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Mein Weltbild

Kern meines Weltbildes ist das universelle Freiheitsprinzip. Es ist prinzipiell unmoeglich, den intelligenten Menschen vorauszusehen, berechenbar oder kontrollierbar zu machen. Dies hat fundamentale Gruende, die sich nicht nur philosophisch sondern mittlerweile sogar aus den Erkenntnissen der modernen Mathematik und theoretischen Physik herleiten lassen.

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Stadt der Freiheit, 2014 a.d.

Aus den selben Gruenden ist es unmoeglich eine Gesellschaft zu berechnen und zu planen, also ebenfalls kontrollierbar zu machen. Daher ist die Demokratie mit ihrer gemeinschaftlichen Entscheidungsfindung im Abstimmungsprozess die einzig sinnvolle Form des Zusammenlebens. Nur in der Demokratie werden die Fehlentscheidungen bei der Planung des Zusammenlebens, die nicht ausschliesslich der Unfaehigkeit oder dem Unwillen der Ausfuehrenden, sondern groesstenteils der genannten Unmoeglichkeit der Voraussehbarkeit entstammen, gemeinschaftlich getragen. Wird dem Buerger die hohe Komplexitaet einer Gesellschaft und die Unmoeglichkeit der Kontrollierbarkeit einmal tiefgruendig klar, wird er versuchen die Verantwortung weniger aus Bequemlichkeit abzugeben und die Fehlentscheidungen der Ausfuehrenden weniger zu bemaengeln. Stattdessen wird er versuchen seinen kleinen, noch uberblickbaren Lebensbereich selbst zu verbessern, und ein konstruktive Kraft in der Gesellschaft zu werden. Dies geht in Richtung des anarchistisch-libertaeren Gedankengutes. Jedoch: alle libertaeren Lebensformen enden, sobald man gemeinschaftlich Grosses schaffen will, und wenn es nur die eigene Verteidigung ist, immer automatisch im demokratischen Abstimmungsprozess und koennen daher zwar die Grundlage einer Demokratie, jedoch unmoeglich eine Alternative darstellen.

Die Lebensgemeinschaft in einem Land besteht nur zu einem ganz kleinen Teil aus dem Staat, wobei der Staat sich eigentlich aus Regierung, Parlament, Justiz und deren Organen zusammensetzt. Der Staat beansprucht das Machtmonopol in einem Land fuer sich. Jedoch stellt sich in der Realitaet ein gewisses Gleichgewicht der Maechte innerhalb des Staates und ausserhalb des Staates innerhalb der Gesellschaft und auch ausserhalb des Staates sowie ausserhalb der Gesellschaft und innerhalb des Landes ein. Auch dies liegt an der Unkontrollierbarkeit grosser, komplexer Systeme. Der Staat kennt Regierung, Parlament und Justiz als Machtorgane, die klassischen drei Saeulen der Demokratie. Ihnen angehoerig sind bestimmte Instrumente der Machtausuebung, um der zugesprochenen Macht Nachdruck zu verschaffen. Schon beim Militaer stellt sich die Frage: ist dieses ein Teil der Regierung, also Exekutiven, oder ist es mehr eine eigenstaendige Macht innerhalb des Landes, die sich aus Vernunftsgruenden freiwillig dem Staat und darin besonders der Regierung – jedoch nicht der Gesellschaft – untergeordnet hat? Wenn irgendwo in der Welt wieder hohe Offiziere putschen, ist dies gut zu beobachten. Die freien Wissenschaften stellen der Lebensgemeinschaft innerhalb des Landes das notwendige Wissen und die Basis aller Wahrheitsfindung zur Verfuegung. Die freie Presse stellt innerhalb der Gesellschaft und des Landes eine extrem starke, meinungsbildende und Informationen beschaffende Macht dar.

