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Extreme Radikalitaet

 

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Digitaler Körper-Scann einer Frau, Bild: Wikipedia

Als extreme Radikalität im gesellschaftlichen oder politischen Sinne bezeichne ich hier ganz allgemein einen schwerwiegenden Eingriff in ein vorhandenes soziologisches, politisches System. Die Systemtheorie abstrahiert dynamische Systeme. Nach den anerkannten Regeln der modernen Systemtheorie entspricht ein dynamisches – also schwingendes – soziologisches System ungefähr dem Analogfall eines schwingenden physikalischen Systems. Extreme Radikalität entspricht somit einer hohen Anregung eines schwingenden Systems. Wie der Schlag auf die Wasseroberfläche, der seine hohen Wellen in alle Richtungen aussendet, so führt extreme Radikalität – egal aus welcher Gesinnung heraus – innerhalb der Gesellschaft zu entsprechender großer Anregung, Bewegung und Reaktion.

Meist wird extreme Radikalität mit exzessiver Gewalt gleichgestellt, wie bei einem Amoklauf oder Terroranschlag oder Massaker. Dabei handelt es sich aber nur um die blutigste, grobschlächtigste Form extremer Radikalität. Extreme Radikalität kann sich genauso durch weniger blutigere Gewalttaten äußern wie Schlägereien oder Straßenschlachten oder Polizeigewalt mit Schlagstöcken und Tränengas. Es gibt auch unblutige, gewalttätige Formen wie Drohungen, Streiks, harte Strafen, Arbeitslager, staatliche Observierung. Und es gibt die mich besonders interessierenden Formen extremer Radikalität, die nicht durch Gewalt von Anderen aufgezwungen werden, sondern ganz freiwillig durchgeführt werden wie religiös oder politisch motivierte Rituale, Massentrends, Fantum, Moden, freiwillige Selbstkontrolle. Der gemeinsame Nenner aller extrem radikalen Taten ist, dass sie das gesellschaftliche System insgesamt anregen. Mit Selbstkontrolle meine ich daher (hoch) motiviertes, aktives Verhalten. Radikalität an sich – ohne das Adjektiv extrem – wäre mehr ein Verhalten des Einzelnen, das zwar ungewöhnlich und abstoßend erscheinen mag, aber nicht von einer breiten Welle von gesellschaftlicher Reaktion gefolgt wird. Ein gutes Beispiel für Radikalität wäre ein ’normaler‘ Mord, der in den Lokalmedien erwähnt und sofort wieder vergessen wird. Ich spreche bei Radikalität und extremer Radikalität natürlich nur von einem gesellschaftlichen Eingriff in Friedenszeiten. Im Krieg sind Radikalität (entspricht taktischen Manövern mit eher lokaler Auswirkung) und extreme Radikalität (entspricht strategischen Manövern mit globaler Auswirkung) der Normalfall.

Aus der Systemtheorie wissen wir nun: Genau so wie die Wellen auf der Wasseroberfläche (einem typischen mechanischen System) von Hindernissen, umgelenkt, gebündelt, verteilt, gespiegelt, geschluckt, sogar hier und da verstärkt zurück geworfen werden, bis sie aus einem anfänglich verständlichen von einer eindeutigen Quelle ausgehenden Signal zu einem völlig chaotischen Wirrwarr von Reaktionen und weiteren Reaktionen führen, genau so führt extreme Radikalität in der Gesellschaft zu Unvorhersehbarem als Reaktion. Weitere Anregung verstärkt diesen Effekt. Dämpfung führt zu Beruhigung. Starke Dämpfung kann die hohe Anregung sogar komplett schlucken, bevor sie chaotisches Verhalten erreicht

