelenkt wird und dort als Komet auftaucht. Da die Kometen – größtenteils ehemalige Meereisbruchstücke oder Permafrostböden – meist nur unwesentlich schneller als die Fluchtgeschwindigkeit ihres Sternsystems unterwegs sind, dauern die Reisen zwischen den Planetensystemen von vielen Millionen bis zu einigen Milliarden Jahren. Die Oortsche Wolke, eine in großer Distanz um unser Sonnensystem sphärisch geformte, gleichverteilte Ansammlung von Kometen, die nach der Standardtheorie die unbewiesene Quelle der Kometen darstellt, existiert so nicht. Sie stellt viel mehr eine homogen verteilte Ansammlung von Kometen im interstellaren Raum dar, vergleichbar dem Elektronengas in einem Metallgefüge. Die Kometen bewegen sich auf chaotischen Bahnen mit allen erdenklichen Bahnwinkeln zwischen den Sternen. Da sie ihr ursprüngliches Planetensystem meist gerade zu verlassen in der Lage waren, in dem sie bei einem oder mehreren Vorbeiflügen an größeren Planeten gerade so Fluchtgeschwindigkeit erreichten, scheint es für uns so, als würden sie außerhalb des Sonnensystems quasi still stehen.

Die Dauerstadien der höheren Lebensformen überstehen diese viele Millionen Jahre dauernden Reisen aus folgenden Gründen: sie sind vakuumgefriergetrocknet, sie werden nahe dem absoluten Nullpunkt von -273°C aufbewahrt und sie befinden sich hinter einem viele Meter dicken Eispanzer. Die Strahlenbelastung für das aufbewahrte Genom in den Dauerstadien ist aufgrund der von der Strahlenphysik bestimmten Halbwertsdicke von Eis in einem Kometen um viele Größenordnungen geringer als auf der Oberfläche eines Planeten wie der Erde, wo ständig aus dem Tiefengestein Radioaktivität in form von Radongas nach oben zur Oberfläche dringt. Damit sind große Eiskörper, also Kometen, im eiskalten Hochvakuum zwischen den Sternsystemen der ideale Aufbewahrungsort für Dauerstadien von Lebewesen, viel besser als zum Beispiel der Flüssigstickstoffbehälter eines biologischen Labors.

Die Kometen stellen damit ein zuverlässiges, schmalbandiges Transportmittel für höhere Lebensformen zwischen den Planeten benachbarter Sternsysteme dar. Die Wahrscheinlichkeit für ein einzelnes Samenkorn einer Pflanze, einen anderen extrasolaren Planeten zu erreichen und dort erfolgreich anzuwachsen, ist sehr, sehr gering. Genauso gering ist die Wahrscheinlichkeit für Fisch-, Amphibien- oder Echseneier auf einem fernen Planeten zu schlüpfen und sich dort weiter zu vermehren. Aber aufgrund der großen Häufigkeit solcher Ereignisse, bei denen Bodenmaterial auf Fluchtgeschwindigkeit beschleunigt wird (zum Beispiel in der Erdgeschichte nach heutigen Erkenntnissen zehnmillionenfach, oder ca. alle 100 Jahre), der weiten Verbreitung von Permafrostböden und Meereis auf typischen Planeten wie der Erde, und der jeweils sehr großen Menge an Dauerstadien, die transportiert werden, passiert der unwahrscheinliche Fall eben doch ständig. Somit kommen andauernd höhere Lebensformen von anderen Planeten außerhalb unseres Sternsystems auf der Erde an und versuchen sich hier zu etablieren, wie auch ständig höhere Lebensformen in den Permafrostböden der Erde wegtransportiert werden, um irgendwann einmal auf einem fernen Planeten anzuwachsen – vielleicht sogar lange nachdem die Erde nicht mehr existiert. Eine solch lange Haltbarkeit des Lebens von Milliarden Jahren ist in einem Kometen ab einer gewissen Grösse (Strahlenschutz) ohne Weiteres möglich. Die Natur benutzt diesen Mechanismus aus dem selben Grund warum sie höhere Lebensformen über die Eiszeiten aufbewahrt: aus dem Energieminimierungsprinzip. Somit muss das Ökosystem nicht ständig und überall immer wieder das Selbe aufwändig erschaffen.

Die Erweiterung der planetaren Ökologie zur stellaren Ökologie ist eine logische Konsequenz aus dem Energieminimierungsprinzip. Die Bewegung von Systemen zur Energieminimierung, zu einem Zustand geringster Energie, durchzieht alle Dinge im Kosmos, ob es die Kugelform eines Tropfens, die Form eines hängenden Drahtseils oder das Gleichgewicht zweier gegenseitig abhängiger Arten in einem Biotop ist. Aus diesem Grund kann man behaupten, dass die Theorie der Stellaren Ökologie nach allen biologischen und physikalischen Fakten, auf denen sie Aufbaut, und allen bekannten Erfahrungswerten mit biologischen Systemen mit größter Wahrscheinlichkeit richtig ist und sich höchstwahrscheinlich sehr detailliert über typische mathematisch-variationsrechnerische Ansätze für Energie minimierende Systeme modellieren lässt.

Der Sinn menschlicher Existenz

Nach den Überlegungen des vorigen Kapitels ist ohne lange nachdenken zu müssen sofort klar, warum die Natur überhaupt intelligentes Leben hervorbringt: sie hat keine andere Wahl. Will sie den schmalbandigen, rein statistischen Transport von Leben im interstellaren Ökosystem breitbandiger und zielgerichteter durchführen, will sie die Energie weiter minimieren, ist sie auf schnellere und zielgerichtetere Transportmittel als Kometen angewiesen, die nur von intelligentem Leben hergestellt werden können. Dies ist aus rein ökologischer Sicht der einzige Sinn menschlicher Existenz.

Damit erweitert die Stellare Ökologie die klassische planetare Ökologie um einen Sinn menschlicher Existenz, den die klassische Ökologie für ein intelligentes Wesen wie den Menschen nicht identifizieren kann. Im Gegenteil: in der planetaren Ökologie erscheint der über Millionen Jahre vom Leben aufwändig geschaffene Mensch wie ein sinnloser Störkörper. Das macht aber überhaupt keinen Sinn. Auch an diesem Paradoxon erkennt man, dass die rein planetare Ökologie für sich allein stehend fehlerhaft ist. Sie soll von nun an als eine Teilmenge der Stellaren Ökologie gelten. Die Stellare Ökologie ist die erste Theorie, die alles Leben auf den Planeten einer Ansammlung von Sternen (Sterngruppe) und auch die intelligenten Lebensformen darin erfasst. Damit ist sie in sich geschlossen und muss keine unerklärlichen Ausnahmen zulassen, wie planetare Ökologie beim Menschen.

Damit höhere Lebensformen von zu geringer Intelligenz die begrenzten Ressourcen eines Planeten nicht zu lange besetzen und damit die Entwicklung zum Beispiel von interstellaren Saatschiffen und Archen zu lange verhindern oder hinauszögern, gibt es den Mechanismus des globalen Impakts, der sehr selten auftritt, dann aber alles höhere Leben auf einem Planeten vernichtet, um die Evolution sozusagen zurückzusetzen. Wenn höhere Lebensformen bis zum Auftreten des nächsten großen Impakts eine interstellare Raumfahrt betreiben, werden sie die Zerstörung ihres Ursprungsplaneten problemlos als Art überleben, ja vielleicht sogar aufgrund ihrer Raumschifftechnik verhindern können. Wenn sie aber bis dahin keine interstellare Raumfahrt betreiben (z.B. die Dinosaurier nach 150 Millionen Jahren Zeit auf der Erde) dann handelt es sich nicht um die notwendige Spezies, die die Energie einer Stellaren Ökologie minimieren kann, und eine Rücksetzung der fehlgeschlagenen Entwicklung, um Platz für einen neuen Versuch zu schaffen, ist logisch notwendig. Die Natur hat diesen Mechanismus sehr weise und auch sehr gerecht eingerichtet. Jedes den Planeten dominierende Wesen bekommt seine Chance.

Sternreisen zu anderen Planetensystemen werden auch für die intelligenteste Spezies immer Jahrhunderte bis Jahrtausende dauern. Dies gibt die Natur uns erstens anhand der absoluten Grenze der Einsteinschen Lichtgeschwindigkeit und zweitens vor allem durch die absolute Obergrenze der Freisetzung von Energie durch den Carnotschen Wirkungsgrad vor. Der Carnotsche Satz sagt uns wie viel umgewandelte Energie in jedem Prozess mindestens in Form von Wärme auftreten muss. Eine Überschreitung dieser universellen physikalischen Grenze führt automatisch zum unmöglichen Perpetuum Mobile. Als Ergebnis des Carnotschen Satzes kann theoretisch kein Raumschiff ein Prozent der Lichtgeschwindigkeit in weniger als etwa einhundert Jahren oder 2% in weniger als 200 Jahren erreichen, ohne dabei durch seine eigene Abwärme zu verglühen. In der technischen Umsetzung wird diese Beschleunigungszeit bei einer realistischen Kombination von Werkstoffen für den Raumschiffbau noch wesentlich länger dauern. Natürlich kann der Altruist nun sagen: trotzdem ist interstellare Raumfahrt möglich, wenn man Archen mit Generationen von Siedlern schickt, wo die Kindeskinder irgendwann am Ziel ankommen. Da hat er recht und es gibt noch weitere denkbare Methoden interstellarer Raumfahrt, die sich mit den absoluten physikalischen Grenzen arrangieren können, wie zum Beispiel die oft diskutierten Saatschiffe, wo die Menschen erst gar nicht mitfliegen, sonder nur ihr eigenes Dauerstadium Embryo in einem Flüssigheliumtank, der dann von Huxleyscher Science Fiction Technologie am Ziel ausgetragen und aufgezogen werden müsste, wenn es funktionieren würde.

Die Natur hat uns bei den absoluten physikalischen Grenzen von Geschwindigkeit und Beschleunigung jedoch ein Hintertürchen offen gelassen: unsere eigene Lebensspanne. Wir heutigen vor dem kosmischen Hintergrund relativen Eintagsfliegen können unsere Lebenserwartung ohne weiteres so weit herauf züchten, dass wir tauglich für interstellare Flüge von 500 Jahren Dauer und mehr werden. Diese autogene Zucht zum interstellaren Reisenden, der die Ankunft seines eigenen Raumschiffes aus egoistisch vertretbarer Sicht wenigstens selbst erlebt, ist möglich. Nur aus einem Grund hat die Natur dies so eingerichtet: sie braucht uns für den interstellaren, zielgerichteten Massentransport von Lebewesen, um die aufzuwendende Energie im stellaren Ökosystem zu minimieren. Dafür schenkt sie uns, wenn wir das wollen, die Lebensspanne, die wir für interstellare Reisen benötigen.

Nun macht alles einen Sinn: die Kometen, die Eiszeiten, die ersten schönen Menschen und das ästhetische Ideal, das intelligente Volk, das starke Volk und das geduldige Volk, die Helden der Adligen und der quasiunsterbliche Sternfahrer, der sich der ursprünglichen Lebenskraft in sich erinnert. Sie alle sind Puzzleteile, die zusammengefügt ein logisches Großes und Ganzes ergeben. Die Natur hat es so eingerichtet, dass wir uns selbst zu höheren Wesen, zu Sternfahrern züchten können, weil sie uns wirklich dringend braucht! Wenn wir zu den Sternen fahren, schenkt sie uns dafür quasiunsterbliches Leben. Wenn wir nicht zu den Sternen fahren, tötet sie uns irgendwann mit Hilfe eines großen Kometen und stellt unserem evolutionären Nachfolger die selbe Wahl – falls er überhaupt genügend Verstand besitzt, diese Wahl als solche zu erkennen. Aber wenn man es versteht, wie wir es nun verstehen, ist es eine völlig freie Entscheidung.

Wir haben die Wahl. Die Natur ist kein Despot. Schließlich hat auch das Vergehen seine klaren Vorzüge. Ein Sinn im Leben kann grundsätzlich nur aus einer freiwilligen Entscheidung bestehen, sonst wäre es kein Sinn, sondern Zwang und Verdammnis. Die bewusste Entscheidung, den Tod der Spezies durch einen großen kosmischen Impakt zu erwarten, so wie wir es heute tun, ist ultimative Freiheit.

Nicht-natürliche Wege zur Unsterblichkeit

Wir haben im letzten Kapitel gesehen, warum die Natur uns die autogene Zucht zu quasiunsterblichen Wesen ermöglicht: weil sie uns dringend braucht. Wir sind da, wie ihre kosmischen Körper das Leben zu verbreiten – nun zielgerichtet und energieeffizient. Der Transport von höherem Leben mit Hilfe der Kometen ist sehr schmalbandig. Nur Bewusstsein entwickelnde Lebewesen wie Menschen können diesen Transport auf eine breitbandigere, weniger vom Zufall abhängige Basis stellen. Dies senkt den Energiebedarf im stellaren Ökosystem. Die einzelnen weit voneinander entfernten Planeten müssen nicht jeder für sich alle Entwicklungsschritte der biologischen Evolution mühsam und energieintensiv durchlaufen, die Natur sorgt schon dafür, dass dies nicht notwendig ist.

Der regelmäßige Austausch von höheren Lebensformen, den jetzt bereits die Kometen nach dem Zufallsprinzip vollbringen, kann durch intelligente Lebewesen sehr viel effektiver geschehen. Unsere Saatschiffe und Archen mit ihren großen Besatzungen voller kosmischer Bauersleute sind die zielgeführten Kometen der Zukunft – die Überbringer des Lebens zwischen den Sternen. Und wenn wir es nicht tun, dann tut es vielleicht lange nach uns die nächste die Erde dominierende Spezies, nachdem wir lange ausgestorben sind. Oder die Anderen tun es: unsere Nachbarn, die intelligenten Lebewesen auf der anderen Seite des interstellaren Abgrunds, die möglicherweise von einem fernen Planeten eines Tages zu uns kommen werden. Werden wir uns dieser ewigen, endlosen, anstrengenden Aufgabe des interstellaren Transports stellen? Oder genießen wir lieber unser vergängliches Leben auf der Erde bis zum Vergehen? Wir haben die freie Wahl.

