Veröffentlicht am

Was ist Stellare Oekologie?

Ein frischer Einschlagkrater ist gerade auf dem Mars entdeckt worden [1]. Sein Kraterdurchmesser betraegt etwa 30m. Um einen Krater dieser Groesse zu erhalten bedarf es je nach Einschlagwinkel und Groesse des Objektes Energien von einigen hundert Tonnen bis zu einigen hundert Kilotonnen TNT-Aequivalent, oder umgerechnet vielfachen Sprengkraft der Hiroshima-Atombombe [2]. Bei solchen Einschlaegen und besonders bei den energiereichen Einschlaegen wird Permafrostboden in der Naehe des blitzartig sich ausbreitenden Kraterrandes aehnlich einem Surfbrett auf einer Welle so schnell beschleunigt, dass Bruchstücke des Bodens Fluchtgeschwindigkeit erreichen können [3] und danach im Sonnensystem herumirren, bis sie irgendwann einmal auf einem Planeten, z.B. der Erde, wieder aufschlagen und in der Tat findet man auf der Erde ueberall Marsgestein [4].

Marscrater

Ein neuer 400 kT Einschlagskrater auf dem Mars, Bild: NASA

Oder diese herausgeschlagenen Gesteinsbrocken koennen durch Vorbeifluege an den grossen Planeten Jupiter und Saturn sogar das Sonnensystem ganz verlassen und eines Tages in einem anderen Sternsystem wieder auf einem (Exo-)Planeten einschlagen. Es ist moeglich, dass langsam fliegende Koerper durch Vorbeifluege an den grossen Planeten durch deren Schwerefeld ausreichend Energie zugefuegt bekommen, dass sie genuegend Geschwindigkeit erhalten, das Sonnensystem zu verlassen, wir Menschen haben mit Hilfe dieses natuerlichen Mechanismus einige unserer Raumsonden absichtlich aus dem Sonnensystem katapultieren lassen [5].

Was fuer den Mars gilt, gilt so genauso fuer die Erde. Immer wenn ein groesserer Himmelskoerper die Erde trifft, und der Einschlag ausreichend Energie freisetzt, kann Bodenmaterial auf genuegend hohe Geschwindigkeiten beschleunigt werden, dass es sogar die Erde fuer immer verlaesst. Natuerlich muss dabei ein vergleichbarer Einschlag auf der Erde groesser sein, als ein Einschlag  auf dem Mars, schliesslich ist die Fluchtgeschwindigkeit der Erde mit rund 12 km/s mehr als doppelt so hoch wie die auf dem Mars (5 km/s) und zusaetzlich muss eine dichte Athmosphaere ueberwunden werden, die die Truemmerteile massiv abbremst. Aber auch das Verlassen des Schwerefeldes der Erde durch Bodenmaterial ist grundsaetzlich moeglich [3].

Besonders interessant sind dabei Permafrostboeden. Denn deren Material wird mitsamt des eingefrorenen Inhaltes beschleunigt. Alle eingefrorenen Lebewesen und deren Dauerstadien wie Eier, Samen, Sporen ebenso. Da sie im Eiskristall fest eingebunden sind, werden sie durch die immens hohe Beschleunigung nicht zerstoert. Waeren sie nicht eingefroren, wuerden sie beim Wegschleudern des Bodens in diesem sofort zerquetscht und buchstaeblich ausgepresst wie eine Zitrone unter einem Dampfhammer. Sind sie aber Teil eines sie umgebenden, groesseren Eiskristalls, so koennen sie die Wucht der Beschleunigung problemlos ueberstehen. Auch das Verdampfen der aeusseren Schichten des Permafrostbodens durch den Gammastrahlenblitz des Einschlags wie durch die Reibungshitze der Athmosphaere fordert eine Mindestgroesse der Brocken und damit eine Mindestgroesse des Einschlages. Aber es gibt diese Einschlaege, und zwar statistisch regelmaessig. Bemerkenswert ist daher: Hier hat die Natur von je her einen voellig natuerlichen Weltraumstart fuer alle Lebewesen erschaffen, die ueber Dauerstadien wie Sporen, Samen und Eier verfuegen. Weltraumfahrt ist also keine Erfindung des Menschen, sondern ein selbstverstaendlicher Bestandteil der lebenden Natur. Faszinierend, nicht wahr? Diese Ueberlegung ist der erste Grundpfeiler der Theorie von einer Stellaren Oekologie, die ueber kosmische Entfernungen die Planeten verschiedener Sternsysteme untereinander verknuepft.