Die Verbindungen und Uebergaenge zwischen der Presse und den Nachrichtendiensten sind fliessend und undurchschaubar. Auch die Nachrichtendienste selbst koennen ueber genuegend Eigendynamik verfuegen, dass sie aufgrund eines zusammengehorteten Informationsmonopols im Land und auch innerhalb der Gesellschaft mitzubestimmen haben. In den USA haben wir kuerzlich das komplizierte Beziehungsgeflecht zwischen der maechtigen NSA und dem Staat – also der Regierung, der Justiz und dem Parlament – erahnen koennen. Einige der Nachrichtendienste bewegen sich teilweise im internationalen, rechtsfreien Raum und stehen damit ausserhalb von Staat und Gesellschaft. Die grossen Kirchen, besonders die katholische, und die grossen eingewanderten Religionsgemeinschaften wie der Islam und auch grosse religionsaehnliche Gemeinschaften wie Scientology, verfuegen ebenfalls ueber gewisse Macht innerhalb der Gesellschaft. Im selben Land befinden sich noch weitere Maechte innerhalb der Gesellschaft wie die Industrie, die Gewerkschaften, einzelne etablierte Familien, die Land und grosse Unternehmen besitzen. Frueher bildeten Eliteschulen und die angehoerigen Burschenschaften haeufig Seilschaften aus. Aehnliches wird heute von der schwulen Szene betrieben, deren Macht nicht unterschaetzt werden sollte. Aber es gibt auch Maechte innerhalb eines Landes, die sich zum Teil oder ganz ausserhalb der Gesellschaft befinden.

Maechte, die innerhalb eines Landes aber ausserhalb der Gesellschaft stehen, sind das organisierte Verbrechen, wie die italienische Mafia, die das Gluecksspiel kontrolliert, oder gewisse Motorradclubs in Deutschland, die die Kontrolle ueber Prostitution und Drogenhandel haben. Hier lautet eine realistische Frage sicherlich nicht, ob das Handeln dieser Vereinigungen legal ist, sondern eher, ob der Staat diese Machtnischen des Nachtlebens selbst besetzen will oder lieber anderen ueberlaesst, die dies grobe Handwerk besser verstehen. Davon auszugehen, dass (illegales) Gluecksspiel, Drogen und Prostitution jemals verschwinden werden, waere wohl schon aufgrund des universellen Freiheitsprinzips mehr als aeusserst naiv. In einigen Laendern bewegen sich ausserhalb der Gesellschaft zusaetzlich Untergrundorganisationen, die das Ziel haben, den Staat in ihrem Land zu stuerzen. Dazu gehoert die bekannte Al Qaida in den arabischen Laendern. In Deutschland gab es ebenfalls maechtige Untergrundorganisationen mit vielen Unterstuetzern, zum Beispiel die RAF in den Siebziger- und Achtzigern.

Der Staat muss sich trotz seines berechtigten Machtmonopolanspruchs mit all den anderen Maechten des Landes innerhalb und ausserhalb der Gesellschaft mehr oder weniger arrangieren, damit er pragmatisch-realistisch handlungsfaehig bleibt. Meist gilt ein unausgesprochener gegenseitiger Nichtangriffspakt (ausser bei den antistaatlichen Organisationen logischerweise, die ja von sich aus den Kampf ansagen). Regelmaessig muss er seine Monopolstellung durch unnachgiebige Haerte beweisen oder auch nach bestimmten Nischenverlusten, die sich zu sehr ausweiten, wieder neu erkaempfen, wie zum Beispiel einst der italienische Staat gegenueber der Mafia oder der amerikanische Staat heutzutage gegenueber der NSA. Wer versucht, ein Land zu verstehen, und dabei die ausserstaatlichen und aussergesellschaftlichen Maechte ausblendet, wird das Land und die Entscheidungen der Ausfuehrenden nicht annaehernd verstehen koennen.

Die internationalen Beziehungen eines Landes sind von geradezu erschreckend hoher Komplexitaet, weil sie durch die Unkontrollierbarkeit jedes einzelnen anderen Landes, das wiederum auf das eigene Land durch diverse private, wirtschaftliche, politische und andere Verknuepfungen rueckkoppelt, so sehr die Unvorhersehbarkeit multiplizieren, dass ein Versuch, diese zu steuern, von Vornherein zum Scheitern verurteilt ist. Daher ist eine groessere Bewegung im internationalen Beziehungsgeflecht, wie zum Beispiel die Annektierung eines kleineren Landes durch ein groesseres, ein voellig unberechenbarer Ausgangspunkt fuer Trillionen moeglicher Folgen und Folgefolgen, die niemand vorausahnen kann. Funktionierende Daempfungsmechanismen, um ein Aufschaukeln von Bewegungen zu verhindern, sind daher von entscheidender Bedeutung zur Verhinderung eskalierender Konflikte. Daher gilt bei internationalen Beziehungen aus Vernunftsgruenden das Prinzip der Toleranz, der vorsichtigen Zurueckhaltung und nur hier und da der Gunst der Stunde, um die eigene Situation aber auch die Gesamtsituation zu verbessern. Nicht ohne Grund sind dies die Tugenden eines guten Diplomaten und Beobachters.

