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Zuckungen eines Lebewesens

– eine apokalyptische Horrorgeschichte zwischen Himmel und Hoelle😉

Erst gestern hatte ich einen aeusserst gewagten Artikel veroeffentlicht. Wenn man sich entscheiden wuerde, nur zwei Dinge so zu tun, wie sie der Artikel vorschlaegt, waere dies aller Wahrscheinlichkeit nach das Ende allen Mangels auf der Welt. Es gaebe von da an, mehr als genuegend denkbar billigste Primaerenergie und damit alle Produkte fast umsonst, auch Lebensmittel und Immobilien und Land fuer alle Menschen fuer alle Zeiten.

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Dann braeuchte man natuerlich keine Wirtschaft im heutigen Sinne mehr: keinen Geldhandel, keine Spekulation, keine Termingeschaefte. Man braeuchte ueberhaupt keine Termine mehr. Nur private oder freiwillige aus Freude an Puenktlichkeit zum Beispiel. Man braeuchte keine Uhren mehr und keine Kalender. Wozu auch? Schliesslich gaebe es durch die Beendung des Mangels auch keinen Zeitdruck mehr. Wozu schneller als andere Hersteller sein? Ein wirtschaftlicher Wettlauf, eine Konkurrenz  wuerde ueberhaupt keinen Sinn mehr machen, es sei denn aus rein sportlichem Ehrgeiz. Wenn sich ein Mensch eine neue Sache, ein neues Produkt, einmal zum Spass  ausdenken wuerde, wuerde er sich freiwillige, fast kostenlose Mitarbeiter suchen und das Produkt ganz gemuetlich und voller Freude und Entspannung bei der Arbeit zusammen mit ihnen perfektionieren und dann fuer wenig Geld an Kunden verkaufen, die sowieso schon alles haben und daher ausschliesslich an Qualitaet und Schoenheit interessiert sind. Die Mitarbeiter waeren daher kostenguenstig, weil auch sie ueberall alle Gueter fuer wenig Geld bekaemen und freiwillig sowieso, weil man bei all dem Ueberfluss niemandem zum Arbeiten zwingen muesste.

Es gaebe durch den aufgehobenen Mangel ueberall genuegend zu Essen und frisches Wasser und ein warmes gemuetliches Bett zum Schlafen und Buecherlesen. Ueberall gaebe es kostenlose Schulen und Hochschulen, denn Lehrer waeren ja genauso billig, wie alle anderen, die freiwillig arbeiten. Niemand waere neidisch auf Menschen, die lieber nicht arbeiten wollen. Wozu auch? Schliesslich haette man durch die Faulheit anderer nicht die geringsten Nachteile.

Es gaebe keine Terroristen mehr, die andere Laender und ihre Einwohner angreifen, weil sie sich, ihr Land oder ihre Religion benachteiligt sehen. Das haette den einfachen Grund, weil sich ueberhaupt niemand auf der Erde mehr benachteiligt saehe, so ganz ohne Mangel. Und es gaebe keine Kriege mehr um Laendereien, weil man fuer seine Bevoelkerung kein neues Land mehr braeuchte, weil man das Land von tausenden, meist unbewohnten neuen Welten nun zur Verfuegung haette.