Wenn die Theorie der Stellaren Ökologie nun auch zum ersten Mal dem Menschen einen ökologischen und damit naturwissenschaftlich begründbaren freiwillig zu wählenden Sinn im Leben zuspricht, und gleichzeitig erklärt warum der Mensch quasiunsterblich werden kann, wenn er seinen Sinn in der Biologie – der Wissenschaft des Lebens – akzeptiert, so gab es doch auch schon zuvor immer eine – wenn auch erkenntnislose – Auseinandersetzung mit dem Wunsch des unsterblichen und ewigen Lebens und darüber hinaus eine lange vergebliche Suche nach dem Sinn. Es scheint fast so, als hätte die Natur uns in irgend einer Form mit einem unbewussten Drang dazu ausgestattet, damit wir unseren Sinn im Leben selbst entdecken und ihm genügen können, wenn wir wollen.

Ich möchte daher nun einige in der Vergangenheit diskutierte naturwissenschaftliche Methoden zur Erringung von Quasiunsterblichkeit und Unsterblichkeit erklären, die nicht durch natürliche autogene Zucht geschehen, sondern mit Hilfe komplizierter und vielleicht – falls überhaupt möglich – schneller medizinisch-technischer Wege. Eine autogene Zucht zur Quasiunsterblichkeit mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 500 Jahren und mehr würde viele Jahrtausende lang dauern. Deshalb kam sie bisher wohl niemandem in den Sinn.

Wir können davon ausgehen, dass die Natur mit der Möglichkeit zur autogenen Zucht unsere Quasiunsterblichkeit langfristig garantiert, wir aber vielleicht Abkürzungen dorthin Kraft unserer Technik in der Lage zu entwickeln wären. Ich definiere diese Wege hier nun als nicht-natürlich und bezeichne nur autogene Zucht am Menschen durch den Menschen als den natürlichen Weg, weil er uns mitgegebenen wurde, in uns bereits genetisch angelegt ist, und den wir auch ohne jede Technik jederzeit umsetzen können. Nochmal: um quasiunsterblich zu werden, bedarf es keinerlei Technik. Man kann jederzeit damit anfangen und der Erfolg wird sich über Generationen zweifellos einstellen. Trotzdem folgt nun eine Liste der technisch angedachten Wege und Methoden, die allesamt eines gemeinsam haben: dass sie bisher unmöglich sind. Im Grunde handelt es sich bei all diesen auf den nächsten Seiten folgenden Gedanken – mit dem vorhandenen Wissen um die immerwährende Möglichkeit einer einfachen autogenen Zucht – um verzweifelte, hoffnungslos veraltete Ideen.

1. Genbehandlung zur Aufhebung des Programmierten Alterns

Dies wäre der logische, schnelle nicht-natürliche Weg alternativ zur natürlichen autogenen Zucht, denn der Zustand des Aufgehobenseins des Programmierten Alterns der Zellen wäre ja ebenfalls das angestrebte Fernziel einer natürlichen autogenen Zucht. Wenn es also gelänge, eines Tages durch eine Genbehandlung alle zellularen, heute noch größtenteils unbekannten Mechanismen des Programmierten Alterns der Zelle auf einmal auszuschalten, dann wären Menschen quasiunsterblich und man hätte das Ergebnis einer Jahrtausende dauernden autogenen Zucht auf eine kurze Übergangszeit von nur einer Generation reduziert. Weil die Zellen dazu in ihrer DNA manipuliert werden müssten, wäre diese Behandlung natürlich vererbbar, das heisst, die folgenden Generationen würden von dieser revolutionären Übergangszeit an quasiunsterblich geboren werden, wenn es funktioniert und wenn die Nebenwirkungen der Behandlung überschaubar blieben.

Das größte Problem einer solchen gentechnischen Vorgehensweise zur Erringung der Quasiunsterblichkeit, wären die aus dem plötzlichen Platz- und Nahrungsmangel folgenden katastrophalen Konsequenzen. Ein totales Verbot Nachkommen zu zeugen, wäre die erste unvermeidliche logische Konsequenz. Erst wenn die Aktivitäten zur Lebensraumgewinnung im Sonnensystem und den angrenzenden Sternsystemen einen größeren Umfang erreichen würden, wäre zum Zweck einer Besiedlung fremder Planeten wieder an eine limitierte Nachkommenschaft zu denken. Das heisst, die Gesellschaft würde geistig – vergleichbar mit dem ersten Leben auf der Erde im Präkambrium und im Prinzip aus dem selben Grund – eine lange Zeit der Stagnation erleben. Aber wie sollten sie bei geistiger Stagnation die angrenzenden Sterne besiedeln, um wiederum Platz zu haben, dieser geistigen Stagnation zu entfliehen? Dies klingt nach einer paradoxen Sackgasse und zeigt wiederum: Unsterblichkeit ist nicht unbedingt eine gute Sache, sie kann auch äußerst hinderlich für eine notwendige Weiterentwicklung sein. Es handelt sich bei diesem anscheinend schnellen Weg hier also um ein plötzliches Ende der Entwicklung der Menschheit und damit seinen möglichen Untergang. Und ich meine sicherlich nicht den Mangel von Nahrung und Platz, denn der regelt sich letztendlich in jedem ökologischen System von alleine. Ich meine ausschließlich den Mangel von Ideen, was in all seinen Konsequenzen zu viel mehr Leid und Katastrophen führen würde als Nahrungs- und Platzmangel.

2. Medizinische Chirurgie

Es wäre durchaus denkbar, dass die Medizin immer perfekter wird, und wir genügend nachwachsende Organe zur Verfügung hätten, ähnlich einem Ersatzteillager. Ich möchte nun nicht die interessante Frage aufwerfen, woher diese vielen Ersatzorgane kämen, sondern nehme einfach an, dieses Problem wäre irgendwie ohne Schrecken, Perversion und Leid gelöst worden. Immer wenn ein Organ versagt, gäbe es einfach schnell ein neues. Irgendwann wäre der ganze menschliche Körper nur noch ein Flickenteppich neuer Organe. Die Schönheitschirurgie beseitigt die dabei auftretenden Entstellungen wiederum, so dass ein öffentlicher Auftritt wie Frankensteins Kreatur vermieden wird. Und so bemerkt niemand, dass man nur noch ein kleiner Teil seiner Selbst ist. Mit diesem Problem zu leben dürfte allerdings für die meisten Menschen aus alltäglicher Praxis in der konsum- und statusorientierten, oberflächlichen Industriegesellschaft kein unmögliches Problem darstellen. Man wird mit der Zeit immer älter und besteht mehr und mehr aus fremden Geweben und Organen. Irgendwann würde wahrscheinlich ein Zustand erreicht, bei dem sich die Schäden und Nebenwirkungen so summierten, dass man als Dauergast in der Intensivstation einer privaten Klinik endete. Dort läge man dann und klammerte sich an den letzten Lebensfaden: Lebensverlängerung als letzten Konsum im Leben, als ultimatives Statussymbol. Aber Medizin war schon immer mit den richtigen, das heißt gut zahlenden Patienten, auch ein lohnendes Geschäft für die Ärzte. Und das wäre die Lebensverlängerung durch medizinische Chirurgie: das ultimative medizinische Geschäft. Austauschorgane würden zur permanenten Mangelware und die Preise für gesunde Organe würden erst einmal in nie gekanntem Maße in die Höhe steigen. Medizin kann so furchtbar sein, wenn man den dystopischen Gedanken einmal seinen freien Lauf lässt.

3. Ganzkörpertransplantation

Unsere Hirnzellen wachsen ständig nach, wenn wir unser Gehirn fordern und anstrengen. Das Gehirn ist das einzige Organ das nicht altert. Dies bietet uns theoretisch die Möglichkeit, wenn unser Körper im Alter zerfällt, eine Ganzkörpertransplantation durchzuführen und in den Körper eines Toten einzuziehen. Dieser Tote wäre dann üblicherweise ein nach einem Unfall hirntoter junger Mensch. Natürlich ist so etwas heute neurochirurgisch noch völlig unmöglich, wo man noch nicht einmal Querschnittsgelähmte wieder gehend machen kann – falls dies überhaupt jemals möglich sein wird. Man könnte heute allenfalls eine Art Gehirn im Tank erzielen, ein Gehirn das durch gefäßchirurgisch durchgeführte Arbeiten mit dem Blutkreislauf des jungen Körperspenders verbunden wäre. Das Ergebnis wäre ein alter Mensch der wie beim Locked-In Syndrom völlig abgeschlossen von der Außenwelt in einem jungen Körper weiterleben würde – ohne alle Sinne, ganz allein mit seinen eigenen Gedanken eingeschlossen. Man kann wohl annehmen, dass der Patient nicht stoisch vor sich hin denken würde und eher nicht bis in alle Ewigkeit zum Beispiel begeistert komplizierte Schachpartien im Geiste mit sich selbst spielen würde. Niemand weiss, ob solch ein Mensch mit der Zeit wahnsinnig würde, oder für immer in einer Art Traum versänke oder ob sein Verstand sich aufgrund mangelnder Reize mit der Zeit auflöse und er so langsam stürbe (ähnlich der schlimmsten Variante des sogenannten Kaspar-Hauser-Syndroms). Ohne jede Frage ist eine solche Existenz schlimmer als die Bewusstlosigkeit des Todes. Ich weiss nicht ob eine derartige gefäßchirurgische Operation irgendwo bereits gelungen ist. Wenn ja, hätte ich tiefstes Mitleid mit dem Patienten, der ja unrettbar in totaler Einsamkeit verloren wäre, und wünschte ihm aus Mitleid einen schnellen Tod.

Aber sollte die Heilung Querschnittsgelähmter eines Tages gelingen, wird die Ganzkörpertransplantation in realistische Reichweite rücken. Es sind große Nebenwirkungen zu erwarten, denn schließlich müssten genauso wie bei der Transplantation von Organen ständig starke Medikamente gegen eine Abstossung des fremden Gewebes eingenommen werden. Eine Frage kommt mir in den Sinn: stöße hier eigentlich ein Körper ein neu implantiertes Gehirn ab oder ein Gehirn einen neu transplantierten Körper? Auch würde sich die Hormonzusammensetzung des fremden transplantierten Körpers auf den Geist des neuen Besitzers auswirken und ihn psychisch verändern. Im Extrem könnte es sich um einen Körper des anderen Geschlechts handeln und aus einem Mann würde eine Frau oder umgekehrt – auch geistig, aufgrund der psychogen wirkenden Geschlechtshormone des anderen Körpers. Weniger extrem als das Geschlecht austauschende Körpertransplantationen wären rassenübergreifende: Negride würden Mongolide und Europide würden Negride, jede Kombination wäre denkbar. Stellen sie sich vor, sie würden in Ihrem nächsten Leben im Körper eines ihnen fremd erscheinenden Menschen leben, wie würden sie sich fühlen? Wenn das Geschlecht das selbe bliebe und der Hormonspiegel ungefähr ihrem jetzigen entspräche, würden sie sich wahrscheinlich ziemlich gleich fühlen. Als Gedankenspiel ist die Körpertransplantation auf jeden Fall sehr lehrreich – besonders für Rassisten.

In letzter Zeit gab es in den Medien mehrmals zu lesen, dass ein italienischer Arzt eine Transplantation des Kopfes eines Todkranken auf einen gesunden Körper wagen wolle. Die Schwierigkeiten einer solchen Operation kommen der der Gehirntransplantation schon nahe. Der Patient hätte, wenn er die Operation überleben sollte, wenigstens den Vorteil, dass er sehen, Hören, Schmecken und Riechen könnte. Er wäre nach der Operation einem Patienten gleichzustellen, der ab dem ersten Halswirbel gelähmt ist und von nun an künstlich beatmet werden muss. Sein Kopf wäre irgendwann der Kopf eines Greises, ebenso seine Sinne, während sein Körper der eines jungen Mannes wäre. Es handelt sich also hierbei um keinen Weg zur Unsterblichkeit, jedoch um eine Art ziemlich makabren Zwischenschritt zur Ganzkörpertransplantation.

4. Hohler Klon

Um das Problem der Abstoßungsreaktionen bei der Ganzkörpertransplantation zu umgehen, könnte man einen Klon einer Person, einen künstlichen Zwilling erzeugen. Im utopischen Fall, würden diese Zwillinge ohne Gehirn, sozusagen ‚hohl‘, in künstlichen Huxley’schen Gebärmüttern bei Bedarf erzeugt, danach mit Wachstumshormonen im Tank schnell heranwachsen gelassen, bis der Schädel nach ein paar Jahre genügend Größe erreicht hätte, um das alte Gehirn in den geklonten hohlen Zwilling einzusetzen. Die ‚Wiedergeborenen’ würden dann sozusagen als lebenserfahrene Kinder erneut zu Erwachsenen heranreifen, erneut altern und erneut vergreisen. Das ist der utopische Fall, und der klingt schon ganz schön gruselig. Der dystopische Fall wurde in einem Hollywoodfilm namens ‚Die Insel‘ ausgiebig von allen Seiten betrachtet. In diesem Szenario ging man davon aus, dass Körper ohne Geist nicht lebensfähig wären und liess die Klone keineswegs hohl sondern als lebenslustige, fröhliche junge Menschen in einer unterirdischen, von der Außenwelt abgeschlossenen Stadt nichtsahnend ihrer Schlachtung entgegen leben. Die Kunden zahlten in dem phantastischen Szenario sehr viel Geld für ihre Zweitkörper, was die Moral in den Hintergrund treten ließ.

