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Unsterblichkeit und die Auferstehung der Toten

– Wege und Methoden aus Sicht der Oekologie

Die ersten Lebewesen, die auf der Erde entstanden, alterten nicht. Und auch heute gibt es noch viele Lebewesen auf der Erde, die keinem Alterungsprozess unterliegen. Erst vor kurzem hat man bei Oelbohrungen eine uralte Bakterienkultur entdeckt, deren Individuen zum Teil schon seit 64 Millionen Jahren lebten. Ihr Alter wurde mit physikalischen Methoden mit hoher Praezision bestimmt. Es gibt niedere Tiere im Ozean die werden ueber 10.000 Jahre alt. Es gibt Nadelbaeume im Hochgebirge, deren Alter man auf ueber 9500 Jahre bestimmt hat. Baeume gehoeren neben den Wirbeltieren zu den komplexesten Lebensformen auf dem Planeten. Bei den Wirbeltieren kennt man den Groenlandwal, der eine durchschnittliche Lebenserwartung von weit ueber 200 Jahren hat. Frueher hat man nicht geglaubt, dass Leben so alt werden kann. Nachdem man die ersten uralten lebenden Organismen entdeckte, hat man angenommen, dass es vielleicht mit der Komplexitaet oder Groesse des Organismus zusammenhinge, wie alt dieser werden koennte – diese Meinung hat sich als falsch herausgestellt. Heute spricht man vom programmierten Altern und weiss das die innere Lebensuhr der Zellen von Art zu Art ein Optimum aus Fortpflanzungs- und Ueberlebens- und Anpassungsfaehigkeit darstellt, unabhaengig von Groesse und Komplexitaet der Art. Aus der Population jeder Art kann man mit viel Geduld quasiunsterbliche Wesen zuechten.

Unsterblichkeit in der Natur

In der Einfuehrung zu diesem Text ging es mir darum, anzudeuten, dass Unsterblichkeit – genauer Quasiunsterblichkeit – erst einmal gar nichts besonderes ist und auch nie war. Das Leben ist von Natur aus quasiunsterblich, hat aber mit der Zeit das programmierte Altern auf zellularer Ebene erfunden, um jeder Art ihre optimale Lebenszeit zuzuteilen. Die optimale Lebenszeit ist bestimmt durch das Nahrungs- und Platzangebot, die Fortpflanzungswahrscheinlichkeit, die Umwelbedingungen wie das Vorhandensein von Fressraeubern und viele andere Faktoren mehr. Fuer manche Arten ist es von Vorteil sich schnell und zahlreich fortzupflanzen bevor die statistische Lebenserwartung durch die Umwelt, meist durch Praedatoren, erreicht wird, fuer andere ist es existenziell, lange genug zu leben, um ueberhaupt einem Sexualpartner zu begegnen, wieder andere muessen ihren Nachfahren schnell Platz machen, dass der Generationenwechsel moeglichst schnell stattfindet und die evolutionaere Entwicklung der Art mit den Umweltveraenderungen mithalten kann. Die Natur gibt jeder Art die Lebenszeit, die im oekologischen Kontext am sinnvollsten ist. Diese Lebenszeit reicht von einigen Tagen bis millionen Jahre unabhaengig von Groesse und Komplexitaet der Arten. Die Prozesse, die dabei die durchschnittliche Lebenserwartung der Individuen bestimmen, sind faszinierenderweise geradezu trivial und von jedem auf Anhieb zu verstehen. Ich erklaere sie gleich.

Es ist ohne weiteres moeglich jede Art innerhalb einer Zeitspanne von groessenordnungsmaessig tausend Generationen hin zu extremer Langlebigkeit zu zuechten und auch umgekehrt hin zu extremer Kurzlebigkeit, wenn man sich die Prinzipien der Populationsgenetik zu Nutze macht. Das populationsgenetische Prinzip der Lebenserwartungsoptimierung entspricht ungefaehr folgender Ueberlegung: Solange Organismen sich jung fortpflanzen koennen, treten fuer die Reproduktion der Art Gendefekte, die erst in einem Alter nach der Reproduktion auftreten, nicht in Erscheinung. Man spricht dabei auch vom Selektionsschatten. Wenn man jedoch die Zeit der Reproduktion kuenstlich nach hinten verschiebt, indem man Maennchen und Weibchen voneinander trennt, wird die Reproduktionsrate sinken und werden vor allem alle Organismen, die einen Gendefekt besitzen, der spaeter auftritt als das urspruengliche Reproduktionsalter aber noch vor dem neuen Reproduktionsalter, vor dem neuen Reproduktionsalter sterben oder unfruchtbar werden, und sich nicht mehr zum Zeitpunkt des neuen Reproduktionsalters vermehren koennen. Damit wird dieser Gendefekt im Erbgut allgemein eleminiert, weil die Organismen, die ihn in sich trugen, sich nicht mehr reproduzieren konnten. Das fuehrt wiederum dazu, dass die durchschnittliche Lebenserwartung wie auch das Fruchtbarkeitsalter der Population zunimmt, da bestimmte Gendefekte, die sonst Lebewesen in einem Alter zwischen ihrem urspruenglichen Reproduktionsalter und dem neuen Reproduktionsalter toeteten oder den Organismus schwaechten, nicht mehr auftreten.

Was im Labor durch eine Trennung von Maennchen und Weibchen geschieht, passiert in der Natur durch grosse Distanz und daraus resultierender geringer Paarungswahrscheinlichkeit. Die dann nach dem eben erklaerten Prinzip von selbst auftretende hoehere durchschnittliche Lebenserwartung der Individuen ist natuerlich auch die Voraussetzung, die Fortplanzungswahrscheinlichkeit statistisch zu erhoehen. Das heisst das lange Leben der Individuen garantiert bei geringer Paarungswahrscheinlichkeit ueberhaupt die Aufrechterhaltung der Population.

Umgekehrt, wenn man die Maennchen und Weibchen anfangs zusammenlaesst und ab einem festgesetzten Alter fuer immer voneinander trennt und dieses Alter mit der Zeit immer juenger macht, wird die durchschnittliche Lebenserwartung durch den auftretenden Selektionsschatten (und den darin fuer die Reproduktion irrelevanten Gendefekte) sinken, aber die immer hoehere Reproduktionsrate (durch das schnelle Zusammenbringen) wird dies ausgleichen. Das Genom dieser Populationen wird voller Fehler sein, die aber fuer die Reproduktion keine Rolle spielen, weil sie erst nach dem Reproduktionalter auftreten. Diese vielen Fehler im Genom sind aber wiederum die Quelle vieler moeglicher Mutationen, die eine schnelle Entwicklung der Art ueber die schnelle Reproduktionsrate ermoeglichen. In der Natur geschieht diese Trennung von Maennchen und Weibchen zum Beispiel durch eine hohe statistische Sterblichkeit aufgrund von vielen Fressfeinden.

Es gibt noch einige andere Mechanismen in der Populationsgenetik, die ebenfalls zum Teil auf die durchschnittliche Lebenserwartung der Individuen wirksam sind und das Gesamtbild etwas verkomplizieren, aber die eben beschriebenen einfachen Prinzipien der Lebenserwartungsanpassung nach jung oder alt dominieren. Man kann es im Labor an schnellebigen sich sexuell fortpflanzenden Organismen in relativ kurzen Zeitraeumen ueber viele Generationen jederzeit nachstellen und deren vererbte durchschnittliche Lebenserwartung kuenstlich vervielfachen oder auch stark reduzieren. Die Alterungsrate eines Organismus laesst sich evolutionaer einstellen.

