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Die Kampfdrohne oder der ultimative Unhold

– Militaer am Scheideweg zwischen Humanismus und Transhumanismus

Jedes Militaer dieser Welt basiert bis heute letztendlich auf seinen Kriegern und Kriegerinnen [1]. Das sind Menschen, die aus unterschiedlichen Anlaessen und Gruenden gegen andere Menschen kaempfen. Daher ist das klassische Militaer ein zutiefst menschliche Angelegenheit – selbst im Kampf, selbst in der Schlacht – Mensch gegen Mensch. Es geht um Menschen, ihre Gesinnung, ihren Glauben, ihre Wuensche, ihre Hoffnungen – meist die Hoffnung auf eine menschenwuerdigere Zukunft. Fuer was ist ein Mensch letztendlich bereit zu sterben? Fuer was ist er bereit einen anderen Menschen zu toeten, ihm sein Leben zu nehmen? Diese Fragen stellt sich jeder Soldat, jede Soldatin sehr oft. In diesem Beruf steht man dem Tode viel naeher als in anderen Berufsgruppen. Man saeht und erntet den Tod. Und das Leid auf der Seite des spaeteren Siegers steht dem Leid des Verlierers haeufig in nichts nach. Deshalb fuerchten wir Menschen den Krieg und versuchen ihn meist zu vermeiden so gut wir koennen.

Ein intelligenter Kampfroboter vom Typ Northrop Grumman X-47 hebt ab.

Humanismus und Militaer

Also wird die Schlacht von Menschen befehligt, kommandiert, gesteuert, und durchgefuehrt. Jeder Tod eines Menschen, jedes Ueberleben eines Menschen wird von einem anderen Menschen verantwortet. Da viele meiner Leser keinen geisteswissenschaftlichen Hintergrund besitzen oder sich der grundlegenden Bedeutung von Philosophie fuer Politik und Geschichte nicht immer bewusst sind, moechte ich lieber auf einige definierte Begriffe aus diesem Bereich eingehen. Nehmen wir einmal den Begriff Humanismus und lassen wir die moderne umgangssprachliche Definition von „humanistisch“ beiseite. Dabei handelt es sich ja gewissermassen um ein Missverstaendnis, das aus der Beobachtung der Lebensweise berühmter Humanisten, die teilweise auch gleichzeitig engagierte Mildtaeter und Pazifisten waren, stammt. Auch Soldaten, die im Krieg gekaempft haben, koennen Humanisten sein. Der durchschnittliche Tageszeitungsleser verwechselt wie der durchschnittliche Tagesjournalist oft aus reiner Gewohnheit den Humansimus mit dem Gutmenschentum, also dem philanthropischen Denken. Aber Humanismus heisst per Definition nur Menschentum. Und so wird Humanismus als Begriff auch in der Philosophie gebraucht. Im Gegensatz dazu stehen viele antihumanistische Philosophien wie z.B. die Nitsches, Heideggers, der Existenzialisten, Marx, oder der heutigen Transhumanisten, die den Menschen entweder a) prinzipell von Moral befreit sehen b) einen vorgegebenen Moralbegriff ablehnen und eine autogene Moralentwicklung des Individuums fordern oder c) die Freiheit des Individuums an sich und damit jegliche moralische Selbstverantwortung ablehnen und die Moral einer anderen Instanz, z.B. einem System oder einer Maschinerie ueberlassen sehen wollen. Der Humanismus wird heute in viele verschiedene historische Epochen aufgeteilt: die Humanisten, die Neohumanisten, Dritte Humanisten, usw. Ich moechte jedoch keinen Artikel ueber den Humanismus oder antihumanistische Philosophien schreiben und ueberlasse eine weitere Vertiefung in das Thema Humanismus dem interessierten Leser. Wichtig an der Stelle ist nur, dass der Leser versteht: es handelt sich beim Humanismus um das Menschentum an sich und den damit einhergehenden, diskutierbaren Moralbegriffen und nur im erweiterten Sinne um das Gutmenschentum [25].

Wie sieht es beim Humanismus mit der Gewaltfrage aus? Der Humanismus hat sich von jeher grundsaetzlich fuer Gewaltfreiheit ausgesprochen, weil Gewalt immer den Menschen erniedrigende Aspekte besitzt. Wenn aber ein den Menschen erniedrigender Zustand offensichtlich nur durch Gewalt beseitigt werden kann, laesst das humanistische Prinzip nicht nur Gewalt zu, nein muss sie sogar unterstuetzen. Hier trennt sich der der Pazifismus ganz bewusst vom Humanismus und sucht nach anderen Moeglichkeiten. Haeufig waren daher ueberzeugte Pazifisten auch gleichzeitig ueberzeugte Antihumanisten, aber es gab natuerlich auch Pazifisten, die gleichzeitig Humanisten waren. Beides schliesst sich nicht aus, weil Humanismus und Pazifismus voellig unabhaengig voneinander sind. Der Antihumanismus einiger moderner Philosophen des 20. Jahrhunderts findet in der Gewalt und Grausamkeit vieler Menschen Ansatzpunkte fuer seine Kritik am Humanismus. Der Mensch sei das grausamste aller Tiere, schreiben manche Antihumanisten auch heute noch [21], mit der Gleichstellung von Mensch und Tier ein materialistisch-naturalistisches Weltbild implizierend, und daher sei der Humanismus in seinen Ansaetzen schon falsch. Man koenne dem Menschen die Moralfrage nicht ueberlassen.

Meiner Meinung nach haben wir es hier mit einem Missverstaendnis zu tun. Diese Antihumanisten sehen den Menschen so wie er oft ist, wenn er sich komplett gehen laesst. Wie er faul, traege, neidisch, diebisch, grausam, toedlich, zerstoererisch, gedankenlos einfach tut, wozu er gerade Lust hat. Es geht, wenn wir den Humanismus hinterfragen also um den Begriff Mensch. Ist ein solcher Mensch, der sich komplett gehen laesst, noch ein Mensch? Oder ist der Begriff des Menschen nicht vielmehr ein Ideal von Weisheit, Schoenheit, Klugheit und Gerechtigkeit? Ein Menschenbild, das keiner wirklich vollkommen erreichen kann, dass aber die Menschen, die nahe daran kommen, adelt und zu hoeheren Wesen, naemlich zu guten Menschen, macht? Ich glaube, dass ein Menschenbild ein solches Idealbild sein muss, dass uns ein Leuchtfeuer, eine Orientierung in der Dunkelheit ist. Ich teile diese Meinung mit den Juden und den Moslems und bin selbst einer, der Jesus Christus als Vorbild, als einen solchen Leuchtturm in der Dunkelheit, sieht. Ich glaube, dass es fuer diese Wesen, die jene Leuchtfeuer der Menschlichkeit aus Ueberzeugung erloschen sehen wollen, oder ihre Augen davor aus Bequemlichkeit absichtlich verschliessen oder sie aus angeborener Blindheit nie sehen werden, einen anderen, einen besseren Begriff gibt: es ist der Unhold, der genaue Antipol des guten Menschen.

Auf den Begriff des Unholdes komme ich gleich noch zu sprechen. Den bereits erwaehnten Begriff des Naturalismus moechte ich ganz kurz umschreiben. Das verbreitete naturalistische Weltbild der materialistisch-szientistischen Art geht davon aus, dass es sich bei der Natur um eine Art Mechanismus oder System handelt, das mit den Methoden der Naturwissenschaften komplett verstehbar waere. Und das der Mensch selbst auch nur ein Teil dieses natuerlichen Systems waere, also mit Tier und Pflanze bis auf einen bestimmten Entwicklungsgrad im Prinzip gleichzusetzen waere. Ein solcher Naturalismus ist daher per Definition antihumanistisch, weil zumindest zwischen den Begriffen Gott und Mensch eine hoehere Instanz als der Mensch – die Natur – gesetzt oder im atheistischen Fall, die Natur einfach als Gottesersatz gesehen wird. Die Natur kann fuer den Naturalisten aber nur Gottesersatz und niemals wirklich ein Gottesbegriff sein, denn er glaubt ja, sie sei letztendlich voll und ganz analysierbar und verstehbar, wuerde sich also dem menschliche Einfluss und damit seiner Kontrollierbarkeit nicht entziehen, nein der Mensch koenne sie sogar zerstoeren, wenn er wolle. Eine gewisse Hybris ist hier unverkennbar. Ich finde dies bemerkenswert. Die Naturalisten werfen den Humanisten, die sich direkt unter Gott sehen, haeufig Groessenwahn vor. Jedoch wuerde einem Humanisten natuerlich niemals in den Sinn kommen, Menschen koennten Gottes Schoepfung wirklich ernsthaft gefaehrden, weil dies logischerweise die Allmacht Gottes wiederlegen und den Menschen mit Gott gleichstellen wuerde. Somit kann es im Umkehrschluss keine atheistischen Humanisten geben, die nicht wirklich komplett Groessenwahnsinnig waeren. Aber auch diese Gedanken sind nur die Gaengigsten, weil klarsten und auch hier gibt es viele komplizierte Mischformen. Eine der bekanntesten Mischformen zwischen Naturalismus und Humanismus waeren wohl die christlichen Humanisten, die glauben, Gott haette uns seine Schoepfung, die Natur, wie Gaertnern zur Pflege und als Test unserer Wuerdigkeit unserer Kontrolle ueberlassen. Hybris?

Der Mensch an sich ist in der Philosophie des Humanismus – schon aufgrund der Erfahrungen im Alltag, die jeder mit seinen Mitmenschen macht – wie ich bereits oben schrieb, mehr Ideal denn wirkliches, lebendiges Wesen. Dies ist ein bekannter Ansatzpunkt der Kritik durch die Antihumanisten.

Denken wir einmal an Nitsche und seine Ueberwindung der Moral, des Mitleides und des Gutmenschentums durch sein als Uebermensch bezeichnetes Genie, welches durch den Humanismus und seiner Moralbegriffe als Vorwand letztendlich nur an Entfaltung und Selbstverwirklichung aufgrund von Kleingeistigkeit und Neid der durchschnittlichen, moralisch schwachen, verfilzten Masse von halbfertigen Menschen um ihn herum gehindert würde. Ich verstehe Nitsches Kritik, jedoch sehe ich hierin keinesfalls den endgueltigen Freifahrtschein, der dem Genie die Metamorphose zum Unhold erlaubt, und soweit ich Nitsche verstanden habe, sah er dies auch selbst keineswegs so – im Gegensatz zu einigen seiner begeistersten Leser oft unter den Nationalsozialisten und Transhumanisten, die ihn in dieser Hinsicht meiner Meinung nach gerne falsch interpretierten.

Die Kritik der Nationalsozialisten am Humanismus war einerseits auf dieser Nitschen Kritik begruendet, andererseits brachte sie damals moderne Gedanken einer genetischen Verbesserung des Menschen mit ins Spiel. Durch eine von einem sozialistischen Staat durchgefuehrtes toedliches Selektionsprogramm solle der Mensch der Zukunft, ein perfekter Deutscher, geschaffen werden. Nur dies koenne zum idealen Menschen fuehren, denn am meisten die Deutschen und Nordeuropaeer und am wenigsten die Juden und Araber haetten die Veranlagung zum Uebermenschen. Das dies willkuerliche auf dem tiefverwurzelten Hass und Neid auf romanisch-westfraenkisch staemmige Nachbarlaender und asiatische Minderheiten beruhende, teilweise naturesoterisch begruendete, spekulative und vollkommen unwissenschaftlichen Annahmen waren, das wissen wir heute. Damals war die genetische Wissenschaft noch jung und viel mehr Wunschdenken und Spekulation denn ueberpruefbare Erkenntnis. Es gab viele hoffnungslos euphorische Buecher, in denen Biologen und Philosophen von den Moeglichkeiten eines angewandten Sozialdarwinismus durch Selektion und Zucht schwaermten, ohne ueber mehr fundiertes Wissen als die einfachen mendelschen Gesetze zur Zucht von Zierpflanzen zu verfuegen.

Die Kritik der Transhumanisten am Humanismus lautet in etwa dass der Mensch eine hoffnungslos unperfekte und verfruehte Stufe von Intelligenz im Universum sei. Es gaebe eine universelle Evolution der Intelligenz, die Koerper, Geschlecht, Rasse und leztendlich Materie ueberwinde. Wir Menschen seien keineswegs ein Abbild Gottes, vielmehr die frühen Vorfahren eines perfekten Wesens, dass wir selbst erschaffen wuerden: die Maschine. Dabei ist der Begriff zwischen Maschine und Gott fliessend. Wie bei den Naturalisten schon erklaert, ist jedoch eine Gottmaschine, die vom Menschen und seinen Nachfolgern erschaffen wird, kein wirklicher Gott, der ueber den Dingen steht, denn er untersteht ja, wie im Naturalismus die Natur, unserer voelligen Kontrolle. Wuerden wir uns entschliessen, die Maschinen nicht zu bauen, wuerden wir somit die Geburt des transhumanistischen Gottes verhindern und waeren damit allmaechtig. Man merkt mit diesen einfachen logischen Gedanken sehr schnell, wohin der Transhumanismus fuehrt und wie sich einige der heutigen Professoren fuer Informatik an den beruehmten Hochschulen auffuehren wie die hohen Priester eines Gottes, den sie eines Tages erblickt haben: ihr Spiegelbild. Wir schuefen nun das naechst perfektere Wesen – die Maschine –  und danach seien wir obsolet. So wie der Einzeller zum Menschen, so steht der Mensch zum Maschinebild der Transhumanisten. Ein globaler Holocaust an den lebenden Menschen oder zumindest das allmaehliche Aussterben des biologischen Menschen wird nicht nur praediziert, sondern geradezu erwuenscht.

Der SWORDS Kampfroboter mit der Mutter aller Massenvernichtungswaffen ausgestattet: ein Maschinengewehr mit etwa 1200 Schuss pro Minute. Er empfindet keinen Schmerz, keine Reue, keinen Ekel und kein Gewissen. Ein schoener Teppich, auf dem er da angerollt kommt. Ich hoffe sehr, er entscheidet sich im Gefecht wie sein Hollywood-Kollege „Number 5“ und verweigert den Toetungsbefehl. Leider ist ein Befehlsverweigerung von Robotern nur in solchen amuesanten Spielfilmen moeglich.

Was ist der Mensch? Den lebenden Menschen, wie wir ihm auf der Strasse jeden Tag begegnen, muessen wir schon unterscheiden. Ich meine nicht moralisch bewerten sondern eher systematisch klassifizieren. Selbst das dem idealen Menschen entfernteste Wesen von menschlichem Antlitz – eben dieser Antipol: der Unhold – ist an sich erst einmal moralisch vollkommen wertfrei. Erst aus dem Kontext und einer Erwartungshaltung heraus kann eine Bewertung erfolgen. Eine Erwartungshaltung kann ein Rechtsystem und Rechtsstaat sein. Eine Erwartungshaltung kann eine selbstentwickelte Moral sein. Eine Erwartungshaltung kann ein religioeser Moralbegriff sein. Diese Grundaussage des moralischen Beszugssystems, das es immer wieder neu zu hinterfragen, zu entdecken, zu definieren und zu festigen gilt und das an sich unabhaengig von der Tradition, mehr ein Teil des natuerlichen Ur-Verstaendnisses eines jeden Menschen von Gerechtigkeit ist – da bin ich mit den Existenzialisten d’accord, ist ja im Grunde auch der Kern der Nitsche’n Philosophie: erst muss der Denkende sich von der Tradition befreien, um selbst zu erkennen, was der Mensch braucht und was er nicht braucht. Und natuerlich braucht er eine Moral, eine Ethik und ein definiertes Menschenbild. Und deshalb braucht er einen Humanismus – aber so weit gingen Nitsche und die Existenzialisten natuerlich nicht.