Silstenoph

Duennblaettriges Leimkraut (Silene stenophylla); diese Art hat man vor kurzem nach 32000 Jahren im Eis wiederbelebt, Bild: Wikipedia

Die naechste Frage waere natuerlich, gibt es denn so etwas in der Natur ueberhaupt, dass Dauerstadien von Lebewesen eingefroren im Eis ueber lange Zeitraeume ueberleben, um dann irgendwann wieder aufgetaut zu werden und wieder zu wachsen? Ja, so etwas gibt es tatsaechlich auch. Wir Menschen haben diesen Mechanismus erst vor kurzem entdeckt. Lesen sie dazu einen Artikel, wenn es sie interessiert [6]. Wenn man den Artikel genauer liest, wird man feststellen, dass die Botaniker ein wenig nachhelfen mussten, um das Keimen der 32000 Jahre alten Samen zu ermoeglichen. Wir wissen heute, welche Mechanismen die Keimfaehigkeit uralten Samenmaterials bestimmen. Dies sind ausser der Feuchtigkeit und Temperatur vor allem die aufsummierte Strahlenbelastung [7]. Es ist daher nur eine statistische Wahrscheinlichkeit, auch auf uraltes Samenmaterial zu stossen, das von alleine keimt. Es muss vor allem einer moeglichst geringen Radongasbelastung aus dem Boden ausgesetzt gewesen sein. Radon ist ein natuerliches, radioaktives Gas, das aus den tieferen Gesteinsschichten der Erde aufsteigt. Es bestimmt entscheidend welcher Strahlenbelastung alle Lebewesen auf der Erde ausgesetzt sind, noch vor der kosmischen Strahlung und natuerlich auch vor allen kuenstlichen, technischen Strahlungsquellen. Im gefrorenen Boden eingeschlossenes, keimfaehiges Material verliert seine Keimfaehigkeit durch die Spuren radioaktiven Radongases, denen es ueber lange Zeitraeume ausgesetzt ist. Entscheidend fuer die Theorie von einer Stellaren Oekologie ist hierbei: der Mechanismus einer langzeitlichen Aufbewahrung von Dauerstadien von Lebewesen, um klimatisch unguenstige Zeiten zu ueberstehen, ist in der Natur vorhanden. Dies ist der zweite Grundpfeiler der stellaren Oekologie.

Wenn man nun einmal ueberlegt, wie gering die Wahrscheinlichkeit ist fuer einen Eisbrocken mit Bodenmaterial von der Erde mit eingefrorenen Dauerstadien von Lebewesen darin, in bestimmten Zeitraeumen, die selbst die gesamte menschliche Geschichte um das Zigfache uebersteigen, durch Zufall am Jupiter oder Saturn auf Fluchtgeschwindigkeit beschleunigt zu werden, und danach wiederum durch Zufall in einem fernen Sternsystem auf einem belebten Planeten herunterzufallen, dann gibt man den Gedanken normalerweise sofort wieder auf.

Geben wir den Gedanken aber nicht zu frueh auf und ueberlegen. Wovon haengt die Wahrscheinlichkeit eines Uebertragens lebenden Materials von einem Planeten eines Sternsystems zu einem anderen (Exo-)Planeten eines anderen Sternsystems ab? Von der Zeit natuerlich.  In Jahrtausenden ist die Wahrscheinlichkeit Null, in Jahrmillionen sehr gering, in Milliarden Jahren ist sie schon recht gross. Aber können in Permafrostboeden eingeschlossene Eier, Samen, Sporen, usw. Milliarden Jahre keimfaehig bleiben? Auf der Erde natuerlich niemals. Hier ist es schon nach nur 32000 Jahren sehr schwierig noch auf keimfaehige Spezies zu stossen, wie die Forscher festgestellt haben [6]. Aber im All entfaellt der Einfluss des radioaktiven Radongases. Es bleibt die zugegebenermassen harte galaktische Strahlung. Nun kommt die Halbwertsdicke von Materialien zu tragen. Die Halbwertsdicke eines Materials sagt aus, bei welcher Dicke des Materials sich die durchgehende Strahlenbelastung, halbiert, viertelt, achtelt, sechzehntelt, usw. [8]. Die Halbwertsdicke von Eis oder Permafrostboden sind im interstellaren Raum 14 cm, das heisst zum Beispiel, dass bei einer Eisdicke von 1,4 m die Strahlenbelastung hinter diesem Eis auf weniger als 1/1000 abgefallen ist. Dies gilt natuerlich nicht auf der Erde, wo staendig Radongas aus den Tiefen nach oben diffundiert.