Die Fruchtbarkeit der Individuen ist beim populationsgenetischen Prinzip der Altersanpassung der entscheidende Faktor, nicht die Sterblichkeit durch Gendefekte. Es ist allgemein bekannt, dass nur gesunde Individuen einer Art fruchtbar sind, ein Organismus verzichtet um Energie zu sparen erst einmal auf die nicht unmittelbar ueberlebenswichtigen Funktionen und dazu gehoert als allererstes der Fortpflanzungsapparat, zumal kranke Individuen – zumindest bei hoeheren brutpflegenden Arten – sowieso keine Jungen ernaehren koennten. Das heisst jeder Gendefekt, der zu einer Schwaechung des Organismus fuehrt und damit die Fruchtbarkeit reduziert, verschwindet mit der Zeit, wenn das durchschnittliche Paarungsalter der Art ansteigt und damit die nur frueh paarungsfaehigen Individuen aussterben.

Wenn man diesen Mechanismus der Altersoptimierung einmal verstanden hat, wird sofort klar, dass es somit moeglich ist, jeder Art ein gewuenschtes Lebensalter anzuzuechten. Das Wort Zucht impliziert, dass dies von aussen gewollt durchgefuehrt wuerde. In der Natur geschieht dies natuerlich nicht gewollt von aussen gesteuert, sondern durch den oekologisch evolutionaeren Druck eines groesseren Systems. Oekologisch evolutionaerer Druck meint, dass die Population einer Art sich auf die Umgebungsbedingungen hin optimal einrichtet und im dynamisch rueckgekoppelten Prozess der Entwicklung des Lebens in seiner Umwelt eine maximale Erfolgswahrscheinlichkeit fuer die Art erreicht. Die Population pflanzt sich einfach fort und der populationsgenetische Mechanismus, den ich eben beschrieben habe, sorgt durch entropische (junge Fortpflanzung) und negentropische (aeltere Fortpflanzung) Veraenderungen im Erbgut fuer ein sich einstellendes fuer die Art optimales durchschnittliches Fortpflanzungsalter der Individuen. Das sich daraus ebenfalls ergebende statistische durchschnittliche Lebenserwartung ist nur ein Seiteneffekt des Fortpflanzungsalters und fuer das oekologische System insofern irrelevant solange die Alten die Jungen nicht blockieren. Dies bedeutet bei manchen Arten eine Lebenspanne von 2 Jahren, bei manchen von 80 Jahren und bei manchen eben von 9500 Jahren oder auch bei manchen nur von drei Tagen, abhaengig von den Umweltfaktoren, besonders von den Fressfeinden und von der Groesse des Lebensraumes.

Man nennt diesen Prozess einer Entwicklung einer programmierten durchschnittlichen Lebensspanne jeder Art auch die Evolutionstheorie des Alterns. Sogenannte proximate Theorien der Biologie liefern Erklaerungsmodelle dafuer, wie ein Organismus altert. Dazu gehoert zum Beispiel die Schadenstheorie, die davon ausgeht, dass sich die Schaeden im Koerper mit der Zeit kommulieren, bis der Organismus nicht mehr lebensfaehig ist. Die Evolutionstheorie des Alterns jedoch erklaert das Warum. Demnach ist das Altern ein Ergebnis des Evolutionsprozesses. Die ersten Lebewesen auf der Erde alterten nicht. Das Altern entstand erst im Laufe der Evolution als eine Eigenschaft spaeterer Lebewesen. Mit dieser Theorie lassen sich eine Reihe von Phaenomenen, die im Zusammenhang mit dem Altern stehen, erklaeren. In verschiedenen Modellorganismen wurden Uebereinstimmungen zwischen der Evolutionstheorie des Alterns und durchgefuehrten Experimenten festgestellt. Als Modellorganismen bezeichnet man in der Biologie einfach zu zuechtende Lebewesen, die gerne fuer Untersuchungen genommen werden wie Fadenwuermer, Taufliegen, Zebrabaerblinge, Krallenfroesche, Huehner, Maeuse, bestimmte Bakterien, Pilze und Pflanzen. Die biologische Evolutionstheorie des Alterns ist derzeit die einzige ueberzeugende, formal entwickelte und experimentell bekraeftigte Theorie, die das Altern der Lebewesen erklaert.

Die Evolutionstheorie des Alterns spiegelt sich auf zellulaerer Ebene wieder durch eine Voreinstellung der Bausteine des Koerpers – der Zellen – fuer eine bestimmte maximale Lebenszeit. Man spricht heute allgemein von programmiertem Altern der Zellen. Jeder Organismus besitzt also Gensequenzen, die ihm genau vorschreiben, ob und ab wann er wie zerfallen soll. Man hat zumindest einen Mechanismus des programmierten Alterns bereits identifiziert: die Telomere, Molekuelketten an den Chromosomenenden, die sich von Zellteilung zu Zellteilung verkuerzen, bis sie der Zelle signalisieren, dass sie sich nicht mehr teilen soll; eine Art innerer Sanduhr der Zelle. Ein weiterer Beweis fuer das programmierte Altern sind einige unter dem Oberbegriff Progerie zusammengefasste Erbkrankheiten, die durch den Faktor fuenf bis zehn beschleunigten Alterns bei den betroffenen Patienten gekennzeichnet sind. Bei dem sogenannten Hutchinson-Gilford-Syndrom hat man mittlerweile auf molekularer Ebene Parallelen des beschleunigten Alterns zum beschleunigten Telomer-Abbau gefunden.

Zellen sind also urspruenglich quasiunsterblich gewesen und haben mit den Telomeren einen komplizierten Mechanismus zur vorprogrammierten Selbstzerstoerung entwickelt. Jedoch sind die Telomere nicht die einzigen Mechanismen, die den Tod der Zellen bewirken. Neueste Erkenntnisse der Zytologie lassen vielmehr ein Bild vermuten, als haette die Evolution mehrere redundante Lebensuhren und damit weiter Mechanismen entwickelt, die das Erloeschen des Individuums garantieren, falls ein Sterbemechanismus versagt. Sollte sich dies als richtig erweisen, wuerde dies beweisen, wie intensiv die Natur das urspruenglich quasiunsterbliche Leben bekaempfen musste, um einen Generationswechsel und die damit verbundene Entwicklung der Arten ueberhaupt erst zu ermoeglichen. Sterblichkeit und Vergaenglichkeit als Motor der Entwicklung des Erbgutes – etwas aehnliches beobachten wir in unserem eigenen Leben bei der geistigen Entwicklung, wo aeltere Generationen geistige Entwicklungen in der Gesellschaft langfristig nicht blockieren koennen, weil sie sterblich sind. Ein faszinierender Gedanke beides in Korrelation zu setzen, finde ich.

Begriffe der Unsterblichkeit

Im vorigen Kapitel habe ich einen Begriff benutzt ohne ihn weiter zu erklaeren – Quasiunsterblichkeit, das will ich nun nachholen. Unsterblichkeit ist nicht gleich Unsterblichkeit. Man muss vielmehr verschiedene Definitionen unterscheiden. Ich fange erst einmal mit dem uns eher vertrauten, dem sterblichen Leben, an.

Sterbliches Leben wird durch Unfaelle, Katastrophen und Krankheiten unfreiwillig beendet. Entgeht das Leben mit Glueck diesen Todesmechanismen dann wird es durch verschiedene vorprogrammierte Selbstzerstoerungsmechanismen der Zellen nach einer gewissen Zeit von sich aus unbewusst beendet. Bewusstsein entwickelnde Lebewesen haben zusaetzlich die Option freiwillig das Leben zu beenden. Das ist vielleicht sogar der eindeutigste aller Unterschiede zwischen bewusster und instinktiver Lebensform. Rein instinktives Leben besitzt keinen Drang zur Selbstzerstoerung, denn es benoetigt ihn ja nicht, da es wie fast alles Leben den Tod auf zellularer Ebene bereits sicher und mehrfach redundant in sich traegt. Wer gute Fragen zu stellen in der Lage ist, wird daher als naechstes Fragen, warum intelligentes Leben diese Moeglichkeit der zusaetzlichen willentlichen Selbstzerstoerung ueberhaupt besitzt, wo es doch anscheinend schon mehrere vollautomatische Todesmechanismen auf zellularer Ebene in sich traegt?