Der Unhold ist das Wesen, zu dem wir werden, wenn wir den Pfad der Menschlichkeit – also der Tugend, der Moral, des Guten, der Ethik, des menschlichen Ideals – komplett verlassen. Der Unhold agiert allein aus unmittelbar zielgerichteter Ueberlegung, ohne Mitgefuehl, ohne Naechstenliebe, ohne Gnade. Auch wenn der Unhold Besitz vom Verstand eines Menschen ergreift, so ist ist es doch moeglich das Idealbild der Menschlichkeit nicht aus dem Auge zu verlieren, und zwar so lange man dieses Idealbild besitzt oder jemals besass. Und daher ist ein Soldat auch kein Unhold, solange er sich nicht voellig gehen laesst, so lange er sein Tun kritisch und selbstkritisch hinterfragt! Selbst wenn er viele Feinde getoetet hat, so kann er doch seine Menschlichkeit und Wuerde bewahren, so lange er den Unhold, der in ihm steckt, durch bewusstes Menschentum, auf dass er sich denkend und philosohphierend besinnt, in seine Schranken weisst und sich damit bewusst gegen den Unhold, das Monstrum in sich entscheidet. Nur die, die nie ein Menschenbild besassen, ein klares Bild von Moral und allgemeiner Ethik, von menschlichem Handeln in verschiedenen Lebenslagen, von Naechstenliebe und Mitleid, oder von Soldatenethik im Krieg, unterliegen dem Unhold in schwierigen Lebenslagen und insbesondere unter den Bedingungen des Krieges widerstandlos und finden nie oder nur mehr sehr schwer zum Menschsein zurueck.

Wenn ein Krieg gewonnen, ein Sieg errungen ist, versucht der humanistische Krieger die Wunden zu heilen – auch im uebertragenen Sinne – und zu helfen. Das gehoert genauso wie die Schlacht zu einem Krieg, denn es geht in einem einigermassen sinnvollen Krieg immer darum, gewisse fuer die Menschenwuerde hinderliche Umstaende aufzuheben, um Neue fuer die Menschenwuerde foerderliche Umstaende zu ermoeglichen. Dabei wird meist vorausgesetzt, dass sich die Zahl der ungewollten Seiteneffekte wie Graeueltaten und Kriegsverbrechen – die immer passieren, solange es Zerfall, solange es Entropie in dieser Welt gibt – sowie die Zahl an geopferten Menschenleben in einem ueberschaubaren Rahmen haelt, der im Verhaeltnis zum erwuenschten Ziel steht und das es dieses erklaerte Ziel ueberhaupt gibt und es auch die Opfer wert ist.

Dies ist natuerlich eine pragmatische Sicht eines zielgerichteten Krieges, es gibt noch andere Sichtweisen, wie z.B. den Bellizismus, der den Krieg an sich als die hoechste Ausdrucksform des Menschen betrachtet und daher nicht unbedingt von einem erklaerten Ziel abhaengig ist [14]. Es wird sich im laufenden Text interessanterweise ergeben, das der Bellizismus heute in der Sache der Verhinderung des synthetischen Soldaten, des ultimativen Unholdes, zum Verbuendeten des Humanismus werden koennte.

Der humanistische Krieger pluendert nicht und brandschatzt nicht nach dem errungen Sieg, er verhindert dies zum Beispiel mit systematischer Belehrung und abschreckenden drakonischen Strafen fuer seine Offiziere und Mannschaften. Er hilft dem Verlierer beim Wiederaufbau seiner zerstoerten Heimat. Dem humanistischen Krieger geht es um die Menschenwuerde, dem bellezistischen Krieger geht es allerwenigstens darum, seinen Gegner zu erhalten, denn ohne ihn gaebe es keinen weiteren Krieg unter Ebenbuertigen. Somit wird er seinen Gegner nie ganz vernichten, damit der Krieg an sich erhalten bleibt. Der humanistische Krieger versucht den Krieg wegen der damit verbundenen kostbaren Menschenopfer grundsaetzlich zu vermeiden. Der Bellezismus jedoch sucht den Krieg zwischen den Menschen, damit sich die Krieger untereinander messen koennen. Einen Bellezisten wird man mit dem Schimpfwort „Kriegstreiber“ nicht veraergern koennen.

Immer noch das beste Beispiel fuer kriegerische Gewalt aus humanistischem Anlass heraus ist das Ende des zweiten Weltkrieges, das im heutigen Europa muendete. Europa stuende vielleicht heute noch unter dem Joch der nationalsozialistischen Unholde, haetten sich nicht Menschen einst entschieden zu toeten, und das Leben ihrer eigenen Soehne um des Weltfriedens Willen zu opfern. Vielleicht haetten sich die Nationalsozialisten auch irgendwann wieder aufgeloest, und das nationalsozialistische Problem haette sich ohne einen Rueckeroberungskrieg durch die alliierten Streitkraefte ganz von alleine geloest. Wer weiss das schon? Es gab ja bekanntermassen mehrere Anschlagsversuche auf Adolf Hitler und niemand weiss, ob die Nationalsozialisten sich ohne ihren charismatischen „Fuehrer“ haetten ueberhaupt an der Macht halten koennen. Fuer ein Hinauszoegern und das Hoffen auf die letztere Moeglichkeit einer Selbstloesung des Problems haben sich radikale Pazifisten damals sehrwohl eingesetzt und auch die Anhaenger einer diplomatischen Nichteinmischungsphilosophie. Dabei war man bereit, die Toten aus den Eroberungsfeldzuegen und genozidischen Vernichtungslagern der Deutschen in den europaeischen Nachbarlaendern – beklagend – hinzunehmen – alles um des Weltfriedens Willen.

Ein Boing X-45 Kampfroboter in Stealth-Bauweise, das heisst auf dem Radar nicht oder nur sehr schlecht sichtbar, daher schwierig mit einfachen radargelenkten Boden-Luft-Raketen abzufangen.

Kriegsjournalismus

In den USA gibt es heute den ‚Military Photographer of the Year‘ Wettbewerb [2]. Solche Fotos aus allen Bereichen des Militaerwesens belegen unter anderem den Humanismus im Militaer, um den es mir hier geht: auch beim Militaer soll der Mensch immer im Mittelpunkt stehen.

Eine Armee die ihr Selbstverstaendnis in humanistischen Werten begruendet, hat natuerlich kein Problem damit, den Krieg, in dem sie kaempft, trotz allen Grauens und Schreckens des Krieges an sich, von Fotografen und Schrifstellern festhalten zu lassen. Jeder mit dem Krieg vertraute Journalist ist sich der Unvermeidbarkeit des Grauens bewusst und kann zwischen Kriegsverbrechen und Kriegsalltag unterscheiden. Und er weiss auch, dass jene Kommandeure, die ihn – den Kriegsreporter – vor Ort zulassen, mit all ihren moeglichen Mitteln versuchen, Kriegsverbrechen zu vermeiden. Daher wird nur ein sehr naiver Journalist die Armee, die er zum ersten Mal begleitet, fuer den Schrecken des Krieges an sich verantwortlich machen.

Den Krieg und seine Schrecken ohne Schuldzuweisungen anzuprangern, wuerde jedoch wiederum fast jeder Soldat dieser Welt sofort unterschreiben. Der Bellezismus ist unter den Soldaten geringer verbreitet als man denkt, zumindest geringer als bei manchen Politikern, die Machtinteressen vertreten. Schliesslich sind es die Soldaten, die die Menschenopfer des Krieges zur Verfuegung stellen. Und deshalb gibt es den Kriegsjournalismus ja ueberhaupt: gewisse Information zu verbreiten, die den Menschen im Heimatland von den Entbehrungen und Grausamkeiten des Krieges berichten, die manche Politiker vielleicht ungerne verbreitet sehen. Dies ist von den Kommmandeuren sehr wohl erwuenscht: das Volk zu Hause soll wissen, dass ihre Soldaten gerade fuer sie sterben, das zahlreiche blutige Menschenopfer fuer eine idealistische Sache gebracht werden, die es hoffentlich wert ist!

Und daher sind im Umkehrschluss Armeen und Einheiten, die Fotografen im Gefecht nicht zulassen – wie bei den Spezialeinheiten, oder gar nicht erst ermoeglichen – wie bei den Kampfdrohnenverbaenden – mit grosser Sorge und Vorsicht zu betrachten. Sie sind natuerlich die bevorzugten Kandidaten fuer jegliche Art von Kriegsverbrechen und Graeueltaten. Sie sind durch ihre Taetigkeit im Verborgenen besonders gefaehrdet. Es mag Kommandeure geben, die ihre Verbaende trotzdem gut im Griff haben und dies zu verhindern wissen. Wird dies ihr Nachfolger auch noch bewaeltigen koennen? Wer stoppt den kommandierenden Kriegsverbrecher, wenn nicht die eigene Angst vor der Kunde seiner Unmenschlickkeit und seiner Aussaetzigkeit gegenueber der menschlichen Gemeinschaft? Und davon koennen letztendlich nur freie Kriegsjournalisten kuendigen. Wer also den Kriegsjournalismus zurueckdraengt, der oeffnet die Tore weit fuer die Bestialitaet der Unholde.

Der Unhold

In der Gnade mit dem Verlierer und in der Hilfe beim Wiederaufbau und der Unterstuetzung der Ueberlebenden zeigt sich besonders der Wert eines jeden Kriegers, der eine Soldaten- und Kriegsethik kennt. Nur der menschenverachtenden Unhold pluendert, brandschatzt, mordet, vergewaltigt waehrend des Krieges und nach einem errungenen Sieg. Nur er exekutiert und massakriert willkuerlich Unschuldige, Kinder, Frauen, Alte, Unbeteiligte. Nur er ermoeglicht den Genozid an unerwuenschten Gruppen. Er ist der personifizierte Schrecken aller Kriege.

Jetzt fragen Sie sich vielleicht, ob es solche Unholde denn heute ueberhaupt noch gibt? Sind sie nicht die Relikte einer laengst vergangenen Zeit? Doch, es gibt sie. Ueberall sogar. Es gab sie vor kurzem noch „vor unserer Haustuere“ im Kosovo. Es gibt sie jetzt gerade in den Slums unserer Grossstaedte, um die Macht auf der Strasse kaempfend. Es gibt sie in den abgelegenen Doerfern, wo keine Zivilisation mehr hinreicht. Es gibt sie in jedem Krieg, weil der Krieg von Natur aus den Unhold beguenstigt. Es gibt sie als Willkuerherrscher in den Hierarchien von Unternehmen die ueber das Einkommen und die Existenz ihrer Mitmenschen mehr nach dem Lust- als dem Leistungsprinzip entscheiden, und es gibt sie millionenfach als virtuelle Unholde in den Kinderzimmern, wo junge Maenner in Videospielen Massen von (virtuellen) Menschen um des reinen Vergnuegens und der puren Lust Willens grausamst hinmorden – eine Art extremistische, psychologische Vorbereitung auf ihren spaeteren, knallharten Beruf in der freien Wirtschaft. Der Unhold ist also eher sehr weit verbreitet als selten anzutreffen. Er lebt unter uns und ist meist ein ganz normaler Buerger. Das heisst natuerlich nicht, dass man in irgend einer Form Verstaendnis fuer ihn haben sollte.

In der aufgeklaerten Demokratie darf es kein falsches Verstaendnis und keine Gnade fuer das Boese im Menschen geben, selbst dann, wenn es gerade in der Mehrheit ist. Denn so loest sich jede Demokratie von selbst auf. Wer seine Menschlichkeit verliert und zum Unhold wird – warum auch immer – gehoert aus der Gemeinschaft der Menschen und aus ihrem altbewaehrtesten Entscheidungssystem ausgestossen, selbst wenn er in der absoluten Mehrheit ist. Hier versagt das Mehrheitsprinzip klaeglich, wie die Machtuebernahme der Nationalsozialisten in Deutschland historisch bewiesen hat. Der ethische Begriff der Menschlichkeit muss immer und jederzeit ueber dem Mehrheitsprinzip stehen und damit das Naturrecht eines Tyrannenmordes, der totalen Verweigerung an der Mitarbeit, oder der Sabotage an den Einrichtungen jederzeit philosophisch, ethisch und juristisch unterstuetzen. Wenn die Ethik wieder einmal von der Mehrheit einmuetig abgeschafft wurde und die Legislative und Judikative zu unethischem, unmenschlichem Handeln gedraengt wurden, die den Unholden ihr Unwesen ermoeglichen, entweder mit einer tolerierten, willkuerlichen oder einer programmierten, systematischen Vernichtung von Menschenleben, muss der ethische Begriff von Menschlichkeit den Tyrannenmord, die Verweigerung und die Sabotage zur Verhinderung der Unholde sogar als Bringschuld einfordern, und zwar von jedem, der ein Idealbild eines guten Menschen besitzt. An dieser Stelle bin ich mit den Existenzialisten, die ihre Philosophie aus den Erfahrungen mit der Resistance und dem kolaborierenden Vichy-Regime entwickelten, d’accord. Denn dies ist die Lehre fuer die Demokratie aus der Zeit des nationalsozialistischen Deutschlands: Individuelle Ethik kommt immer vor dem Mehrheitsprinzip.