Mathematik, Logik und Musik sind die universellen Sprachen im Kosmos und zusammen mit dem empirischen Versuch die einzig verlaessliche Wahrheit. Nur dann, wenn Geistes- und Naturwissenschaften voellig frei von der Politik sind, koennen die Wissenschaften, die die universellen Wahrheiten suchen, eine Entscheidungsgrundlage im demokratischen Diskurs, also im Parlament sowie fuer die Rechtssprechung als auch fuer gute Entscheidungen der Regierung liefern. Sind die Wissenschaften jedoch von der Politik, also irgend einer anderen Macht innerhalb des Landes, abhaengig, ist die Demokratie zum Untergang verurteilt. Demokratie und freie Wissenschaft bilden eine untrennbare Symbiose. Der Politiker, der versucht auf die Wissenschaft Einfluss zu nehmen, saegt also den Ast ab, auf dem er sitzt, und wird dabei blind und taub. Aber umgekehrt auch: der Wissenschaftler, der dem Politiker zuarbeitet, wird die Freiheit seiner Arbeit und seiner Worte schnell verlieren.

Der Mensch hat im Kosmos einen Zweck, eine klare Bestimmung, die es zu erkennen gilt. In der Natur gibt es fast nichts ohne Grund. Immer wieder stossen wir Menschen auf die faszinierendsten Erklaerungen fuer die Existenz der Dinge, die uns staunen lassen. Wenn wir auch noch keinen Grund fuer unsere eigene Existenz wissen, es gibt ihn gewiss. Die verbreitete Annahme einer Sinnlosigkeit der menschlichen Existenz und die Kapitulation des Glaubens aufgrund des Schreckens und des Leids in der Welt ist nichts als Schwaeche. Ein Mensch mit starkem Willen, mit Hoffnung auf Verbesserung und Glauben an einen hoeheren Zweck laesst sich von dem ihn umgebenden Zynismus nicht beirren und nicht auf den einfachen Weg des Boesen herunterziehen. Er wird weiterstrahlen wie ein Licht in der Dunkelheit, waehrend die Schwachen versagen und ihr Leben der Selbstbereicherung widmen und die ganz Schwachen unter diesen Schwachen leiden. Friedrich Schiller und Ludwig von Beethoven waren zwei dieser starken Menschen, die einen Sinn ahnten und ihren Glauben trotz aller Rueckschlaege nie verloren, und die weiterstrahlten und der Menschheit grosse Hoffnung mit auf ihren beschwerlichen Weg gaben. Den Namen des groessten, weil unbeirrbarsten, aller bisher geborenen Menschen, den muss aber jeder fuer sich finden.

Ja, es gibt das Boese. Genau so, wie die Alten es uns in ihren Legenden seit Jahrtausenden ueberlieferten und uns davor, meist in ihren Schriften, ausgiebig warnten. Wer sich ueber seine Vorfahren stellt, und deren Weisheit und Wissen aufgrund von Ueberheblichkeit, aus dem Glauben heraus, sein Wissen haette hoehere Qualitaet als das fruehere Wissen, als Aberglauben und Dummheit verleugnet, ist nichts als ein rotzfreches Kind, dass nur eine Tracht Pruegel verdient hat, bis es wieder zur Besinnung kommt und seine Lehrer, Eltern oder Grosseltern respektiert. Fuer die Achtung und Ehrfurcht vor den Taten der verstorbenen Vorfahren haben die Lebenden zu sorgen. Und natuerlich auch, wenn diese Vorfahren vor 6000 Jahren oder vor 60.000 Jahren lebten. Alles andere waere nur geistiger Zerfall. Wer also ueber einen Vorfahren aus der Steinzeit lacht, zeigt damit wie dumm und respektlos er ist. Wir haben ihnen alles zu verdanken. Nur durch ihre Staerke, ihre Leidensfaehigkeit und ihren Ueberlebenswillen gibt es uns ueberhaupt.