600px-Wild2_3

Der Kern des Kometen Wild 2, theoretisch ein idealer Aufbewahrungsort fuer lebende Sporen, Samen und Eier ueber Milliarden Jahre, Bild: NASA

Die Halbwertsdicke von Eis zusammen mit den Umweltbedingungen des Weltraums, also die idealen Lagerbedingungen von Dauerstadien in einem Eiskoerper in den tiefen des Alls, sind der dritte Grundpfeiler der Stellaren Oekologie. Ab einer Dicke von nur wenigen Metern Eis um eingefrorenes biologisches Material herum, wird die Strahlungsintensitaet der harten kosmischen Strahlung aus dem Zentrum der Galaxis soweit reduziert, dass die gesamte Strahlenbelastung sich auch in Milliarden Jahren nicht genuegend aufsummieren kann, die Keimfaehigkeit des Materials zu beeintraechtigen. Dies kann man sehr genau mit einfacher Strahlungsphysik, wie im vorigen Abschnitt angedeutet, nachrechnen. Hinzu kommt das Hochvakuum des Raums, dass auch die geringsten Reste des radioaktiven Radongases aus dem Boden, die anfangs noch vorhanden waren, schnell verdampfen laesst, sowie die tiefe Temperatur nahe dem absoluten Nullpunkt, die alle entropischen Zerfallsprozesse aus der thermischen Bewegung der Molekuele fast vollkommen zum Erliegen bringt [14][15]. Auch bei der Entropie laesst sich mit Hilfe einfacher Physik nachrechnen, dass diese tiefen Temperaturen einen Erhalt der Keimfaehigkeit ueber Milliarden Jahre gewaehrleisten. Und kann man vakuumgefriergetrocknete Samen, Eier oder Sporen wieder zum Keimen bringen? Selbstverstaendlich ja, dies ist heute ein Standardverfahren in Biologie und Medizin. Es ist wichtig zu verstehen: Es haengt nicht von der Zeit der Lagerung ab, ob ein Wiederbeleben gelingt sondern ausschliesslich von dem Zersetzungszustand des lebenden Materials, bedingt durch Temperatur und Strahlenbelastung. Milliarden Jahre auszuhalten und dann wieder zu keimen, sind fuer Eier und Samen in grossen Eiskoerpern im tiefen Raum nach allen bekannten Gesetzen der Physik somit ueberhaupt kein Problem. Nein im Gegenteil: es ist die ideale Lagerungsart, um Aeonen zu ueberstehen.

Durch diese drei Grundpfeiler: 1. natuerlicher Weltraumstart von eingefrorenem Bodenmaterial, 2. natuerliche Aufbewahrung von Dauerstadien von Lebewesen ueber lange Zeitraeume, 3. die aeusserst guenstigen Lagerungsbedingungen in Eiskoerpern im tiefen Raum; ist die Theorie von einer stellaren Oekologie, wonach die planetaren Oekosysteme selbst weit entfernter Planeten, die hunderte von Lichtjahren voneinander getrennt sind, untereinander rueckgekoppelt interagieren, eine berechtigte und logische Theorie. Es ist vor allem der extrem lange Zeitraum, ueber den keimfaehiges Leben im Weltraum aufbewahrt werden kann, der dieses Stellare Oekosystem ermoeglicht.

alien-1_22474828

Irgend ein komisches Ding, dass aus einem Fluss gekrochen kam und von Kindern erschlagen wurde. Wahrscheinlich nur ein gehaeutetes, verendendes Tier. Vielleicht aber auch ein Ding aus einem Ei aus einer anderen Welt, Bild: Internet