Quasiunsterbliches Leben waere nach meiner Definition ein Leben, dass ueber keine innere Lebensuhr, keinen eingebauten Selbstzerstoerungsmechanismus verfuegt, aehnlich den Bakterien, die man bei Oelbohrungen entdeckt hat oder das urspruengliche Leben auf der Erde. Jedoch kann ein solches Leben natuerlich durch einen Unfall, eine Katastrophe, eine Krankheit oder bei Bewusstsein entwickelndem Leben auch durch Freitod weiterhin versterben, was die durchschnittliche statistische Lebenserwartung auf einen bestimmten endlichen Wert reduziert. Diese endliche Lebenserwartung wuerde typischerweise bei niederen Lebensformen im Bereich von Jahrmillionen liegen, wie wir dies gemessen haben. Bei hoeheren Lebensformen wuerde die statistische Lebenserwartung aufgrund ihrer groesseren Beweglichkeit und der damit verbundenen groesseren Unfallwahrscheinlichkeit, und ihrer groesseren Empfindlichkeit aufgrund groesserer Komplexitaet wohl eher irgendwo im Zeitrahmen von Jahrhunderten bis Jahrzehntausenden liegen.

Die Quasiunsterblichkeit des fruehen Lebens auf der Erde beziehungsweise seine Sterblichkeit aufgrund von Unfaellen, Katastrophen und Krankheiten, erklaert sehr schoen, warum die Entwicklung des fruehen Lebens auf der Erde im Praekambrium vergleichbar sehr langsam verlief aber auch warum es ueberhaupt eine Entwicklung gab: die Organismen waren eben doch nur quasiunsterblich und machten langsam aber sicher immer wieder einmal Platz fuer neue Generationen. Mit der Erfindung des programmierten Alterns und schnellen Todes und dem daraus resultierenden schnellen Generationswechsel konnte das Leben im Palaeozoikum dann einen immensen Entwicklungsschub verzeichnen. Am Ende des Palaeozoikums war fast alles Leben auf der Erde sterblich, seit dem gibt es nur noch sehr seltene quasiunsterbliche Organismen in wenigen oekologischen Nischen.

Unsterbliches Leben freiwilliger Art wuerde demnach auch nicht durch Unfall, eine Katastrophe oder eine Krankheit ein Ende finden. Diese Todesursachen waeren zum Beispiel durch Technik beseitigt. Hier sind quasi unendlich viele technischen Loesungen denkbar von Genbanken, Datenbanken, biologischen, mechanischen und virtuellen Koerperlichkeiten, und Wiederherstellungsmethoden jeglicher Art. Die Science Fiction Literatur ist voll von Vorschlaegen und Szenarien zu diesem Thema, die fast immer – wenn es sich nicht gerade um Trivialliteratur im eigentlichen Sinne handelt – der Vorbereitung eines interessanten philosophischen Gedankenspiels dienen. Einzig und allein die freie Entscheidung des Individuums wuerde das unsterbliche Leben beenden koennen. Sollte die Natur fuer intelligentes Leben einen Weg bereithalten, das sterbliche Leben zu ueberwinden und eine Quasiunsterblichkeit oder sogar Unsterblichkeit zu entwickeln, wuerde dies natuerlich ad hoc erklaeren, warum intelligentes Leben immer diese zusaetzliche Option des Freitods besitzen muss: sonst waere es irgendwann in seinem selbst geschaffenen unsterblichen Leben fuer immer gefangen.

Unsterbliches Leben unfreiwilliger Art wuerde wie das freiwillige unsterbliche Leben nicht durch Unfall, eine Katastrophe oder eine Krankheit ein Ende finden. Ein Freitod waere in diesem Leben jedoch unmoeglich, entweder weil das Leben kein Bewusstsein besitzt, oder weil durch bestimmte Verhinderungsmechanismen ein Freitod von Bewusstsein entwickelndem Leben unmoeglich ist. Man koennte sich ein Szenario mit einer Art Zwangswiederherstellung vorstellen. Ich kann mir zur Zeit kein Leben ohne Bewusstsein vorstellen, dass in der Lage ist, Tod durch Unfall, Katastrophe und Krankheit zu umgehen. Ich kann mir einfach keine andere Loesung als eine hochentwickelte technische Loesung vorstellen, daher glaube ich, das unsterbliches Leben dem Bewusstsein vorbehalten ist. Aber vielleicht reicht meine Vorstellungskraft nicht aus, mir nichttechnische Loesungen vorzustellen. Die Freiwillig- oder Unfreiwilligkeitsfrage bleibt jedoch, sie ist unabhaengig von dem Wie und wird beim Bewusstsein besitzenden Leben letztendlich zum Scheidepunkt jeglicher Ethik.

Ewiges Leben unterscheidet sich von unsterblichem Leben, dass es keinerlei zeitliche Begrenzung kennt. Unsterbliches Leben wuerde aufgrund seines Bezugssystems Welt und Kosmos letztendlich allerspaetestens mit dem Ende des Kosmos einen endgueltigen Tod finden, ewiges Leben jedoch wuerde nach seiner Definition weiter und fuer immer existieren. Ewiges Leben wuerde demnach auch die Grenzen des Kosmos ueberwinden und unabhaengig vom Kosmos existieren.

Auch ewiges Leben koennte wie unsterbliches Leben eine Unterteilung in freiwillige und unfreiwillige Art besitzen. Bei quasiunsterblichem Leben und besonders bei sterblichem Leben macht eine Unterteilung in freiwillig und unfreiwillig fuer Bewusstsein entwickelnde Lebensformen eigentlich keinen Sinn, weil es in beiden Faellen jederzeit moeglich ist durch einen Unfall oder eine Krankheit aus dem Leben zu scheiden. Ausser dem bewussten Freitod gibt es ja ebenfalls die Moeglichkeit die Wahrscheinlichkeit fuer einen toedlichen Unfall oder eine toedliche Krankheit um ein vielfaches zu erhoehen und damit das Leben statistisch schneller zu beenden (Risikofreudigkeit, Leichtsinnigkeit, Extremverhalten, Extremsport, Abusus, Ignoranz, Provokation, etc.). Das quasiunsterbliche Leben wird somit statistisch vom Lebenswandel des Individuums abhaengig nach kuerzeren bis laengern Zeitraeumen beendet. Das sterbliche Leben wird in den Zellen vorprogrammiert nach sehr kurzer Zeit beendet.