Das bewährteste Prinzip einer starken Dämpfung ist das vor etwa zweitausend Jahren von dem Palästinenser Jesus Christus entwickelte in seiner genialen Einfachheit unübertreffliche Prinzip Nächstenliebe: „So schlage nicht zurück, sondern halte auch die andere Wange hin.“ Christus lebte – wie viele Menschen heute auch – in einer Welt, in der Eroberungen, Machtkämpfe, Zerstörung von Kulturgütern, Vandalismus, Unterdrückung, Kleingeistigkeit, Massaker und Gräuel zu der Tagesordnung gehörten. Er dachte lange darüber nach, wie man möglichst einfach Erleichterung und Verbesserung erreichen könnte, und verbreitete dann sein in seiner Einfachheit geniales Prinzip von der Erhaltung einer Ordnung und der Ermöglichung von Fortschritt durch Nächstenliebe. Aus diesem Prinzip heraus wurden das spätere Frankenreich, die Klöster des Mittelalters, die Renaissance Norditaliens, die Universitäten, die heutigen USA, die Landung von Menschen auf dem Mond – also alle langfristigen, komplexen  Projekte, die eine langwierige, intensive und freiwillige Zusammenarbeit vieler unterschiedlicher Menschen bedürfen – ermöglicht. Immer wieder gab es viele Menschen, die bereit waren, sich zurück zu nehmen, zurückzustecken, für das Wohl aller zu leiden. Damit waren sie die notwendigen Dämpfer der ständigen Anregung durch extreme Radikalität. Um so mehr wir dieses Prinzip Nächstenliebe heute verlassen, um so weniger sind wir logischerweise zu Großem fähig.

Aktive Reaktionen auf extreme Taten – hohe Anregungen – in einem dynamischen, gesellschaftlichen System, auch wenn sie augenscheinlich vernünftig sind, sind immer als äußerst riskant einzustufen und müssen wohl überlegt sein, weil sie je nach Phasenverschiebung in dem komplexen (kaum analysierbaren) dynamischen System – und dabei handelt es sich bei einer Gesellschaft – entweder einen kompensierenden oder sogar einen verstärkenden Charakter haben können. Das heißt gut gemeinte, schnelle Reaktionen zur Verringerung des Übels führen meistens zu dessen Vergrößerung.

Die extreme Radikalität der Umwandlung von der sogenannten ‚Analogen Gesellschaft‘ zur ‚Digitalen Gesellschaft‘ führt zu unkontrollierter starker Anregung auf allen Gebieten, da diese ‚Digitalisierung‘ alle Lebensbereiche durchdringt und revolutioniert. Wie so oft, wenn Fanatiker am Werke sind, wird diese Umwandlung von den Fanatikern selbst freiwillig vollzogen. Dabei zwingen sie die Nichtüberzeugten teilweise, ihnen gleichzuziehen. Das heißt niemand kann sich der Umwandlung komplett entziehen, wenn er nicht – als harte Strafe – von der Gesellschaft ausgeschlossen sein will. Da diese Einführung auf globaler Ebene umgesetzt wird, sind die Auswirkungen auch global. Und nicht nur das amerikanische, europäische, indische und chinesische ‚Mainland‘ sind betroffen, sondern auch alle angrenzenden ‚Hinterländer‘, alle Länder die entweder als Rohstofflieferant, Handelspartner, Verbündeter, etc. in irgend einer Form mit dem radikalen digitalen Gesellschaftswandel interagieren.

Wir lesen alltägliche Proklamation von der Art: „Digitalisierung kennt keine Grenzen“, „Wir wollen die Menschen nicht verunsichern, sondern Vertrauen in digitale Lösungen stärken“, „Allein der 3-D-Druck könnte das Aussterben ganzer Industrien und Berufsprofile bedeuten“, „Auch die Verlierer haben Anspruch auf menschenwürdiges Leben“ durch „neue Modelle der Grundsicherung“, „Drohnen gegen Drohnen. Wenn Drohnen über Menschenmengen schwirren.. dann kann es gefährlich werden. Dann könnten andere Drohnen sie aus dem Verkehr ziehen“, „In der Lieferkette stockt die Automatisierung. Unter dem Stichwort ‚Industrie 4.0‘ wird die Produktion stetig weiter automatisiert. In den vor- und nachgelagerten Prozessen .. ist dieser Wandel bisher nicht angekommen [dagegen soll nun etwas getan werden]“, „Unternehmen müssen sich digital neu erfinden [wenn sie den Preiskampf nicht verlieren wollen]“, „Die reale Welt ist nicht genug [Augmented-Reality soll den Arbeiter während seiner Arbeitszeit einschließen]“, „Im Ingenieursstudium hat die Spezialisierung stark zugenommen, viele Bildungsexperten sehen das kritisch.“ Ich habe diese Stellungnahmen nur einer einzigen Ausgabe der VDI-Nachrichten entnommen. Pikanterweise handelt es sich um die Ausgabe vom 1. April und vielleicht verbirgt sich ein Artikel darunter, der als Aprilscherz gemeint ist. Aber welcher?