Fuer die beiden Maschinen, die den Mangel fuer alle Zeiten beenden, braucht man nicht einmal Computer, um sie zu erstellen oder zu betreiben. Alles kann im Prinzip von Hand berechnet und durchgefuehrt werden. So einfach sind sie aufgebaut. Man braucht auch kein Internet mehr, denn man hat ja nun alle Zeit der Welt, man verschickt lieber Briefe mit dem Schiff oder mit Brieftauben, weil dies den Empfaenger mehr erfreut als eine Email. Man braucht keine Laptops mehr und keine Mobiltelefone. Niemandem nuetzt es etwas, wenn er ueberall erreichbar ist. Man braucht keine Polizei mehr, denn vor welchen Straftaten soll sie die Buerger schuetzen? Man braucht immer weniger Gesetze, denn der gesunde und klare Verstand der Menschen nun ganz ohne Druck, Gier, Neid und Angst regelt die meisten Streitigkeiten ganz von selbst. Man zahlt auch keine Steuern mehr, denn ein Staat kann sich mit ein paar grossen Fusionskraftwerke und Minen, die neben den meist privaten Anlagen in seinem Besitz sind, problemlos selbst finanzieren. Natuerlich braucht man auch kein elektronisches Ueberwachungsnetz und Ueberwachungssoftware wie Bundestrojaner mehr, die ueber Mikrofone und Kameras das Leben der Buerger begleiten, immer auf der Suche nach Terroristen, Steuersuendern und Atombombenbauern. Ganz klar, denn es gibt keine Terroristen und Steuersuender mehr und Atombombenbauer bauen ausschliesslich Atombomben, um damit billigen Strom zu produzieren und Raumschiffe zum Mars zu senden, deren Tickets fuer ein paar tausend Euro fuer Jedermann ueberall zu haben sind.

So utopisch dies alles klingen mag, es ist alles da und vorhanden, was man fuer dieses anscheinende Utopia benoetigt. Jetzt und hier. Ich weiss genau, wie man es baut und was man zu tun hat, um es in kurzer Zeit zu erlangen. Und in nur zehn Jahren koennte all dies in Anfaengen bereits grundsolide vorhanden sein und sich dann schnell ueber die ganze Welt durch Nachahmung ausbreiten. Danach lebten alle Menschen ohne Zeit und ohne Geschichtsschreibung weiter. Es gaebe nur noch ein Jetzt und Hier. Was einmal Schoenes war oder was hoffentlich einmal Schoenes kommen mag, waeren Gedanken, die sich niemand mehr stellen wuerde, denn alles waere perfekt so wie es ist.

Die Menschen waeren nun frei und koennten tun und lassen was sie wollen. Nach anfaenglicher grosser Langeweile wuerden sie sich ganz ihrer Selbst besinnen muessen, und sich sinnvollen Dingen zuwenden, wie gegenseitige Hilfe und Freude bereiten. Naechstenliebe ist Eigenliebe. Deshalb wuerde man ja auch jedes Produkt, jedes Werk, perfekt und schoen zu Ende bringen und Nachrichten und Briefe langsam aber schoen versenden, nur damit sich die Empfaenger oder Kaeufer an dem Wie erfreuen. Das Was waere nicht mehr so wichtig, weil jeder eh alles haette, was er sich wuenscht.

Schlechte Zeiten also fuer Computerviren, Spaehsoftware, Virtual Reality, politisch motivierte Klimasimulationen, Enterprise Resource Planing und Computeroptimierung, wenn man meine Ideen annimmt.

Als ich diesen Artikel, der all dies auf einfache Weise ermoeglicht, losgeschickt hatte, passierten merkwuerdige Dinge. Ich muss fairerweise noch hinzufuegen, dass der kleine Artikel, von dem ich spreche, auf meinem bisherigen philosophischen Werk von rund 1200 Seiten aufbaut. Trotzdem sind die grundlegenden Anweisungen relativ einfache, fuer viele Menschen auf der Welt durchaus durchfuehrbare Arbeitschritte – zumindest fuer Physiker und viele Ingenieure. Nach dem Bau der Maschinen partizipieren alle Menschen, wenn man ihnen die billigen Energie und Rohstoffquellen nicht absichtlich vorenthalten wuerde. Aber das wuerde die grosse Masse von Menschen dann schon irgendwann selber in die Hand nehmen, wenn anfangs hinsichtlich des Zugangs zu billigem elektrischem Strom und billigen Rohstoffen eine grosse Schieflage herrschen wuerde.