Eigentlich waere in beiden Faellen – besonders im sterblichen Leben – kein Platz fuer eine grossartige Unterscheidung zwischen freiwillig und unfreiwillig, denn im sterblichen Leben ist das Leben ja bekanntermassen eher zu kurz als zu lang. Trotzdem erleben wir heute, wie Menschen, die nunmal sterblich sind, gegen ihren Willen fuer kurze Zeitraeume von einigen Jahren zum Leben gezwungen werden. Das laesst nichts gutes fuer eine unsterbliche und ewige Lebensform erwarten, sollten Menschen jemals in deren „Genuss“ kommen. Mit einem Zwang, wie er heute bereits voellig sinnlos aus einer medizinischen Doktrin der Lebenserhaltung um jeden Preis heraus, praktiziert wird, wuerden weiterfuehrende Moeglichkeiten des Lebens von einem anscheinenden Paradies schnell zu einer unentrinnbaren Hoelle. Sie waeren damit keine Hoffnung mehr sondern der schlimmste allen jemals von Menschen erdachten Horrors – eine ewige unentrinnbare Qual. Es ist daher wichtig, dass wir die Entscheidung zum freiwilligen Leben und Sterben selbst erkennen und zu respektieren faehig werden, wenn wir uns durch unsere medizinische Technik in Zukunft nicht fuer alle Zeiten unsaeglichen Folterungen und Leid aussetzen wollen. Ich werde auf diesen entscheidenden Aspekt der Freiheit des Individuums spaeter hier und da zurueckkehren.

Wir koennen ebenfalls zwischen altruistischen und egoistischen Formen der Unsterblichkeit unterscheiden. Egoistische Formen der Unsterblichkeit waeren die, die man fuer gewoehnlich ueberhaupt als Unsterblichkeit bezeichnen wuerde: das Ego des Individuums bleibt erhalten, die Erinnerungen, das Wissen, die Persoenlichkeit, alles was die Persoenlichkeit ausmacht existiert weiter. Das Ideal des ewigen Lebens zielt darauf, das Ego fuer immer und ewig zu erhalten, Unsterblichkeit versucht dies zumindest so lange die Welt existiert. Sterbliches Leben ist nur aus egoistischer Sicht sterblich, eine altruistische Sichtweise laesst jedoch erkennen, dass das Leben an sich nicht nur nach seiner Entstehung in den ersten zwei milliarden Jahren im Praekambrium quasi unsterblich war, sondern auch danach. Eigentlich gibt es ueberhaupt kein sterbliches Leben. Die Gene werden vererbt, auch bei der sexuellen Fortpflanzung sind es zumindest etwa 50% der eigenen Gene, die auf die Nachfahren uebertragen werden. Bei Bewusstsein entwickelnden Lebewesen ist eine Weitergabe des eigenen Wissens und der Wertvorstellungen und Erkenntnisse selbst der eigenen Gefuehle ueber gesprochene und geschriebene Sprachen (Prosa, Lyrik, Mathematik, Musik) moeglich. Es ist aufgrund einfacher logischer Ueberlegungen davon auszugehen, dass diese Sprachen universelle Instrumente jeglicher Art von Intelligenz darstellen und nicht ausschliesslich von Menschen entwickelt werden, wenn auch die Notationen und die Wortschaetze jeweils andere sein moegen.

Die Auferstehung der Toten ist ein ganz anderer Punkt. Quasiunsterbliches, unsterbliches und ewiges Leben koennen erst einmal nur diejenigen Lebensformen erlangen, die damit bereits geboren werden. Das Bewusstsein besitzende sterbliche Leben entwickelt in seinem kurzen Leben oft – abhaengig von Kulturkreis, Umfeld und persoenlichen Erlebnissen – die Hoffnung, eine zweite Chance waere moeglich. Man wuenscht sich, man koenne eines Tages von den Toten auferstehen und ein zweites, diesmal ewiges Leben erlangen. Zumindest eine der grossen Religionen hofft darauf und hat ganz richtig eine grundsaetzliche ambivalente Unterscheidung zwischen ewigem Himmel und ewiger Hoelle erkannt, die in dieser Theologie ebenfalls als Ergebnis der Handlungen und Entscheidungen der Menschen zu erwarten sind, wenn auch nicht vom Menschen selbst erschaffen.

Eine Auferstehung der Toten, kann zum Beispiel durch eine Wiedererweckung des alten Koerpers geschehen. Daran glaubten bekanntermassen die alten Aegypter und mumifizierten ihre Leichen mit aetherischen Oelen. Und auch wir glauben daran und bewahren unsere Leichen durch kryonische Suspension auf, das heisst wir bewahren sie in Kryostaten mit fluessigem Stickstoff auf und glauben, Generationen in der Zukunft koennten sie wiederbeleben und zumindest quasiunsterblich werden lassen. Eine Auferstehung der Toten kann aber auch in einem neuen Koerper, einem anderen Koerper, einem nicht-menschlichen Koerper oder in einem koerperlosen Zustand geschehen. Dieser Glaube wird ebenso von verschiedenen Religionen wie auch den modernen Wissenschaften geteilt.

Die Zucht zur Quasiunsterblichkeit

Quasiunsterbliche Wesen zu zuechten ist eigentlich sehr einfach, wenn man viel Zeit mitbringt. Da uns die Natur alle dafuer notwendigen populationsgenetischen Mechanismen zur Verfuegung stellt und sie zur optimalen Einstellung der durchschnittlichen Lebenserwartung der Individuen einer Art nutzt, kann man diese Mechanismen ebenso praktisch nutzen. Ein Zuechter kann diese Mechanismen ebenso fuer seine Zucht nutzen, wenn er die grundlegenden Mechanismen einmal verstanden hat und die entsprechende Geduld ueber hunderte Generationen seiner Zucht mitbringt. Bei vielen langlebigeren Lebewesen wird der Zuechter seine Zucht an seine eigenen Erben weitergeben muessen, und diese wiederum an ihre, usw., bis eine erhebliche Verlaengerung der durchschnitllichen Lebenszeit der Individuen der gezuechteten Art erreicht ist.

Man muss nur das Reproduktionsalter kuenstlich nach hinten verschieben, indem man Maennchen und Weibchen zeitweise voneinander trennt. Dann sinkt die Reproduktionsrate und alle Organismen, die einen Gendefekt besitzen, der spaeter auftritt als das urspruengliche Reproduktionsalter aber noch vor dem neuen Reproduktionsalter, werden nun vor diesem neuen Reproduktionsalter entweder unfruchtbar werden oder sterben und sich nicht mehr zum Zeitpunkt des neuen Reproduktionsalters vermehren koennen. Man darf die Abstaende zwischen dem alten und neuen Reproduktionsalter nur nicht zu gross machen, weil die Population dann sehr zurueckgeht und lange braucht, um sich wieder zu erholen. Wenn man in dieser Erholungsphase den Fehler begeht, die Geschlechter schneller zusammenzubringen, um die Erholung der Population zu beschleunigen, macht man das Ergebnis seines letzten Schrittes wieder zunichte. Nur nachhaltige Geduld kann zu einer Lebensverlaengerung der Zucht fuehren.

Da ein Organismus fuer gewoehnlich nur fruchtbar ist, wenn er sich in einem allgemein gesunden koerperlichen Zustand befindet, ist diese Zucht nicht auf ein Aussterben durch letal wirkende Gene angewiesen. Nein, im Gegenteil, die meisten der Individuen werden einfach weiterleben, sind aber aufgrund geringfuegiger Krankheiten unfruchtbar. Die Natur hat es so eingerichtet, dass sie bei Krankheiten in eine Art Sparmodus des Koerpers verfaellt, so dass die zur Selbsterhaltung nicht unmittelbar benoetigten Koerperfunktionen – und dazu gehoert der Fortpflanzungsaparat – als erstes eingestellt werden. Nur die Individuen mit durchschnittlich gesuenderen Genen, werden sich im neuen, aelteren Reproduktionsalter noch vermehren, die anderen sterben einfach von Generation zu Generation aus, meist ohne selbst dabei einen fruehen Tod zu erleiden – sie haben einfach keine Nachkommen mehr.