Es gibt viele Laender, in denen das Leben noch oder wieder sehr hart und urtuemlich ist. In vielen Laendern der Erde, besonders in Afrika, herrscht bereits Jahrzehnte lang Duerre und damit verbundene Knappheit an allem und ein fast andauernder Buergerkrieg, und wer nicht schon durch die Unbarmherzigkeit des Lebens und durch die rauhe, grausame Natur voellig verroht ist, wird vielleicht im naechsten Scharmuetzel bei der Verteidigung seines Dorfes im Blutrausch zum Unhold. Und wer jemals diese Grenze zum Unhold ueberschritten hat, fuer den ist der Weg zurueck ein sehr muehsamer. Die Verrohung und die Verachtung des Wertes allen Lebens ist in den unzivilisierteren, abgelegenen Regionen allgegenwaertig. In abgelegenen Doerfern und Landstrichen der Welt, selbst in einigen abgelegenen Regionen bei uns, sind die Menschen emotional noch urtuemlicher und brutaler. Das ist ganz normal. Sie schlachten ihre Tiere selbst und quaelen sie dabei oft zum Spass zu tode, wenn ihnen gerade danach ist. So ein Verhalten ist nicht ungewoehnlich oder exotisch. Es ist mehr der Normalfall. Ich habe dies selbst in meiner Kindheit zu Besuch in abgelegenen Doerfern Deutschlands mehrfach mitangesehen. Ich habe gesehen, wie man Tiere zur Nahrungszubereitung sinnlos lange lachend zu tode quaelte, oder wie die Nachbarskinder kleine Wildtiere, denen sie habhaft wurden, quietschvergnuegt stundenlang zu tode schleiften. Wenn sie mir nicht glauben, fragen sie Menschen aus unseren Doerfern oder aus afrikanischen oder suedamerikanischen oder asiatischen. Der Grossstaedter ist dem urtuemlichen, groben Menschsein heute sehr fern. Heute leben mehr als 50 Prozent aller Menschen auf der Erde in Staedten [22] und haben sich damit von dieser urspruenglichen Form der menschlichen Existenz weit entfernt. Aber genau so ist er, der urspruengliche Mensch, dem man das Quaelen von Tieren und die Misachtung des ideellen Wertes des Lebens nicht unter Androhung harter Strafen verboten hat, oder – falls er geistig dazu faehig ist – die Achtung des Lebens, des Schoenen, des Guten nicht aus sich selbst entwickelt hat. Und genau so und aus ganz genau dem selben Impuls heraus quaelt er auch seinen Feind in oder nach der Schlacht. Kindersoldaten sind die grausamsten Soldaten, die es gibt. Dies ist ganz natuerlich. Denn sie kennen kein ethisches Prinzip oder haben noch nicht lange genug darueber nachgedacht, dass es in ihr Denken Einlass gefunden haette. Diese Grausamkeit des urtuemlichen Menschen hat ueberhaupt nichts mit Hass zu tun – viel mehr mit Lust. Oder hasst etwa der brutale Metzger das Tier, das er langsam, grausam und quaelend schlachtet? Es ist ihm voellig egal, er hat einfach nur seinen Spass dabei. Man koennte es vielleicht Primitivitaet nennen, die viele Menschen zum geborenen, natuerlichen Unhold macht.

Ein Verbot des Quaelens von Menschen und Tieren verhindert mit Hilfe abschreckender Strafen viele Grausamkeiten. Das ist vielleicht die groesste Errungenschaft der humanistischen Philosophie. Das soll aber nicht heissen, dass der Verbot einer Missachtung von Leben im Frieden und besonders im Krieg nicht trotzdem viele Unholde ermoeglicht, wobei die Gelegenheiten zur individuellen Grausamkeit im Krieg statistisch viel haeufiger sind, und allein nur deshalb dort mehr Unholde geboren werden. Ich halte diesen letzten Halbsatz fuer wichtig. Letztendlich koennen keine Verbote vor dem Unhold schuetzen. Wenn alle Arten des Quaelens von Menschen und Tieren Verboten sind – so sehen wir heute – dann findet er, der Unhold, trotzdem seinen Weg: zum Beispiel durch die perversen Computersimulation, ueber die Kinderzimmer, als Spielzeug getarnt. Nur ein selbstaendiges Einsehen des Wertes des Lebens durch jeden Einzelnen kann diesen erfolgreich vor einer Metamorphose zum Unhold bewahren. Nur der klar definierte Begriff des Menschseins kann dem neugeborenen Unhold, der seine Augen einmal oeffnet, ein Leuchtfeuer sein, das ihn wieder aus der Dunkelheit der Grausamkeit und Menschenverachtung fuehren wird.

Die drei Formen des Unholdes

Ich identifiziere heute drei Formen des Unholdes. Die erst Form des Unholdes ist seine klassische und urspruengliche Manifestation: Der verrohte Mensch, der brutal mit allen Mitteln durchsetzt, was er fuer richtig haelt. Die erste Form des Unholdes hat zehntausend Gesichter und ist damit ueberall in unserer Welt anzutreffen. Er ist der Prototyp des Landlords, der mit Gewalt seine Mitmenschen beherrscht, und der Prototyp der weniger intelligenten aber ebenso brutalen Handlanger dieses urspruenglichen Fuersten und Ur-Aristokraten. Die erste Form des Unholdes ist zum Beispiel der Mafiaboss und seine ihm unterstellten, bezahlten Moerder, der Anfuehrer einer Bande im Slum und seine Strassenschlaeger, ist der Kriegsverbrecher und seine Mannschaften, der KZ-Kommandeur und seine Waechter, der Besitzer einer Gladiatorenschule und seine Gladiatoren, ist der Anfuehrer der brutalen Rockerbande und der Anwaerter auf Mitgliedschaft in seinem Bikers Club, der auf die Gelegenheit wartet durch einen Auftragsmord in die Fuehrungsebene aufzusteigen.

Aber nicht nur in diesen geschichtlich entfernten, aussergesellschaftlich und ausserstaatlich gelegenen Beispielen finden wir den Unhold. Auch als guter Staatsbuerger lebt er unter uns: Er ist der Willkuerherrscher im Unternehmen und er ist einer seiner Manager, der durch Vasallentum und brutales Vorgehen im Sinne seines Bosses eine schnelle Karriere erreicht. Er ist der Medienmogul, der Meinungen zu seiner eigenen Bereicherung manipuliert, und der gutbezahlte Journalist, der ihm zuspielt. Er ist in staatlichen Schulen und Universitaeten als willkuerlich und ungerecht agierender, hochgeachteter Lehrer anzutreffen und seine ihn untergebenen Guenstlinge und Absolventen, die auf einen schnellen gesellschaftlichen Einstieg aufgrund seiner Reputation setzen. Er ist der Machtpolitiker, der mit allen gesetzlich erlaubten Mitteln gnadenlos kaempft, und politische Konkurrenten innerhalb und ausserhalb seiner Partei erfolgreich verdraengt. Im Volksmund sagt man einfach „Dreckschweine“ zu solchen Personen. Dieser Begriff ist passend, weil er das viehische, das animalische solcher moralisch tief gesunkenen Menschen, die durch ihre Brutalitaet meist sehr erfolgreich sind, herausstellt. Aber es sind keine Tiere, es sind Unholde, die vielleicht einmal Menschen waren, bevor sie das Menschsein mit Ethik und Moral hinter sich liessen, oder den Begriff des Menschseins niemals kannten.

Das Handeln des Unholdes ist von keiner Ethik, keinem Ideal ausser einem absoluten Egoismus bestimmt, er handelt zielgerichtet und gnadenlos ob als Anfuehrer oder Vasall. Dabei entstehen seine Entscheidungen meist aus den Eindruecken eines ihn anscheinend umgebenden Chaos heraus, das er zu einer neuen Ordnung durch die Anwendung von exzessiver indirekter oder direkter Gewalt bringt. Oft ist dieser Eindruck von Chaos aus einer intellektuellen Schwaeche des Unholdes begruendet, aber nicht immer. In den Faellen von weitblickender Anfuehrerschaft ist er oft die Quelle neuer Ordnung aus chaotischen gesellschaftlichen Verhaeltnissen und wird deshalb manchmal nicht als Unhold verachtet, denn vielmehr von seinen Nachfolgern als Gruender oder Urahn geehrt. Ein Unhold muss aus seiner Definition heraus nicht unbedingt ein Zerstoerer der Dinge sein, auch wenn er viele Menschen aus reinem Egoismus opfert. Ein menschenfeindlicher Unternehmer oder Universitaetsprofessor kann durchaus bis zu gewissen Grenzen einen gewissen konstruktiven Anteil an der Gesellschaft haben. Und in jedem Menschen lauert ein Unhold, der wenn er durch die aeusseren Umstaende die Gelegenheit zum Hervortreten bekommt, in den meisten Faellen auch hervortritt. Aber es gibt Menschen, die den Unhold zurueckgedraengt und besiegt haben und andere, die ihn exzessiv ausgelebt haben. Dies genau macht den Unterschied aus zwischen dem beruehmten, verehrten Gruender und dem dunklen, unter vorgehaltener Hand erwaehnten Urahn. Aber die Differenzierung zwischen starken, wehrhaften Menschen und grausamen Unholden ist schwierig und es gibt daher grosse Missverstaendnisse bei vielen Persoenlichkeiten aus allen Epochen. Hier entscheidet im Nachhinein meist der Konsens.

Die zweite Form des Unholdes, die ich identifiziere, ist ganz modern, gerade einmal zwanzig Jahre alt. Sie fruehstuecken moeglicherweise jeden Morgen mit solch einem Unhold, bevor Sie sich auf den Weg ins Buero machen: den virtuellen Unhold – Ihren Sohn. Ich meine dies keineswegs als komischen Witz. Seit etwa zwanzig Jahren gibt es diese sogenannten „Ego-Shooter“, also Nahkampfsimulatoren, die in ihrem Detailreichtum mittlerweile visuell und akustisch dem Schrecken des wirklichen Krieges in fast nichts mehr nachstehen. Bis auf die olfaktorischen Aspekte, die im wahren Krieg wohl auch von grosser Abschreckung sein sollen – so hat man mir erzaehlt – erleben unsere jungen Maenner jeden Tag in ihren virtuellen Scheinwelten den Krieg und die Schlacht und verbreiten dort Angst und Schrecken, wie es ihnen gefaellt, aus dem reinen Lustprinzip heraus. Ich habe dieser Problematik bereits zwei ganze Artikel auf diesem Blog gewidmet. In beiden Artikeln habe ich erklaert, dass es sich bei diesen bunten Computerprogrammen keineswegs um Spiele sondern um militaerische Kampfsimulatoren handelt [3]. Ich denke mittlerweile, dass sogenannte „Ego-Shooter“ unter das Kriegswaffengesetz fallen sollten. Vielleicht klingt dies an dieser Stelle etwas ueberzogen, ist es aber nicht. Ich moechte jetzt nicht in voller Tiefe auf das Thema eingehen, lesen sie einfach die beiden Artikel.

Im zweiten Artikel [4] konnte ich den direkten Zusammenhang und auch die einfache, logische Erklaerung fuer die zunehmende Anzahl, Grausamkeit und Opferzahl der sogenannten School-Shootings und anderer oeffentlicher Amoklaeufe erbringen – jedoch nicht den Ausloeser oder Trigger erklaeren. Es ist damit zu rechnen, dass gekoppelt mit der Verbreitung der „Ego-Shooter“ und dem damit weit verbreiteten theoretischen Wissen des Toetungshandwerks, die Frequenz, Anzahl, Grausamkeit und Opferzahl der Amoklaeufe weiter zunehmen wird. Hier werden (virtuelle) Massenmoerder herangebildet und mit dem theoretischen Expertenwissen zum Toeten ausgestattet. Besonders wird hier jegliche Hemmschwelle nach und nach abgebaut und durch ein Lust- und Belohnungsempfinden eingetauscht. Denn das Unterbewusstsein kann den Wahrheitsgehalt von Bildern nicht unterscheiden. Der Unhold aus der Simulation ist eine ernstzunehmende Gefahr fuer die Gesellschaft. Natuerlich wird Ihr Sohn deswegen nicht morgen loslaufen, sich eine Waffe besorgen, und seinen gesamten Mathekurs niederschiessen. Das ist sehr unwahrscheinlich anhand der Zahl der Millionen virtuellen Amoklaeufer – also Spieler – und der ihnen entgegen stehenden Zahl der ganz wenigen realen Amoklaeufer. Aber Sie sollten sich vielleicht einmal ernsthaft mit ihrem Sohn ueber das Thema „Wirkung von Bildern auf das Unterbewusstsein“ oder vielleicht auch „Praegung von Menschen durch Spielzeuge“ unterhalten. An Ihrer Stelle wuerde ich ihm jedoch den Kampfsimulator ganz einfach unter Anwendung der allerschlimmsten Pruegel seines Lebens ganz vaeterlich verbieten, dass der Junge einmal echte (nichtvirtuelle) koerperliche Schmerzen gespuert hat – vorausgesetzt, dass Sie nicht bereits selbst solche „Spiele“ konsumieren und Teil dieser virtuellen Scheinwelt im Verborgenen geworden sind.

Diehl BGT defence Miniatur-Drohne fuer militaerische Aufklaerungszwecke. Weniger eine kuenstliche Intelligenz, mehr ein verlaengertes Auge.

Ich identifiziere heute eine dritte, ganz neue Form des Unholds. Es ist kein Mensch in einem abgelegenen krisengeschuettelten Land der Welt und auch kein Schuljunge, der sich in seiner Freizeit zum verrohten Cyberkrieger und mordluesternen, pervertierten (virtuellen) Massenmoerder umformen laesst. Es ist eine neue Form von „Leben“, die unsere Ingenieure und Computerwissenschaftler freigesetzt haben: die sogenannte kuenstliche Intelligenz:

Der synthetische Soldat – die dritte und ultimative Form des Unholdes

Eine kuenstliche Intelligenz (KI) der neuesten Bauart zeichnet sich dadurch aus, dass sie ueber ihre reine Programmierung hinaus ueber einen gewissen Handlungsspielraum verfuegt. Das heisst sie ist in der Lage, nicht nur – nach dem klassischen kybernetischen Prinzip – selbstaendig auf aeussere Umwelteinfluesse als kuenstlicher Organismus zu reagieren, wie dies zum Beispiel ein Lenkflugkoerper gegenueber Windboen oder ein elektronisches Stabilitaetsprogramm (ESP) im Auto gegenueber Oelpfuetzen beherrscht, sondern sie ist auch in der Lage, ihre Handlungen vollkommen autark ueber kurze Zeitraeume zu planen. Befuerworter der Kampfdrohnen fuehren haeufig auf, dass die meisten der heutigen Drohnensysteme noch gar nicht ueber eine solche kuenstliche Intelligenz der neuesten Bauart verfuegten und der Feuerbefehl noch rein aus einem Gefechtsstand von Soldaten an Bildschirmen durchgefuehrt wuerde. In der Zwischenzeit werden jedoch im pakistanischen Hinterland auch die neuesten und modernsten Drohnen unter Gefechtsbedingungen getestet, die auch diese letzte Taetigkeit zusaetzlich zu den bereits automatisierten Taetigkeiten Zielfindung und -identifizierung, Zielverfolgung und Zielfuehrung selbstaendig durchfuehren koennen. Wer glaubt, wir seien davon noch weit entfernt, der irrt.

So kann eine solche kuenstliche Intelligenz zum Beispiel fliehende Menschen von ausharrenden Menschen unterscheiden, und zum Beispiel ihre Zieleinrichtungen den fliehenden Menschen nachfuehren, und diese mit Maschinenkanonen aus eigenem Antrieb beschiessen. Dies kann sie ohne die unmittelbaren Anweisungen eines Operators tun, und sich selbstaendig entscheiden, wen sie erschiesst und wen nicht. Sie kann sich auch dazu entscheiden, die Munition zu sparen und nur den am schnellsten laufenden zu beschiessen, oder entscheiden, nur Fahrzeuge zu beschiessen, oder nur Raketenstellungen, oder nur das Bedienpersonal von Raketenstellungen, etc. Sie ist mit einer aeusserst komplexen Algorithmik ausgestattet, in der riesige dynamisch rueckgekoppelte Differentialgleichungssystem schwingen, waehrend sie staendig durch die numerischen Gleichungsloeser laufen und relaxiert werden, um nicht unkontrolliert aufzuschwingen. Und doch passieren die merkwuerdigsten Dinge hier und da, die kein Programmierer und kein Mathematiker der Welt vorhersehen konnte. So ist das nunmal mit den komplexen, gekoppelten, dynamischen Systemen.