In einer solchen Welt will ich nicht leben – so oder so. Und Sie? Sie merken immer mehr, lieber Leser, wie die augenscheinlich verdammenswerte autogene Zucht am Menschen durch den Menschen selbst in Anbetracht der Alternativen mehr und mehr zu einer vertretbaren und relativ sanften Form des Erreichens von Quasiunsterblichkeit wird – falls man diese überhaupt erreichen will. Denn alle vier alternative Arten zum Erreichen der Quasiunsterblichkeit durch medizinisch-technische Methoden (Genbehandlung, Chirurgie, Körperspender, Klon) waren bisher wesentlich radikaler und unmenschlicher. Aber drei weitere Alternativen, die ernsthaft hier und da gesellschaftlich diskutiert werden, und auf die ich deshalb nun zu sprechen komme, werden zu wahren Ausgeburten der Hölle einer unmenschlichen Technik führen – und diese Wortwahl ist keineswegs übertrieben, wie sie gleich hören werden.

5. Cyborg

Statt einer Verbindung der Nervenbahnen des Gehirns mit den Nervenbahnen eines kompletten menschlichen Körpers wie bei der Ganzkörpertransplantation oder dem hohlen Klon ist es auch vorstellbar, dass die Neurochirurgie Wege findet, alle ein- und ausgehenden Nervenimpulse des Gehirns mit elektronischen Apparaturen zu verbinden, statt der Muskeln elektrische Motoren anzusteuern und die Sinne durch Sensoren zu ersetzen. Dann kann man vielleicht irgendwann das alte Gehirn mit seinen neuen elektronischen Sinnen in einen robotischen Körper einsetzen und hat den klassischen Cyborg der Science Fiction Literatur erzeugt. Der berühmte dystopische Action-Reißer ‚Robocob‘ hat uns alle Vor- und Nachteile spektakulär vorgeführt. Wenn sie den alten 80er-Jahre Film kennen, brauche ich dazu nichts zu sagen. Wenn nicht, sehen sie ihn sich an, er ist sehr unterhaltsam – zumindest wenn man brutale Actionfilme mag. Aus medizinischer Sicht wären wohl weniger Abstoßungsreaktionen als bei der Ganzkörpertransplantation zu erwarten. Hormone müssten dem Gehirn regelmäßig durch Injektionen oder Dispenser zur Verfügung gestellt werden, damit es nicht verkümmert. Man könnte das Prinzip Cyborg in Analogie zur Ganzkörpertransplantation auch als Ganzkörperprothese bezeichnen. Ob es Totschlag wäre, ein solches Maschinenmonster auf der Straße mit dem Auto zu überfahren oder doch nur eine Sachbeschädigung, kann ich nicht sagen. Ich möchte mit dieser Frage aber die Unmenschlichkeit des Cyborg noch einmal anschaulich hervorheben. Selbstverständlich würde ich jederzeit lieber sterben, als als eine solche Kreatur weiter existieren zu müssen – und sie?

6. Transhumanistischer Roboter

Wir treiben den Cyborg auf die Spitze und bilden uns wie einige der heutigen Computerprofessoren ein, es wäre eines Tages möglich, den menschlichen Geist in einer Computersimulation nachzuahmen. Die sogenannten Transhumanisten und Professoren der Computerwissenschaften Tipler, Katz, Minsky, Kurzweil und Moravec – nur um die bekanntesten zu nennen – sind davon überzeugt, dass dies eines Tages möglich wäre und unbedingt getan werden sollte, um Unsterblichkeit zu erreichen. Der Physiker Hawking war früher ebenfalls ein Befürworter, hat sich aber um die Jahre 2012/2013 aus ethischen Überlegungen davon abgewandt und ist sogar neben dem Raketenbauer Musk zu einem der prominentesten Kritiker der Künstlichen Intelligenz geworden.

Die Transhumanisten verbreiten die Lehre, man müsse nur alle Funktionen des Geistes in Echtzeit im Computer simulieren, dann hätte man den menschlichen Geist in materieloser Form. Um dies glauben zu können, muss man wahrscheinlich ein hundertprozentiger Materialist sein. Sobald man dem Spirituellen, das außerhalb des Materiellen existieren soll, unfassbar ist und sich dem menschlichen Einfluss entzieht, nur einen einzigen Deut Raum gibt, funktioniert die Geistesübertragung von Mensch auf die Maschine nicht mehr und das Ergebnis einer Übertragung (des sogenannten ‚Uploads‘) wären lobotomierte Vollidioten. Früher habe ich das auch geglaubt, dass es möglich wäre. Ich war aber keineswegs euphorisch bei diesem Gedanken und hegte ähnliche ethisch-philosophische Zweifel, wie der leider verstorbene Professor Joseph Weizenbaum dies tat. In Europa existiert sogar ein milliardenschweres Forschungsprojekt, das ‚Human Brain Project’, das sich zum Ziel gesetzt hat, das menschliche Gehirn zu entschlüsseln und auf dem Computer simulierbar zu machen. Mittlerweile hegt sich aber auch in den naturalistisch-materialistisch überzeugten naturwissenschaftlichen Kreisen Widerstand, dass die Metapher ‚Gehirn und Geist gleiche Computer und Software‘ eigentlich purer Humbug sei, und eine symbolische Speicherung von Informationen im Gehirn nicht existiere – nein nicht einmal eine Speicherung von Information überhaupt existiere. Vielmehr verändere das gesamte Gehirn seinen Zustand und seine Form in jedem Moment des Lebens in Interaktion mit der Umgebung.

Spielen wir die transhumanistische Übertragung des Geistes einmal durch: Best Case – Worst Case. Im besten Falle kann ein Mensch am Ende seines Lebens seinen Geist in eine Computersimulation übertragen und diesen durch einen Roboter mobilisiert mit sich herumtragen. Mensch und Roboter werden eins. Genauso wie man den computersimulierten Geist verstorbener Menschen – vorausgesetzt sie können sich einen teuren Roboterkörper leisten – in ihren neuen mechanischen Körpern weiterleben lässt, genauso können logischerweise nun auch völlig neue Geister und ‚Menschentypen‘ durch einfache Variation von Teilen der Gehirnsimulationen aus dem Nichts erschaffen werden, die den Verstorbenen, die ja nun als Roboter weiterleben, nicht unähnlich sind. Das bringt mich gleich zum schlechtesten Fall: Wenn man sich nun Menschen genauso gut neu erschaffen kann, dann macht man das auch. Man erschafft erst einmal den perfekten Soldaten, dann den perfekten Polizisten und dann den perfekten Feuerwehrmann. Und so geht es immer weiter bis zum perfekten Lebenspartner. Es gibt schnell keine Motivation mehr, die alten, teilweise starrsinnigen, psychotischen, traumatisierten, paranoiden, versponnenen, dummen, verrückten, schüchternen oder nervenraubenden Originalgeister von echten Menschen auf die teuren Maschinen zu übertragen. Oder, was glauben sie?

Der von Natur aus unperfekte Mensch, ob nun als gottgegebenes Original, als Klon dieses Originals und selbst als Mitleid erregender Cyborg in seinem Maschinenkörper würde sich immer fehlerhaft, unberechenbar, unkontrollierbar verhalten. Gegenüber diesem unperfekten Menschen wäre der optimierte transhumanistische Neumensch mit seinem programmierbaren Gehirn eine kontrollierbare, berechenbare, voraussehbare, perfekte Version des Menschen und damit der Idealmensch für jeden Machthaber.

Und so ist der Transhumanismus meiner Meinung nach zu verstehen: als eine Abschaffung des Unperfekten und damit als Abschaffung der Freiheit und letztendlich die Abschaffung von uns Menschen, die wir ganz besonders durch unsere Fehler und der dem Chaos entstammenden Freiheit und Unberechenbarkeit definiert sind. Wir sind jeder von uns etwas Besonderes, durch unsere einmalige individuelle Einzigartigkeit mit unseren besonderen Stärken und Schwächen. Das Universum ist nicht groß genug, das jemals zwei im Geiste identische Menschen existieren könnten. Die Transhumanisten mögen jedoch keine Schwäche, keine Unvorhersehbarkeit und auch nicht das Unperfekte. Sie haben vor nichts mehr Angst als vor Kontrollverlust. Sie glauben, es gäbe dann Perfektion, wenn man alles kontrollieren könnte. Sie wären jederzeit bereit uns aufzugeben, uns zu opfern, um einen kleinen, kontrollierbaren Teil zu behalten. Das Transhumane ist ein Euphemismus und meint in seiner wortwörtlichen Bedeutung nur den Übergang zur Abschaffung der Menschheit. Der Transhumanismus ist meiner Meinung nach die postmoderne Manifestation des schlimmsten Antihumanismus, der tiefen Menschenverachtung und des reinen Hasses. Mit seiner götzenhaften Maschinenanbetung kompensiert er die Gottlosigkeit eines materialistischen Weltbildes und hat das philosophische Potential dazu, die Menschenvernichtungsmaschine der Nationalsozialisten bei weitem zu übertreffen.

7. Bits und Bytes

Und was würde eigentlich aus den Menschen, die sich keinen kostspieligen Roboterkörper leisten könnten? Wie würde man das Heer der Armen ruhigstellen? Was würde aus dem menschlichen Bodensatz eines Roboter-Utopias? Wie würden das Bedingungslose Grundeinkommen, das Bürgergeld, die Sozialhilfe, das ‚Hartz IV‘ in einer solchen Welt des Transhumanismus aussehen? Dürften die Armen dann in ihrer geistigen Simulation in einer immer währenden virtuellen Spielwelt weiterleben, einer ewigen Egoshooter-Hölle oder einem Paradies der 72 Mangamädchen? – So lange, bis jemand endlich den Stecker zieht? Fege-Feuer Frei! Sie hören es schon aus meinen Andeutungen heraus, meine Leser, es geht alles immer noch schlimmer, wenn jemand in einer hypothetischen Zukunft voller Computertechnik nur die richtigen Knöpfe zu drücken vermag. Und deshalb und weil mir nichts mehr einfällt will ich hiermit das Thema der nicht-natürlichen technischen Alternativen zur autogenen Zucht von Quasiunsterblichkeit beenden.

 Die Würde des Menschen

Was wäre Ihnen lieber: entweder für immer ihr Bewusstsein zu verlieren, oder eines Tages aus der Bewußtlosigkeit einer Narkose zu erwachen und auf die Hände und den Körper eines anderen Menschen zu blicken; oder von einer Operation zu erwachen und auf die mechanischen Hände eines mechanischen Körpers zu blicken? Was ist Ihnen lieber: für immer zu schlafen oder für immer zu wachen?

Es gibt nicht wenige Menschen, die empfänden das Leben in einem anderen Körper oder in einem Maschinenkörper als eine so schreckliche Vorstellung, dass sie viel lieber tot wären. Der Tod ist gar nicht mal so übel als Alternative, wenn man an die vielen Nebenwirkungen, Schmerzen, Ängste, Erinnerungen, Albträume, Panikattacken, Zurückweisungen, den Ekel der noch Lebenden denkt. Ich habe mal in den Nachrichten von einer gelungenen Handtransplantation gelesen und fragte mich, ob die Frau des Patienten sich wohl von der transplantierten Hand des Verstorbenen streicheln lassen würde? Mary Shelly’s ‚Frankenstein – oder der moderne Prometheus‘, ein wunderschöner und gleichermaßen Angst einflößender Text aus der romantischen Literaturepoche, kommt mir dabei immer in den Sinn.

Die Transhumanisten sagen bei psychologischen Themen natürlich – unkompliziert wie sie sind: kein Problem, wir löschen euch eben alle hinderlichen Erinnerungen, Zweifel, Ängste und seelischen Schmerzen aus eurem simulierten Gehirn und es geht euch immer gut – garantiert! Psychosen, Depressionen und Melancholien sind in ihrem Weltbild nichts als Krankheiten, die es auszurotten gilt! Aber wollen wir als lobotomierte Denk-Software immerfroh und gutgelaunt auf unseren Metallbeinen durch die Gegend stelzen, als nette Maschine von Nebenan? „Das war mal ein Mensch“, würden sich die Nachbarskinder gegenseitig zutuscheln, und uns vielleicht verlegen oder ängstlich zurück grüßen, oder auch mal einen Stein nach uns werfen, wenn wir ihnen den metallenen Rücken zukehrten. Wir würden sie lieben, so wie wir alles lieben würden: ohne Zweifel und ohne jede Frage nach dem Sinn oder dem Grund.

Die schnelle Abkürzung einer möglichen Genbehandlung, die das selbe erreicht wie die autogene Zucht, könnte unter Umständen zu gesellschaftlichen Veränderungen führen, die einem revolutionären Kulturschock gleich kämen (der Verbot des Kinderkriegens zum Beispiel). Aber vielleicht könnten zukünftige Generationen einen solchen Schock problemlos überstehen, das lässt sich sehr schwer sagen, weil uns vielleicht viele Dinge heute als schrecklich und grauenhaft vorkommen, die man in Zukunft als harmlose Selbstverständlichkeit annimmt: zum Beispiel die Selbstverständlichkeit einer Welt voller alter Menschen und ohne ein einziges Kind. Einer Welt ohne neue Ideen, ohne Kreativität und ohne Veränderung. Wer aus Versehen oder mit Absicht doch ein Kind zeugte, käme ins Gefängnis und das Kind würde wahrscheinlich zum nützlichen pränatalen Spender-Organismus erklärt. In einer menschlicheren Variation dieser möglichen Zukunft, gäbe man dem Erzeuger des Kindes wenigstens die Wahl, für sein Kind abzutreten, das dieses an seiner Stelle leben darf.