Damit wird jeder in juengerem Alter schwaechende Gendefekt im Erbgut ueber die Generationen eleminiert, weil die Organismen, die ihn in sich trugen, sich nicht mehr reproduzieren konnten. Das fuehrt wiederum dazu, dass die durchschnittliche Lebenserwartung wie auch das Fruchtbarkeitsalter der Population von Generation zu Generation zunimmt, da bestimmte Gendefekte, die sonst Lebewesen in einem Alter zwischen ihrem urspruenglichen Reproduktionsalter und dem neuen Reproduktionsalter toeteten – oder auch nur unfruchtbar machten, nicht mehr auftreten.

Diese Zucht zur Quasiunsterblichkeit funktioniert. Man kann sie jederzeit im kleinen Rahmen bei schnellebigen Organismen wie Fruchtfliegen ueber ein paar Jahre testen und dabei eine merkliche Verlaengerung der durchschnittlichen Lebenszeit der Individuen der Population erreichen. Man kann sie ebenso bei Hunden und Katzen anwenden. Jedoch werden hier viele Generationen nicht Jahre sondern Jahrhunderte benoetigen um eine merkliche Lebensverlaengerung zum Beispiel um gut das Doppelte auf etwa 25 bis 30 Jahre zu erreichen. Man koennte aber genausogut ihre durchschnittliche Lebenserwartung in solchen Zeitraeumen auf die Haelfte oder weniger zuechten, wenn man das bevorzugen wuerde.

Die heutige Lebenserwartung von Hunden und Katzen ist letztendlich die, die dem Menschen ueber die lange Zeit, in der er mit ihnen zusammenlebte, mehr oder weniger unbewusst am gefaelligsten war. Die Lebenserwartung besonders von Hunden entspricht nicht rein zufaellig einem typischen Lebensabschnitt des Menschen (z.B. dem aktiven Kindesalter, oder einer typischen innigen Lebensbeziehung) von etwas mehr als zehn Jahren, nachdem er sich meist wieder neuen Dingen zuwendet. Der Haushund stammt direkt vom Wolf ab, jedoch wird der Wolf in Gefangenschaft deutlich aelter als Hunde, das zeigt, dass der Mensch auf die Lebenserwartung der Hunde korrigierend Einfluss genommen hat. Wildhunde werden zum Beispiel etwa 20 Jahre alt, Rotfuechse, die ebenfalls zur Familie der Hunde gehoeren, werden nur sieben Jahre alt. Beim Verhaeltnis der Lebenserwartung von Hauskatzen und Wildkatzen ist es aehnlich den Woelfen und Hunden: Wildkatzen werden in Gefangenschaft deutlich aelter als Hauskatzen. Sie wurden ueber die Jahrtausende zu einer dem Menschen angenehmeren, geringeren Lebenserwartung gezuechtet. Umgekehrt ist es bei den Kaninchen. Wildkaninchen werden in der Gefangenschaft unter optimalen Bedingungen nicht so alt wie Hauskaninchen, die eben ausser als Nahrungslieferant mit der Zeit auch immer mehr als Streicheltier der Menschenkinder Verwendung fanden und das erklaert, warum das durchschnittliche Lebensalter der Hauskaninchen sich durch Zucht zum Streicheltier dem der Hunde und Katzen allmaehlich annaehert. Der Mensch ersetzt bei den Haustieren einfach das oekologische System, was sonst zu einer bestimmten Lebenserwartung fuehren wuerde, man koennte auch sagen, er ist der bestimmende oekologische Faktor der Haustiere.

Der Mensch zuechtet sich selbst

Funktioniert diese Zucht zu einer bestimmten Lebenserwartung auch am Menschen? Natuerlich. Der Mensch ist letztendlich biologisch systematisch gesehen ein Saeugetier wie Hunde und Katzen. Ich versuche meine Worte in diesem Kapitel so unmissverstaendlich wie moeglich zu waehlen, bitte sie, meine Leser jedoch trotzdem um Nachsicht, sollte eine Formulierung, eine von mir bisher unentdeckte Zweideutigkeit enthalten. Dennoch Vorsicht, jede Art von Zucht am Menschen ist ein extremer Eingriff in die gesellschaftlichen, politischen und ethischen Strukturen der Gesellschaft. Wir reden hier letztendlich von Eugenik und diese kann sehr schnell ganz boese fuer andere Zwecke misbraucht werden, wie uns die Geschichte lehrt.

Die Ueberlegungen am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts zur Eugenik, die kurze Zeit spaeter im Zeitalter des Faschismus Teil der autoritaeren Rassenpolitik der Machthabenden wurden, sind dadurch sehr in Veruf geraten, obwohl sie natuerlich praktisch niemals in irgend einer Form umgesetzt oder getestet wurden. Die Nationalsozialisten bruesteten sich zwar mit ihrer angeblichen Selektion einer Elite mit dem Ziel, einen Uebermenschen oder Herrenmenschen – wie sie diesen selbst nannten – zu zuechten, die Zeitspanne der Regierungsmacht der Nazis reichte aber nur – vor dem Hintergrund der selbst proklamierten 1000 Jahre – laecherliche 12 Jahre lang, viel zu kurz um von Anfaengen, geschweige Ergebnissen in irgend einer Form ueberhaupt sprechen zu koennen (aber lang genug um fuer den gewaltsamen Tod von 50 Millionen Menschen verantwortlich zu sein). Es konnte also gar keine Menschenzucht vorliegen, nicht einmal in Ansaetzen. Die Zucht am Menschen bedarf Zeitraeumen von mindestens vielen Jahrhunderten um ueberhaupt messbar Veraenderungen feststellen zu koennen. Nach Jahrzehnten kann keine Veraenderung vorliegen, das ist biologisch voellig unmoeglich.

Jedoch ist es sehr einfach, Eugenik als Vorwand zum Mord an unerwuenschten Individuen zu missbrauchen, viel einfacher als mit politischen, religioesen, soziologischen oder medizinischen Begruendungen. Man erfindet den Begriff der Rassenhygiene und laedt alle Bevoelkerungsgruppen aus, die zum Beispiel aus Aengsten oder Vorlieben des Machthabers nicht genehm sind. Die Eugenik der Nationalsozialisten war aufgrund der kurzen Zeit erst einmal reine Theorie, und betrachtet man sie genauer purer Humbug und reiner Vorwand wie die meisten ihrer politischen Theorien. Es war nicht mehr als Propaganda, weil Eugenik damals ein sehr beliebtes und angesehenes Thema in der Gesellschaft war – es gab viele wissenschaftliche und populaerwissenschaftliche, geradezu euphorische Publikationen zu diesem Thema. Die Eugenik oder Rassenhygiene der Nationalsozialisten war eine sehr billige und offensichtliche Rechtfertigung der Massenvernichtung von mindestens vier Millionen unerwuenschter Mitbuerger – um sich nebenbei als gemeine Diebe an dem Erbe der Ermordeten zu bereichern. Niemals war die Ideologie ihres Uebermenschen auch nur ansatzweise wissenschaftlich fundiert – eine Mischung aus reiner Spekulation, willkuerlichen Annahmen, hysterische populistischen Reden, germanischen Mythen, esoterisch anmutenden Braeuchen, rassistischen Hasstiraden und ihre willkuerliche Umsetzung in Vernichtungslagern durch Perverse und Moerder. Und trotzdem hat diese Willkuerauslegung der Eugenik das Bild der Deutschen bis heute sehr gepraegt und laesst die Vernuenftigen bei jeder einzelnen Fachvokabel aus diesem weltweit anerkannten Bereich der biologischen genetischen Wissenschaften erschaudern oder sogar ablehnend aufschreien – mit Recht.