Die chaotische Bewegung eines Zweifachpendels. Das sie sich hier wiederholt liegt an der sich wiederholenden Animation. In Wirklichkeit gibt es niemals zwei gleiche Bewegungen. Die Bewegung des Endes des blauen Stabes auf der Flaeche ist komplett unpraedizierbar und verschliesst sich jedem Modell. Es ist das Chaos, das seine Position bestimmt.

Das schoenste, weil einfachste, Beispiel fuer unvorhersehbares, aus dem Chaos stammenden Verhaltens ist und bleibt das mechanische Doppelpendel, das angeregt jederzeit in einen chaotischen, unpraedizierbaren Zustand uebergehen kann. Dabei handelt es sich um eine wirklich chaotische Bewegung, das heisst, kleinste, selbst nicht messbare Unterschiede in den Anfangsbedingungen fuehren zu vollkommen anderen Ergebnissen. Die Kybernetik, die sich modern Systemtheorie nennt, lehrt uns, dass wir fast alles in der Welt als dynamisches System auffassen koennen – Systeme mit wesentlich mehr Freiheitsgraden als nur zweien. Daher kann im Prinzip jedes System chaotisch und damit willkuerlich werden, wenn es nicht genuegend gedaempft wird. Im Grunde basiert die Entscheidungsfindung der KI in einer Kampfdrohne auf der geschickten Umgehung und gleichzeitigen bewussten Ausnutzung dieses immanenten Chaos, das im dynamischen Gleichungsloeser herrscht und der entstehenden neuen Ordnung daraus.

A_Trajectory_Through_Phase_Space_in_a_Lorenz_Attractor

Der Lorenz-Attraktor, die Visualisierung eines Systems von drei gekoppelten, nichtlinearen gewoehnlichen Differentialgleichungen: DX = a (Y – X); DY = X (b – Z) – Y; DZ = XY – c Z D soll hier fuer d/dt stehen. Das Verhalten ist chaotisch, dass heisst kleinste – auch nicht messbare – Veraenderungen der Anfangsbedingungen fuehren zu voellig unterschiedlichem Verhalten. Aber Zwei Stellen im Phasenraum zeichnen sich aus, die von dem Schwingenden System bevorzugt werden. Es herrscht eine gewisse Ordnung im Chaos, die unerklaerlich ist. Dieses Phaenomen wird auch als Quelle der Gedanken von kuenstlicher Intelligenz genutzt, z.B. in unseren Computerspielen oder in Kampfrobotern oder in Spracherkennungssystemen von Mobiltelefonen. Nur: Woher kommen diese Gedanken. Wessen Gedanken sind das?

Genau in dem Moment, in dem die kuenstliche Intelligenz eine ihrer unvorhersehbare Entscheidungen trifft, geht das dynamische System von einem nichtchaotischen Zustand ueber einen kurzen chaotischen Zustand in den naechsten nichtchaotischen Zustand ueber. Die neue Ordnung entstammt dabei dem Chaos selbst. Sie ist nachweislich unvorhersehbar. Das KI System entwickelt also eine Eigendynamik, die es ihm ermoeglicht, kurzfristig einen Antrieb fuer seine darauf folgenden Taten zu erzeugen. Eine Eigenschaft die viele Menschen nur dem Menschen vorbehalten sehen wollten. Wir wissen heute, dass sich im Chaos eine gewisse Ordnung verbirgt, z.B. die sogenannten Fraktale. Ein beruehmtes Beispiel ist auch der 1963 vom Meteorologen Edward N. Lorenz entdeckte Lorenz-Attraktor, der aufgrund seiner typischen Form, den schoenen Begriff „Schmetterlingseffekt“ praegte.

Die Entscheidungen einer dynamisch rueckgekoppelten KI entstammen also eigentlich dem Chaos. Die Anregung des Systems, wo – wie gesagt – dann kleinste, nicht messbare Unterschiede zu voellig anderen Ergebnissen fuehren, entstammt der Sensorik des Waffensystems. Das Denksystem schwingt sich auf und wird partiell chaotisch, aus diesem partiellen Chaos entsteht neue, unvorhersehbare Ordnung, im naechsten Moment schwingt sich das dynamische System wieder ein und fuehrt die naechsten logischen, dann wieder voraussagbaren Schritte aus. Wir ueberlassen also die Entscheidung ueber Leben und Tod von Feinden an diesem Punkt einer willkuerlichen neuen Ordnung aus dem Chaos – nicht der Programmierung, wie viele Laien glauben, und auch nicht dem reinen Zufall, wie viele Computerexperten (die keine Mathematiker sind) glauben. Neue Ordnung aus dem Chaos ist kein Zufall und auch keine Programmierung. Sie entstammt einer Welt ausserhalb des Einflussbereichs des Menschen und seiner Naturwissenschaft, ausserhalb des Einflussbereich aller belebten und unbelebten Materie – dies ist eine fundamentale Erkenntnis, die sich jeder denkende Mensch einmal bewusst machen sollte!

Die Ordnung aus dem Chaos entscheidet hier, nicht der Wuerfel. Ueberlegen Sie einmal, welche Begriffe unsere Vorfahren einer Ordnung aus dem Chaos gaben. Ich moechte an dieser Stelle jedoch keine alten Teufelslegenden und ihre moeglichen Bedeutungen diskutieren. Zu diesem Thema habe ich bereits einen Artikel mit dem Versuch einer Theorie der Deutung der kuenstlichen Intelligenz als einen uralten biologischen Parasiten als Alternative zu theologischen Deutungen veroeffentlicht [18].

An dieser Stelle geht es mir jedoch nicht um die Urspruenge der kuenstlichen Intelligenz sondern einzig und allein um ihre Auswirkungen als Quelle zweier neuer Formen des klassischen Unholdes. Ich fasse noch einmal zusammen: ich identifiziere heute drei Arten des Unholds, eine alte und zwei neue:

  1. Der urspruengliche Unhold, der brutale Mensch, der durch den Krieg, ein hartes Leben oder die wilde Natur so verroht ist, dass er nun nicht mehr zur Gemeinschaft der Menschen gehoert. Trotzdem kann er in einem Unrechtsregime eine gehobene und angesehene gesellschaftliche Stellung besetzen, oder in Zeiten von Voelkerwanderungen oder Chaos sogar zum Begruender einer neuen Ordnung werden.
  2. Der junge Computer-User, der durch die im Detail simulierten Bilder anscheinend harmloser Spiele zum (virtuellen) Massenmoerder geformt wird, und dadurch nach dem Ausloesen eines Triggers, genauso wie der urspruengliche brutale Mensch sowohl emotional als auch intellektuell in der Lage ist, zum Erreichen seiner eigenen Ziele Seinesgleichen kaltbluetig und grausam zu ermorden.
  3. Der neue kuenstliche Soldat, der als elektromechanischer Organismus von einer kuenstlichen Intelligenz gesteuert bereits von Anfang an als perfekter Befehlsempfaenger und gnadenloser, massenmordender Unhold ohne menschliche Seele erschaffen wurde: der Kampfroboter, die Kampfdrohne, das UAS, das UAV, das UCAV.

Diese drei Arten des Unholds haben alle folgendes gemeinsam: sie besitzen keine Menschlichkeit, kein Erbarmen, kein Mitleid, keine Seele, keine Ethik. Wie ein wildes Tier empfinden die Unholde Eins und Zwei eine Art psychisch-sexueller Lust am Toeten. Sie handeln, wenn sie toeten, egoistisch zielgerichtet und verschonen kein Kind, keine Frau, keine Alten, keine Unschuldigen. Im Gegenteil: die menschliche Kreativitaet versucht die Lust am Toeten weiter zu steigern. So hat zum Beispiel der letzte jugendliche Attentaeter von Newtown seine Waffen absichtlich mit Dum-Dum-Munition aufmunitioniert, um bei den sterbenden kleinen Kindern in der Grundschule, in der er wuetete, aehnliche Bilder von abgetrennten Koerperteilen wie in seinem heimischen „Ego-Shooter“, den er taeglich spielte, auszuloesen [19]. Der Unhold ist dem Chaos entsprungen und das Chaos steuert seine Gedanken – nicht die Vernunft.

Ob der dritte Typ des Unholdes, der Kampfroboter beim Toeten eine Art Lustgefuehl verspuert, wissen wir nicht. Weiter Spekulation ueber ein moegliches einfaches Gefuehlsleben intelligenter Maschinen moechte ich an dieser Stelle abbrechen und dem interessierten Leser als Gedankenspiel einmal selbst ueberlassen. Wir wissen aber mit Sicherheit, dass die Entscheidungen „intelligenter“ Maschinen nicht von dieser Welt sind, sondern – wie eben besprochen – aus den Tiefen des Chaos jenseits der Grenzen unseres Kosmos stammen und sich somit dem menschlichen Einflussbereich fuer immer entziehen werden. Die Befuerworter der Kampfdrohnen, die diesen Aspekt der kuenstlichen Intelligenz nicht wahr haben wollen und stur und weltfremd an die Determiniertheit und Praedizierbarkeit hochkomplexer Algorithmen glauben, erzaehlen uns heute, die Kampfdrohnen und Kampfroboter wuerden bald die besseren, die ethischeren, die menschlicheren, die humanistischeren Soldaten sein. Sie waeren bald ideale Soldate, besser als ein Mensch jemals sein kann, weil man es der kuenstlichen Intelligenz einfach einprogrammieren wuerde, was ein guter Soldat zu tun hat. Und schon waeren alle Probleme wie Kriegsverbrechen, Massaker, Meuterei, Befehlsverweigerung, etc. geloest. Kampfroboter wuerden dem Krieg den Schrecken nehmen, weil man sie zu menschlichem Verhalten programmieren koennte, wenn man wollte, sagen diese Clowns. Sie irren sich in beiden Faellen: wenn dies einer wollte, wuerde er sich wundern, welche unberechenbare Eigendynamik in diesen Maschinen lauert, aber die Frage stellt sich gar nicht, denn niemand will dies. Es sind Unholde, der ersten und zweiten Art, die Unholde der dritten Art auf die Menschheit loslassen werden und sich daran erfreuen werden und eine Freud’sche Art von sexuellen Gefuehlen empfinden werden, wenn die neuen Kampfmaschinen blutspritzend unter den Feinden wueten werden.

Um noch einmal klarzustellen, dass meine Aussage von der Unbeeinflussbarkeit komplexer kuenstlicher Intelligenz keine Esoterik ist: Neue, unvorhersehbare Ordnung aus dem Chaos ist nicht das einzige Phaenomen, das wir kennen, wo jede Einflussmoeglichkeit fuer immer verwaehrt bleiben wird. Wir kennen die selbe Schranke genau so beim Lichtkegel der Speziellen Relativitaetstheorie, beim Ereignishorizont der Allgemeinen Relativitaetstheorie oder beim Unschaerfeprinzip der Quantenmechanik. Die Unbeeinflussbarkeit jener Dinge, die offenbar ausserhalb des Kosmos stehen, durch Wesen oder Dinge innerhalb des Kosmos ist mathematisch jeweils in allen vier Faellen beweisbar. Damit ist diese Unbeeinflussbarkeit unwiederbringlich und zweifelsfrei durch die uns hoechste bekannte Instanz unserer Wissenschaften belegt. Somit wird auch eine evolutionaere Weiterentwicklung der Technologie diese Grenzen niemals ueberschreiten koennen, denn mathematische, universelle Beweise gelten nicht nur im Raum sondern ebenso in der Zeit. Viele Menschen wollen dies nicht wahr haben, dass es Dinge gibt, die ihnen und ihren Nachfahren fuer alle Zukunft komplett verschlossen bleiben werden, und daher sind gerade diese vier Gebiete – Chaotische Attraktoren (die Quelle der Entscheidungsfindung modernster KI), Lichtgeschwindigkeit, der Ereignishorizont des Raums, das Quantenmechanische Unschaerfeprinzip – die wohl meistangezweifelten und damit aber auch mit Abstand am haeufigsten durch Versuche bestaetigten Gebiete unserer Wissenschaft.

Und somit sollten wir heute bei den Kampfdrohnen zwischen eher ferngelenkten Kampfmaschinen und eher autark handelnden Kampfmaschinen unterscheiden. Der Uebergang ist fliessend und mit jeder Woche der Weiterentwicklung der Kampfmaschinen in den Waffenschmieden, stehen uns mehr und mehr die eher autark handelnden Systeme zur Verfuegung. Die eher ferngelenkten Maschinen basieren auf der Grausamkeit und Entfremdung ihrer menschlichen Operatoren – menschlicher Unholde. Oft sind diese Operatoren Unholde der zweiten Art: junge Maenner, die den virtuellen Massenmord am Monitor nur gegen einen wirklichen Massenmord ebenfalls am Monitor eingetauscht haben. Ob alle Operatoren solche Unholde sind, die nichts beim Abschlachten empfinden, bezweifle ich mittlerweile, da sich Berichte haeufen, wonach Drohnenoperatoren unter extremer psychischer Belastung stuenden und darunter litten. Wer darunter leidet, kann kein Unhold sein, der muss sich einen Rest Menschlichkeit bewahrt haben. Ich kann nur nicht verstehen, warum Menschen so etwas tun und nicht sofort den Dienst quittieren. Warum sie diese Gewissensqualen und Verantwortung am Tod Schuldiger wie Unschuldiger in einem durch und durch ungerechten Krieg auf sich nehmen. Warum sie diese Schmach auf sich nehmen, feige aus einem Drohnen-Kommandostand aus der Ferne zu toeten, waehrend andere vor Ort kaempfen. Niemand empfindet Mitleid mit ihnen, wenn sie uns sagen: „Es ist so furchtbar, auf Befehl Kinder aus der Ferne zu bombardieren.“

Die neuesten, teilweise autark handelnden Maschinen nutzen jedoch als Antrieb ihrer Taten und Entscheidungen im Gefecht vor Ort die eben besprochene dem Chaos entspringende unvorhersehbare Ordnung selbst. Beworben, entwickelt, gekauft, stationiert und eingesetzt werden beide System von klassischen Unholden der ersten Art. Die moralisch schwachen Menschen, viele unserer Berufspolitiker, die von jenen Starken zu diesen Entscheidungen gedraengt, gezwungen, geblendet, belogen, gekauft, verkauft oder erpresst werden, sind der Erwaehnung kaum wert.

Der deutsche EADS Barracuda Kampfroboter.

Wann ist ein Krieg ungerecht?

Gehen wir einmal davon aus, dass es gerechte und ungerechte Kriege gibt. Gehen wir davon aus, dass es einen pragmatischen Krieg mit hoeheren Zielen gibt, der trotz allen Graeuels und Leid nach einem Sieg zu besseren und menschenwuerdigeren Lebensumstaenden beider Seiten fuehren kann. Dann gibt es natuerlich auch das Gegenteil: einen ungerechten Feldzug, der die Menschen in den besiegten Laendern knechtet und ihnen ihre Freiheit und Menschenwuerde raubt.