Vielleicht sollten wir den vielen verworrenen Berichten von merkwuerdigen Kreaturen aus den Ozeanen und Fluessen, die immer wieder hier und da auftauchen, und von der Biologie meist erfolgreich ignoriert werden, doch etwas mehr wissenschaftliche Beachtung schenken. Natuerlich sind die meisten dieser Berichte sensationseifernde Faelschungen einiger dummer Wichtigtuer, oder auch ganz einfach biologisch erklaerbar und nur aus der Sicht von Laien ungewoehnlich. Aber, wenn ich mit meiner Theorie von der Stellaren Oekologie recht haben sollte, dann regnet es jetzt gerade wie schon immer aus den tiefsten Winkeln unserer Galaxis Dauerstadien von fremdartigen Lebewesen auf die Erde, die unregelmaessig mit den durchschnittlichen 40 Tonnen Material ankommen, die taeglich aus dem All auf die Erde stuerzen [13], und die in unserem Oekosystem versuchen, Fuss zu fassen. Vielleicht gelingt dies einigen nur temporaer, vielleicht anderen sogar fuer immer. Ich glaube, dass wir sie genetisch nicht einmal unbedingt als ausserirdisch identifizieren wuerden, denn schliesslich hat dieser Prozess schon immer, seit die Erde existiert, und nicht nur heute stattgefunden. Es gibt also nach der Theorie der Stellaren Oekologie eine staendige Vermischung aller Lebensformen, die Dauerstadien ausbilden, auch wenn diese Lichtjahre voneinander entfernt sind.

Dragonfly_eye_3811

Insekten wirken ziemlich fremdartig in unserer Welt. Oder vielleicht auch ein klassisches Beispiel fuer: wer Augen hat, der sieht, Bild: Wikipedia

Wahrscheinlich sind viele der heutigen Lebewesen gar nicht einmal auf der Erde entstanden, sondern urspruenglich ganz woanders. Die Insekten erweckten bei vielen Menschen aller Generationen schon immer einen gewissen Verdacht, dass sie nicht so wirklich „zur Familie gehoeren“ wuerden, weil sich ihr Bauplan so grundsaetzlich von dem der anderen Lebewesen auf der Erde unterscheidet. Wie gesagt, durch die staendige Vermischung aller Lebensformen innerhalb des Stellaren Oekosystems, duerften sie sich genetisch von anderen kaum unterscheiden. Wer weiss, von welchem Stern sie urspruenglich stammen? Vielleicht haben sie sich auch auf der Erde entwickelt und die Chorda- und Wirbeltiere sind von ausserhalb? Jeder Ursprungsort innerhalb eines Stellaren Oekosystems ist prinzipiell moeglich. Und die riesige Varietaet des Lebens auf der Erde und die ploetzliche Explosion der Artenvielfalt mit dem Entstehen der Ozeane sind vielleicht eine Selbstverstaendlichkeit, die fuer jeden Planeten der Galaxis gilt, der sich innerhalb einer Zone fluessigen Wassers um einen Stern bewegt. Ein Ozean ist schliesslich das ideale Landegebiet fuer einen kosmischen Koerper voller vakuumgefriergetrockneter Eier.

Die gemaessigten Kritiker der Darwinschen Evolutionstheorie haben bemaengelt, dass bei der gegebenen Zeit von 800 Millionen Jahren, seit im Urozean Tiere und Planzen entstanden, rechnerisch viel zu viele Arten auf der Erde enstanden waeren, die man mit reiner Mutation und Selektion in Modellen nicht erklaeren koenne. Sie haben auch bemaengelt, dass es immer wieder Evolutionsschuebe gegeben habe, die man nur mit hoeheren Mutationsraten ebenfalls quantitativ nicht erklaeren koenne. Die Stellare Oekologie schliesst diese Luecke der Darwinschen Evolutionstheorie sehr einfach und elegant. Da die Arten mit Dauerstadien in einem stellaren Oekosystem auf hunderten und tausenden Planeten auf Darwinsche Art langsam entstehen, und untereinander die Keime aller hoeheren und niederen Arten austauschen, ist eine explosionsartige Zunahme mit dem Entstehen eines Ozeans auf einem neuen Planeten wohl kaum verwunderlich. Auch Evolutionsspruenge lassen sich so ganz leicht erklaeren: sie entstammen besonders intensiven Bombardements aus dem All, bei denen besonders viele neue Lebewesen auf dem Planeten ankamen. Es gilt nun Spruenge in der Historie des Genoms der Arten zu finden: kann man eine genetische Veraenderung komplett zurueckverfolgen, hat sich die betroffene Art gewiss auf der Erde entwickelt. Gibt es jedoch Spruenge in der Groessenordnung von Millionen Jahren und mehr und die Verwandtschaftsgrade der angeblichen Vorfahren und Nachfahren sind eher gering ausgepraegt, dann duerften diese „Nachfahren“ eher nicht auf der Erde sondern woanders entstanden sein. Wie gesagt: alle Lebewesen auf den Welten eines stellaren Oekosystems sind untereinander verwandt und unterscheiden sich vom Genom her wahrscheinlich eher wenig. Was den Phaenotyp betrifft, sind sie jedoch aufgrund der unterschiedlichen Umweltbedingungen hoechstwahrscheinlich sehr, sehr unterschiedlich.