Man kann sich an alles gewöhnen. Mein allerliebstes Beispiel ist zur Zeit das Smartphone: In den Achtziger Jahren hätte man sich bei dem Gedanken an das Smartphone – als Instrument der totalen staatlich kontrollierten Überwachung zu jeder Zeit an jedem Ort – mit absoluter Sicherheit sofort in den Suizid geflüchtet. Aber niemand hatte einen solchen Gedanken von einer perfekten – denn völlig freiwilligen – Bürgerüberwachungstechnik. Orwells ‚Telescreen‘ war damals für die Leser von ‚1984’ bereits so unvorstellbar grauenhaft – dass dieses Gerät auch noch miniaturisiert in jeder Tasche herumgetragen würde, für solchen Gedanken wäre man möglicherweise gesteinigt worden. Das dies alles auch noch völlig freiwillig geschähe und nicht einzig allein durch den Zwang eines totalitären Regimes, für eine solche Äußerung wäre man gewiss in der Irrenanstalt gelandet. Heute leben die meisten Bürger, der Großteil aller Geschäftsleute und nahezu alle Jugendlichen verwanzt mit einer solchen freiwilligen Selbstüberwachungstechnik immer und an jedem Ort, so als hätte es niemals etwas anderes gegeben und nur wenige flüchten sich aufgrund von Smartphones in den Suizid. Es geschehen aber viele tödliche Unfälle, weil die ‚User‘ aufgrund der Begeisterung für ihre mobilen ‚Telescreens‘ oft im Straßenverkehr abgelenkt werden. Auch eine Selbstverständlichkeit, die gesellschaftlich akzeptiert wird.

Ob die Gesellschaft Huxleysche Zuchtfarmen für hohle Klone, die geistlos auf das alte Gehirn ihres sterbenden Zwillingsbruders warten, akzeptieren wird, wage ich zu bezweifeln. Aber ich kann mich täuschen. Bei Smartphones habe ich mich ja ebenfalls getäuscht: die meisten Menschen haben diese Maschinen, die uns die Freiheit rauben, mit Begeisterung aufgenommen. Die Freiheit war ihnen dabei völlig egal – sie haben sie für ihre Bequemlichkeit und Unterhaltung bedingungslos aufgegeben. Warum sollten sie da keine hohlen Klone aus künstlichen Gebärmüttern akzeptieren?

Die medizinische Chirurgie als Lösung, um das Leben zu verlängern, mit ihren ausgetauschten Organen und Gliedmaßen und plastischen Verschönerungsoperationen, genießt auch in unserer Zeit bereits den Ruf des Monströsen, und Boulevardzeitschriften führen die Reichen, die sich so verjüngen, als Zombies oder Freaks zur allgemeinen Belustigung vor. Wo ist da noch die Menschenwürde? Nicht dass ich das lachende Volk kritisieren wollte. Aber auch diese würdelose Form des Daseins wurde gesellschaftlich akzeptiert.

Wenn Sie jetzt die Motivation zu Gedanken über die Unsterblichkeit verloren haben, und Ihnen alle vorgeschlagenen Methoden pervers vorkommen, dann gebe ich Ihnen Recht. Wobei ich allerdings der Meinung bin, dass eine langsame autogene Zucht zur Quasiunsterblichkeit über hunderte von Generationen, bei dem sich die durchschnittliche Lebenserwartung mit der Zeit sukzessive erhöht, ein vernünftiger und menschlich vertretbarer Weg wäre, wenn er weise mit dem klar definierten Zuchtziel zur Sternenreisentauglichkeit durchgeführt würde. Eine autogene Zucht muss keine Bevölkerungsgruppen bevorteilen oder benachteiligen und kann völlig freiwillig geschehen. Sie bedarf auch keines besonderen Zugangs, wie der Zugang zu teurer Technik. So können Menschen zum Beispiel freiwillig jederzeit beschließen, von nun an nur noch ab einem Alter von 42 Jahren Nachkommen zu zeugen. Würde dies zum Trend, würde die durchschnittliche Lebenserwartung nach wenigen Generationen schon vielleicht bei mehr als 100 Jahren liegen – bei einer allgemeinen Jugendlichkeit der meisten Menschen bis in ein Alter, wo heute bereits meist die Vergreisung eintritt. Übrigens: Außer der autogenen Zucht, bei der jeder von heute an mitmachen kann, kämen alle anderen besprochenen Methoden zur Erringung von Unsterblichkeit praktisch einer Bevorzugung der Reichen gegenüber dem Armen gleich. Wollen wir das?

Wir dürfen den Missbrauch von Technik ob medizinisch, biologisch, robotisch, digital, atomar, etc. und die Korrumpierung der Wissenschaft durch die Politik oder den Zeitgeist nicht zulassen. Missbrauch von Wissenschaft und Technik gilt es als latente Gefahr zu verhindern. Es gibt im Prinzip keine gute und keine schlechte Wissenschaft und Technik. In den falschen Händen wird jede Technik zum Monster: selbst Medizintechnik, selbst Telefone, selbst Kinderspielzeug. Die Chirurgie, die dem potentiellen Sexualpartner einen schönen Menschen und schöne Kinder vorgaukelt, das mobile Telefon, das laufend alle Gespräche in der Umgebung mitschneidet und an Großrechnerfarmen zur Weiterverarbeitung durch künstliche Intelligenz versendet, das Computerspiel, in dem man lernt, Menschen abzuschlachten – sie stehen in ihrer Verlogenheit, Manipulation und Menschenverachtung der monströsen Atombombe in nichts nach – sie übertrumpfen sie noch. Man hat uns diese kleinen Monster und Chimären der modernen Technik aber nie aufgezwungen: wir haben sie uns im gesellschaftlichen Kontext in unseren Demokratien gemeinschaftlich als Mehrheit der Konsumenten gewünscht und sie von unserem hart verdienten Geld gekauft. Was tun, wenn der gesellschaftliche Konsens versagt? Wo kann die Wahrheit noch gefunden werden? Wenn überhaupt, dann nur in einer freien und neutralen Wissenschaft, die keinen politischen und finanziellen Zwängen unterliegt.

Ich bin davon überzeugt, dass eine autogene Zucht am Menschen durch Menschen die natürliche Alternative zu allen menschenverachtenden angedachten technischen Lösungen von Unsterblichkeit darstellt. Autogene Zucht würde keine Selektion bedeuten sondern Zurückhaltung: wer dazu beitragen will, dass die Menschheit in Zukunft älter und gesünder wird, der muss mit dem Kinderkriegen so lange es überhaupt geht warten. Man benötigt auch keinen Erbpass oder andere restriktive Mittel, wie zum Beispiel Gentests bei Einstellungen oder beim Abschluss von Versicherungen, die so mancher Politiker, Wirtschaftler, Jurist oder Wissenschaftler hier und da vorschlägt. Solche Tendenzen der Eugenik sind der grundsätzlich falsche Weg. Sie führen in den Totalitarismus.

Die Freiwilligkeit muss die Grundlage jeder autogenen Zucht bleiben. Wie will man den freien, starken, gerechten, quasiunsterblichen, zu den Sternen fahrenden neuen Menschen erhalten, wenn man seinen Vorfahren von Anfang an Freiheit, Stärke, Gerechtigkeit und das Leben nimmt? Das geht nicht, da kommt am Ende ein anderes Wesen heraus – aber sicherlich kein Sternfahrer. Der Sternfahrer muss das erklärte Zuchtziel einer autogenen Zucht am Menschen sein, denn nur er führt über die ultimative Freiheit zum Sinn menschlicher Existenz.

Der riesige Vorteil einer auf langer Sicht angelegten autogenen Zucht zur Quasiunsterblichkeit gegenüber den im letzten Kapitel besprochenen, ständig und nervenraubend in der populärwissenschaftlichen oder technisch-utopischen Literatur anzutreffenden Vorschlägen zur Unsterblichkeit ist die Zeit. Man hat viel Zeit zu reagieren, man hat viel Zeit zum überlegen, zur Kritik, zur gemeinschaftlichen, demokratischen Abstimmung (Demokratie braucht viel Zeit), man kann Fehler revidieren und Opfer eines ungewollten Seiteneffektes oder Unfalls ihr Recht zusprechen und entschädigen. Der schnelle Weg – zum Beispiel die Genbehandlung – kann mit etwas Glück gut gehen, die Effekte eines Fehlschlags wären aber mit höchster Wahrscheinlichkeit Katastrophal, weil ja alles so schnell ginge.

Am gefährlichsten ist der Transhumanismus, weil er aufgrund der angewendeten digitalen Datenverarbeitung und -vernetzung die mit Abstand höchste Geschwindigkeit von gesellschaftlicher Veränderung bewirken würde. In die augenscheinlich richtige und dann sich doch als falsch herausstellende Richtung gelenkt, würde er mit großer Wucht einschlagen und Millionen Menschen verletzen oder töten. Wobei ich wie Weizenbaum glaube, dass die Transhumanisten als die Überzeugtesten aller Antihumanisten darin kein wirkliches Problem sehen und andere Prioritäten setzen.

Wie ich jetzt schon mehrmals gezeigt habe: Unsterblichkeit ist nicht in jedem Fall etwas Erstrebenswertes. Nur ab einer gewissen Distanz interstellarer Entfernungen ist eine Quasiunsterblichkeit der Sternfahrer notwendige Bedingung für den Flug. Entfernungen bis vielleicht zwanzig Lichtjahre lassen sich noch in Generationsraumschiffen mit einigen zehn Generationen heutiger Menschen überbrücken, wovon die letzten drei Generationen das Ziel erreichen. Irgendwann aber verliert sich jedes Fernziel über die Generationen und die Kindeskinder der ehemaligen interstellaren Navigatoren wüssten gar nicht mehr, wozu sie überhaupt da sind, was der Sinn ihres Lebens ist, warum ihre Vorfahren einst aufgebrochen sind. Ab einer größeren Distanz sollten die Sternfahrer den Größenverhältnissen des interstellaren Raums durch ihre Lebensspanne angepasst sein, um ihnen unnötiges, großes Leid einer anscheinenden Ziel- und Sinnlosigkeit ihres Lebens zu ersparen.

Und das ist der Grund, warum die Natur uns Quasiunsterblichkeit schenken wird: damit wir auf jeden Fall am Ziel ankommen werden. Navigatoren, die über die Generationen ihr Ziel vergessen, nutzen ihr nichts. Mit den Generationsschiffen habe ich das nächste Kapitel bereits eingeleitet: Der Wunsch nach Unsterblichkeit kennt Formen, die zwar keine individuelle, persönliche, egoistische Unsterblichkeit hervorbringen können, jedoch eine Unsterblichkeit aus altruistischer Sichtweise immer schon ermöglichten.

Altruistische Formen von Unsterblichkeit

Der Gedanke an eine Unsterblichkeit des Lebens ist höchstwahrscheinlich so alt wie das Denken und die Phantasie selbst. Schon der Steinzeitmensch blickte vielleicht auf sein neugeborenes Kind und sah sich selbst in seiner Vorstellung, wie er in der Zukunft noch weiter jagen würde, wenn sein alter Körper schon längst zu Knochen und Erde zerfallen wäre. Die ersten Schriftsteller freuten sich bei dem Gedanken, dass ihre geschriebenen Worte auf Stein oder Ton noch blieben, wenn ihre Stimme im Forum oder Theater schon längst verhallt wäre. Hätten sie gewusst, dass man sie jetzt, mehr als fünftausend Jahre später noch liest, sie wären vielleicht vor Ehrfurcht erschaudert oder hätten ihre Steintafeln möglicherweise gleich zerschlagen – je nach Mentalität. Ich kann jedem meiner Leser nur die Lektüre jahrtausende alter Schriften der Menschheit empfehlen, ihre Epen, Komödien, Abenteuergeschichten. Sie werden feststellen, dass sich das Leben der damaligen Menschen im Wesentlichen nur ganz geringfügig von unserem heutigen Leben unterschied, und sie oft die selben Wünsche, Ansichten, Ideen und auch den selben Humor hatten. Beim Lesen uralter Schriften merkt man schnell: so unmodern sind sie gar nicht. Und eigentlich hat sich seit damals nicht viel geändert, außer ein paar wenigen bedeutenden technischen Hilfsmitteln (die technischen Spielereien bewusst ignorierend).

Ich möchte in diesem Abschnitt noch einmal etwas detaillierter auf jene Möglichkeiten zur Erringung von Unsterblichkeit eingehen, die zwar keine individuelle, persönliche und egoistische Unsterblichkeit des Bewusstseins ermöglichen, aber eine Unsterblichkeit aus altruistischer Sichtweise.

1. Die eigenen Erkenntnisse veröffentlichen

Zu schreiben und zu veröffentlichen ist eine altbewährte Form der Bewahrung von Erkenntnissen über den Tod hinaus. Seit der Antike gab es eine handschriftliche Vervielfältigung von Geschriebenem, in der Neuzeit kam dann der Buchdruck hinzu, heute gibt es den Internetblog. Damit kann jeder seine Gedanken veröffentlichen. Auch ich. Wenn ich ein Blogger bin und morgen durch einen dummen Zufall sterbe, dann können Sie zum Beispiel übermorgen genauso meine Texte lesen wie heute und wissen nicht, dass es den Autor gar nicht mehr gibt. Vielleicht werden Sie mir sogar einen Kommentar schreiben, weil Ihnen einer meiner Texte beim Durchlesen gefallen hat. Für Sie ist es dann so, als würde ich noch leben, nur dass sie natürlich nie eine Antwort von mir bekommen werden.