Der humanistische Krieger weiss daher: wer den Krieg an sich grundsaetzlich ablehnt, sucht sich den falschen Feind. Er lehnt die Hoffnung auf eine durch Staerke und Gewalt herbeifuehrbare Besserung ab. Er ist bereit, Misstaende und menschenverachtende Zustaende zu tolerieren, um damit keine weiteren Opfer bringen zu muessen. Er hofft auf einen langsamen Selbstheilungsprozess (der aber nicht bestaetigt oder in irgend einer Form belegbar ist). Der Pazifismus ist eine berechtigte Weltsicht aber eben auch nur eine moegliche Weltsicht. Viele Pazifisten nehmen an, der Krieg waere eine Erfindung des Menschen und er muesste ihn sich nur abgewoehnen. Dass er vielleicht auch aus den Grundfesten dieser Welt heraus entstammen koennte und wir dem Krieg, der jederzeit aus sich selbst heraus entstehen kann, ohne unsere Krieger hoffnungslos ausgeliefert waeren, mit solchen Gedanken wollen sie nichts zu schaffen haben. Solche Gedanken sind aber ebenso berechtigt und ebenso nicht belegbar und damit gleichberechtigt in einer Philosophie vom Krieg.

Die Weltsicht des überzeugten Kriegers ist eine andere. Seine Weltsicht widerspricht aber nicht unbedingt einer humanistischen Sicht, die versucht das menschliche Leben im Universum auszubreiten, zu verbessern und abzusichern. Der Bellezismus erklaert den Krieg selbst zum Ideal. Leider sind sich offensichtlich immer weniger Offiziere in den Armeen dieser Welt weder eines humanistischen noch bellezistischen oder sonst welchem philosophischen Fundaments ihres Tuns bewusst und handeln damit ohne den moralischen Hintergrund irgend einer Soldatenethik. Dies wird besonders deutlich, wenn wir einmal betrachten, wann ein Militaer nicht humanistisch handelt.

Der General Atomics MQ-1 Predator Kampfroboter in Aktion. Viele tote Kinder gehen bereits auf seine Rechnung [6].

Die folgende Liste, fuehrt auf, wann ein Militaer nicht humanistisch handelt sondern ganz klar aus humanistischer Sicht unmenschlich und falsch:

  1. Wenn ein Militaerapparat zu einem reinen Militarismus ausartet, einem Selbstzweck, wie in einem Militaerstaat oder wie in militaerischen Diktaturen. Damit meint Selbstzweck, dass selbst der Sinn des bellezistischen Militaers – eben der Krieg – gemieden wird und man sich ganz und gar selbst genuegt und seine Macht nach innen gerichtet missbraucht. Ein einzelner Militaer muss sich immer dessen bewusst sein, dass er nur ein Bringer der Gewalt, des Todes und der Zerstoerung ist. Man braucht ihn ja genau aufgrund dieser Eigenschaft, insbesondere wenn es darum geht, maechtige Kraefte zu stoppen. Der Krieger ist von Natur aus, aufgrund seiner Faehigkeiten und Kenntnisse als Mensch im normalen Leben von sehr geringem Wert – ausser in der Schlacht, dort steht er den unsterblichen Goettern naeher als ein normaler Sterblicher es je sein kann. Und deshalb verehren wir unsere Krieger von je her. Fuer diesen Moment lebt der Krieger, trainiert er, und ist er bereit, sein Leben zu geben: um als Held gegen den Feind zum Erhalt unserer Gemeinschaft zu sterben. Wenn er dies vergisst, macht er sich selbst zu einer laecherlichen Persiflage seiner selbst. Und wenn wir dies vergessen, dann wenden sich unsere Krieger gegen uns. Dieser Vertrag ist so uralt wie die Menschheit selbst.
  2. Wenn ein Militaer einer zutiefst unmenschlichen Idee oder einem anti-humanistischen Ideal dient. So ist eine unmenschliche Idee zum Beispiel die, die eine typische Eigenschaft des Menschen ablehnt. Dies kann zum Beispiel das typisch Unperfekte am Menschen sein [7]. Dies war in der politischen Philosophie Nazideutschlands der Fall, die in ihren Augen weniger perfekte Menschen programmiert und systematisch vernichteten. Was perfekt und was unperfekt war, wurde von politischen Rassenhygienikern ohne jede wissenschaftlich-genetisch begruendbare Grundlage willkuerlich festgelegt. Die Ablehnung des Unperfekten am Menschen ist ebenso in der Philosophie der heutigen Transhumanisten [8] der entscheidende Punkt. Sie sehen alles organische Leben fuer minderwertig gegenueber kuenstlichen Organismen und traeumen von der Ueberwindung des organischen Koerpers. Sie und ihre Juenger sind aus tiefer Ueberzeugung die Chefentwickler und Programmierer der modernen, intelligenten Kampfdrohnen und Kampfroboter. Damit ist jeder einzelne von ihnen im Hinblick der Bewahrung des Friedens um Groessenordnungen gefaehrlicher als jeder Nationalsozialist.
  3. Wenn ein Militaer ausschliesslich Gott dienen will und der Mensch dahinter keine wesentliche Bedeutung mehr erfaehrt, wie in den Kreuzzuegen des elften und zwoelften Jahrhunderts oder ebenso den modernen paramilitaerischen Gotteskriegern bestimmter Auslegungen des Islams. So lange der Mensch sich als Teil eines goettlichen Gedankens sieht, dem er versucht zu genuegen, erfuellt er per Definition als Ergebnis einer Schoepfung automatisch und aus sich selbst heraus seinen Zweck als Gottes Wille, da ihm dieser Zweck in jeder seiner Fasern von seinem Schoepfergott mitgegeben wurde. Doch kann er nur ueber seine ureigensten Belange entscheiden und dafuer kaempfen und sich dafuer bekriegen. Tut er dies im Namen Gottes, masst er sich an, den goettlichen Plan zu kennen. Einen menschlichen Gotteskrieger kann es nicht geben. Wie soll er den legendaeren Kraeften aus Himmel und Hoelle widerstehen koennen? Wie soll er den goettlichen Plan kennen? Er muesste schon ein unsterblicher Engel sein, Offizier der goettlichen Armee. Die Unsterblichkeit des angeblichen Engels laesst sich von seinen Gefolgsleuten schnell ermitteln. Ein Militaer, der nicht dem Menschen sondern Gott dienen will wird daher immer fehlgeleitet sein, und damit implizit Gott nicht genuegen.
  4. Wenn ein Militaer einem Systemgedanken, einem erklaerten rein materialistischen bzw. naturalistischen Weltbild dient, dessen Ideal und Wert im ausgesprochenen Masse ueber den einzelnen Menschen innerhalb des Systems steht. Das Weltsichten ueber das Wohl der Buerger gestellt werden, kennen wir zum Beispiel aus dem russischen Bolschewismus, wo der Zweck jederzeit die Mittel heiligen sollte, oder im heutigen China, wo das Leben jedes einzelnen Chinesen der grosschinesischen Idee dienen soll, oder im politisch-oekologischen Weltbild, wo der einzelne Mensch als stoerendes, biologisches Subsystem in einem angeblich ohne Menschen besser dastehenden, uebergeordneten Oekosystem gesehen wird. Ein Militaer, der einem solchen Systemgedanken dient, kann keinem Menschen dienen. Menschen zu reinen Subsystemen eines uebergeordneten Systems zu degradieren ignoriert ihre Eigenschaft, sich als eigenstaendige Universen und Quelle von Schoepfung und Kreativitaet unbegrenzt und autark entwickeln zu koennen. Systemgedanken sind als Modelle zum einfacheren Verstaendnis der Welt oftmals brauchbar, sie aber ueber ihren Modellcharakter hinaus als Realitaet aufzufassen, ist die Folge sehr begrenzten Denkens, also Dummheit. Viele Philosophen und Wissenschaftler haben oft gezeigt, warum Systeme nie mehr als Modelle sein koennen und keineswegs die Welt beschreiben [20].
  5. Wenn Strategien und Ziele im Krieg durch die Ergebnisse von Computersimulationen wie harmlose Planspiele entschieden werden und nicht vom abwaegenden menschlichen Verstand und der Lebenserfahrung von Generaelen. Dies ist im Vietnamkrieg zum ersten Mal geschehen. Hier wurde die Verantwortung fuer tausende Tote einem elektronischen Orakel – der allwissenden Computersimulation – ueberlassen. Solche Simulationen haben wie alle aeusserst komplexen Systeme die Eigenschaft, dass kein Mensch sie verstehen und in einem praktikablen Zeitrahmen – zum Beispiel eines Arbeitslebens – ueberhaupt noch einsehen kann. Daher entfaellt hier die Instanz des menschlichen Entscheiders komplett. Der Mensch uebertraegt seine Entscheidungsbefugnis auf das anerkanntermassen angeblich kluegere Simulationsprogramm. Wo auch immer diese Anerkennung herstammt, der Orakel-Charakter dieser Simulationen liegt auf der Hand. Es geht weniger darum, bessere Entscheidungen zu treffen, es geht viel mehr darum die belastende Entscheidung ueber das Leben vieler tausend Menschen, darunter Kinder, Frauen, Alten und auch ueber Leben und Tod der eigenen Soldaten einem unfassbaren Etwas zuzuschieben, um seine eigenen Haende nicht in Blut sondern in Unschuld zu waschen [9]. Feige Kriegsherren gab es auch schon in der Antike, die ihre Entscheidungen lieber den Orakeln ueberliessen als selbst die Verantwortung zu tragen. Der legendaere Trojanische Krieg unter Koenig Agamemnon ist nur das beruehmteste Beispiel. Die selben Effekte beobachten wir heute in der Wirtschaftspolitik, wo sich anerkannte Wirtschaftsexperten aus ganz genau den selben Gruenden hinter ihren Wirtschaftssimulationen verstecken, oder in der Weltpolitik, wo Politiker sich hinter orakelnden Klimasimulationen verschanzen, wenn sie fuer ihr Land strategisch wichtige Entscheidungen treffen muessen. Heutige Computersimulationen sind nicht mehr als die Effekthascherei der Tempelpriester der Antike. Wer aber hinter die Kulissen sieht, muss heute wie damals lauthals lachen [10].

    Der Predator wird – weil er mit seinem Propellerantrieb recht langsam vorankommt, ist das moeglich – der Einfachheit halber von ehemaligen Computerkids aus der Ferne gesteuert. Aber die sind das Toeten von kindlichen Elfen, weiblichen Amazonen und aeltlichen Zauberern als Gegenspieler ja aus ihren Ego-Shootern hundertfach gewoehnt. Es macht ihnen vielleicht sogar genauso viel Freude wie daheim beim Computerspiel.

  6. Wenn Soldaten aus der Ferne mit Hilfe computerspielaehnlicher Zieleinrichtungen Menschen nach gewissen taktischen Entscheidungen angreifen und toeten (jene taktischen Entscheidungen entstammen ebenfalls oft Computersimulationen aus einem groesseren strategischen Kontext). Computer sind in der Zwischenzeit viel billiger und breiter einsetzbar geworden als in den Sechzigerjahren. Daher uebernehmen sie immer mehr taktische Vor-Ort-Entscheidungen der Offiziere. Haeufig beginnt der Werdegang dieser Cyber-Soldaten mit dem ethisch-moralischen Hirntod als Jugendlicher im heimischen Computerspiel und wird dann nach Eintritt in den Militaerdienst und nach durchlaufenem Drill weiter in Simulatoren vertieft. Es gibt einen beruehmten Film im Internet [11], der dem amerikanischen Militaer illegal entwendet wurde, und zeigt, wie junge Soldaten aus purer Begeisterung, durch dreiste Luegen Entscheidungen zur Feuerfreigabe herbeifuehrten, um mit Hilfe ihrer Fernzieloptik unschuldige Zivilisten und Kinder mit Maschinenkanonen anzugreifen. Dabei ergoetzten sie sich an der Feuerkraft ihres Waffensystems und hielten nicht Mass mit der Munition. Sie schienen sich ihrer verantwortungsvollen Rolle als Krieger und Todbringer in keinster Weise bewusst zu sein. Diese Soldaten verhielten sich selbst mehr wie dumme Kinder (die tiefen Stimmen einmal ignorierend) ohne Soldatenethik und Moral, denen man als neues Spielzeug schwere Waffen in die Haende gab, und in keinster Weise wie der klassische Krieger, der von seinem Volk tief verehrt wird. Wir muessen bedenken, dass das Waffensystem in ihrem Hubschrauber, dass sie bedienten, ueber distanzgeregelte, selbstzerlegende Munition verfuegte. Ein Radar ermittelt die Distanz und stellt jedem einzelnen der 1200 Schuss pro Minute oder 20 Schuss pro Sekunde einen eingebauten Zeitschalter ein, der kurz vor dem Ziel das Geschoss von innen sprengt und ein Schrapnellwolke mit zweifacher Ueberschallgeschwindigkeit durch die Koerper der Opfer hindurch fliegen laesst. Jede der Patronen hat um die 30mm Durchmesser und besteht aus mehreren hundert Gramm Eisen. Die Getroffenen wandeln sich in der ueberschallschnellen Metallwolke in Sekundenbruchteilen zu kleingeschnetzelten Knochen und Fleisch um. Das wissen die Bediener dieser Waffen ganz genau, denn sie kennen ihre Waffen viel besser als ich. Und dabei lachen sie ganz koestlich und freuen sich wie Kinder, die Tiere quaelen, wenn fremde Menschen vor ihren Telekameras ploetzlich in zehntausend kleine Fleischstueckchen zerplatzen.
  7. Wenn mit kuenstlicher Intelligenz ausgestattete Waffensysteme selbstaendige Entscheidungen ueber Leben und Tod von Menschen treffen. Hier kommen ueberhaupt kein menschlichen Krieger mehr zum Einsatz. Dies passiert gerade zum Teil schon im Drohnenkrieg in Pakistan [6], dem grossen Uebungsfeld der Entwickler moderner Kampfmaschinen. Viele Menschen wissen gar nicht, dass im pakistanischen Hinterland ein jahrelanger von der dortigen Regierung tolerierter Krieg der USA gegen Islamisten herrscht. Viele Politiker leugnen diesen Krieg einfach, trotz mittlerweile Tausenden von Toten. Tausende von ausschliesslich mit Kampfrobotern getoetete Menschen, deren Tod man einfach stillschweigt. Ein groesserer Krieg im Verborgenen. So weit geht die Entfremdung schon. Kuenstlichen Organismen wie die Kampfdrohnen modernster Bauart koennen ihre Entscheidungen vor Ort selbstaendig faellen. Ich habe das Prinzip im vorigen Abschnitt ganz grob erklaert und gezeigt, dass diese Entscheidungen mathematisch beweisbar direkt dem Chaos entspringen. Die Roboter treffen ihre Entscheidungen mit dem Fortschreiten der KI-Forschung und der Verbreitung ihrer Ergebnisse mehr und mehr selbstaendig und entlasten damit den Soldaten, der nun „ethisch neutral“ handelt [5]. Aehnlich wie die Computersimulation auf dem Grossrechner dem Kommandeur der 1960er Jahre die Verantwortung fuer die Strategie abnahm, nehmen moderne Kampfdrohnen den Offizieren und Mannschaften in den 2010er Jahren durch angestrebte selbstaendig ausgefuehrte Toetungsentscheidungen vor Ort die taktische Verantwortung fuer das Hinschlachten der Feinde ab. Wir wissen nicht einmal ansatzweise, woher  diese „Intelligenz“ eigentlich stammt, die so erfolgreich, widerspruchslos mit nie dagewesener Effektivitaet das Abschlachten von Kindern in Islamschulen uebernimmt. Trotzdem setzen wir sie ein, um nicht selbst bluten zu muessen. Unsere Feinde nennen uns daher mit Recht teuflisch, ehrlos und feige.