Die beste Methode, meine Theorie zu beweisen, waere einen kosmischen Koerper, der fremdes hoeheres Leben in sich traegt, „auf frischer Tat zu ertappen“, ihn also vor dem Einschlag abzufangen und aufzubrechen. Nach einem Einschlag in den Ozean ist es unmoeglich, ihn nachzuverfolgen.

800px-9119_-_Milano,_Museo_storia_naturale_-_Scipionyx_samniticus_-_Foto_Giovanni_Dall'Orto_22-Apr-2007

In einem Stellaren Oekosystem koennten Dinosaurier theoretisch auf einem extrasolaren Planeten eine zweite Chance bekommen oder bekommen haben, oder hatten auf der Erde bereits eine weitere nach einem ersten Auftreten auf einer anderen, fernen Welt. Es ist alles eine Frage des Zufalls eines kosmischen Billiardspiels von Eiskoerpern, Bild: Wikipedia

Ich bin fest davon ueberzeugt, dass in der Galaxis ebenso Planeten existieren, auf denen auch Kreaturen leben, die urspruenglich von unserer Erde stammen. Wir hoeheren Lebewesen, Pflanzen und Tiere, sind alle untereinander verbunden, ueber grosse Teile der Galaxis, auch jetzt in diesem Moment. Dabei bewegen sich die Transport- oder Uebertragungszeiten im Zeitraum von zehn Millionen bis Milliarden Jahren, das bedeutet, viele Organismen, die in einem planetaren Oekosystem keine Chance hatten und wieder vergingen, konnten oder werden woanders vielleicht eine zweite Chance finden. Das ist die Bedeutung der Stellaren Oekologie fuer jede Art hoeheren Lebens, die Dauerstadien wie Samen, Sporen oder Eier hervorbringt, und das unterscheidet sie fundamental von der Panspermietheorie [9], die von den Grundlagen des Lebens, also der Genesis redet, und die hoeheren Lebewesen ausschliesst, und die die Begebenheiten, die zum Leben auf der Erde fuehrten, in eine ferne Vergangenheit verbannt, wohingegen die Stellare Oekologie [10] lehrt: hier und jetzt und ueberall in der Galaxis tauschen die Planeten staendig ueber interstellare Entfernungen jede Art von hoeherem Leben aus, das Dauerstadien ausbildet, rueckgekoppelt und ganz logisch nach dem fundamentalen Energieminimierungsprinzip der Oekologie: es waere unnuetze Energieverschwendung alles muehsam immer wieder auf allen Welten neu entstehen lassen zu muessen. Oder: die Natur hat schon immer Moeglichkeiten bereitgestellt, dem Leben Wege und Abkuerzungen zu verschaffen.