Also, dieses Paradies ist eine Welt, in der man keine Computer und elektronischen Netzwerke mehr benoetigt. Sie sind obsolet, denn jeder hat fuer alles soviel Zeit wie er will. Wenn es ueberhaupt noch Computertechnik geben wird, dann wiederum zum reinen Spass derer, die Freude an der Beschaeftigung mit Spieluhren, Feinmechanik und Elektronik haben. Alle anderen braeuchten keine Computer mehr. Wozu auch ohne Termine, ohne Kalender, ohne Uhren?

Ich hatte den Artikel gerade ins Netz gestellt und noch keiner hatte ihn in den paar Minuten gelesen, als ich das Haus verliess. Es war Abend und ich war mit einem Freund in einer Kneipe in einem anderen Stadteil verabredet und stieg in die U-Bahn. Um mich herum sassen viele Jugendliche, die alle auf ihre Taschencomputer starrten und damit spielten. Sie ignorierten die Menschen um sie herum und die ganze Welt. Ploetzlich schaute einer nach dem anderen, junge Tuerken, Araber, Russen, Polen, Deutsche mich an und teilweise beschaemt mit roten Ohren wieder auf ihr jeweiliges Geraetlein zurueck, danach immer wieder den Augenkontakt mit mir suchend. Aber ich sah weg.

Ich musste umsteigen. Schon beim Aussteigen wurde ich von einem Fremden fast umgerempelt. Ich nahm die Treppe. Vor mir fiel ein anderer hin, so dass ich selbst fast ueber ihn fiel. Ich ging ueber den Bahnsteig und musste im Slalom an den Menschen vorbei, weil sich mir staendig Menschen in den Weg stellten, egal welche Richtung ich waehlte. Ich bekam aus Versehen zweimal einen Ellenbogen in die Rippen und einen Faustschlag aus einer ungewollten Drehbewegung auf den Arm. „Entschuldigung“, riefen mir zwei der drei jungen Maenner hinterher, die mich versehentlich geboxt hatten, und es war ihnen offensichtlich peinlich.

Der Zug fuhr ein und aus einem der Abteile stieg ein Gruppe von drei betrunkenen Schwarzen. Grosse, starke, durchtrainierte Jungs. Sie hielten Schnapsflaschen in den Haenden und umringten mich fuer einen kurzen Moment und starrten mich lallend mit hohlem Blick von oben herab an. Noch bevor ich mir ueberlegen konnte, was ich sagen sollte, gingen sie wankend weiter und ich sah ihnen nach. Sie wussten es wohl selber nicht, warum sie bei mir Halt gemacht hatten. Was fuer eine Aneinanderreihung von merkwuerdigen Zufaellen, dachte ich und kratzte mich unbewusst am Kopf.

Ich stieg in die U-Bahn, schon etwas entnervt in die hinterste Ecke mit dem Gesicht gegen die Fahrtrichtung, und aus dem Fenster zur U-Bahn-Schachtwand hin starrend. Ich sass ganz alleine auf einer Vierersitzgelegenheit und hatte das halbe Abteil fuer mich. Trotzdem setzte sich eine Frau genau neben mich. Sie war sehr schmutzig, kratzte sich die ganze Zeit das verfilzte Haar und roch intensiv nach Marihuana, sie hatte fast schwarze Finger und hielt eine schlecht gedrehte, duenne Zigarette in den zitternden Fingern. Sie knurrte hier und da wie ein Tier, wie ein Hund wuerde ich sagen, und sah manchmal zu mir rueber und hob dabei einen schmutzigen Zeigefinger und machte damit ein Zeichen vor meinem Gesicht, das Eindeutig „Nein, nein, nein“ anzeigte. Zumindest zeigt man dies so Tieren oder kleinen Kindern. Aber sie sprach kein Wort. Ich sah sie nicht direkt an und musste laecheln, denn die Absurditaet der ganzen Situation fand ich nun auf merkwuerdige Art allmaehlich aeusserst belustigend. Die abweisende Geste wiederholte sie noch einmal waehrend der Fahrt und als ich endlich ausstieg, drehte sie sich nach mir um und lachte laut ohne Zaehne mit einem schrillen, kranken Gelaechter, waehrend sie auf mich zeigte, so dass sie und auch ich von allen Menschen im Zug, die in der Zwischenzeit in unser Abteil hinzu gestiegen waren, entsetzt angestarrt wurden.