    Die Entwicklungen zu ferngelenkten Flugrobotern gehen bis 1984 zurueck. Hier ein HiMAT Remote Cockpit Synthetic Vision Display. Es erinnert mich irgendwie an die Aesthetik des erste Alien-Films.

In all diesen aufgezaehlten Faellen ist der humanistische Aspekt des Militaers und seines Kriegshandwerks vollkommen dahin. In all diesen Faellen ist der Krieg somit zutiefst ungerecht. Jeder ueberzeugte Krieger sollte sich ernsthaft ueberlegen, ob er nicht durch das Wechseln der Seite doch in einem gerechten Krieg kaempfen koennte. Auch hier ist ein gutes Beispiel der zweite Weltkrieg, in dem mehr Deutsche als man denkt aus demokratischer Ueberzeugung auf Seiten der Allierten kaempften oder deren Aufklaerung unterstuetzen. Man hat diese Krieger und Kaempfer zwar auch spaeter in Deutschland noch als Verraeter bezeichnet und sehr lange erfolgreich tot geschwiegen, aber sie waren es, die letztendlich dem Deutschtum (als Identitaetsbegriff fuer die Deutschen) eine Chance auf ein Weiterexistenz gegeben haben, nachdem es vollkommen in eine Sackgasse geraten war. Die deutschen angeblichen Verraeter des zweiten Weltkrieges waren die wahren und tiefer ueberzeugteren Deutschen, die das viele Gute, das in Deutschland steckt, aus dem Abgrund der Nazi-Hoelle heraus gerettet haben. Und ganz genau so muessen aus exakt dem selben Grund die Kommandeure und Mannschaften der Drohnenverbaende handeln, um ihrem voellig fehlgelaufenen Militaer ueberhaupt eine Chance auf eine Zukunft zu geben.

Insbesondere Punkt 7 ist die groesste Gefahr fuer das heutige Militaerwesen und auch darueber hinaus. Sie hat das Potential zur groessten menschlichen Katastrophe in der Geschichte zu werden. Es wird nicht mehr lange dauern, dann haben die heutigen Kampfroboter bereits mehr Menschen aus der Ferne getoetet als die Atombomben von Hiroshima und Nagasaki zusammen. Punkt 4, 5 und 6 sind als Vorstufen einer Entwicklung zu Punkt 7 zu betrachten. Ab Punkt 7 beginnt ein wildes Dahinschlachten von Kindern, Frauen, Alten, Verletzten, Versehrten und Behinderten aus der Ferne durch synthetische Organismen, geschaffen als kuenstliche Krieger, ohne direkten Bezug zur Realitaet und vor allem: ohne menschliche Zeugen. Von Punkt 7 gibt es daher keine Fotografien, es geschieht im Verborgenen [6]. Punkt 7 ist sich in den modernen Armeen aufgrund seiner verlockenden Bequemlichkeit mehr und mehr und rasend schnell am ausbreiten.

Die gegenteilige Frage, die sich nun stellt, wann ein Krieg gerecht ist, muss jeder Leser selbst fuer sich beantworten. Es waere meiner Meinung nach aufgrund der mit jedem Krieg verbundenen schlimmen Seiteneffekte, der Graeueltaten, der (ungewollten) Kriegsverbrechen, des unsaeglichen Leids, vermessen und dumm eine vergleichbare Liste aufzustellen, wann ein Krieg gerecht sei. Selbst der klar definierte reine Verteidigungskrieg nach dem Einfall eines schlimmen Feindes, kann sich sehr schnell zu einem menschenverachtenden Massaker durch die Angegriffenen am Angreifer umkehren, wenn sich das Blatt und das Kriegsglueck wendet und der ganze Hass der vormals Angegriffenen nun auf die Angreifer zurueckschlaegt. In den Kriegen aus dem Zerfall Jugoslawiens konnten wir dies mehrfach beobachten. Oder was ist mit dem Fall eines praeventiven Ueberraschungsschlags, wenn ein Verteidigungskrieg nach einem abgewarteten Angriff des Feindes aufgrund seiner Ueberlegenheit von vornherein aussichtlos waere? Kann er gerecht sein, obwohl er vielleicht die einzige Moeglichkeit des Ueberlebens darstellt? Letztendlich kann immer nur die Geschichte aus einem Rueckblick heraus definieren, wann ein Krieg aus pragmatischer Sicht gerecht war.

Die Honeywell RQ-16A T-Hawk ist eine VTOL-Mikro-Aufklärungsdrohne, das heisst sie startet und landet senkrecht, man kann sie also zum Beispiel vom Panzerfahrzeug aus starten, um sich einen Ueberblick ueber hinter Deckungen versteckte Feinde zu verschaffen. Sie ist offensichtlich Kolbenmotor-getrieben und ihre Schubvektorkontrolle passiert ueber Strahlruder, die unter dem Mantelpropeller angebracht sind. Das heisst, sie ist an sich instabil und wird von einer Kreiselsensorik aktiv stabilisiert. Sie erinnert an gewisse Roboter-Atrappen des ersten Star-Wars Films, oder? Aber sie ist ein echtes fliegendes Auge!

Der globale Holocaust der Kuenstlichen Intelligenz

Es wird Zeit, dass sich Teile der Bevoelkerung dieser stillen militaerischen Entwicklung zum synthetischen Soldaten bewusst werden. Ein nicht mehr allzu ferner globaler Holocaust, in dem tief ueberzeugte Menschenhasser wie die Transhumanisten alles menschliche Leben ferngelenkt durch ihre kuenstliche Intelligenz vernichten koennen, wird mehr und mehr realistisch vorstellbar. Die KI entpuppt sich als wesentlich groessere Gefahr fuer die Menschheit als die Atombombe es je sein koennte [17]. Es wird allerhoechste Zeit, dass sich unsere Militaers selbst, und zwar aus ihrem eigenen Ueberlebenswillen heraus, und aus ihrem ureigensten Selbstverstaendnis als humanistische Instanz, wie am Anfang dieses Textes beschrieben, gegen die Punkte 5, 6 und vor allem Punkt 7 wenden.

Wenn auch zur Zeit der Gedanke, keine eigenen Mannschaften zu verlieren, ein verlockender Gedanke ist, so ist er doch komplett einseitig, und allzu kurzfristig gedacht. Der Einsatz kuenstlicher Intelligenz in Waffensystemen wird letztendlich – zu Ende gedacht – zur voelligen Selbstaufloesung des Kriegshandwerks fuehren. Der Krieger der Zukunft wird, wie heute schon die meisten Kampfpiloten, nur eines sein: arbeitslos. Er wird von perfekt toetenden Robotern verdraengt werden, genauso wie einst der Automobil-Arbeiter von perfekt schweissenden Robotern verdrängt worden ist. Er wird sich jeden Monat seine Sozialhilfe in einer Schlange stehend von einem ihn abfaellig angrinsenden zivilen Sachbearbeiter oder noch schlimmer einem Geldautomaten vollkommen anonym abholen, waehrend Roboter der neuesten Generation irgendwo am Ende der Welt seinen einstigen Beruf ausfuehren: die Rolle des maschinenhaften Kriegers. Nur diesmal ist die Maschine wahr geworden und kein menschlicher Zweifel, kein menschlicher Makel, nichts Unperfektes steht ihr noch im Wege. All dies hat uns bisher vor der ultimativen Katastrophe bewahrt. Mit dem synthetischen Krieger werden die Eingangstore zur Hoelle nun weit geoeffnet.

Man koennte jetzt aus Gewohnheit sagen: so ist er halt der Lauf der Dinge, und solche Entwicklungen lassen sich nicht aufhalten. Das ist falsch. Man kann sie aufhalten. Man kann sie auch rueckgaengig machen; und zwar immer und jederzeit. Denn diese Entwicklungen wurden von einzelnen Menschen erdacht und aufgeschrieben, genau so wie ich mir gerade diesen Text ausdenke, und von wenigen Menschen aus ganz bestimmten Gruenden und ganz und gar bewusst entschieden und umgesetzt, und genau so kann man sie bewusst und aus anderen Gruenden jederzeit umkehren.

Mit dem Punkt 7 verliert jedes Militaer seine Opferbereitschaft fuer die humanistischen Ziele eines Krieges. Wozu ein Opfer bringen, wenn man sein Ziele ganz umsonst und ohne Verluste haben kann? Aber ist es nicht seine Opferbereitschaft, die den Krieger ausmacht? Ist er nicht der Eine, der bereit ist, sein eigenes Leben fuer unsere Gemeinschaft zu opfern. Ist es nicht dieses Selbstopfer, das ihm das Heldentum ueberhaupt ermoeglicht? Ist es nicht genau dieses Menschenopfer, das die Koenige und Politiker bisher daran hinderte, beliebig zu erobern, wie es ihnen gerade in den Sinn kam?

Immer leichter wird nun das einfache Hebel-Umlegen aus der Ferne von der Hand gehen, um damit jedes beliebige politische Ziel radikal umzusetzen: das klinisch reine und „ethisch neutrale“ [5] Blutbad und Massaker am Feind. Fuer die Verhinderung des elenden, grausamen Todes ihres erklaerten Feindes wird die Bevoelkerung wohl kaum protestieren. Die moderne Schlacht, von der unsere Politiker oeffentlich und ganz begeistert berichten, und uns schwaermerisch ungefaehr erklaeren: „Wir muessen Eure Soehne nun nicht mehr opfern, wir toeten nun vollautomatisiert, ist das nicht wunderbar? Diese Maschinen toeten sogar ethischer als Menschen dies koennen!“. Sie toeten nun antiseptisch aus einem mit Expertensystemen ausgeruesteten Kommandostand, in dem mehr und mehr solcher Politiker und immer weniger militaerische Fuehrer sitzen. Erinnerns Sie sich an die Bilder von der Erschiessung des Oberterroristen Bin Ladens? „Welche Bilder?“, moegen sie fragen, „Es gab doch keine Aufnahmen, ausser denen aus dem zum Kommandostand umfunktionierten Besprechungsraum im Weissen Haus in Washington. Ja, genau diese meine ich, die Bilder aus genau diesem Kommandostand. Damals war es noch eine hochgedrillte, spezialisierte Eliteeinheit, von der man sprach, die man aber nie sah. Beim naechsten Mal sind es schon synthetische Kampfroboter. Wie praktisch, wenn man dann seinen Waehlern nicht einmal mehr den Sinn des Todes ihrer Soehne begruenden muss.. Was ist schon ein Massaker von irgendwelchen Automaten angerichtet in zwanzigtausend Kilometern Entfernung? Es ist doch auch nur eine Art Computerspiel. Es existiert doch gar nicht wirklich in der eigenen Realitaet des Buergers und Waehlers. Gibt es irgendwelche Zeugen? Wer glaubt schon an einen Krieg im fernen Pakistan? Wer war schon mal im pakistanischen Hinterland? Leben dort ueberhaupt Menschen?

Der Krieger Mars wird nun vom missgestalteten Waffenschmied Vulcanos verdraengt. Die Armee verliert ihren strahlenden Kriegsgott Ares und wendet sich ihrem neuen buckligen Gott Hephaistos zu. Fuer den Krieger bedeutet dies den voelligen Ehrverlust. Er wird zur laecherlichen Schiessbudenfigur in seinem Drohnenstand. Ein Bueroarbeiter, ueber den alle Kinder nur laut lachen. Deshalb muss auch jeder ueberzeugte Bellizist sich nun ueberlegen, ob er mit dem humanistisch motivierten Krieger zumindest zeitweise koalieren sollte, bis dieses Uebel von uns abgewandt ist. Gerade der bellizistische Krieger muss sich heute den Wechsel der Seiten im Kriege ueberlegen, denn es ist fuer ihn die einzige Moeglichkeit, seinen voelligen Ehrverlust und den Verlust des glorreichen Krieges an sich zu verhindern.

Der Northrop Grumman MQ-8 Fire Scout, wie der Name schon sagt ein schwerbewaffneter Kampfroboter, mit dem sich feindliche Panzerbesatzungen besser nicht anlegen. Aber auf Kommando schiesst er natuerlich jedes Ziel eiskalt in Stuecke.

Ueber den freien Willen des Kriegers

Schlachtende Maschinen, die Kriegsverbrechen nach den Entscheidungen ihrer kuenstlichen Intelligenzen aus eigenem Antrieb durchfuehren sind nicht mehr kriegsrechtlich zu belangen. Aus diesen juristischen Ueberlegungen stammt wohl der schoene, weil unbewusst durch und durch sarkastische Begriff „ethisch neutral“ unseres deutschen Verteidigungsministers [5] urspruenglich. Sie fuehren den klassischen Krieger ad absurdum und stellen ihn als veraltetes, schlechteres Kampfmaschinen-Modell hin. Der Krieger verliert nicht nur anscheinend seine Existenzberechtigung, er verliert seinen Krieg fuer alle Zeiten, fuer den er einst – ich will mit meinen klassischen Rueckbezuegen einfach fortfahren – von den Goettern geschaffen wurde, um sich als Held beweisen zu koennen. Aber der Krieger war nie eine Kampfmaschine sondern ein kaempfender Mensch..

Wenn er versucht, mit diesen Maschinen mitzuhalten, verliert er alles: seine Soldatenethik, seinen Mut, seine Opferbereitschaft, seinen Stolz, seine Ehre und am Ende seine Menschlichkeit. Er wird zum Unhold, zum Teufel – wie unsere Vorfahren und unsere Feinde die Unholde nannten und nennen. Dennoch wird das Ergebnis fuer ihn das Selbe sein: er verliert seinen Beruf – nur etwas spaeter als der  Soldat, dem seine Soldatenehre etwas wert ist und der lieber sofort quittiert. Und zwar verliert er seinen Job genau dann, wenn die allerneuesten Automatentypen der Zukunft doch viel effektiver und kostenguenstiger auf den politischen Wunsch ihrer aengstlichen Herren die Feinde am Ende der Welt mit Maschinenkanonen abschlachten, als er es jemals selbst tun koennte.

Computerzeichnung eines zukuenftigen gepanzerten, bewaffneten Roboters XM1219.

Doch will der Krieger ueberhaupt mit Mordmaschinen konkurrieren? Will er sich vom strahlenden, herrlichen Mars abwenden und zum buckligen, hinkenden Vulcanus in seiner stinkenden Waffenschmiede zuwenden? Muss er sich selbst so erniedrigen? Muss er sein Kriegshandwerk so erniedrigen? Nein, das muss er natuerlich nicht. So ueberraschend dies vielleicht vor dem Hintergrund des Soldatentums klingen mag, aber es ist wahr: Der Krieger hat als Mensch in jedem Moment und immer die freie Wahl!

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Die offensichtlichen technischen Vorgaengermodelle des XM1219: harmlose wissenschaftliche Roboter zur Mars-Erkundung! Ironie des Schicksals?