Und was fuer hoehere Lebensformen und ihre Dauerstadien wie Samen, Sporen und Eier gilt, gilt schon lange fuer niederes Leben: Das heisst zum Beispiel auch, wir brauchen keine uebermaessige Angst vor Krankheitserregern aus fremden Welten zu haben, denn wir sind staendig in Kontakt mit ihnen und zum groessten Teil laengst immunisiert oder zumindest darauf so voreingestellt, dass die Spezies Mensch als Teil dieses stellaren Oekosystems ueberlebt. Warum dies so sein muss, dazu komme ich weiter unten. Oft werden spekulative Gedanken geaeussert, ausserirdische Bakterien koennten die Gesundheit der Lebewesen auf der Erde gefaehrden (so mussten die ersten Mondfahrer nach ihrer Rueckehr erst einmal in Quarantaene bleiben). Oder umgekehrt sterilisiert man Raumsonden, die auf dem Mars landen, um dort keine Mikroorganismen von der Erde einzuschleppen. Nach der Theorie der Stellaren Oekologie sind all diese Bemuehungen voellig sinnlos, weil wir staendig in Kontakt mit ausserirdischem Leben stehen, dass mit uns durch und durch bis auf die Gene aeusserst verwandt ist, und auch umgekehrt, immer wieder Organismen von der Erde woanders hin getragen wurden.

Castle_Union

Die Wasserstoffbombe hat ihre eigentliche Bedeutung als einzig bekanntes existierendes Antriebsmittel interstellarer Raumschiffe [16] noch nicht erfuellt, die menschliche Kreativitaet ist im Bereich der gegenseitigen Zerstoerung leider groesser als im Konstruktiven, Bild: Wikipedia

Dieses Energieminimierungsprinzip der Oekologie und ihrer logischen Erweiterung, der Stellaren Oekologie, definiert nun den Sinn des Menschen eindeutig: der Mensch ist nicht ein Stoerkoerper in einem oekologischen System, der sich darueber hinwegsetzt und es mit seinen technischen Mitteln zerstoert, wie es die heutige (veraltete) planetare Oekologie lehrt. Nein ganz im Gegenteil, in einem Stellaren Oekosystem ist die Bedeutung des Menschen fundamental und sehr wichtig. Er allein ist es, der mit seinem mit einem gewissen Bewusstsein ausgestatteten Gehirn und seinen einfachen technischen Moeglichkeiten, die Energie zur Uebertragung von Lebewesen zwischen planetaren Biosphaeren weiter minimieren kann. Dazu bedarf es der bereits bekannten, technischen Freisetzung von nuklearer Kraft und ihrer Nutzung als Explosionsantrieb fuer Sternenschiffe [16], die dann zielgerichtet andere Erden ansteuern. Statt eines zufaelligen Transports ueber hunderte von Millionen Jahren kann der Mensch als kosmischer Navigator und Landwirt das Leben so in wenigen Jahrtausenden von einem Planeten zum anderen bringen. In planetaren oekologischen Dimensionen sind Jahrtausende nur ein Augenblick – so lange braucht auch das Wasser in unseren Ozeanen, um einmal die Erde komplett zu umrunden [11].

Aldrin_Apollo_11

Der Mensch, der kosmische Bauer. Ausser der explosiven Kernfusion als Antriebsmittel fuer interstellaren Transport [16] ist die Technik der bemannten Raumfahrt und ihre botanischen und zoologischen Nebenwirkungen Hauptbestandteil des Sinns menschlicher Existenz im Universum. Alles andere ist zumindest aus oekologischer Sicht ziemlich unwichtig.

Nur mit dem Hervorbringen „raumfahrender Tiere“ wie dem Menschen kann der Aufwand, also die Energie, zum Austausch von Lebensformen zwischen planetaren oekologischen Nischen in einem Stellaren Oekosystem weiter veringert werden. Daher versucht jedes Stellare Oekosystem wenigstens eine Form von „Menschen“ auf seinen voneinander Lichtjahre entfernten Planeten hervorzubringen. Das Energieminimierungsprinzip endet somit logisch bei allen Lebensformen der Galaxis in gewissen Arten von „raumfahrenden Tieren“ wie zum Beispiel dem Menschen von der Erde. Eine weitere Entwicklung ist nicht notwendig, der heutige Mensch, wie er ist – und ganz genau so wie er ist und kein bisschen anders – ist perfekt fuer seinen Sinn im Leben ausgestattet: der breitbandige Verbreitung und Mischung von Lebewesen zwischen fernen Planeten als sternenfahrender Schiffsreisender und interstellarer Landwirt. Mit der Mondlandung und dem Bau der Wasserstoffbombe hat er bereits bewiesen, dass er dies gut kann. Wenn er den Wunsch verspueren sollte, selbst am Ziel anzukommen, und nicht ausschliesslich die Kindeskinder seiner Kindeskinder dort ankommen zu lassen, weil die Reisen aus fundamentalen, physikalischen Gruenden immer Jahrhunderte bis Jahrtausende dauern werden [16], dann kann er sich selbst ohne jede Technik ueber Generationen das dazu notwendige biblische Alter anzuechten [12]. Dies ist aber keine notwendige Bedingung. Der ausgeprägte Wunsch, selbst am fernen Ziel anzukommen, ist meiner Meinung nach eher eine Form duemmlichen Egoismus‘. Trotzdem habe ich in einem Artikel detailliert beschrieben wie diese natuerliche, aus der Populationsgenetik bekannte Lebensverlaengerung einer Spezies im Prinzip funktioniert [12]. Ansonsten hat der Mensch aus einer rein oekologischer Sicht keine Bedeutung und keinen Sinn. Aber ich finde, das was ihm bleibt, die Verbreitung des Lebens im All, ist der schoenste Sinn von allen. Der Mensch ist nicht sinnlos, er hat eine Bestimmung, die unter den Geheimnissen der Welt identifiziert werden kann. Die Natur braucht den Menschen. Ohne Menschen kann die biologische Natur langfristig nicht ueberleben.