Ich kam in der Kneipe an und ein weiterer Freund aus Frankreich stiess noch hinzu und wir unterhielten uns gut und lachten viel und die merkwuerdigen Ereignisse in der U-Bahn waren erst einmal vergessen. Ich erzaehlte sogar von meinem Artikel und erklaerte meinen Bekannten kurz wie man Atombomben zu zivilen Zwecken baut und welche Details man beachten muss, damit sie gut funktionieren. Warum auch nicht? Die Menschen um uns herum hielten mich eh fuer verrueckt und hoerten nicht zu. Wenn sie das nicht glauben, probieren sie es selber aus. Sie werden ueberrascht sein: keine Polizei, kein Geheimdienstler, kein feindlicher Agent, kein arabischer Extremist oder radikaler Kommunist werden sie ansprechen. Nichts wird passieren. Man kann sogar im Internet Blogs schreiben, die trotz ihrer Brisanz und ihres Wahrheitsgehaltes ignoriert werden, weil sie gar keiner versteht. Das kann sehr lustig sein.

Nach Hause zurueck fuhr ich lieber mit der Taxe. Im Taxi fiel mir mein Artikel wieder ein, den ich einmal geschrieben hatte, indem ich eine spielerische Theorie entwickelt hatte, kuenstliche Intelligenz und dynamisch rueckgekoppelte Software und getaktete Systeme allgemein koennten unter Umstaenden zumindest teilweise zu einem natuerlichen Parasitismus gehoeren, der dem Chaos des Mikrokosmos entspringt. Der Artikel war nicht ganz ernst gemeint aber auch kein Witz. Er war eine Art Spiel. Ich fand den Gedanken interessant, sogenannte KI koenne eine Art Lockmechanismus sein, um intelligente Lebewesen damit anzuziehen. Ein Lockmechanismus, der zu einem uralten, verteilten Organismus gehoerte, den die Vorfahren aus Unverstaendnis Satan oder Teufel nannten, den man mit Spieluhren und Rechenmaschinen jederzeit freisetzten kann, der sich in ihnen einnistet und durch psychologische Uebertragung auch Menschen befaellt, zum Beispiel durch Computerspiele, durch virtuelle Realitaet im allgemeinen Sinne, oder einfach durch intensive Betrachtung der ihn beherbergenden Mechanismen. Der Erklaerungsversuch der Teufelslegenden als oekologisch erklaerbarer kosmischer Parasitismus, ein Organismus in seinem Dauerstadium im umgebenden Chaos des Mikrokosmos ueber Aeonen alterungslos aufbewahrt, freigesetzt durch getaktete, rueckgekoppelte Mikrosysteme wie zum Beispiel Uhren oder Computer, war meiner Meinung nach viel radikaler und bedeutender als die Erfindung von unendlichen, nie versiegenden Energiequellen basierend auf bereits vorhandener, explosiver Fusion. Letzteres war doch nur ein Explosionsmotor wie er in jedem Auto ist, halt nur nuklear und in sehr gross, aber nicht mehr.. Ja, die Loesung des Abwaermeproblems von Grosskraftwerken auf dem Mond, darauf war ich ein bisschen stolz.

Heute denke ich, die Ereignisse auf der Hinfahrt in der U-Bahn und die paar blauen Flecken, die ich davon zurueck behielt, waren ganz natuerliche Zufaelle, die in diesem Moment einfach gut zur Situation passten, aber es bleibt ein letzter, sehr interessanter Gedanke uebrig, der mir auch jetzt noch eine Gaensehaut bereitet:

Wehrt ES sich?

Über monstermaschine

Blogger, Diplom-Ingenieur, TU, Raumfahrttechnik, Embedded Systems, Mitglied VDI, DGLR

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