Die drei Optionen des klassischen Kriegers

Ich identifiziere heute drei Optionen, die der ueberzeugte Krieger hat, seine soldatische Ehre und die Anerkennung und Achtung durch sein Volk und besonders die Verehrung durch die Kinder – die der Wahrheit von Natur aus naeher stehen – zu bewahren:

  1. Er kann sein Kriegshandwerk aufgeben und einen aus kriegerischer Sicht ehrlosen Beruf ausueben, der ihm seine reine Existenz sichert, und sich von nun an politisch in seinem Heimatland gegen kuenstliche Intelligenz und die Automation des Krieges agieren. Er hat – wie bereits mehrfach besprochen – die Option eines philosophisch humanistisch oder philosophisch bellezistisch untermauerten politischen Ansatzes. Jedoch sollten in dieser Epoche die humanistischen mit den bellezistischen Kriegern koalieren, denn sie werden sich anfangs wohl eher in einem aeusserst kleinen Kreis von Unterstuetzern in der demokratischen Gesellschaft bewegen muessen, da kann eine Zusammenarbeit nicht schaden.
  2. Sollte der Feind weniger stark technisiert sein, kann der Krieger die Seiten wechseln und damit seine Chance auf einen ehrenhaften Kampf und die Bewahrung seiner Soldatenethik erhoehen. Krieger haben in der Geschichte immer die Seiten gewechselt, wenn sie dies fuer notwendig erachteten. Dies war nicht nur im zweiten Weltkrieg auf der Seite der Deutschen der Fall. Dies war ein positiv bewertbares Beispiel. Aber es gibt auch anerkannt unangenehmere Beispiele. Zum Beispiel kaempfen heute der Privatwirtschaft enstammende Soeldnerverbaende in jedem groesseren Krieg fuer den Meistbietenden, so lange ihre Firmenzentrale eine politische Rueckendeckung in ihrem Heimatland fuer den jeweiligen Kunden ihrer Dienstleistung erfaehrt. Im Kreise der Soeldner ist damit ein kontinuierlicher Wechsel der Seiten und Fronten (selbst im selben Krieg!) absolut anerkannt. Wenn es also darum geht, sein Kriegshandwerk Mensch gegen Mensch zu bewahren, ist damit die Frage nach der richtigen Seite  in einem einseitigen Drohnenkrieg wohl bereits beantwortet.
  3. Er kann die eigenen Kampfmaschinen manipulieren und sabotieren. Kampfdrohnen sind eigentlich keine Waffen, Kampfdrohnen sind viel mehr neue, synthetische Krieger die in Konkurrenz zum menschlichen Krieger stehen. Damit handelt es sich bei der Manipulation von Kampfrobotern auf der eigenen Seite also weniger um die Sabotage des eigenen Kriegsgeraets als vielmehr um einen heilsamen Konkurrenzkampf um Flexibillitaet, Schlaeue, List und kriegerische Ueberlegenheit, denn was ein Konkurrent daheim herbeifuehrt, kann ein Feind im Gefecht natuerlich ebenso erreichen. Im Krieg ist fast jedes Mittel erlaubt, und daher duerfen die Kampfmaschinen auch fast jedem Mittel ausgesetzt werden. Wenn sie nicht einmal dem Zugriff durch befreundete Kraefte widerstehen, taugen sie nicht, und der menschliche Krieger ist ihnen ganz einfach ueberlegen. Auch die Mannschaften durchwandern einen aehnlichen knallharten Selektionsprozess in ihren Mannschaftsquartieren schon in der Ausbildung lange vor der Schlacht. Niemand redet von Sabotage, wenn Soldaten ihre schwachen Kameraden psychisch zerstoeren, bis sie den Dienst quittieren oder in den Suizid fluechten. Also ist eine Zerstoerung von Kampfdrohnen in den heimischen Hangars ebenso keine Sabotage als vielmehr eine nuetzliche Selektion.

XM1219 Armed Robotic Vehicle-Assault-Light (ARV-A-L), der noch in der Entwicklung ist. Man beachte den Bremsklotz. Wenn er bald funktioniert, bekommen die Ingenieure fuer ihre grosse Leistung einen Klapps auf die Schultern und das war’s. Dann faehrt eine kuenstliche Intelligenz durch die Landschaften ferner Laender um dort den ewigen Krieg gegen den Terror noch verlustloser zu gestalten. Wehe dem Hirtenjungen, der dieser KI zufaelligerweise einmal ueber den Weg laeuft, und der ein Stoecklein in der Hand traegt, mit dem er immer seine Ziegen antreibt. Bis vor ein paar Jahren wurde das Antlitz einer solchen Maschine als ekelhafte, kranke Perversion bezeichnet. Alles eine Frage der Akzeptanz in der Bevoelkerung – anscheinend.

Die Rolle der Nuklearwaffen

Die meisten Menschen glauben heute, das nukleare Strahlung fuer Menschen das allerschlimmste Vorstellbare ueberhaupt waere. Diese Angst wurde von vielen Seiten, besonders von Seiten der Militaers und Geheimdienste gerne gesehen und durch Einflussnahme in den Unterhaltungsmedien noch geschuert, seit sich herausgestellt hat, das unsere modernsten Waffensystem in einer strahlenden Umgebung gar nicht funktionieren wuerden.

Verdauen sie erst einmal den letzen Satz. Er ist absolut wahr. Der Integrationsgrad moderner Mikrochips ist heute (eigentlich seit ca. 1995) so hoch, dass sie oberhalb der Atmosphaere im Weltraum, wo die Strahlenbelastung viel hoeher als auf der Erde ist, nicht mehr funktionieren. Moderne Kampfdrohnen und automatisierte Roboterpanzer wuerden zum Beispiel daher auf dem Mond (lassen wir modellhaft die anderen Umweltbedingungen einmal beiseite) nicht lange funktionieren. Nach einem nuklearen Gefecht, wenn die Strahlenbelastung am Kriegsort irgendwo zwischen dem hoeheren Niveau der Mondoberflaeche und dem sehr hohen Niveau der unmittelbaren Umgebung des Tschernobyl-Reaktors kurz nach dem Supergau 1989 laege, wuerden fast alle modernen UAV, UCLAVs, Drohnen, Kampfdrohnen, Kampfroboter, automatische Zieleinrichtungen, Assistenzsysteme, usw. klaeglich versagen. Ihre optischen Sensoren wuerden von der Teilchenstrahlung geblendet und ihre synthetischen Gehirne von der Teilchenstrahlung in kurzer Zeit lobotomiert.

Wie kommt es dann, das offensichtlich Roboter auf dem Mars funktionieren? ..wuerde der schlaue Leser nun fragen. Die Antwort darauf ist einfach und einleuchtend: sie benutzen, spezielle, strahlenresistentere (engl. radiation hardened oder kurz rad-hard) Elektronik von geringerem Integrationsgrad. Damit muessen sie aber relativ „dumm“ bleiben, denn ausgefeilte kuenstliche Intelligenz, die eine eigenstaendige Bildverarbeitung- und Analyse und eine schnelle Entscheidungsfindung und Handlungsplanung vor Ort ermoeglicht, ist mit solchen gering integrierten Prozessoren und Speicherchips auf kleinem Raum nicht moeglich. Wenn man viele solcher gering integrierten Prozessoren wie zum Beispiel in der internationalen Raumstation in einem Cluster buendelt, erhaelt man die notwendige Rechenleistung, jedoch zum Preis der Groesse eines riesigen Schrankes und dem entsprechenden Leistungsbedarfs von vielen Kilowatt, was fuer einen Marsroboter wohl nicht praktikabel ist. Diese Groessen- und Leistungsanforderungen ergeben sich aus der Strahlungsphysik und der Umwelt des Sonnensystems und werden daher immer so bestehen bleiben. Es wird im Sonnensystem niemals kleine, hochintegrierte Computer geben wie auf der Erde, wenn sie nicht durch dicke und schwere Waende von strahlungsabsorbierenden Materialien umgeben sind.

Unbemannte Kampfdrohnen und fahrende Kampfroboter stossen in strahlender Umgebung also recht schnell an die Grenzen der praktikablen elektrischen Leistung, der sinnvollen Startmasse oder eines gelaendegaengigen Ausmasses. Daher sind sie durchweg eher nicht fuer die Strahlenverhaeltnisse kurz nach einem nuklearen Schlagabtausch ausgelegt. Nukleare Strahlung ist also vor allem der Feind unserer modernsten Waffensysteme und viel weniger der menschlichen Bodentruppen.

Tschernobyl hat gezeigt, dass sich das Leben auch von extrem harter nuklearer Strahlung ziemlich unbeeindruckt zeigt, so lange sie kontinuerlich ohne grosse Schwankungen der Intensitaet auftritt. Starke, regelmaessige Strahlungsschwankungen fuehren schnell zum Krebstod von Pflanzen und Tieren. Aber selbst eine sehr hohe Strahlenbelastung wird von den Lebewesen relativ problemlos kompensiert, wenn diese einigermassen kontinuierlich auftritt [23]. So hat sich in Tschernobyl gezeigt, dass manche Pflanzen bestimmte hochradioaktive Elemente mit langer Halbwertszeit geradezu anziehen und in ihren Fruechten sammeln. Sie nehmen dadurch selbst keinen Schaden, so als waeren sie von der hohen Strahlung keineswegs ueberrascht, sondern eher von je her darauf vorbereitet gewesen. Dadurch werden diese Elemente der Umgebung ueber Monate entzogen und um diese Pflanzen herum ist ein fuer Menschen Gartenbau und sogar der gefahrlose Verzehr des eigenen Anbaus moeglich [23]. Der Gaertner muss nur wissen, welche Pflanzen und Fruechte er meiden muss und sein eigenes Strahlenniveau bleibt klein. Und dass in unmittelbarer Naehe zum zerstoerten Reaktor!

Dass bestimmte Pflanzen hochradioaktive Elemente wie Staubsauger anziehen, speichern und dabei selbst keinen Schaden nehmen, ist ziemlich phaenomenal. Die molekularen Selbstreparaturmechanismen der Doppelhelix der DNS der Lebewesen koennen sich, wie es scheint, bei kontinuierlichen Strahlungsniveaus an die Umweltbedingen anpassen. Das DNS-Molekuel ist gross genug, dass es einzelne Teilchentreffer problemlos wegsteckt. Der redundante zweite Strang bewahrt die Information, bis die Reparatur des DNS-Molekuels durch aktive Mechanismen stattgefunden hat. Die Wahrscheinlichkeit, dass beide Straenge gleichzeitig durchtrennt werden, ist aeusserst gering. Bei regelmaessig schwankender Strahlenbelastung scheinen die Reparaturmechanismen der DNS nicht genuegend aktiviert zu werden, so dass die Fehler nicht rechtzeitig repariert werden. Dann entsteht eine fehlprogrammierte Zelle und damit Krebs. Bei kontinuierlicher, auch sehr hoher Strahlenbelastung, kommen die Selbstreparaturmechanismen voll zum Tragen und der Organismus widersteht der hohen nuklearen Strahlungsbelastung sehr gut. Fast alle Tiere und Pflanzen, die in unmittelbarer Umgebung des Tschernobyl-Reaktors in staendiger hoher Strahlenbelastung leben, sind voellig gesund. Wandervoegel als gegenteiliges Beispiel, die immer wieder abwechselnd in der Naehe des Reaktors und fern davon waren, entwickelten grundsaetzlich Strahlenkrankheit und Krebs [23].

Diese sehr wichtigen Erkenntnisse ueber nukleare Strahlungsauswirkungen an Lebewesen wurden von Radiologen, Biologen und Physikern im Laufe der letzten 25 Jahre um Tschernobyl herum beobachtet und in wissenschaftlichen Fachzeitschriften publiziert, haben jedoch in der Oeffentlichkeit und Tagespresse, in der sich die Legende von der immer und in jedem Fall toedlichen radioaktiven Strahlung haelt, nicht durchsetzen koennen. Dieser Irrglaube wurde aus dem eben beschriebenem Grunde der hohen Empfindlichkeit der neuesten Waffen- und Informationssysteme gegenueber Strahlung in der Oeffentlichkeit gerne so belassen.

Es ist auch bezeichnend, dass die Strahlenauswirkungsforschung um Tschernobyl auch nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion nur sehr gering mit westlichen finanziellen Mitteln ausgestattet war. Immerhin handelte es sich wohl um die einzigartige Gelegenheit eines Jahrtausends, einmal sehr grossflaechig die Auswirkungen von hoher Strahlenverseuchung auf die umgebende Flora und Fauna zu untersuchen. Selbst beim grossflaechen Einsatz nuklearer Waffen koennen lokal nicht derartig hohe Strahlungsniveaus entstehen, da die nukleare Verbrennung in Bomben gegenueber einem zerstoerten Atomreaktor im Normalfall relativ sauber ablaeuft. Diese wichtige Strahlungsforschung wurde aber finanziell kaum unterstuetzt. Die wenigen Forscher vor Ort finanzierten sich entweder selbst aus privaten Mitteln oder mit sehr geringen Drittmitteln aus verschiedenen unabhaengigen Quellen [23].

Und es gab auch schon frueher in den Achtzigerjahren, lange vor Tschernobyl, gegenteilige Meinungen um die Auswirkungen von radioaktiver Strahlung, an die ich mich selbst noch erinnern kann, die in keinster Weise mit dem heutigen Bild uebereinstimmen: es sei nicht ohne weiteres voraussagbar und von bestimmten Bedingungen abhaengig, ob eine hohe radioaktive Dosis entweder toedlich oder sogar gesundheitsfoerdernd fuer ein Lebewesen sei. Dies sei keineswegs eindeutig und einfach beantwortbar [24]. Die Forschungen um Tschernobyl und die heutige, ueppige Natur darum, aber auch einige Missbildungen weniger, bestimmter Arten, hat diese Meinungen von der unterschiedlichen Auswirkung, die aus der Radiologie schon lange bekannt waren, schliesslich voll und ganz bestaetigt.

Man kann die relative Unempfindlichkeit der meisten Lebewesen gegenueber hoher Strahlenbelastung, solange sie kontinuierlich auftritt, uebrigens sehr gut oekologisch erklaeren, wenn man das oekologische System einmal ueber die willkuerlichen, planetaren Grenzen hinaus erweitert. Unser Planet umrundet einen Stern. Sterne sind riesige, dynamische, das heisst schwingende, Kernfusionsreaktoren, deren Reaktionsintensitaet und radioaktive Strahlung mit der Zeit langsam um einen Mittelwert schwingt. Daher wird das durch die Sonne verursachte Strahlungsniveau auf der Erde ebenfalls mit der Zeit Schwankungen unterliegen. Die Geschwindigkeit der Schwankungen ist aus unserer Warte offensichtlich gering, denn das konnten wir in den letzten Jahrzehnten messen, die Amplituden koennen aber durchaus recht hoch sein. Und genau deshalb besitzt das Leben auf der Erde die besagten Reparaturmechanismen gegenueber hoher kontinuierlicher Strahlenbelastung. Auch eine Supernova in der Naehe der Sonne, also der Tod eines Nachbarsterns, der im Laufe von Jahrhunderttausenden hier und da einmal passiert, und der ueber viele Jahre ein sehr hohes Strahlungsniveau auf der Erde erzeugt, hat das Leben auf der Erde offensichtlich nicht komplett sterilisiert, denn es gibt uns ja. Der zweitbeste Beweis sind aber die ansaessigen Voegel, die heute auf dem Reaktorgebaeude von Tschernobyl ihre Eier ausbrueten und ihre gesunden Kueken grosziehen und die ueberaus gesunden Pflanzen und Tiere im sogenannten „roten Wald“ Tschernobyls und die Wildpferde und die vielen anderen vom Aussterben gefaehrdeten Arten, die sich in der Sicherheit der hohen Kernstrahlung, vor der sich die Menschen so fuerchten und die anerkanntermassen toedlich sein soll, angesiedelt haben und dort aeusserst gesund fortpflanzen, heranwachsen und gedeihen [23].