Ein Evolutionaeres Prinzip der Natur und auch der Entwicklung von Mensch, Wirtschaft und Technik existiert. Es ist aber wesentlich weniger stark ausgepraegt, als es die Philosophen des 19. Jahrhunderts wie Spencer, Darwin oder Marx angenommen haben. Es gibt parallel zu dieser evolutionaeren Entwicklung staendig Rueckschlaege, aufgrund des entropischen Prinzips in der Natur, die teilweise sogar sehr lange Entwicklungsprozesse vollstaendig zurueck werfen. Bekanntestes Beispiel ist das Verschwinden der hochentwickelten Saurier am Ende der Kreidezeit, wo 150 Millionen Jahre Entwicklung anscheinend willkuerlich eliminiert wurden. In der zivilsatorischen  Entwicklung des Menschen gab es bereits mehrere Rueckschlaege von Jahrtausenden. Ein Beispiel sind die Fertigkeiten der Babylonier und Aegypter, die erst viel spaeter wieder von den Griechen aufgenommen wurden. Und der erneute Zerfall der griechischen Wissenschaften nach der Eroberung durch Rom. Aber auch die Hochseenavigation der Polynesier um 600, die damit jeden Ort im riesigen Pazifik, der fast die Haelfte der Erdoberflaeche ausmacht, zielsicher ansteuerten. Eine Leistung, die den Europaern mit mathematischen Methoden erst 1000 Jahre spaeter gelang. Es gab schon vor Jahrtausenden einmal ingenieursmaessigen Hochbau, Tiefbau, Bibliotheken mit hundertausenden Schriften und Fernleihen, medizinisches Wissen, einfache Dampfmaschinen, elektrochemische Batterien und Lichtbogenlampen. Und es gab in der Antike weit fortgeschrittene mechanische Rechenmaschinen auf einem technischen Stand, wie er Anfang des 19. Jahrhunderts zum zweiten Mal wieder erreicht wurde. Diese modernen, wissenschaftlich historisch belegten Erkenntnisse werden von den Anhaengern des universellen Evolutionsprinzips gerne verleugnet, weil sie ja eben vorfuehren, wie schwerwiegend die Rueckschlaege oft sein koennen. Genauso ist es moeglich, dass alles, was wir heute an Errungenschaften haben, uebermorgen schon wieder verschwunden ist und erst in vielen Jahrhunderten wieder moeglich wird. Die Mondlandungen sind nun immerhin schon 40 Jahre vorbei, warum soll es denn nicht auch 80 oder 800 Jahre dauern, bis Menschen einer zukuenftigen Nation dort zum zweiten Mal landen? Vielleicht wissen sie gar nichts von der Erstlandung von 1969 und ihre Historiker finden dies erst viel spaeter heraus, aber niemanden interessiert es. Es waere im Anbetracht der Zivilisationsgeschichte gar nichts ungewoehnliches..

Die Philosophen des 18. und 19. Jahrhunderts und ihre bewussten und noch mehr unbewussten, neuen, heutigen Anhaenger, die die Welt als Mechanismus, als Maschine, betrachten, die nur genau genug erforscht und beherrscht werden muesse, bis alles optimiert, also perfekt, sei, sind voellig auf dem Holzweg. Sie ignorieren die Erkenntnisse der klassischen und modernen Physik oder „Judenphysik“, wie einige, die sich auch selbst ueberschaetzten, diese gerne nannten. Sie ignorieren, dass es absolute Grenzen des menschlichen Einflusses im Universum gibt: die Umoeglichkeit der Rueckwirkung von Zustandsgroessen bei Schallgeschwindigkeit, die absolute Unvorhersehbarkeit des einfachen Doppelpendels, der Lichtkegel der speziellen Relativitaetsthoerie, die Wahrscheinlichkeit der Quantenzustaende und die Unschaerferelation in der Quantenmechanik, der Ereignishorizont in der allgemeinen Relativitaetstheorie, der keinen Blick dahinter ermoeglicht, die Attraktoren des Dynamischen Chaos in der Systemtheorie. All dies sind mathematisch und experimentell nachweisbare absolute Grenzen der Beeinflussbarkeit fuer jedes Lebewesen im Universum – nicht nur den Menschen. Was dahinter oder dazwischen ist, und ob es ueberhaupt ein Dahinter oder Dazwischen gibt, das weiss nur Gott. Wer glaubt, eine evolutionaere Entwicklung der Wissenschaften wuerde diese Luecken eines Tages schliessen, der irrt. All diese Grenzen wurden mathematisch hergeleitet und sie gelten absolut in Raum – und Zeit. Die universelle Sprache der Mathematik ist die gesicherste Wahrheit, die die Menschheit ueberhaupt kennt. Wer also an diesen Grenzen zweifelt, und glaubt sie wuerden eines Tages ueberwindbar, der zweifelt an der Mathematik und damit an der Selbstwahrnehmung des Geistes an sich. Dessen sollte er sich bewusst sein und dann nicht den Boden unter den Fuessen verlieren.