Die Stellare Oekologie erklaert minimalistisch und simplifizierend durch und durch logisch den Sinn des menschlichen Lebens aus rein biowissenschaftlich-oekologischer Begruendung. Es ist vielleicht kein Zufall, dass sie sich faszinierenderweise trotzdem eher mit alten humanistischen, spirituellen oder religioesen Menschenbildern deckt, die die Bedeutung des Menschen betonen, als mit den eher menschenverachtenden modernen volkswirtschaftlichen, materialistisch-technischen, politisch-globaloekologischen, antihumanistischen und mechanistisch-naturalistischen Menschenbildern, die – geben wir es doch zu – ziellos herumstochern und dabei viel Schmerz und Leid in der Welt verursachen. Irgendwie ahnten wir es schon immer, das wir Menschen etwas besonderes sind. Irgendwie spürten wir die besondere Bedeutung der technischen Mobilitaet und ihren Endergebnissen, der Raumfahrt und der Nukleartechnik, für uns vom ersten Augenblick an. Wir wussten nur nicht warum. Die Stellare Oekologie erklaert neutral und bestechend einfach warum es uns gibt, warum wir so wichtig sind, warum wir Maschinen bauen, mit denen wir uns im Raum bewegen koennen, und was wir zu tun haben, um unserer natuerlichen Aufgabe zu genuegen.

[1] Bericht ueber den neuen Einschlagkrater auf dem Mars: http://www.bbc.co.uk/news/science-environment-26067927
[3] Artikel ueber die Bedingungen, wie Bodenmaterial eines Planeten bei Meteoriteneinschlaegen Fluchtgeschwindigkeit erreicht: http://www.sciencemag.org/content/298/5599/1752.abstract
[4] Marsgestein auf der Erde: http://de.wikipedia.org/wiki/Marsmeteorit
[5] Verlassen des Sonnensystems durch Swingby an den grossen Planeten: http://de.wikipedia.org/wiki/Swing-by
[6] Artikel ueber eingefrorene Samen, die nach 32000 Jahren wieder erbluehten: http://www.nytimes.com/2012/02/21/science/new-life-from-an-arctic-flower-that-died-32000-years-ago.html
[7] Artikel ueber das Problem der Strahlenbelastung bei ueber grossen Zeitraeumen aufbewahrten Samen: http://www.amjbot.org/content/89/2/236.abstract
[8] Die Halbwertsdicke von Materialien: http://de.wikipedia.org/wiki/Halbwertsschicht
[11] Das globale Foerderband der Ozeane: http://de.wikipedia.org/wiki/Globales_F%C3%B6rderband
[13] 40 Tonnen ausserirdische Materie taeglich: http://www.dlr.de/next/desktopdefault.aspx/tabid-6470/10659_read-24029/
[14] Zellulare Thermodynamik: Wolfe: Cellular Thermodynamics, Nature Publishing Group 2002

Über monstermaschine

Blogger, Diplom-Ingenieur, TU, Raumfahrttechnik, Embedded Systems, Mitglied VDI, DGLR

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s