Diese Proklamationen entstammen dem Wunsch, möglichst schnell eine Digitale Gesellschaft umzusetzen, oft wird argumentiert: Die Anderen sind schon viel weiter, wir verlieren den Anschluss. Oder: Der Kostendruck führt ganz automatisch zur totalen Digitalisierung. Oder bei kritischer Infragestellung des Sinns: Wenn wir es nicht tun, tut es jemand anders. Oder ganz einfach: Das ist eben der Trend. Und gegen den Trend kann sich niemand stellen. Ich habe noch niemals wirkliche, logische Argumente für eine Digitalisierung in meinem Leben vernommen. Die Radikalität solcher ‚Totschlag-Argumente‘ liegt auf der Hand. Es sind die Äußerungen von radikalen Menschen mit extremen Überzeugungen – Fanatikern eben.

Nun führt eine solche extreme Radikalität, wie ich im anfänglichen Absatz zu erklären versucht habe zu Myriaden Reaktionen, und heutzutage im globalen Maßstab. Menschen mit anderen Überzeugungen als eine szientistische, materialistisch-naturalistische, werden auf die Worte der globalen Digitalisierer Aufmerksam und lesen deren Wortführer. Die Wortführer sind populärwissenschaftliche Bücher schreibende Professoren der Computerwissenschaften an den großen technischen Universitäten (meist dem MIT). Sie schreiben von der Überwindung des Todes durch die Digitalisierung des Geistes. Sie schreiben von der Überwindung des Körpers durch die Maschine. Sie schreiben von einer Besiedelung der Sterne durch unsere sogenannten evolutionären Nachfahren: Maschinen. Sie schreiben von einer ‚Schöpfung 2.0‘. Der Mensch ist in ihren Augen ein minderwertiges Auslaufmodell.

Menschen mit einer anderen Überzeugung als einer szientistischen, materialistisch-naturalistischen empfinden die Philosophie, die hinter der Digitalisierung der Gesellschaft steckt, selbstverständlich als extrem radikal.

Entweder sie empfinden die Philosophie hinter der Digitalisierung der Gesellschaft, wie sie in den Sachbüchern der Professoren für Computerwissenschaften angepriesen wird, als extreme Unmenschlichkeit – ähnlich der Philosophie der Nationalsozialisten (SS) und ihrer Verunglimpfung aller menschlichen Schwäche und Minderwertigkeit.

Oder sie empfinden die Philosophie hinter der Digitalisierung der Gesellschaft, wie sie in den Sachbüchern der Professoren für Computerwissenschaften angepriesen wird, als extreme Blasphemie – ähnlich der Philosophie der marxistischen Revolutionäre und ihrer Verunglimpfung allen Religösen und Spirituellen in der Welt (Beispiel Tibet).