Wenn die wissenschaftliche Gemeinschaft jemals ernsthaft einen Superman (auch ein beliebtes Idealwesen aus den dreissiger Jahren), einen genetisch ueberlegenen Menschen zuechten wollte – was sie bis jetzt niemals ernsthaft vorhatte (zumindest ist mir kein groesseres wissenschaftliches Forschungsprojekt bekannt), dann wuerden solche Bestrebungen mit absoluter Sicherheit mit den willkuerlichen, und wahnwitzigen, komplett unwissenschaftlichen Methoden der Nationalsozialisten sicherlich keine erkennbare Schnittmenge besitzen. Die genetischen Wissenschaften in Europa leiden bis heute an dem Nachhall der menschenverachtenden, sadistischen Quaelversuche einiger korumpierter, perverser Mediziner und Biologen in den Internierungslagern des selbsternannten dritten Reiches. Ich moechte an dieser Stelle diesen Text mit aller mir moeglichen Ausdruckskraft von dererlei Brutalitaet, Neid, Hass, sexueller Perversion, Rassendiskriminierung und Menschenverachtung trennen.

Dieses Kapitel soll das Gegenteil eines solchem antihumanistischen Gedankenguts sein. Es geht um biologische und demokratisch zu entscheidende Wissenschaft zum Wohle aller Menschen auf der Welt. Es ist absolut legitim mit solchen Gedanken zu spielen und die positiven Aspekte dieser Gedanken einer zielgerichteten humanistischen Eugenik herauszuarbeiten, sowie gleichzeitig vor den Gefahren dieser Techniken, die sie genauso besitzen, wie alle anderen von Menschen erdachten Techniken, zu warnen. Natuerlich kann eine missbrauchte Eugenik genauso zum Unwohle der Bevoelkerung eingesetzt werden wie eine missbrauchte Medizin oder – gerade akut – eine missbrauchte Informationstechnik. Es besteht auch bei Eugenik im humanistischen Sinne wie bei allen menschlichen Techniken die reale Gefahr des massiven Missbrauchs, weil Menschen nunmal so sind. Sie bietet aber weise eingesetzt genauso wie jede andere Technik Chancen und Potentiale das Leben der Menschen zu bewahren, zu verbessern und zu erleichtern.

In der Vergangenheit hat es die autogene Zucht am Menschen durch den Menschen selbst gegeben seit er denken kann. Sie ist eine Selbstverstaendlichkeit und kennzeichnet den Menschen mit und aus gegenueber anderen Lebensformen ohne Bewusstsein. Wie, gesagt die Nationalsozialisten haben keine Zucht am Menschen durchgefuehrt, auch wenn sie sich damit lauthals bruesteten, weil solche Gedanken damals modern waren, und sie damit teilweise versuchten ihre Morde vor ihrem eigenen Gewissen – soweit vorhanden – zu begruenden. Die Nationalsozialisten waeren zu einer wissenschaftlich begruendeten Eugenik auch gar nicht faehig gewesen, weil sie aus ideologischen Gruenden bestimmte wissenschaftliche Fakten ignorierten. Genauso waren sie auch nicht zur Entwicklung der modernen Physik oder „Judenphysik“ – wie sie sie nannten – faehig. Es gibt uebrigens auch heute noch Menschen die aus diesen ideologischen Gruenden die Relativitaetstheorie – die am genauesten und am haeufigsten in Versuchen bestaetigte aller menschlichen Theorien ueberhaupt – ablehnen. In einem totalitaeren Staat ist kreative wissenschaftliche Arbeit nur auf den Gebieten moeglich, die den Machthabern gerade genehm sind. Eine biologische Genetik, die den nationalsozialistischen Anfuehrern tatsaechlich wissenschaftlich begruendbar bestaetigt haette, dass das Genom der Deutschen gar nichts Besonderes ist, was sie aber unbedingt glauben wollten, und eigentlich das eines der groessten Mischlingsvoelker ueberhaupt, waere und ist auch in den Ansaetzen unterdrueckt worden. Nein, in Nazideutschland gab es nie eine wissenschaftliche Eugenik, nur willkuerlich begruendeten Massenmord. Aber andere, bestaendigere und humanere Strukturen, Institutionen und Organisationen haben sich teilweise ueber Jahrtausende sehr erfolgreich der genetischen Veraenderung des menschlichen Erbguts gewidmet.

Das heute noch bekannteste Beispiel einer erfolgreichen Zucht sind die alten Adelsfamilien, die sich die Ehepartner ihrer Nachkommen nicht nur aus politischen sondern auch aus genetischen Ueberlegungen auswaehlten und damit ueber die Jahrhunderte eine Verbesserung der vererbaren Eigenschaften ihrer Familien, ihrer Staemme anstrebten und sicherlich zum grossen Teil auch erreichten. Wer Menschen aus adligen Familien kennt, der weiss wovon ich rede. Der idealisierte Begriff des Helden, einer Art uebermenschliches Idealbild von koerperlicher und geistiger Perfektion, spielte im Adel von jeher eine grosse Rolle, angefangen bei den Koenigsfamilien der alten Griechen. Man war ueber lange Zeitraeume bestrebt, die Nachkommenschaft in jeglicher Hinsicht, auch genetisch zu verbessern und versuchte einer Verschlechterung entgegenzuarbeiten, soweit dies politisch moeglich war.

Es gibt Voelker, die ganz bewusst und ueber lange Zeitraeume von Jahrtausenden in einer kontinuierlichen Politik und Philosophie der Foerderung bestimmter genetischer persoenlicher Merkmale, ihre Staatsbuerger ueber lange Zeit durch gezielte Foerderung auf der einen (Positionen, Geld, viele Frauen, viele Kinder) und Verhinderung auf der anderen Seite (Ausschluss, Armut, keine Frau, keine Kinder) genetisch veraendert und geformt haben. Zu den bevorzugten genetisch vererbaren Eigenschaften eines Idealbuergers gehoerten sicherlich psychische Eigenschaften wie Folgsamkeit, Geduld, Ruhe und Gelassenheit. Man sollte sich darueber im Klaren sein und sich nicht ueber bestimmte, typische Eigenschaften wundern. Auch muessen diese Eigenschaften, da sie in einer archaischen Zeit als Ideale definiert wurden, den heutigen Idealen eines Staates und seiner Staatsbuerger nicht unbedingt entsprechen. Ich moechte an dieser Stelle bewusst jede Wertung vermeiden, da diese einer vorherigen langen Abhandlung ueber Vor- und Nachteile beduerfte.

Es gibt weiterhin Voelker, die sich ueber Jahrtausende immer in einer gesellschaftlichen, politischen und militaerisch schwachen Position befunden haben, und wo die Wahl der Partner ueber hundert Generationen und laenger in Hinsicht der Intelligenz und der resultierenden Lebenstuechtigkeit der Kinder ablief. Die Individuen solcher Voelker sind im Durchschnitt wesentlich intelligenter als die Individuen von Voelkern, die ueber lange Zeitraeume groesser und maechtiger waren und daher einem geringeren Selektionsdruck in Richtung Intelligenz ausgesetzt waren. Hier eruebrigt sich jede Wertung, Schlauheit ist unzweifelhaft immer und zu jeder Zeit von grossem Vorteil. Leider ruft der damit verbundene Lebenserfolg oft Neider herbei.