Der Mensch als hochdynamisches Wesen, voll von Stroemen von Myriaden kleinen Gedanken in den Fasern seines Gehirns, ob er schlaeft oder wacht, die sich hier und da zu einem Gesamtbild vereinen, oder auch nicht, entzieht sich ebenso der absoluten Vorhersehbarkeit und Manipulierbarkeit wie die Stroemung des Wassers in einem Meer oder die der Luft in der Athmosphaere. Aber es gibt heute wieder viele Menschen, sogar Wissenschaftler, die all dies leugnen, weil sie es nicht wahr haben wollen, oder eben schlichte persoenliche Vorteile daraus ziehen. Am bekanntesten sind wohl die Klimamodelle, die auf grossen Computern die Aufheizung der Erde durch die Abgase der menschlichen Zivilisation berechnen sollen. Man beeindruckt die Bevoelkerung mit grossen, anerkannten Namen von Wissenschaftlern, mit den groessten Rechenmaschinen der Welt und zehntausenden Seiten Papiers der Ergebnisberichte. Und hier und da laesst sich ein Unbedarfter davon blenden. Und doch sind diese Simulationen mathematischer Humbug. Sie widersprechen allen Erkenntnissen der mathematischen Dynamik. Sie werden genutzt, um Politik zu machen. In der Politik geht es nicht um Wahrheitsfindung. Es geht um Macht!

An den grossen, beruehmten, technischen Hochschulen konnte sich in den letzten Jahrzehnten eine angeblich neue Philosophie etablieren, die die Berechenbarkeit des menschlichen Geistes annimmt. Einige der Namen lauten Kurzweil, Minsky, Moravec, Tipler und es gibt noch mehr von ihnen. Ihr Kollege Weizenbaum lachte sie aus und nannte sie spoettisch „die kuenstliche Intelligenzia“, was wohl soviel heissen sollte wie selbst ernannt schlau. Ihre Juenger nennen sich selbst „Transhumanisten“, was soviel heissen soll, wie ueber den Menschen hinaus ragend. In ihrer elitaeren Philosphie ist der Mensch ein minderwertiges Wesen, nur eine Zwischenstufe der Evolution, und keinesfalls die Krone der Schoepfung. Er ist, weil er so primitiv ist, selbstverstaendlich berechenbar und ersetzbar. Ihr Fernziel ist der „Upload“ ihres Geistes in die Maschine, um dadurch unsterblich zu werden und endlich perfekt. Wenn man bedenkt, dass Maschinen fuer gewoehnlich nach ein bis zwei Jahrzehnten schrottreif sind und Menschen immerhin rund acht Jahrzehnte „halten“, muss man schon ueber ihre Idee schmunzeln. Leider haben sie mittlerweile als Universitaetsprofessoren zehntausende von jungen Technikern unterrichtet und mit ihrem Gedankengut infiziert. Diese unbedarften jungen Ingenieure haben ansonsten keinen philophischen Hintergrund und haben diese Lehre des Transhumanismus daher oft als ihr einziges philosphisches Weltbild akzeptiert. Sie sind sich der Unmoeglichkeit der Berechenbarkeit hochdynamischer Systeme oft nicht bewusst, weil ihnen im Gegensatz zu den ausgebildeten Physikern auch der tiefgehende mathematische Hintergrund fehlt. Wenn sie also ihren Geist auf Maschinen laden wollen, muessen sie sich dessen bewusst sein, dass sie nur den berechenbaren (kleinen) Teil mitnehmen und den unberechenbaren (grossen) Teil da lassen, sich also lobotomieren. Manche ihrer Philosphen, die sich dieses Problems absolut bewusst waren, haben es fuer sich folgendermassen geloest: der unberechenbare Teil wird sich „irgendwie“ auch wieder einfinden, denn „der Mensch ist nichts besonderes, er ist nur die biologische Form des Geistes, so wie die Maschine die technische Form des Geistes“ sei. Manche verleugnen auch den Teil des menschlichen Geistes hinter den Schranken des dynamischen Chaos und der Quantenmechanik und behaupten einfach, dieser Teil des Geistes wuerde nicht existieren. Aufgrund solcher unwissenschaftlichen Argumentationen zu den Kernfragen wird der Transhumanismus von vielen heute bereits als eine Art religiose Weltsicht betrachtet. Aber ich finde, damit beleidigt man die Religionen.