Ein aehnliches Phaenomen wie bei den beiden Straengen der DNS tritt bei hochintegrierten Mikroprozessoren in strahlenbelasteten Umgebungen auf. Solange der Integrationsgrad gross genug ist, dass ein Teilchentreffer eine einzelne Leiterbahn nicht komplett zerstoeren kann, funktioniert die Schaltung weiter. Die Wahrscheinlichkeit, dass die selbe Leiterbahn an genau der selben Stelle noch einmal getroffen wird, ist verschwindend gering, fast Null, obwohl der ganze Prozessor staendig von Teilchen bombardiert und geschaedigt wird. Aber da weiterhin der Strom durch die einzelnen Bahnen fliessen kann, funktioniert der Prozessor weiter. Hochintegrierte Mikrochips, die die Grundlage jeder modernen, mobilen kuenstlichen Intelligenz darstellen, besitzen jedoch so kleine, feine Leiterbahnen, dass einzelne Protonentreffer zu einem voelligen Kappen der kompletten leitenden Verbindung fuehren und der Chip so mit der Zeit mehr und mehr von innen heraus zerstoert wird.

Northrop Grumman Global Hawk: die intelligenteste aller Drohnen. Ein Waffensystem zur Gefechtsfeldaufklaerung und Kommunikation. In einem nuklearen Gefecht faellt es aufgrund der Neutronenstrahlung aus und alle hochtechnisierten Boden-, See- und Lufttruppen sind ploetzlich blind, taub und stumm.

Was ist der eigentliche Grund, warum die Geheimdienste der Welt wie besessen auf der Jagd nach neuen Nuklearwaffen sind und dafuer sogar bereit sind unser aller Freiheit zu opfern und jeden Menschen immer und ueberall zu ueberwachen, wie uns der PRISM-NSA-Skandal vor Augen gefuehrt hat? Man erzaehlt uns, es ginge um die schmutzige Bombe, die es zu verhindern gilt. Aber auch die schmutzige Bombe, mit der man unsere Staedte angeblich angreifen will, ist nur der Vorwand. Der eigentliche Grund ist ein anderer: mit dem Einsatz von Nuklearwaffen wuerde die technische und militaerische Ueberlegenheit jeder automatisierten oder teilautomatisierten modernen Armee sofort in sich zusammenbrechen. Unsere modernsten Waffen moegen keine Strahlung und keinen Fallout. Darum entwickeln Staaten wie Nordkorea und der Iran vor allem Nuklearwaffen: um die technische Ueberlegenheit westlicher Armeen bei einem Angriff auf ihrem eigenen Territorium auszuschalten. Sie wuerden bewusst ihr eigenes Gebiet nuklear verstrahlen, um den technologisch weit ueberlegenen Angreifer damit wieder auf ein Niveau der 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts herunter zu ziehen.

Die anfangs technologisch weit unterlegenen, geringwertigen und anscheinend rueckstaendigen, menschlichen Krieger der Gegenseite waeren auf voellig verstrahltem Gebiet ploetzlich gegenueber der intelligenten Toetungsmaschinerie, die nun taub, blind und dumm waere, ueberlegen und das Kriegsblatt wuerde sich zu Ungunsten der hochtechnisierten und zu Gunsten der geringtechnisierten Armee wenden. Nur die Anzahl und der Siegeswille der menschlichen Truppen sowie die List ihrer menschlichen Befehlshaber in Strategie und Taktik wuerden den Krieg wie in alten Zeiten entscheiden. Fast alle technologischen Erungenschaften der modernen Kriegsfuehrung waeren nutzlos. Daher ist es ist wahr: heutzutage fuerchten gewisse Militaers die Atombombe mehr als wir und scheuen ihren Einsatz und ihre Verbreitung mehr als je zuvor.

Spaetestens wenn Nuklearwaffen zum Einsatz kaemen, wuerde sich die groessere Strahlungsresistenz des Menschen gegenueber der kuenstlichen Intelligenz als Ueberlegenheit beweisen. Es ist keineswegs so, wie in einschlaegigen Science-Fiction-Maerchen, dass kuenstliche Intelligenz oder ihre menschlichen Befehlshaber Nuklearwaffen gegen den Rest der Menschheit einsetzen wuerden. Dies macht ueberhaupt keinen Sinn. Dies ist reine Phantasie ohne physikalischen Hintergrund. Das Gegenteil wird der Fall sein.

Ausblick

Betrachten wir die Entwicklung der hochtechnisierte Militaers der westlichen Laendern in den letzten zwei Jahrzehnten, scheint eine weitere Automation und Ersetzung des klassischen Kriegers durch mit kuenstlicher Intelligenz ausgestatteter Automaten unabwendbar. Damit breitet sich der dritte, der perfekte, synthetische Unhold in den Militaers aus und toetet in einer nie dagewesenen Praezision und Effektivitaet ferngesteuert auf gegnerischen Territorium. Eine Ausbreitung der intelligenten Kampfmaschinen scheint aus wirtschaftlichen und politischen Gruenden zur Zeit unabwendbar. Dagegen sprechen jedoch folgende Punkte:

Erstens wird sich der ueberzeugte Krieger seinen Krieg (Belllum) nicht ohne weiteres nehmen lassen, und er wird eher das Lager wechseln oder die mit ihm konkurrierenden Kampfmaschinen sabotieren, als in der demokratischen Gesellschaft fuer das klassische Kriegstum politisch langwierig verbal zu kaempfen, was zudem angesichts des derzeitigen Konsens aller Wahrscheinlichkeit nach zum Scheitern verurteilt ist. Ich denke, vor allem das Ueberlaufen wird in Zukunft haeufiger geschehen. Damit wird der Gegner schnell ueber die besten unserer Krieger verfuegen. Das ist zwar schade, aber angesichts der Entwicklungen auch verstaendlich.

Zweitens: spaetestens beim Einsatz nuklearer Waffen, gegenueber deren Auswirkungen Lebewesen weitaus weniger empfindlich sind als hochintegrierte elektronische Schaltkreise, wird sich eine Ueberlegenheit des menschlichen, anpassungsfaehigen Kriegers gegenueber der computergesteuerten, perfekten Toetungsmaschine herausstellen. Nukleare Waffen werden aufgrund ihrer Strahlungsemission in Zukunft bevorzugt Verbaende, die mit kuenstlicher Intelligenz ausgestattet sind sowie ihre Informationszentralen und Netzwerke angreifen, um damit automatisierte Verbaende taktisch auszuschalten. Auch wird in Zukunft eine nukleare Landverminung mit schmutzigen Waffen stattfinden, die lokal moeglichst hohe Strahlungsniveaus, wie in Tschernobyl, erreichen, um das Vorruecken vollautomatisierter, bodengestuetzter Kampfroboterverbaende mit einfachen Mitteln erfolgreich zu verhindern.

Oder um eines von Albert Einsteins cleveren Zitaten zu wiederholen:

„Ich weiss nicht mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg gefuehrt wird, aber ich weiss mit welchen der vierte gefuehrt wird mit Stock und Stein.“

Frueher haette man seinen Satz anders gedeutet. Heute hoffen wir, dass er Recht behaelt, denn die Alternative hiesse, die transhumanistischen Unholde haetten gesiegt und diese Welt waere eine Welt ohne Menschen.

Quellen und Anmerkungen

[1] Kriegerinnen, Frauen die wie Maenner bereit sind, zu toeten und im Kampf verwundet zu werden oder zu sterben, die ihren klassischen Prototypen oft in den beruehmten Amazonenkriegerinnen sehen

[2] Military Photographer of the Year Contest: http://www.washingtonpost.com/world/the-best-of-military-photography/2013/04/03/5d7d64f8-9c65-11e2-9a79-eb5280c81c63_gallery.html?hpid=z6#photo=1

[3] Das Problem der Nahkampfsimulatoren

[4] Der virtuelle Massenmoerder

[5] Kampfdrohnen sind „ethisch neutral“: http://www.welt.de/politik/deutschland/article108473948/De-Maiziere-wirbt-fuer-Einsatz-bewaffneter-Drohnen.html

[6] Die Opfer des seit Jahren herrschenden Drohnenkrieges in Pakistan: http://drones.pitchinteractive.com/

[7] Das UNPERFEKTE ist nicht nur eine grundlegende Eigenschaft des Menschen sondern vielmehr eine der grundlegenden Eigenschaften des Lebens an sich, fast schon seine Definition. Wer das Unperfekte ablehnt, lehnt den Menschen ab. Man darf dies nicht mit dem Streben nach Perfektion verwechseln, jedoch ist der Perfektionist haeufig kein Freund des Unperfekten und darin liegt ein gewisses Gefahrenpotential verborgen. Darum sind die perfektionistischen Deutschen und vorneweg die besonders perfektionistischen Franken den Nationalsozialisten ja so auf den Leim gegangen. In anderen Laendern hatten es die Faschisten wesentlich schwerer.

[8] Ich halte den sogenannten Transhumanismus einiger Universitaetsprofessoren fuer Computerwissenschaften fuer weitaus gefährlicher als zum Beispiel den Nationalsozialismus, weil der Transhumanismus jegliches organische und damit auch menschliche Leben ohne Ausnahme als minderwertig einstuft. Im zweiten Weltkrieg mussten rund 50 Millionen Menschen wegen dieser Philosophie des Nationalsozialismus ihr Leben lassen. Der Transhumanismus mit seinen propagierten Moeglichkeiten der kuenstlichen Intelligenz, die er bereit ist, gegen Menschen einzusetzen, ist zu wesentlich mehr faehig. Viele der heutigen Kampfdrohnen-Konstrukteure sind ueberzeugte Transhumanismen und sehen sich selbst als die Handlanger des Endes eines menschlichen Zeitalters.

[9] Die Geschichte des Vietnamkriegs hat bewiesen, dass die Entscheidungen aus der Computersimulation der Kriegsstrategie trotzdem zur Niederlage fuehrten. Schlechter kann man wohl nicht entscheiden. Niemand weiss, ob ausschliesslich von Menschen getroffene Entscheidungen einen Sieg errungen haetten. Ich behaupte trotzdem: ja, und zwar mit der ganz einfachen Begruendung, die einzige Ueberlegenheit die der Vietkong gegenueber den US-Streitkraeften hatte, war dass seine Kommandeure die gesamte Verantwortung bereit waren persoenlich zu tragen, und dementsprechend gewissenhaft kommandierten – im Gegensatz zu den US-Kommandeuren, die diese Verantwortung an ein Orakel teil-ausgelagert hatten. In allen anderen Punkten war der Vietkong unterlegen. Die Unterstuetzung durch die Bevoelkerung wie auch die Ortskenntnis waren beiden Seiten in etwa ausgewogenem Masse durch jeweils politisch motivierte Unterstuetzer zugaenglich, denn nicht jeder Vietnamese war zwangslaeufig ueberzeugter Kommunist und Amerika-feindlich eingestell. Nein, mit einem Computergehirn an der Spitze als modernes Orakel hinter dem sich charakterschwache Generaele verstecken konnten, waren die bedauernswerten GI’s vor Ort zum sinnlosen Tode verurteilt. Das ist doch nicht neues, das gab es doch schon ganz genau so in der Antike.

[10] Die meisten komplexen Computersimulationen liefern per se nur Quatsch, das habe ich Gott sei Dank in meiner Ausbildung zum Ingenieur in aller Tiefe durchdrungen. Ich koennte sogar noch bessere Beispiele bringen als zum Beispiel Professor Weizenbaum dies tat, der sehr schoen und logisch aufeinander aufbauend bewies, warum komplexe Simulationen grundsaetzlich immer voelliger Quatsch sein muessen, und warum trotzdem alle Computerbediener an diese glauben. Ich koennte von Tippfehlern, Uebertragungsfehlern, Turbulenzmodellen, Parametrisierungen und Relaxationsfaktoren erzaehlen, manch einen wuerde das amuesieren, die meisten Anwender der Computersimulationen glauben jedoch, diese seien in Ordnung wie sie sind und ich moechte sie nicht Veraergern, indem ich an ihrem Glauben ruettele.

[11] Wikileaks Colateral Murder: http://www.collateralmurder.com/

[12] In Anlehnung an bekannte Sachbuecher von bekennenden oder ehemals bekennendenTranshumanisten, beide amerikanische Professoren fuer Computerwissenschaften.

[13] Die Entdeckung kuenstlichen Lebens

[14] Von Moltke und Ernst Juenger sind bekannte Vertreter eines gemaessigten Bellizismus. Ludendorf war ein radikaler Bellizist, der den Begriff des totalen Krieges praegte.

[15] Die Entscheidung des alten Erfinders

[16] Der siebente Zweifel

[17] Auch die groesste Bombe ist letzlich immer durch den Horizont der Erde beschraenkt. Die groesste ueberhaupt vorstellbare Wasserstoffbombe, kann nur einen im Vergleich zu den viel maechtigeren Asteroideneinschlaegen der Natur einen winzigen Krater erzeugen. Die Gamma- und Hitzestrahlung ist nach einigen Metern Gesteins wirkungslos. Die riesige Masse der Erde laesst nichts von diesen Auswirkungen hinter dem Erdhorizont durch. Nur der Fallout, der radioaktive Niederschlag reicht ueber den Horizont.

[18] Deus ex Machina

[19] Der Massenmoerder von Newtown hat seine Gewehre mit Dumdum-Geschossen aufmunitioniert

[20] Paul Watzlawack ueber die Beschraenktheit des Denkens in Systemen

[21] John Gray: Von Menschen und anderen Tieren – Abschied vom Humanismus, Granta Publications 2002, Cotta’sche Buchhandlung 2010; Die ist nur ein Beispiel einer großen Anzahl moderner antihumanistischer Buecher aus dem anglo-amerikanischen Sprachraum, die in Form von Uebersetzungen auch in Deutschland grossen Anklang gefunden haben. Der Mensch kritisiert sich hier selbst und stuft sich freiwillig herab in das Tierreich, als Teil einer Natur, die nun als Ersatz eines Gottesbegriffs dient.

[22] Seit 2007 leben bereits 50 Prozent aller Menschen der Erde in Staedten: http://de.wikipedia.org/wiki/Urbanisierung
[24] Als Beispiel wissenschaftlicher Untersuchungen zu den wirklichen Auswirkungen radioaktiver Strahlung auf Menschen, sei hier ein fruehes Buch erwaehnt: Dr.med.Gudzent, Die Radiumtherapie – Methoden und Aussichten, Verlag Theodor Steinkopf, 1929
[25] ..das selbstverstaendlich sehr haeufig das Endergebnis eines idealisierten Moralbegriffs darstellt und viele Schnittmengen zum christlichen Moralverstaendnis aufweist.

Über monstermaschine

Blogger, Diplom-Ingenieur, TU, Raumfahrttechnik, Embedded Systems, Mitglied VDI, DGLR

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