Das muss uns allen klar sein, auch wenn wir selbst eine szientistische, materialistisch-naturalistische Weltanschauung besitzen und über Religionen oder spirituelles Gedankengut lachen. Doch Vorsicht: um so mehr wir darüber lachen, um so mehr schüren wir auch den Hass. Schließlich machen wir uns mit unserem noch jungen, szientistischen Glauben über den Glauben Anderer lustig, der teilweise Jahrtausende alt und bewährt ist. Und genau wie alle Fanatiker sind wir überzeugt: ‚Nur wir haben Recht.‘

Ich könnte nun, wie in anderen Artikeln, eine Liste der von der Naturwissenschaft und Mathematik selbst bewiesenen in Raum und Zeit universellen Grenzen des Einflussbereiches der Wissenschaft bringen, überlasse die Recherche hier aber einmal dem interessierten Leser. Es geht mir in diesem Artikel schließlich nicht um eine Anerkennung von Wissenschaft als Religion. Das ist sie sowieso, seit sie die von ihr selbst bewiesenen Grenzen ignoriert und nicht mehr ihrem Nachwuchs lehrt. Die jungen Computerwissenschaftler glauben tatsächlich zum Teil, sie seien bald Götter, die alles beeinflussen könnten und es sei nur noch eine Frage der Zeit. Nur ist ihr Glaube in diesem Fall bewiesenermaßen falsch.

Die Rückbesinnung zu mittelalterlichem Gedankengut, zu einem Gottesstaat, zum Islamismus ist eine der logischen Folgen der extremen Radikalität der Einführung der ‚Digitalen Gesellschaft‘. Vor dem Gedankengut der fanatischen jungen Computerwissenschaftler von heute erscheinen mittelalterliche Überlegungen wieder weise und vernünftig. Viele Kämpfer des sogenannten Islamischen Staates kommen bekanntermaßen aus unseren eigenen Reihen. Die sogenannten ‚Terrorkommandos‘ in Europa oder den USA waren meist ganz normale, junge Männer, die unter uns lebten, bis sie sich von uns ab wandten und möglichst viele von uns ‚Gotteslästerern‘ in den Tod rissen. Dass sie sich schwarz kleiden, schwarze Flaggen schwenken und ‚Gott is groß‘ rufen, heißt noch lange nicht, dass sie von einer Zentrale des islamistischen Terrors zu uns entsandt wurden, um uns sinnlos zu peinigen oder gar zu bekehren. Wer das glaubt, hat die Ursachen des Terrors nie hinterfragt. Ich habe sie hinterfragt und sage: die Ursache sind logischerweise wir selbst! Es ist unsere eigene extreme Radikalität, die nun auf uns zurück schwappt.

Wir haben einer ganzen Generation von Menschen ihrer Zukunft beraubt und versuchen sie mit Virtual- oder ‚Augmented-Reality‘ und mit ’neuen Modellen der Grundsicherung‘ zu sedieren (Fernsehshows, Video-Games, Smartphones, Hartz-IV, Bedingungsloses Grundeinkommen). Es gibt immer weniger einfache Arbeiten für einfache Menschen. Als nächstes werden die Berufe des Taxifahrers, Berufskraftfahrers, Busfahrers abgeschafft. Angeblich kann niemand etwas dagegen tun. In Wirklichkeit arbeiten wir mit Begeisterung und Freude an diesem großen Meilenstein zur absoluten Digitalen Gesellschaft. Die völlige Vernetzung und Automatisierung aller Tätigkeiten ist das Ziel. Wer von uns dabei auf der Strecke bleibt, der ist eben „selber schuld“. Uns wird es so schnell nicht erwischen, glauben wir. Das ist falsch. Noch sind nur die Kinder von ehemaligen Industriearbeitern die Verlierer und werden zu islamistischen Terroristen. Aber bald sind es die Kinder ehemaliger Berufskraftfahrer und Taxifahrer, danach die ehemaliger Ingenieure und Betriebswirte und zum Schluss die Kinder ehemaliger Programmierer.

Vielleicht gibt es bereits in ein paar Jahrzehnten so gut wie niemanden mehr, der eine Chance auf eine berufliche Karriere, auf erhebliche finanzielle Mittel und damit auf ein erfülltes, abenteuerliches und abwechslungsreiches Leben bekommt, weil die Künstliche Intelligenz alle Bereiche von Produktentwicklung, Produkterstellung und Verkauf bis dahin besetzt hat. Unsere Enkel werden als ruhig gestellte Endkonsumenten ihr bedingungsloses Grundeinkommen dazu ausgeben, um den Produktzyklus der Volkswirtschaft am Leben zu erhalten und wer vom Leben mehr verlangt als Auto, Wohnung, Urlaub und Kinder, der wird es sehr schwer haben. In einer solchen Welt wird jeder zweite Junge Mann selbstverständlich lieber zum Terroristen (welcher Gesinnung auch immer) als zum Staatsbürger werden. Das muss uns klar sein.