Seit es Internetblogs und sogenannte Soziale Medien gibt, fragt man sich manchmal, warum so unglaublich viele Menschen ihre Erlebnisse, Gedanken, Einsichten und Erfahrungen als Wort, Bild und Ton mit der Welt teilen möchten. Manch einer glaubt, dieses Verhalten entstamme einem tiefsitzenden Narzissmus. Ich glaube, es ist eher ein natürlicher Trieb, ein grundsätzliches, naives Bedürfnis nach dem Unsterblichen: das etwas bleibt. Natürlich sind Computernetzwerke das denkbar ungünstigste Medium in Hinsicht auf Beständigkeit, aber es ist ja auch kein klarer zielgerichteter Gedanke, der die ‚Blogger‘, ‚Tweeter‘ und ‚Poster‘ zum Veröffentlichen treibt, sondern mehr ein unreflektierter Instinkt.

Die geschriebenen Worte ermöglichen es, Wissen, Wertvorstellungen und Erkenntnisse, selbst Gefühle, über viele Generationen zu vermitteln. Prosa, Lyrik, Mathematik und Musik sind dabei unterschiedliche Sprachen, die sich für die Notation bestimmter Gedanken jeweils besonders eignen. Mit wenig Überlegung kommt man zu dem Schluss, dass diese Sprachen wahrscheinlich einen universellen Charakter haben und jeder Art von Intelligenz im Kosmos in einer lokaltypischen Abwandlung und bestimmten Entwicklungsstufe zur Verfügung stehen, und nicht nur den Menschen in ihren Kulturkreisen auf der Erde. Damit besteht die Möglichkeit durch einfühlsame Übersetzung, die Gedanken und Gefühle zwischen Völkern und Rassen selbst über sehr weite Distanzen zu übertragen.

Es ist also vorstellbar, dass die aufgeschriebenen Gedanken bei Lebewesen völlig anderer Art einen geistigen Nachfahren produzieren, der biologisch nicht annähernd verwandt mit seinen geistigen Eltern ist. Ich denke an dieser Stelle in einem omniliberalen, universellen Sinne, also mehr an exobiologische geistige Seelenverwandtschaft als an die menschlichen Rassen untereinander. Bei Menschen untereinander würde ein kosmopolitisch orientierter liberaler Mensch jede mögliche Seelenverwandtschaften als eine Selbstverständlichkeit ansehen. Ich finde den Gedanken einer interstellaren Seelenverwandtschaft so reizvoll, dass ich diese Art altruistischer Unsterblichkeit bezüglich ihrer Relevanz auf jeden Fall mit jeder noch so perfekten egoistischen Unsterblichkeit gleichsetzen würde. Wenn Sie mich ernsthaft fragen würden, für wen ich diesen Text schreibe, dann würde ich Ihnen vielleicht erzählen: ich hoffe mehr auf einen seelenverwandten Leser auf Kepler 22-b, Gliese 581 d, HD 85512 b oder weiteren erdähnlichen Planeten von den vielen extrasolaren Planeten, die bisher entdeckt wurden. Entschuldigung, aber ich sehe es als Selbstverständlichkeit an, dass hier und da ein anderer Erdmensch auf der Suche nach Erkenntnis meine Texte liest, während sie im Laufe der kommenden Jahre auf den Webservern verstauben. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich freue mich natürlich außerordentlich, wenn jemand, der jetzt und hier lebt, mir sagt: schön dass du so denkst wie ich. Nur leider kommt das als Philosoph sehr selten vor. Mit einer interstellaren Verbreitung der Menschheit und dem Kontakt zu anderen Völkern, würde auch die Wahrscheinlichkeit immens steigen, dass meine Gedanken auf einen verständigen, wohlwollenden Zuhörer stoßen. Und diese Vorstellung macht mich froh.

Was ich mit dem letzten Gedankenspiel erklären wollte: Es handelt sich bei der Methode, die eigenen Gedanken zu veröffentlichen, also um keine Ersatzhandlung, eine egoistische Unsterblichkeit zu erreichen, sondern vielmehr um die Freude an der Möglichkeit einer unidirektionalen Kommunikation auch über sehr weite räumliche und zeitliche Distanzen und über Bezugssysteme wie Herkunft, Rasse, Religion und Spezies hinaus, lange nach dem eigenen Vergehen. Gerade wenn man schwierige oder anstrengende Gedanken äußert ist die Leserschaft im Hier und Jetzt sehr klein. Aber so etwas ist normal. Alle antiken Autoren hatten zum Beispiel das selbe Problem! – denn kaum jemand konnte zu ihrer Zeit überhaupt lesen. Zigfach mehr Menschen haben die antiken Autoren und ihre interessanten Geschichten lange nach ihrem Tod gelesen als ihre Zeitgenossen zu Lebzeiten. Natürlich macht die Leserschaft eines Aristoteles, dem Bestsellerautor der Antike bis heute nur einen kleinen Teil der Leserschaft eines Unterhaltungsromans wie zum Beispiel ‚Harry Potter’ aus. Aber darum geht es gar nicht. Es wird diese Art der Kommunikation und Weitergabe von bedeutenden Gedanken immer geben, selbst wenn egoistische Quasiunsterblichkeit längst ein gewöhnlicher Teil des normalen Lebens geworden ist. Die eigenen Erkenntnisse zu veröffentlichen ist keine Ersatzunsterblichkeit, es ist eine ganz andere Form von Unsterblichkeit: die altruistische Weitergabe von geistiger Arbeit – keine reine Unterhaltung, aber hoffentlich auch unterhaltend.

2. Kinder zeugen und erziehen

Das überall, fast von jedem Menschen angewandte Normalverhalten zum Erreichen von Unsterblichkeit ist, Kinder zu zeugen und zu erziehen. Jedes der eigenen Kinder besteht zu durchschnittlich 50% aus den eigenen Genen und zum selben Teil aus den Genen des Partners. Purer Zufall bestimmt in unendlicher Kombinationsmöglichkeit, welche neuen Menschen aus den Genen ihrer Eltern entstehen. Und doch erkennt man gewisse Eigenschaften von sich oder den eigenen Eltern und Großeltern in seinen Kindern klar und deutlich wieder. Durch die Erziehung der Kinder ist es möglich, das eigene Wissen, die eigenen Erinnerungen, Erfahrungen, Rückschlüsse, Erkenntnisse und Werte an die Kinder weiterzugeben. Es entsteht dabei zu der Teilkopie der eigenen Gene ebenfalls eine Teilkopie des eigenen Geistes, die sich mit den Erinnerungen und Erfahrungen vermischt, die die Kinder von anderen Menschen in ihrem Umfeld erlernen, und vor allem denen, die sie selbst im Laufe ihres Lebens machen.

Wenn man diese Gedanken zu Ende führt wird klar: sterblich kann nur der Mensch sein, der keine Kinder hat, nichts für andere intelligente Lebewesen Brauchbares hinterlässt und das offene Gespräch mit Kindern und jüngeren Menschen konsequent meidet. Jeder Mensch der aufgeschlossen mit jungen Menschen umgeht und ihnen zu irgend etwas Nutze ist, wird auch irgendwie unsterblich. Dies ist weitaus mehr als ein schwacher Trost: Unsere gängige Begriffsdefinition von Sterblichkeit und Tod, wonach diese mit dem Ende eines Individuums definiert ist, stellt eigentlich ein rein theoretisches Gebilde dar, was es so in seiner Absolutheit niemals wirklich gab. Fast niemand stirbt ganz und gar. Man kann die Menschheit auch als einen großen unsterblichen Organismus ansehen. Ein Zustand irgendwo zwischen unseren gängigen bipolaren Definitionen von Leben und Tod ist vielmehr der Normalzustand, den wir antreffen, wenn wir die Welt um uns betrachten – nicht nur Generationen übergreifend, auch in unserem eigenen Leben, denken wir doch nur an den Schlaf..

Xenophobie

Viele Leser werden bei meinen Ausführungen zu einer Veränderung am Menschen hin zu besserer Gesundheit und höherem Alter, indem man das Reproduktionsalter freiwillig erhöht, augenblicklich gestutzt haben. Moment einmal, was ist denn dann mit dem Down-Syndrom? Das könnten sie sich gefragt haben. Und ist es nicht so, dass dies gehäuft bei älteren Müttern auftritt? Ja, das stimmt. Die Ursache für Trisomie 21 liegt in 95 Prozent der Fälle in einer unüblich verlaufenden Meiosis. Wodurch diese unübliche Zellteilung verursacht wird, ist nicht genau bekannt. Das Down-Syndrom ist keine vererbbare Krankheit. Es wird jedoch aufgrund von Messergebnissen im Umkreis des Tschernobyl-Reaktors, wo die Wahrscheinlichkeit von Trisomie 21 kurz nach dem Unfall temporär um das Vierfache angestiegen war, vermutet, dass der Einfluss ionisierender Strahlung die unübliche Zellteilung fördert. Es wird auch vermutet, dass generell Schädigungen von Eizellen, die Fehlerhäufigkeit während der Meiosis steigern, und daher das Alter der Mutter eine Rolle spielt, denn mit zunehmendem Alter steigt die Fehlerhäufigkeit in den Zellen und der DNS.

Aus diesen Gründen ist es auch wiederum einleuchtend, dass eine weitere Verschiebung des durchschnittlichen Reproduktionsalters zu höherem Lebensalter hin, die ja die Fehlerraten im Erbgut an sich statistisch bis zu diesem neuen Lebensalter eliminiert, die Fehlerwahrscheinlichkeit im Erbgut in diesem Alter verringert. Das heisst zum Beispiel, dass Trisomie 21 bei einem Alter der Mütter von Anfang Vierzig viel seltener auftreten würde, wenn es in Zukunft mehr Frauen gäbe die noch mit Ende Vierzig fruchtbar wären. Das heißt, um so mehr sich das maximale fruchtbare Alter der Frauen nach oben verschiebt, um so weniger tritt Trisomie 21 bei einem jüngeren Alter ein. An der jeweiligen neuen Altersschwelle, wo die Fruchtbarkeit statistisch nachlässt, wird die Krankheit dann genauso häufig auftreten, wie an der heutigen Altersschwelle. Vorausgesetzt die Annahme ist richtig, dass Trisomie 21 mit der Zunahme von Fehlern in den Zellkernen zunimmt.

Haben Sie sich jemals gefragt, warum die Menschen mit Down-Syndrom, obwohl sie meist ganz besonders freundlich, herzlich und in ihrer naiven, kindlichen Art besonders sympathisch sind, gemieden werden? Es gibt unter ihnen wie bei den ‚normalen‘ Menschen selbstverständlich so viele unterschiedliche Charaktere wie es ihrerlei Menschen gibt und Ausnahmen bestätigen die Regel. Jedoch ist trotz einer oft auftretenden allgemeinen geistigen Behinderung, die emotionale Intelligenz bei den Menschen mit Trisomie 21 meist besonders hoch, im Durchschnitt höher als bei den ‚Normalen‘. Die Kinder gelten daher aus der Sicht der psychischen Belastung der Eltern und Erzieher gesehen meist sogar als weniger ‚anstrengend‘ als die ‚Gesunden‘. Für diese daher völlig unlogische Ausgrenzung aus der Gesellschaft gibt es eine ganz einfache Erklärung: Xenophobie, die Angst vor dem Fremden. Denn anders und fremd wirken sie natürlich auf normale Menschen, und da viele Menschen eine tiefe Angst vor dem Fremden in sich tragen, haben sie Angst vor einer Begegnung mit Menschen mit Down-Syndrom.

Wenn sie, lieber Leser, wie ich glauben, dass es im Universum oft sehr gute Gründe für die Phänomene um uns herum gibt, dann haben Sie sich ganz gewiss auch einmal gefragt, warum es so unterschiedliche Menschentypen gibt? Und dann haben sie sich vielleicht auch einmal gefragt, warum es Menschen mit Trisomie 21 gibt? Die folgende These ergibt sich durch logische Überlegung aus der Theorie der Stellaren Ökologie:

Wir erinnern uns, in der stellaren Ökologie haben intelligente Lebewesen die Aufgabe, den Transport von Leben durch die Kometen zwischen den Sternsystemen zu intensivieren. Deshalb gibt es uns Menschen überhaupt. Wir erinnern uns ebenfalls, dass die Natur es intelligenten Lebewesen ermöglicht, sich selbst durch autogene Zucht, in jeder Art und Weise zu verändern. Besonders wichtig ist dabei die Möglichkeit, die individuelle Lebensspanne mit der Zeit und über die Generationen beliebig verlängern zu können. Die natürlichen Fakten und auch medizinisch-technischen Zukunfts- oder Wunschvorstellungen wurden besprochen. Letztere sind in der stellaren Ökologie jedoch ohne Relevanz. Man braucht sie eigentlich gar nicht, weil man das selbe Ziel auch ohne Technik durch einfache Zucht erreichen kann. Im Gegenteil: sie besitzen durch ihre hohe Umsetzungsgeschwindigkeit viel mehr als eine autogene Zucht das Potential zu großem Leid. Wenn die Möglichkeiten einer einfachen Zucht zum Älterwerden da sind, warum werden wir heute noch nicht viel älter? Warum haben die Männer immer die jüngeren Frauen vor den älteren als Partnerinnen bevorzugt? Nur aufgrund äußerlicher Merkmale? Nein, natürlich nicht. Aber aus Angst vor dem fremdartigen Kind mit Down-Syndrom, dass aus einer solchen Verbindung bekanntermaßen häufiger hervorgeht als aus einer Verbindung mit einer Jungen. Nur deshalb sind wir nicht viel älter geworden. Wir könnten heute genauso gut erst mit 200 Jahren oder mit 300 Jahren sterben, wären die Männer in den letzten Jahrtausenden bevorzugt Verbindungen mit Frauen am Ende statt am Anfang ihres Fruchtbarkeitszyklus eingegangen.