Ich erwaehne diese Transhumanisten hier aus einem Grund: weil sie das Weltbild meiner Mitmenschen, der Techniker, Ingenieure, Informatiker, der Manager, Unternehmer und Arbeitgeber in den letzten zwei Jahrzehnten so stark gepraegt haben. Schliesslich sind sie es, die die Geraete, Aparate, Maschinen und auch die Waffen in den Fabriken bauen oder bauen lassen. Sie wurden beeinflusst von einem Weltbild, das ausnahmslos jeden Menschen als minderwertig und ersetzbar betrachtet. Sie sehen die Welt wie die Philosophen des 18. und 19. Jahrhunderts wieder naturalistisch-materialistisch als Maschine. Damals wurde der Mensch noch aus christlich-religioesen Gruenden als seelenbehaftetes Wesen aus dieser Weltsicht ausgenommen. Die heutigen Materialisten oder Transhumanisten integrieren ihn nun und sehen ihn als biologische Maschine ohne Seele, also Subsystem in einem groesseren System. Eine Berechenbarkeit sowohl des Menschen als auch der Welt wird nun selbstverstaendlich angenommen und man glaubt daher, alles liesse sich Optimieren und Perfektionieren: Maschinen, Prozesse, Arbeitsablaeufe und letztendlich selbst der Mensch. Das all dies unwissenschaftlicher Humbug ist, weil er alle Erkenntnisse der modernen Physik und Mathematik leugnet, brauche ich eigentlich nicht mehr zu erwaehnen. Ich bin der Feind des Transhumanismus und allem menschenverachtenden Gedankengutes und moechte meine philosophisch unbedarften Mitmenschen davor warnen.

Philosophie bestimmt wie Religion die Meinungen und damit die Abstimmungen und damit letztendlich die Politik in unseren Demokratien. Und was machen die Philosophen in den Universitaeten? Die beschaeftigen sich schon seit langem nur noch mit sich selbst. Sie sollten sich schaemen, dass sie sich nicht genuegend mit Naturwissenschaften, Technik und Computerwissenschaften auseinander gesetzt haben, die das Denken aller Menschen und damit den philosophischen Zeitgeist extrem stark beeinflussen. Nur so konnten diese Transhumanisten ueberhaupt so stark werden, weil es fast niemanden gab, der ihnen wissenschaftlich-argumentativ das Wasser reichen konnte. Sie lachten doch nur ueber die berufsmaessigen Philosophen und formten als Computerwissenschaftler und IT-Unternehmer und damit anerkannte Helden der Digitalisierung der Welt dieses neue Weltbild fast widerstandslos. Seit Professor Weizenbaum tot ist, gibt es nicht mal mehr eine einzige laute oeffentliche Stimme gegen sie.

Technik muss immer dem Menschen und dem Leben dienen. Wer Technik erschafft, die Menschen ihre Wuerde nimmt, sie entehrt, sie verdraengt – wie bei den Fertigungsrobotern oder den Abrechnungssystemen, sie sogar programmiert toetet – wie bei den Kampfdrohen oder Hitlers Endloesung, ist kein Ingenieur sondern ein gemeiner Verbrecher. Ich glaube, das versteht jeder.

Über monstermaschine

Blogger, Diplom-Ingenieur, TU, Raumfahrttechnik, Embedded Systems, Mitglied VDI, DGLR

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