Parallel zur Zunahme islamistischen Terrors (nur eine der vielen Möglichkeiten für extreme Radikalität) entsteht als eine der Reaktionen darauf selbstverständlich rechtsradikale Hetze (eine andere Möglichkeit für extreme Radikalität) in der Bevölkerung, die den Grund bei den zugewanderten Menschen sucht und den wahren Grund gerne übersieht: ihr eigenes Verhalten. Denn wer kauft sie denn, die neuesten digitalen Geräte, Telefone, Automobile, Unterhaltungscomputer? Wer ermöglicht die Digitalisierung der Gesellschaft mit seiner Bequemlichkeit, um lieber einen Touchscreen vom Sofa aus zu streicheln als selbst geistig aktiv und somit tätig zu werden? Wir selbst. Wer ermöglicht die Digitalisierung der Gesellschaft mit seinem Neid auf den Nachbarn, um gleich wieder nachzuziehen und ihn mit dem allerneusten Gerät oder Auto zu übertrumpfen? Wir selbst. Wer unterstützt die totale Automatisierung und Massenproduktion mit seinem Geiz, indem er Preise vergleicht und immer noch billigere Produkte sucht? Wir selbst. Wer nimmt es mit seiner Überheblichkeit hin, dass nur noch die eigenen Kinder nach einer extrem langjährigen, teuren Ausbildung eine kleine Chance als hochspezialisierte Arbeitsdrohne in unserer radikal digitalisierten Gesellschaft haben? Wir selbst.

Wir bereiten den Terror des islamischen Staates und seiner Nachfolger jetzt gerade vor. Der Terror in der Zukunft – eine beliebige Organisation X mit der beliebigen Gesinnung Y – wird einfach nur wieder die extrem radikale Reaktion auf unsere extrem radikale Digitalisierung von jetzt sein. Man muss kein Hellseher sein, um dies zu verstehen und vorauszusehen. Und ich bin sicherlich nicht der Einzige, der dies deutlich sieht.

Was ist unsere Reaktion? Ich zitiere wieder aus den VDI-Nachrichten vom 1. April: „Im Kampf gegen den Terrorismus wird Technik immer wichtiger. Wir zeigen einige Geräte wie Körperscanner, Überwachungsdrohnen, aus denen eine stabile Sicherheitskette geschmiedet werden könnte. Mit wachsender Gefahr steigt die Bereitschaft der Bürger, Sicherheitstechnik zu akzeptieren“, „An der nächsten Bombe wird bereits gebastelt“. „Erst sorgten sie als ‚Nacktscanner‘ für Zündstoff, mittlerweile erfreuen sie sich an Flughäfen breiter Akzeptanz: sogenannte Körperscanner..“ Dann werden „Fliegende Augen“, also Drohnen, und die „Freie Fahrt für Daten“, also die weitere digitale Datenvernetzung, sowie „Selektive Stichproben“, also der Einsatz von mobilen digitalen Spürgeräten, in einem Artikel beleuchtet. Summa Summarum ist die neue Technik „leider“ noch nicht so weit, dass eine absolute Sicherheit der Bürger durch weitere Technik gewährleistet werden kann und daher ist man auf absehbare Zeit noch auf Spürhunde angewiesen, deren Ausbildung viel Zeit erfordert. So schließt ein Artikel der VDI-Nachrichten vom 1. April. Wo war der Aprilscherz? Vermutlich bei den Spürhunden – traurigerweise.