Das beste, gelungenste und schoenste Ergebnis einer von Hominiden an Hominiden durchgefuehrten Zucht lebt um uns und in uns und gewinnt immer mehr an Bedeutung und Macht, es ist das Weibchen des Homo Sapiens Sapiens. Ihre Weibchen waren noch vor kurzer Zeit – vor nur 500 Tausend Jahren – genauso grobknochig, lederhaeutig, behaart, breitmaulig und haesslich wie ihre Maennchen. Sie waren aber koerperlich schwaecher als Maennchen und damit, gerade in der Zeit ihrer Schwangerschaft den Maennchen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Hier und da hat die genetische Variation nach dem Zufallsprinzip schoenere Weibchen als andere produziert. Die koerperlich ueberlegenen Maennchen waren in ihrer geistigen Entwicklung damals gerade in der Lage, diese Schoenheit zu erkennen und bevorzugten diese Weibchen. Die leider immer wieder dominierende Grausamkeit und Brutalitaet des Homo Sapiens ist bekannt, daher braucht man die aufgetretenen Selektionsprozesse nicht zu erwaehnen. Mit der Zeit starben die Gene der den Maennchen gleichenden Weibchen aus und die Gene der sich von den Maennchen stark unterscheidenden, schoeneren Weibchen setzten sich durch. Aber es war nicht nur die Schoenheit des entstehenden aesthetischen Idealbildes eines neuen Menschen – der Frau, die dabei eine Rolle spielte. Maennchen bestehen zu etwa 50% aus den Genen der Weibchen (ihrer Muetter), damit wirkte sich diese Zucht zur Schoenheit indirekt auch auf die Maennchen selbst aus. Die haesslichen Maennchen konnten ja direkt beim Betrachten ihrer Nachkommen ueberpruefen, dass die schoeneren Weibchen nicht nur schoenere Toechter sondern auch schoenere Soehne zur Welt brachten. Da man die Soehne aus einfacher Ueberlegung heraus als seine eigene Reproduktion verstand, machte dies diese schoeneren Weibchen sehr begehrt. Leider auch – bei manchen urtuemlicheren Voelkern noch bis heute – zur Handelsware. Die Maennchen wurden dadurch mit der Zeit selbst nicht mehr so stark behaart, weniger klobig und untersetzt und schoener anzusehen – zumindest im Durchschnitt.

Dieser Prozess einer Zucht zur Schoenheit der eigenen Spezies durch die Bevorzugung der schoeneren Exemplare eines der Geschlechter (logischerweise des schwaecheren) kann natuerlich nur bei Bewusstsein entwickelnden Arten auftreten, die ein Schoenheitsideal, eine Aesthetik zu entwickeln in der Lage sind. Damit transformieren sie sich selbst mit der Zeit hin zu diesem Ideal von Schoenheit. Beim Homo Sapiens heisst dieses koerperliche Ideal: unbehaart, samthaeutig, symmetrisch, mathematisch proportioniert, ein aus mathematischen Grundkoerpern aufgebauter Koerper: Kugeln, Zylinder, Kegel, Ellipsoide, Quader. Die unbehaarte schoene Haut unterstreicht die mathematisch theoretischen Idealformen. Die ganze geisteswissenschaftliche Aesthetik hat sich letztendlich an der Idealvorstellung des menschlichen Koerpers und damit besonders ihres Vorreiters, des weiblichen Koerpers, festgemacht. Wir selbst sind mittlerweile mehr das Ergebnis unserer eigenen Zucht als das Ergebnis einer natuerlichen Selektion. Nun, wo die Weibchen in der modernen Gesellschaft, in der die Bedeutung der Koerperkraft zuruecktritt, selbst an Bedeutung und Macht gewinnen, wird sich dieser Prozess unter Umstaenden auch umgekehrt auf eine Auswahl der Maennchen durch die Weibchen ausdehnen. Damit wird die Zucht zum Idealbild eines Menschen in Zukunft entweder gleich schnell und gleichberechtigter weitergehen oder sogar noch schneller passieren. Wir zuechten uns gerade in diesem Moment selbst, wie wir es immer taten, seit wir ein Bewusstsein besitzen.

Ich verlasse nun wieder die Begriffe der Tierwelt um den Homo Sapiens zu beschreiben, ich habe diese Begrifflichkeit natuerlich in diesem Abschnitt so gewaehlt um den Schock fuer manchen Leser so gering wie moeglich zu halten. Denken sie ueber meine These einmal in Ruhe ein paar Abende lang logisch nach. Sie werden einsehen, dass sie mit allergroesster Wahrscheinlichkeit – ohne sie derzeit beweisen zu koennen – moeglich und auch richtig ist; wenn sie auch selbstverstaendlich alle derzeitigen Tabus bricht.

Genauso wie Menschen (und wahrscheinlich jedes Bewusstsein entwickelnde Wesen im Universum) sich durch eine Bevorzugung schoener Individuen autogen schoen zuechten koennen (und/oder intelligent und/oder folgsam, wie bei manchen Voelkern), genauso koennen sie sich natuerlich quasiunsterblich zuechten. Jedoch sind hier die Mechanismen nicht ganz so offensichtlich wie bei den schoenen, intelligenten und folgsamen Menschen. Schoenheit kann jeder halbwegs mathematisch-aesthetisch begabte Mensch erkennen und sich seinen Partner zur Fortpflanzung dementsprechend suchen. Die Intelligenz eines Menschen erkennt jeder auf Anhieb, der ebenfalls mindestens so intelligent ist. Folgsamkeit erkennt jeder Machthabende sofort, wenn er nicht notorisch paranoid ist und die Folgsamkeit seiner Untertanen staendig anzweifelt. Die Mechanismen zur Erhoehung der durchschnittlichen individuellen Lebensdauer sind indirekter, eine Zucht dorthin bedarf eines Grundwissens um die einfachen populationsgenetischen Prozesse, die ich im oberen Abschnitt des Textes erklaert hatte.

Wir haben uns in den letzten Jahrhunderten natuerlich in gewisser Form selbst zu hoeherer Langlebigkeit gezuechtet. Dies geschah aber voellig unbewusst als Reaktion auf gesellschaftliche Veraenderungen. Frueher paarten sich Menschen im Alter von etwa 15 Jahren oder juenger, damit war es fuer das Fortbestehen der Population voellig egal, wenn viele Individuen bereits mit 20 Jahren verstarben. So kam es zu einer durchschnittlichen Lebenserwartung von ungefaehr 40 Jahren. Mit den Jahrhunderten stieg das durchschnittliche Paarungsalter von 15 auf 20 Jahre und dann auf 25 Jahre und damit die durchschnittliche Lebenserwartung auf ungefaehr 50 Jahre und dann grob 60 Jahre. Die immer besser werdende medizinische Versorgung liess die statistisch verursachte Todesrate zusaetzlich weiter fallen und erhoehte die durchschnitlliche Lebenserwartung noch weiter bis auf 70 Jahre und mehr. Heute sind wir in unserer Gesellschaft bereits bei einem durchschnittlichen Paarungsalter von etwa 30 Jahren angelangt und damit wuerde die durchschnittliche Lebenserwartung in Zukunft ohne jede medizinische Versorgung schon sehr hoch liegen, vielleicht bereits bei 65 bis 70 Jahren. Mit flaechendeckender, moderner medizinischer Versorgung wird die durchschnittliche Lebenserwartung nun bei mindestens 80 bis 85 Jahren liegen! Wenn das durchschnittliche Paarungsalter aufgrund weiterer gesellschaftlicher Veraenderungen auf 40 oder 45 Jahre anstiege, wuerde die durchschnittliche Lebenserwartung der Individuen ohne medizinische Versorgung geschaetzt bei mindestens 90 und 100 Jahren liegen und mit medizinischer Versorung bei vielleicht 110 bis 130 Jahren. Auch wuerde das durchschnittliche Hoechstalter der Fruchtbarkeit von Frauen auf geschaetzte 55 Jahre und mehr ansteigen. Wir waeren im Alter von 60 noch so „jung“ wie heute mit 45.