Diese Angst vor dem Kind mit Down-Syndrom hat in den letzten Jahrzehnten etwas nachgelassen. Es ist sehr schön, dass sich viele Paare heute trotzdem für ein Aufziehen eines Kindes mit Trisomie 21 entscheiden. Es zeigt, wie viel Liebe und positive Kraft trotz allem unter den Menschen vorhanden ist. Die Natur ermöglicht uns hier das Erleben der Präsenz von völlig andersartigen Menschen. Solange wir Angst vor diesen Fremden haben, werden wir die notwendigen Schritte zu einer Lebensverlängerung nicht wagen, weil wir aus unser tiefen Xenophobie heraus eine große Angst vor unseren gezeugten fremdartigen Variationen unserer selbst entwickeln. Damit ermöglicht die Natur der geistig-emotionalen Unterentwicklung der Xenophobie keine körperliche Weiterentwicklung zum sternfahrenden, langlebigen Wesen. Es ist ein weiser Schutzmechanismus: die Menschen mit Trisomie 21 sind ein Teil des ‚Ethischen Gewissens‘ des stellaren ökologischen Lebensraumes, um sich selbst vor uns cleveren, gewalttätigen Biestern, uns intelligenten raumfahrenden Spezies zu schützen, die wir aber vom stellaren Ökosystem dringend benötigt werden.

Wir wollen uns erinnern: Die Nationalsozialisten hatten ein Eliminierungsprogramm für Menschen mit Trisomie 21 gestartet, die Aktion T4, in dem sie diese Menschen systematisch ermordeten. Würden xenophobe, emotional unterentwickelte Technokraten mit ihren von thermonuklearer Energie angetriebenen, titanischen interstellaren Maschinen auf andere, technisch und militärisch unterlegene Völker treffen, würde dies höchstwahrscheinlich zu einer Katastrophe viel schlimmer als im nationalsozialistischen Europa führen. Aus ihrer Xenophobie heraus würden sie alles ihnen fremd und andersartig erscheinende und Furcht einflössende tausendfach furchtbarer unterdrücken und vernichten wie die nationalen Sozialisten dies mit ihren technischen Möglichkeiten taten. Xenophobe Raumfahrer wären keine Überbringer des Lebens sondern die von ihren eigenen Ängsten und Alpträumen getriebenen Bringer des Todes für jede ihnen unterlegene Rasse. Das lässt die Natur nicht zu. Das stellare Ökosystem benötigt einen breitbandigeren Transport von Leben zwischen den extrasolaren Planeten und nicht das Gegenteil: eine Vernichtung von Leben durch einen interstellaren Holocaust.

Es ist damit zu rechnen, dass wir, während wir uns in den nächsten Jahrtausenden zu langlebigeren Menschen entwickeln, auf noch viel fremdartiger erscheinende Variationen unserer Selbst stoßen werden als unsere freundlichen Mitmenschen mit dem Down-Syndrom. Der emotional gereifte Sternfahrern wird sicherlich eine ähnlich hohe emotionale Intelligenz besitzen wie heute schon unsere Mitbürger mit Trisomie 21 und allem Fremden, dem er begegnen wird, ohne Angst und nicht gleich feindlich gegenüber treten. Menschen mit Trisomie 21 zeigen uns einen besseren, intelligenteren Menschen der Zukunft und wir wiederum erkennen unsere niedere, instinktive Boshaftigkeit beim Umgang mit ihnen. Wir brauchen sie dringend. Vor kurzem habe ich gelesen, es gibt wenige Menschen mit Trisomie 21, die sogar Universitäten absolvieren. Diese Menschen sind jeden Tag von Tausenden für sie völlig fremden, andersartigen aggressiven Wesen umgeben und trotzdem haben sie keine Angst! Versetzen Sie sich selbst einmal in eine solche Ausnahmesituation – nur umgekehrt: dieser Mut ist bewundernswert. Es ist der Mut eines Sternenfahrers. Ich hoffe, ein Mitbürger mit Trisomie 21 wird einmal meinen Text lesen. Ich grüße Dich Beschützer der Welten! Du Engel!

Die Angst vor dem Tod

In diesem Kapitel soll die Rede nicht von der Angst vor dem Sterben sein, sondern von der Angst vor dem Tod. Wenn Menschen Angst vorm Sterben haben, dann haben sie eigentlich Angst vor Schmerzen und Leid. Das ist ein eher naives Verhalten, denn sie sind bereits unter großen Schmerzen zur Welt gekommen und immer wieder müssen Menschen mitten im Leben große körperliche oder seelische Schmerzen und Leiden durchstehen, wie bei Krankheiten, Verletzungen, Unfällen, beim Tod von geliebten Menschen oder bei unerfüllter Liebe. Sterben ist die einzige Erfahrung im Leben, die nur aus Anschauung und nicht aus eigener Erfahrung erlernt werden kann und trotzdem kann man sich zum Beispiel durch die Begleitung Sterbender darauf vorbereiten und muss am Ende nicht wie ein völlig Unwissender dastehen. Alle Menschen, die ich in meinem Leben getroffen habe, die einmal einen Menschen beim Sterben begleiteten, hatten aus tiefer Überzeugung keine Angst mehr vor dem Sterben.

Wenn Menschen wirklich Angst vor dem Tod haben – nicht vor dem Sterben – dann haben sie eigentlich Angst vor Bewusstlosigkeit – also vor Kontrollverlust. Dessen sollten sie sich klar werden. Wer Nachkommen hat und somit altruistisch unsterblich wird, besitzt nach seinem Tod zwar kein Bewusstsein mehr, aber er lebt weiter. Das ist nichts besonderes, das geht den Pflanzen und Tieren der Erde ebenso. Der Wunsch nach einer egoistischen Unsterblichkeit, die das Bewusstsein bewahrt, kann also nicht aus der Angst vor dem Tode und der Bewusstlosigkeit an Sich resultieren, sondern entstammt eher einer psychotischen Angst vor Kontrollverlust, so scheint es. Und trotzdem war der menschliche Drang nach einer egoistischen Unsterblichkeit immer schon da: heute, im Mittelalter, im alten Ägypten, und lange davor. Warum ist das so?

Eine egoistische Unsterblichkeit hat in der Ökologie keinen Sinn außer die Ermöglichung gelenkter Flüge zwischen den Sternen. In allen anderen Fällen ist sie nicht nur völlig sinnlos sondern katastrophal. Nur der Jahrhunderte lebende Sternen-Navigator, der seine gigantischen Maschinen über Lichtjahre hinweg präzise zum Ziel lenken muss, benötigt diese lange Lebensdauer. Nur seine mutige Besatzung benötigt eine Quasiunsterblichkeit bei ihrer Jahrtausende dauernden Sisyphos-Arbeit, dem Erhalt der titanischen Gerätschaften und Anlagen des Sternenschiffs, das den Umweltbedingungen langer Sternenflüge standhält: riesig wie ein Gebirge aus Stahl und Stein.

In einem begrenzten planetaren Ökosystem führt Quasiunsterblichkeit zwangsläufig zum Kollaps. Für ein stellares Ökosystem, das sich über weit entfernte Planeten erstreckt, ist die Quasiunsterblichkeit seiner Lebens-Überträger, seiner intelligenten, zu den Sternen fliegenden, intelligenten Spezies jedoch eine notwendige Bedingung zur weiteren Energieminimierung und daher der natürliche Weg zum endgültigen Zustand des ökologischen Systems. Die Sternfahrer werden sich im Laufe von Äonen oft wünschen, sie wären tot, und werden doch ihrer Verantwortung, die sie ihren Mitmenschen und ihrem Sinn im Leben gegenüber haben, genügen und aus tiefer Überzeugung durchhalten. Die ‚egoistische‘ Quasiunsterblichkeit nutzt somit nur dem wirklichen Altruisten, der bereit ist, für die Seinigen zu leiden. Wer hingegen ungern Verpflichtungen gegenüber seinen Mitmenschen eingeht, der wird sich irgendwann nach längerer Zeit, wenn er früher oder später alles gesehen und erlebt hat, was er zu erfassen in der Lage war, letztendlich gelangweilt aus freiem Entschluss zur Ruhe legen. Der unsterbliche Sternfahrer wird ihn vielleicht manchmal darum beneiden.

Leider gibt es heute geradezu eine Industrie, die mit der Angst vor dem Tod – meist von wissenschaftsgläubigen Menschen, die wenig philosophisch oder theologisch reflektieren – große Geschäfte machen. Es werden Techniken und Methoden angeboten, die den Tod hinauszögern sollen. Wie wir im vorigen Kapitel feststellten, ist der Begriff des Todes Ergebnis einer bipolaren Vereinfachung, die es eigentlich nur in der Theorie und nicht im wirklichen Leben gibt. Es bleibt sehr viel von jedem Menschen, körperlich und geistig, wenn er Platz macht für die nächste Generation. Was wir den Tod nennen, ist eigentlich Bewusstlosigkeit. Und vor dieser Bewusstlosigkeit eine solche Angst zu haben, ist hysterisch, wenn man bedenkt, dass man jeden Tag für etwa acht Stunden einen Vorgeschmack davon bekommt – nämlich in den Stunden des Schlafes. Stimmt es, dass Menschen die im Laufe des Lebens eine ausgeprägte Angst vor Kontrollverlust entwickelt haben, jede Nacht nur wenig schlafen?

Folgende Methoden zur Hinauszögerung des Todes werden immer wieder einmal diskutiert und in Form von kombinierten Therapien, Seminaren, Kongressen, Büchern und Pharmazeutika zum Kauf angeboten: Frischzellentherapie, Parabiose, Antioxydantien (Ascorbinsäure, Tokopherole, Cystein, Taurin, Methionin, Selen, Deanol, BHT, BHA, Ethoxyquin, NDGA, Ascorbylpamitat, etc.), Vitamine, Mineralstoffe, Autoimmuntherapie, LSD, Katecholamin-Therapie, Sulfonamide, Hormontherapie, usw. Wer sich diese Medikamente beschafft, sollte genau wissen was er tut. Viele der Stoffe, auch anscheinend harmlose wie Vitamin E (Tokopherole), wirken falsch dosiert oder in ungünstiger Kombination untereinander organzerstörend. Sie haben so keineswegs eine lebensverlängernde Wirkung – sondern genau die gegenteilige. All diese Methoden sind aber im Grunde nur ein Geschäft mit der Angst vor dem Tod. Natürlich ist es sehr praktisch, wenn man zum Beispiel durch die längerfristige Überdosierung von Vitamin C keinen Schnupfen mehr bekommt. Man wird aber nach einiger Zeit feststellen, dass der Körper harmlose Erkrankungen wie Erkältungen hier und da einmal offensichtlich als seelische Ruhe- und Erholungsphasen benötigt, und eine solche einseitige Manipulation psychologische Nebenwirkungen zeigt. Körper und Geist hängen eng miteinander zusammen, wie die alten Griechen schon wussten.

Das lange Leben der Mönche

Wesentlich bewährter als die modernen, kommerziellen Produkte zur Lebensverlängerung sind die Methoden zur Lebensverlängerung, die buddhistische und christliche Mönche schon seit über tausend Jahren anwenden, und damit in ihren von der restlichen Welt abgeschiedenen Klöstern eine sehr hohe durchschnittliche Lebenserwartung von oft weit über 100 Jahren völlig unabhängig von der Entwicklung einer medizinischen Technik erreichten: Vermeidung von Stress durch Abwendung von der restlichen Welt und feste Rituale, eine ideale ausgewogene aber knappe Ernährung, Hypothermie durch chronische leichte Unterernährung, Kräutertherapien, regelmäßiges Fasten und Entschlacken, Vermeidung von Abusus und anderen geistig und körperlich abträglichen Verhaltensweisen. Diese – ich nenne es mal ganzheitliche – Lebensweise ist natürlich nicht auf dem verzweifelten Versuch begründet, den Tod so lange es geht abzuwenden, weil man Angst davor hatte, sondern vielmehr die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit der Mönche bis ins hohe Alter aufrecht zu erhalten, um das Funktionieren der kleinen Klostergemeinschaften zu gewährleisten und nur ganz wenige Fälle von Pflegebedürftigkeit und Alterssenilität neben den vielen anstehenden Arbeiten im Klosterbetrieb betreuen zu müssen. Die Verlängerung der durchschnittlichen Lebenszeit der Mönche ist dabei lediglich ein Nebeneffekt ihrer hohen körperlichen und geistigen Gesundheit.

Ähnliche jugend- und lebensverlängernde Effekte wie in den klassischen Klöstern beobachten wir heute zusätzlich in einer anderen relativ stressarmen, geistig befriedigenden, und stark rituell ablaufenden Umgebung: den weltlichen Universitäten – den Klöstern der säkularisierten Demokratie. Es scheint so – die Übereinstimmungen des Kloster- und Universitätslebens suchend – dass vor allem ein Leben ohne ständig wechselnde Anforderungen der Umwelt und ohne viel seelischen und körperlichen Stress und mit viel Freude am Tun die Jugend und das Leben lange bewahrt. Dies ist – nach allem was bisher in diesem Text über die populationsgenetische Verschiebung der Lebenserwartung gesagt wurde – eine völlig logische und sinnvolle Einrichtung der Natur: Ändert sich die Umwelt ständig, müssen die Individuen schneller sterben, damit die evolutionäre Anpassung beschleunigt wird, um ein Überleben zu gewährleisten. Bleibt die Umwelt lange relativ gleichförmig, ist der evolutionäre Druck geringer und die Individuen dürfen länger leben, damit das Ökosystem möglichst wenig Energie verbraucht. Schnellere Generationswechsel verbrauchen mehr Energie aus dem System als langsamere Generationswechsel. Deshalb strebt das System immer zu langsamen Generationswechseln hin, wenn nicht andere Umstände schnellere Wechsel erfordern, um die Gesamtenergie zu minimieren. Unsere Seele ist also unmittelbar mit dem uns umgebenden Ökosystem verbunden, um mit diesem zusammenzuarbeiten: viel Veränderungen bedeuten Stress, bedeuten die Auslösung von Zerfallsprozessen im Körper, bedeuten einen schnelleren Tod um schneller Platz zu machen für neue Generationen.