Ein Vorschlag als Reaktion auf den Terror – wenn es sich bei dem Artikel insgesamt um keinen Aprilscherz handeln sollte – wäre damit also: noch mehr radikale Digitalisierung. Wenn die radikale globale gesellschaftliche Digitalisierung aber der Grund für die Zunahme des absoluten Terrors wäre, der wiederum die Blasphemie der digitalen Gesellschaft aus ihrem szientistisch, materialistisch-naturalistischen Weltbild heraus bekämpfen will?

Also, ich zum Beispiel empfinde die Körperscanner nicht wie die meisten meiner muslimischen Mitbürger als Blasphemie und Sünde an der göttlichen Schöpfung. Jedoch muss ich zugeben, dass ich mich bisher immer lautstark geweigert habe, die Arme wie ein Verbrecher über den Kopf zu heben, was zu meiner Aussonderung aus der Reihe führte. Ich als Christ empfinde diese Maschinen und die philosophische Idee dahinter nicht als blasphemisch aber als extrem menschenverachtend. Und Sie?

Wir alle, Christen, Muslime, Juden und Angehörige anderer Religionen müssen uns zusammentun und anfangen, die philosophische Basis der Digitalen Gesellschaft zu unterminieren, bevor die Terroristen von Morgen sie in Blut ersticken. Wir müssen unserer Jugend eine friedliche Alternative zu der Unmenschlichkeit und Blasphemie von ‚Industrie 4.0‘ und ‚Schöpfung 2.0‘ anbieten. Wir haben bisher aus Unverständnis und damit eingehender Unterschätzung der neuen szientistisch, materialistisch-naturalistischen Computerphilosophie – der dominierenden Religion unserer Zeit – versagt und nur deshalb gewinnen die muslimischen Terroristen gerade.

Jede radikale Reaktion auf den Terrorismus führt in der gegenwärtigen Situation zu noch mehr Terrorismus, denn man wird die ganze Welt niemals komplett observieren und kontrollieren können. Und wer dies auch nur in Gedanken versucht ist ein Narr und vielleicht für seine Mitmenschen noch viel gefährlicher als jeder Terrorist, denn er bringt das gesamte soziologische System mit seinen Menschen und Hoffnungen damit zum sofortigen Kollabieren. Auf diese Art und Weise – mit dem Versuch unsere neue Religion der Wissenschaft und ihr technologisches Lieblingskind, den Programmrechner, gegen den Vorteil der normalen, einfachen Menschen durchzuboxen – haben wir jetzt schon verloren, auch wenn die verbleibenden Züge des begonnenen Spiels auf dem strategischen ‚Spielbrett‘ der Politik noch über Jahrzehnte hin gezogen werden.

Aus der Geschichte und aus der mathematischen Theorie dynamischer Systeme und aus dem Prinzip Nächstenliebe wissen wir heute: Narzisstische, hedonistische Gesellschaften, in denen Menschen nicht bereit sind für einander zu leiden und für einander zu sterben, besitzen zu wenig Dämpfung und damit keine Stabilität und erleiden im Sturm den selben dynamischen Kollaps wie lächerliche zu wenig gedämpfte Hängebrücken. Davor wird uns kein Programmrechner bewahren.

Wir müssen die technologisch-wissenschaftlich-monetäre Gesellschaft, in der wir leben, zum Menschlichen, ja, zum Humanitären hin verändern und vor allem zuallererst die dahinter stehende blasphemisch-menschenverachtende Philosophie überwinden und wieder zur Besinnung kommen. Um was dreht sich alles? Was ist der Sinn unseres Tuns? Warum gibt es uns? Was ist der Sinn unserer Existenz? Woher kommen wir? Was ist unsere Aufgabe in der Welt? Das sind die Fragen, die wir uns stellen müssen und die uns keine Rechenmaschine beantworten kann. Und wir müssen bereit sein, die andere Wange hinzuhalten – und wenn es sein muss immer wieder. So und nur so wird eines Tages wieder Frieden einkehren.

 

 

Über monstermaschine

Blogger, Diplom-Ingenieur, TU, Raumfahrttechnik, Embedded Systems, Mitglied VDI, DGLR

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