Die Auferstehung der Toten

Die alten Ägypter glaubten einst, dass sie, wenn es ihnen gelänge, ihre Körper vor dem Vergehen zu bewahren, eines Tages wieder auferstünden. Heute lachen einige von uns darüber und kaufen sich aber vielleicht gleichzeitig bei einem amerikanischen oder russischen Kryonik-Unternehmen die Möglichkeit, ihren toten Körper später einmal in flüssigem Stickstoff aufzubewahren. Die Kunden solcher Unternehmen hoffen – eigentlich genau so wie die Ägypter – dass irgendwer ihren Körper eines Tages wieder auferstehen lassen würde, diesmal nicht die ägyptischen Götter, sondern die Götter in Weiß. Wissenschaft übertrumpft Religion als deren Ersatz.

Ich frage mich manchmal, warum die Menschen der Zukunft Mühe und Geld in die Auferstehung eingefrorener Leichen stecken sollten? Für wissenschaftliche Experimente? Vielleicht. – Aber sind Menschenversuche wie in den Konzentrationslagern der SS dann wieder erlaubt? Oder würde man die Kryonauten ersteigern, um einen Menschen zu besitzen, in dessen zweites, künstliches Leben man sehr viel privates Geld investiert? – Eine Ausnahmeregelung für bestimmte Formen der Sklaverei? Wohl kaum würde man sie auftauen um den Eingefrorenen zu helfen: schließlich geht es ihnen ja in ihrem eiskalten Kryoschlaf sehr gut – völlig schmerz- und sorgenfrei. Bestenfalls würde man die Toten aus geschichtswissenschaftlichen Gründen wieder erwecken – das würde aber wiederum heißen, dass unser heutiges, nahezu perfektes Informationsnetzwerk, welches unser Wissen bewahrt, nicht bis in diese Zukunft überlebt hätte. Dann darf man aber wohl annehmen, dass das Energieversorgungsnetzwerk auch von einem längeren Ausfall betroffen gewesen wäre und dann erübrigt sich die Frage nach dem Auftauen der Kryonauten. Also, mir fallen bei realistischer Abwägung der Möglichkeiten nur ziemlich unangenehme Dinge ein, warum jemand auf die absurde Idee kommen sollte, eingefrorene Tote mit großem Aufwand wieder zum Leben zu erwecken. Und deshalb und weil ich nicht glaube, dass das zweite Leben ohne ein langes – aus der schwierigen Wiederbelebung resultierendem – Siechtum verliefe, lasse ich mich später bestimmt nicht einfrieren.

Die Christen glauben bekanntermaßen ebenfalls an eine Auferstehung der Toten. Ihr Heiland, Jesus Christus, ist ihr Vorbild: So wie er seinem Grab entstieg, so werden alle Christen, die ihm folgen, eines Tages auferstehen und ewiges Leben erringen. Es gibt in anderen Religionen ähnliche Metaphern und Hoffnungen von der Auferstehung der Toten. Auch wenn diese Bilder alle durchweg allegorisch zu interpretieren wären, so wäre es gerade vor den vorhin genannten Ideen aus Naturwissenschaft und Technik sehr interessant, sie einmal im Vergleich dazu genauer zu untersuchen. Oft haben die alten Religionen viele grundsätzliche Ideen bereits vorweggenommen, wenn auch keine praktischen, biologisch-medizinisch-physikalischen Lösungsansätze so wie die moderne Pop-Literatur vorgeschlagen. All diese Gedanken, ob religiös oder wissenschaftlich motiviert, entstammen jener tiefen Sehnsucht die in uns ist.

Ich habe vorhin erklärt, warum die Natur uns Menschen dieses Hintertürchen des quasiunsterblichen Lebens gewährt. Sie braucht uns dringend als zukünftige Sternfahrer, die den interstellaren Transport von Leben intensivieren. Ihre Kometen sind ein zuverlässiger, aber sehr schmalbandiger Kanal. Der Transport von Leben geschieht über Jahrmillionen. Da die Naturgesetze für Sternenschiffe Reisezeiten von mindestens Jahrhunderten bis Jahrtausenden vorschreiben, gibt die Natur uns die Möglichkeit, uns diesen Umweltbedingungen des Weltraums anzupassen. Weite Entfernungen und lange Reisezeiten bedürfen langer Lebenszeiten, um die empfundenen Entfernungen schrumpfen zu lassen. Nur für uns kosmische Eintagsfliegen sind die Entfernungen zwischen den Sternen anscheinend unüberwindbar.

Könnte es sein, dass die Natur wie bei der Quasiunsterblichkeit in ihrem genetischen Repertoire auch eine Art Auferstehung der Toten anbietet, die sie für den Fall, dass wir diese für unsere Reisen zwischen den Sternen benötigen würden, vorhält? Sehen wir uns wieder einmal das Leben auf der Erde an und staunen: In Nordamerika gibt es in der Tat einige Lurche, die im Winter komplett einfrieren und im Frühjahr wieder auftauen und weiterleben oder besser: erneut leben. Der kanadische Laubfrosch ist einer dieser Lurche. Seine Körperfunktionen kommen im Winter komplett zum Erliegen: kein Herzschlag, keine Hirntätigkeit mehr. Er stirbt also im Herbst und ist über den Winter klinisch tot. Aber in jedem Frühjahr steht er wieder von den Toten auf. Man hat ihn im Labor mehrere Male hintereinander auf -7°C eingefroren und damit klinisch getötet und dann wieder aufgetaut und wieder auferstehen lassen.

Wie macht die Natur das? Normalerweise platzen Zellen, wenn sie einfrieren, das Gewebe wird dabei komplett zerstört. Die Pflanzen schützen sich dagegen, indem sie im Herbst austrocknen und ihre Säfte durch Salze soweit verdicken, dass ein komplettes durchfrieren der Zellen verhindert oder sogar ermöglicht wird. Die Zellen überstehen so den Frost und wenn die Temperaturen im Frühjahr wieder über Null steigen, verdünnen sich die Säfte im Pflanzengewebe, die Zirkulation nimmt zu und die Pflanze erwacht und wächst wieder. Man kann also in der Tat von vielen Pflanzen sagen, dass sie im Herbst sterben und im Frühjahr von den Toten auferstehen. Zumindest, wenn man das Leben biologisch als Bewegung und Stoffwechsel definiert, sind viele Pflanzen im Winter wirklich klinisch tot!

Die kanadischen Laubfrösche und andere Lurcharten überstehen den Winter ungefähr genauso wie Pflanzen: ihre Zellen bilden derart hohe Salzkonzentrationen, dass ihr Körpergewebe auch bei -7°C noch nicht zerstört wird. Friert man die Frösche aber bei weniger als -7°C ein, dann kann man sie nicht mehr von den Toten erwecken, weil Gewebeschäden sie bereits mechanisch von innen ‚tödlich‘ verletzt haben. Aber wenn die Frösche bei minus sieben Grad lagern, dann sind sie tatsächlich eingefroren und damit sind alle Vitalfunktionen lahmgelegt. Sie sind tatsächlich tot: herztot, kreislauftot, hirntot, vegetativ tot, also klinisch tot. Aber durch das Einfrieren verwesen sie nicht. Und im Frühjahr stehen sie von den Toten auf. Wer jetzt seine religiösen Gefühle verletzt sehen mag und glaubt, ich wolle nur provozieren, der sollte meine Angaben erst einmal auf ihre Richtigkeit hin überprüfen. Er kann die Versuche mit den kanadischen Laubfröschen auch sehr einfach selber wiederholt durchführen.

Wer jetzt auch noch befürchtet, dass ich dies im nächsten Satz auf den Menschen verallgemeinere, so wie ich dies mit der Quasiunsterblichkeit tat, den muss ich beruhigen: Eine autogene Zucht zur Quasiunsterblichkeit ist relativ einfach durch die allmähliche Verschiebung des durchschnittlichen Reproduktionsalters nach oben zu erreichen, weil sich nur die bereits vorhandene innere Uhr, die den Tod auslöst, zu einem späteren Zeitpunkt hin verstellen muss. Die innere Uhr ist aber bereits angelegt. Eine autogene Zucht zum Überleben des Eingefrorenseins durch hohe Salzkonzentration in den Körperzellen ist jedoch eine derartige große Veränderung eines Organismus, dass ein solches Zuchtziel viel länger dauern würde, wenn es bei Säugetieren wie dem Menschen überhaupt möglich wäre. Boreale Bäume und Sträucher können das, einige Lurche können es, auch manche Fische, aber ansonsten kennen wir keine Lebewesen die sich so radikal vor Winterfrost schützen: durch Sterben im Herbst und Wiederauferstehen im Frühjahr. Wohingegen wir große Abweichungen der durchschnittlichen Lebenszeit bei allen Spezies ob Planzen, Säugetiere, Insekten, Fische, Echsen, usw. untereinander beobachten. Teilweise haben nah verwandte Arten extrem unterschiedliche Lebenszeiten. Gerade letzteres lässt vermuten, dass die gezielte Zucht der Lebenszeit relativ einfach ist. Die Zucht zum Überleben des Eingefrorenseins wird jedoch sehr viel schwieriger sein.

Und selbst wenn wir den kanadischen Laubfrosch in uns entdecken würden und bei ein paar Grad unter Null ein Eingefrorensein überstehen würden, was hätten wir davon? Frösche müssen nur jeweils einen Winter tot überstehen. Das sind nur ein paar Monate. Sternenfahrer, die ihre Reise tot überstehen und dann am Ziel wieder auferstehen wollten, müssten aber mindestens Jahrhunderte, vielleicht Jahrtausende eingefroren bleiben. In dieser langen Zeit würden aber bei -7°C oder 266 Kelvin (anstatt einer normalen Körpertemperatur von 310 Kelvin) die entropischen molekularen Prozesse immer noch groß genug sein, dass die DNS der Reisenden während der langen Zeit durch thermische Diffusion zerstört würde. Eigentlich müsste man, damit der thermische Zerfall der DNS für diesen Zeitraum quasi zum Erliegen käme, sie auf Temperaturen möglichst nahe dem absoluten Nullpunkt (-273°C oder 0 Kelvin) kühlen, ähnlich den eingefrorenen Toten, den Kryonauten, die ihren Leichnam den Kryonik-Unternehmen zur Aufbewahrung vermachen.

Nur friert bei solchen Temperaturn jeder menschliche Körper, jeder Fisch und jeder Frosch komplett durch und wird auf zellularer Ebene mechanisch von innen zerstört. Eis hat nunmal ein größeres Volumen als Wasser, und die Volumenzunahme zerstört das Gewebe, indem es die Zellwände zerbersten lässt. Eine Wiederbelebung ist dann nicht mehr möglich. Ich rede hierbei nicht von Dauerstadien von Lebewesen wie Embryonen, Eier, Samen, Sporen, bei denen so etwas bekanntermaßen möglich ist, und im biologischen Laboralltag praktiziert wird, sondern von den ausgewachsenen Lebewesen.

Das heisst aber auch, dass uns eine Zucht zu dieser Auferstehung von den Toten, wie es die Bäume oder Frösche beherrschen, nichts nutzen würde. Eigentlich müssten wir unser Körperwasser gegen ein hypothetisches ‚Zauberwasser‘ austauschen, dass beim Frieren keinen Sprung seiner Dichte zeigt, sondern sein Volumen beibehält. Dann könnten wir unsere Sternfahrer auf -250°C in flüssigem Helium tiefkühlen, hinter dicken Wänden aus Eis vor der ebenfalls die DNS zersetzenden kosmischen Strahlung schützen, und am Ziel ihre Körper ohne mechanische oder entropische Schäden der Zellen wiederbeleben. Die Auferstehung der Toten würde zum Bestandteil jeder Sternfahrt.

Was für den ganzen Körper auf zellularer mechanischer Ebene gilt, gilt natürlich genauso für das menschliche Gehirn. Daher würden alle Gehirn transplantierenden Verfahren, wie Ganzkörpertransplantat, hohler Klon und Cyborg hier keinen Ausweg aus der mechanischphysikalischen Sackgasse des Einfrierens bieten. Man könnte ja darüber nachdenken, nur den Geist in seinem Behälter, dem Gehirn, auf die Reise zu schicken und am Zielort einen neuen Körper heranwachsen zu lassen. Auch das ist unmöglich ohne das ‚Zauberwasser‘, das noch nicht entdeckt ist – das Gehirn würde beim Einfrieren komplett zerstört werden.

Der transhumanistische Robot, mit seinem auf einen Computer übertragenen Geist, der könnte sich einfach ausschalten und schlafen legen, aber der ist kein Mensch sondern ein Maschinenmonster, dass wir nicht als unseren Vertreter auf das Leben ferner Planeten loslassen wollen, oder? Was sollen die Wesen dort von uns denken? – Das wir eine Sache sind? Oder dass uns Lebewesen selbst der Mut fehlt? Dies könnte zu verheerenden Missverständnissen führen, vor allem bei einem Gegenbesuch. Hat jemand darüber überhaupt schon einmal nachgedacht? Ich sehe mich nicht und fühle mich nicht als Sache oder Ding und mir fehlt auch nicht der Mut zum Reisen. Und wie ist es mit Ihnen?

Es ist jedoch davon auszugehen, dass der transhumanistische Roboter der schlechteste Kandidat für Sternenreisen überhaupt wäre. Er ist mit seinen elektronischen Schaltkreisen einer ständigen Alterung durch Entropie durch kosmische Strahlung ausgesetzt, die er nicht reparieren kann. Irgendwann fallen seine Schaltkreise einfach aus. Wahrscheinlich schon nach wenigen Jahrzehnten. Biologische Organismen hingegen verfügen über Selbstheilungsmechanismen gegenüber Strahlenbelastung. Sie können sich außerdem fortpflanzen, um einem Reduktion der Mannschaftsgröße durch Krankheiten und Unfälle entgegenzuwirken. Der quasiunsterbliche Mensch ist daher der perfekte Raumschiffnavigator.

Manche Menschen hoffen, dass es eines Tages hypothetische Nanoroboter gäbe, die Gewebeschäden auf zellularer Ebene reparieren könnten. Niemand weiss allerdings auch nur annähernd, wie das gehen soll. Dann würden Sternreisen im eingefrorenen Zustand, ohne dass man auf hypothetisches ‚Zauberwasser‘ zurückgreifen müsste, einfach möglich und selbst unsere verstorbenen, reichen Nachbarn, die Kryonauten, könnten eines Tages von den Toten auferstehen und ihren Flüssigstickstofftanks wieder entsteigen. Aber ob nun mit der Hilfe von unwahrscheinlichem ‚Zauberwasser’ oder noch unwahrscheinlicheren Nanorobotern: Hoffen wir mal für unsere Nachbarn, dass alles gut geht und sie in ferner Zukunft wieder menschenwürdig in Freiheit, bei Verstand und ohne Schmerzen leben können.

Das Ziel des Sternenfahrers

Manche Menschen glauben, um zu den Sternen zu reisen, wären wir heute noch nicht in der Lage. Wir hätten nicht die notwendige Technologie dazu. Eines Tages aber in einer fernen Zukunft besäßen die Menschen dann überlichtschnelle, elegant aussehende Raumschiffe voller unglaublicher Computertechnik mit denen sie in der Lebensspanne eines Menschen zwischen den Sternen ‚springen‘ würden. Einige Menschen gehen sogar so weit und verkünden, wir Menschen wären für den Sternenflug überhaupt nicht geeignet, und unsere ‚evolutionären Nachfolger‘, die Maschinen würden dies eines Tages an unserer Stelle tun.

Was viele Menschen nicht wissen: die Raumfahrttechnik ist schon heute dabei, ihren Rang als Hochtechnologie zu verlieren. Einst, in den Sechzigerjahren galt sie als das ‚Nonplusultra‘. Wegen ihr wurden die Mikrocomputer, nahezu alle modernen Hochtemperatur- und Leichtbauwerkstoffe und anspruchsvollen Managementprozesse und Fertigungsverfahren überhaupt entwickelt. Heute werden diese Errungenschaften aus dem Mondprogramm überall weiter entwickelt. Jedes moderne Auto ist tausendfach komplizierter als ein moderner Nachrichtensatellit. Jedes Smartphone für die Hosentasche ist aufgrund der Anzahl seiner Transistoren millionenfach komplexer als eine Mondrakete von 1969. Die Roboterstraßen für den Bau von gewöhnlichen Konsumartikeln verschlingen heute mehr Geld als jedes Mond- oder Marsprogramm und ein riesiges Heer von Ingenieuren und Technikern ist mit ihrem Aufbau und ihrer Programmierung beschäftigt. Ein moderner Kühlschrank enthält die hundertfache Rechenleistung der Mondlandefähre Eagle. Jeder Staubsauger kann heute mehr als das Mondfahrzeug des Apollo-Programms.

Die Raumfahrtgeräte, die heute entwickelt werden, werden teilweise mit 16bit-Prozessoren aus den Achtzigerjahren oder 32bit-Prozessoren der frühen Neunzigerjahren entwickelt, die man teilweise in großen Mengen hat einlagern lassen, weil es abzusehen war, dass modernere hochintegrierte Schaltungen den Strahlungsanforderungen im Weltraum nicht mehr gewachsen sein würden. Raumfahrttechnik ist heute ‚Low-Tech‘. Es geht in der Raumfahrt vor allem um Funktionale Sicherheit. Jede Funktion wird redundant, oft zweifach redundant abgesichert. Jede Zeile Programmcode wird dokumentiert, bewertet und mehrfach getestet. Es geht in der Raumfahrt schon nicht mehr um Innovation. Die Kosten aber bleiben nahezu gleich, weil der energetische Aufwand, den Orbit zu erreichen nach aller Optimierung ebenso nahezu gleich geblieben ist (bis auf ein paar gewonnene Prozente). Eine Wiederverwertung thermisch hochbelasteten Materials ist grundsätzlich problematisch und nur sehr eingeschränkt machbar. Daher ist in der heutigen Raumfahrt auch kaum eine Reduktion der Kosten durch Wiederverwendung zu erwarten.

Schon seit den Sechzigerjahren wissen die Raumfahrttechniker, dass nur der breite Einsatz nuklearer Antriebe mit ihrer zehntausend- bis hunderttausendfach höheren Energiedichte als vergleichbare chemische Antriebe eine Kostenreduzierung um mindestens den Faktor zehntausend erwarten lässt, bei der Raumfahrt für den normalen Bürger erschwinglich werden wird. Seit dem Ende der Fünfzigerjahre ist klar, dass eine Raumfahrttechnik, die dem Flugzeugbau in seinen Leichtbaumethoden folgt, nur eine Notlösung für die schwachen chemischen Antriebe sein kann. Viel besser wäre eine Raumfahrttechnik, die den Prinzipien der Schiffs- und Meerestechnik folgt und massiv Stahl und Beton einsetzt. Doch solch große Raumschiffe werden nur mit nuklearer Kraft von der Erde abheben können.

Seit Einsteins Relativitätstheorie Anfang des Zwanzigsten Jahrhunderts wissen wir, dass Raumflüge zu den Sternen immer mindestens Jahre dauern werden, denn die Geschwindigkeit des Lichts stellt die oberste Grenze aller Geschwindigkeit für Materie dar und die Sterne sind Lichtjahre voneinander entfernt. Seit Carnots Satz Anfang des Neunzehnten Jahrhunderts wissen wir aber auch genau, wieviel Abwärme ein idealer Antrieb immer mindestens abgeben wird. Und wegen Carnot wissen wir, dass Flüge zu den Sternen immer mindestens Jahrhunderte dauern werden, wenn das Raumschiff nicht aufgrund seiner eigenen Beschleunigung und daraus resultierender Abwärme verglühen soll.

Verletzungen der Einsteinschen Relativitätstheorie führen zur Auflösung des Kausalitätsprinzips (die Zeit könnte dann rückwärts laufen), Verletzungen des Carnotschen Satzes führen zum Perpetuum Mobile (eine Kraftmaschine könnte dann existieren, die im Betrieb mehr Energie produziert, als sie verbraucht). Daher können wir davon ausgehen, wenn wir uns weiter an diese beiden im Alltag wie im Labor millionenfach empirisch bewiesenen physikalischen Gesetze halten werden, dass Reisen zu den Sternen immer Jahrhunderte und länger dauern werden.
Also sind Sternreisen für Menschen immer unmöglich? Nein, die Natur lässt uns ein Hintertürchen offen. Denn nur für uns kosmische Eintagsfliegen sind die Entfernungen zwischen den Sternen anscheinend unüberwindbar. Wenn wir viel Älter werden, dann werden die Reisen zwischen den Sternen in einem Menschenleben machbar. Eine Verlängerung des menschlichen Lebens widerspricht keinem physikalischen Gesetz. Eine Verlängerung des Lebens widerspricht auch keinen weiteren biochemischen, biologischen oder genetischen Prinzipien und ist in der Natur ganz normal.

Die Medizin fabuliert über diverse Zukunftstechnologien, mit denen Menschen eines Tages quasiunsterblich werden könnten. Sie vergisst dabei nicht ganz uneigennützig, dass zur Verlängerung des Lebens keinerlei Technik, nicht einmal medizinische Wissenschaft notwendig ist. Nur durch einfache Zucht, so wie man Hunde und Katzen züchtet, können Menschen gezüchtet werden, die Jahrhunderte leben, wenn man sich des populationsbiologischen Prinzips der Verschiebung des durchschnittlichen Reproduktionsalters einmal bewusst geworden ist. Das dies ethisch problematisch ist, habe ich mit dem Vergleich mit den Haustieren angedeutet. Viel problematischer in ethischer Hinsicht als die autogene Zucht sind jedoch alle von der medizinisch technischen Herangehensweise abgeleiteten Wunschvorstellungen.

Viele Menschen wissen nicht, dass seit 1968 ein Antrieb für den interstellaren Flug existiert. Er besitzt nach allem bekannten physikalischen Wissen über Kernphysik, Quantenmechanik und Elektrodynamik die universal höchstmögliche Energiedichte und maximal mögliche Energiebündelung. Er basiert auf der Zündung einer Fusionsexplosion und ihrer quantenelektrodynamischen Bündelung zu einem konzentrierten Materiestrahl. Und er ist heute genauso machbar, wie er bereits 1968 machbar war. Nichts außer künstlichen schwarzen Löchern könnte diesen Antrieb an Effektivität und Energieausbeute übertrumpfen. Wie man aber künstliche schwarze Löcher von nennenswerter Lebensdauer und Größe herstellt, ist noch nicht bekannt. Wir können aber aus der Anschauung natürlicher Phänomene wie zum Beispiel Supernovae davon ausgehen, dass der Antrieb, der Atomexplosionen bündelt einer der ‚Standardantriebe‘ im Kosmos darstellt.

Wir besitzen also seit langem mit Sicherheit einen der vermutlichen universellen Standardantriebe für interstellare Reisen und wir wissen auch, wie wir uns selbst durch autogene Zucht zu Sternfahrern transformieren. Wenn wir uns das Zuchtziel des Sternfahrers, des interstellaren Navigators, des Methusalems und nukleare Anlagen betreibenden Ökobauern der Zukunft setzen, wenn wir jetzt mit der Entwicklung und Ausreifung des Standardantriebs beginnen und dann damit Milliarden Tonnen schwere Anlagen aus Stein und Stahl billig in den Weltraum hinauf hieven (Dimensionen von Tausend mal Tausend mal Tausend Metern), dann sind wir schon bald, in einigen Tausend Jahren unterwegs auf unseren Jahrhunderte dauernden Reisen zwischen den Sternen. Jeder Mensch kann sofort damit anfangen, den Sternenfahrer der Zukunft zu züchten. Es bedarf nur der freiwilligen Entscheidung, auf Kinder so lange zu verzichten, bis es fast nicht mehr geht. Die Frauen sind der Schlüssel zum Sternenflug. Ihr maximales durchschnittliches Reproduktionsalter wird sich mit der Zeit immer weiter nach oben verschieben und sie werden immer später Kinder bekommen. Das durchschnittliche Alter wird dadurch schnell in die Jahrhunderte gehen.

Für eine interstellare Raumfahrt bedarf es keiner Computertechnologie. Es müssen hochbündelnde nukleare Detonationsladungen geschaffen werden und luftdichte, erosionsfeste und vor allem strahlungsdichte Bauwerke aus Stahl, Stein und Eis montiert werden mit entsprechenden Anlagen für Antriebslenkung, Stromgewinnung, Luft- und Wasseraufbereitung. Die Menschen müssen wissen, wie man alles selber herstellt und wie man jeden einzelnen Rohstoff im ökologischen Kreislauf hält.

Jeder Mensch in einem interstellaren Raumschiff muss wissen, wie man eine Wasserstoffbombe baut und so zündet, dass sie ihre Energie als Dipol freisetzt, wie man Schafe züchtet, Krankheiten heilt und Kartoffelfelder düngt, elektrische Leitungen verlegt, einfache Maschinen baut und repariert und mit dem Sextanten und der höheren Mathematik auf einem Blatt Papier navigiert. Der Sternreisende der Zukunft ist bis auf die gewaltige Nukleartechnik, die er aus dem Effeff beherrschen muss, mehr ein Steinzeitmensch als ein Feinmechanik und Mikroelektronik gewohnter Mensch unserer heutigen Erdzeit. Mehr braucht es nicht, um über Jahrtausende ein guter Sternennavigator zu sein und sein Ziel zu erreichen. So wenig Komplexität wie möglich ist der einzig gangbare Weg. Alles Mehr an Technik erhöht die Wahrscheinlichkeit eines Scheiterns.

Schlusswort

Alles Leben ist von Natur aus unsterblich. Das Leben auf der Erde hat, nach anfangs sehr langer Zeit der Stagnation, die Sterblichkeit als eine recht komplizierte und intelligente Technik des Vergehens hervorgebracht, um in einer Umwelt beschränkter Ressourcen regelmäßig neuen Platz zu schaffen und sich damit schneller entwickeln zu können. Von da an verlief die Evolution des Lebens auf der Erde sehr schnell. Mindestens eine evolutionäre Sackgasse, die nicht zum erwünschten Ergebnis der Energieminimierung durch interstellaren Transport im stellaren ökologischen System führte, wurde durch einen großen kosmischen Impakt nach Plan eliminiert: die Dinosaurier, die damals alle ökologischen Nischen der Erde besetzten. Jetzt sind wir an der Reihe. Wir haben die Wahl. Niemand zwingt uns. Vergänglichkeit hat ihre klaren Vorzüge. Wir haben die Unsterblichkeit in unseren Genen von Natur aus geerbt und können diese Lebenskraft in uns jederzeit über Generationen auch ohne jede Technik durch eine autogene Zucht wieder hervorbringen. Dadurch können wir uns den natürlichen Bedingungen des interstellaren Raums und der riesigen zu überbrückenden Entfernungen anpassen. Wir können damit unseren Sinn im Leben als Bote des Lebens erfüllen, wenn wir wollen. Heute noch sind wir nur Eintagsfliegen vor den kosmischen Entfernungen zwischen den Sternen, bald können wir neue Welten als freie Menschen betreten – ohne Angst.

Ende

Über monstermaschine

Blogger, Diplom-Ingenieur, TU, Raumfahrttechnik, Embedded Systems, Mitglied VDI, DGLR

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