Aber es sollte auch klar sein, dass mit einer Erhoehung von durchschnittlichem maximalen Fruchtbarkeitsalter und maximaler Lebensspanne durch die durchschnittliche Verbesserung der Erbanlagen – der statistische Begriff des Durchschnitts impliziert dies bereits – nichts ueber die Varianz, also die Abweichung gesagt ist. Wahrscheinlich wird die Varianz sogar noch weiter zunehmen, das heisst es wird immer mehr Menschen geben, die mit 80 gesuender und fitter sind als andere mit 40. Die Gesellschaft muss sich darauf einstellen. Eine Verallgemeinerung eines erreichten Rentenalters innerhalb einer Zeitspanne von fuenf Jahren zwischen 62 und 67 ist heute schon nicht mehr zeitgemaess. Es gibt Menschen, die sind mit 55 nicht mehr arbeitsfaehig und andere fuehren noch mit 75 die schweren Erdarbeiten in ihrem Garten durch. Aber es waere ziemlich dumm den einen oder anderen dafuer zu loben oder zu tadeln, denn es handelt sich dabei nur um eine statistische Varianz zufaelliger Erbanlagen. Es ist einfach so.

Es gibt leider einen verbreiteten Irrglauben – der die populationsgenetischen Grundlagen der Lebenserwartung einfach ignoriert, auch um einige unangenehme historische Fakten nicht immer wieder ansprechen zu muessen – die medizinische Versorgung sei alleine fuer die heutige hoehere durchschnittliche Lebenserwartung zustaendig. Das ist falsch. Dies wird oft begruendet mit der hohen Kindersterblichkeit vergangener Zeiten. Kleinkinder wurden aber damals gar nicht mitgezaehlt. Rechnen sie es selber aus, bei einer Kleinkindersterblichkeit von 50% muesste der Rest der Bevoelkerung im Durchschnitt nahezu 80 Jahre – aelter als heute – werden, um auf eine durchschnittliche Lebenserwartung von 40 Jahren zu kommen. Erst als die Kindersterblichkeit ein medizinisch vernuenftiges Mass unterschritt, wurden Kinder in der Statistik zur Lebenserwartung ueberhaupt mitgezaehlt. Der entscheidende Anteil an der Erhoehung der durchschnittlichen Lebenserwartung kam durch die Erhoehung des durchschnittlichen Paarungsalters und nicht durch die Medizin.

Die medizinische Versorgung kann viele genetisch beguenstigte Probleme die zu einem fruehzeitigen Tode fuehren wuerden, wie faule Zaehne, verschiedene Krebsformen, Kreislauferkrankungen, Asthma, Entzuendungen, aufheben und damit vielen Individuen ein laengeres Leben bescheren. Die meisten dieser Individuen haben sich, wenn diese Krankheiten akut und die Fruchtbarkeit senkend oder lebensbedrohend werden, aber bereits fortgepflanzt. Damit kommen die medizinischen Erleichterungen im Genom nicht zum tragen. Das heisst, die neuen Generationen haetten diese Krankheiten genauso, egal ob mit oder ohne Medizin. Wohingegen die weitere Verschiebung des durchschnittlichen Paarungsalters in unserer Gesellschaft von 15 auf mittlerweile 30 Jahre alle Krankheiten, die frueher zum Tode und vor allem zur Unfruchtbarkeit zwischen 15 und 30 Jahren fuehrten, komplett eleminiert hat. Diese genetische Bereinigung von sehr vielen harmlosen bis schwereren Krankheiten, die heute entweder gar nicht mehr oder erst sehr viel spaeter auftreten, hat die Lebenserwartung trivialerweise viel entscheidender erhoeht als die Rettung des Lebens vieler Individuen typischerweise nach dem Paarungsalter. Ich will den Wert der Medizin nicht in Frage stellen, nur ihre Bedeutung zurecht ruecken. Auch ich bin froh, wenn mir die Medizin einmal das Leben retten kann und ich danach laenger leben darf. Aber natuerlich nur, wenn dieses Leben dann noch lebenswert ist.

Die Natur braucht uns

Seit einiger Zeit entwickle ich an einer Erweiterung der oekologischen Theorie, wonach Oekosysteme kein auf planetarer Ebene beschraenktes in sich geschlossenes System sind, sondern ein offenes System, das sich interstellar ueber verschiedene Planetensysteme verteilt. Ihr Name lautet Stellare Oekologie. Die beiden vorigen Kapitel und das Anfangskapitel ergaenzen sich schluessig mit dieser Theorie, denn die Theorie der Stellaren Oekologie liefert zur Frage und Antwort des Wie im Gegenzug die Antwort auf die Frage des Warum: warum die Natur es nach wie vor ermoeglicht, dass sich intelligentes Leben jederzeit und auf sehr einfache Art und Weise zu quasiunsterblichen Wesen selbst zu zuechten vermag. Daher werde ich die Theorie der Stellaren Oekologie hier kurz beschreiben.

Das wichtigste natuerliche Transportmedium, um Lebensinformation auszutauschen sind die Kometen. Sie transportieren in der Theorie der Stellaren Oekologie nicht nur die Grundbausteine des Lebens oder einfache Lebensformen wie in der Panspermie-Theorie, die versucht alternativ zu erklaeren, wie das Leben auf die Erde kam. In der Theorie der Stellaren Oekologie sind die Kometen zusaetzlich die natuerlichen Transportvehikel aller hoeheren Lebensformen, die in der Lage sind Dauerstadien auszubilden. Dauerstadien sind dabei zum Beispiel Sporen, Samen oder Eier. Die Planeten gehen von Natur aus durch lang andauernde klimatische Veraenderungen mit jahrzehntausende dauernden Eiszeiten. Diese klimatischen Veraenderungen sind in Mehrfachsternsystemen bei den Planeten besonders stark ausgepraegt, aber auch in Einfachsternsystemen wie unserem genuegen die klimatischen Veraenderungen bereits, auf feuchten Planeten wie der Erde regelmaessig Eispanzer von Kilometerdicke auszubilden. Die Evolution bedient sich nun eines Tricks, um nicht nach jeder lebensvernichtenden Eiszeit wieder die artenreiche Fauna und Flora der Warmzeit energieintensiv neu erschaffen zu muessen. Sie gibt ihnen Dauerstadien wie Sporen, Eier und Samen und diese Dauerstadien ueberleben die Eiszeit, und nach Jahrzehntausenden keimen sie wieder und die Evolution kann am Ende der Entwicklung kurz vor der letzten Eiszeit ansetzen. Dies spart eine Menge Energie. Wir wissen heute das dies wirklich geschieht. Dies ist somit keine reine Theorie mehr sondern schon zum Teil wissenschaftlicher Fakt. In meinem Text „32.000 Jahre alte Pflanze erblueht wieder“ habe ich von den Entdeckungen der Aufbewahrung von Dauerstadien und ihre Bedeutung erzaehlt. Auch gibt es seit kurzem eine Untersuchung, wonach es moeglich waere, dass auch Asteroiden zusaetzlich zu den Kometen als Transportmittel fuer Leben in Frage kaemen. Nun kommt die Erweiterung der Permafrostboeden auf stellare Ebene und ihr logischer Schlussgedanke:

Wenn ein Komet oder Asteroid auf einem Permafrostboden, der millionenfach Dauerstadien von Lebewesen enthaelt, einschlaegt, dann wird sehr oft Material aus dem Boden herausgeschlagen und auf Fluchtgeschwindigkeit beschleunigt, so dass Stuecke des Permafrostbodens das Schwerefeld des Planeten verlassen koennen. Die Dauerstadien ueberleben diese Beschleunigung, weil sie eingefroren sind und in dem kristallinen Gefuege keine Zerstoerung durch Massentraegheitskraefte, wie bei einer lebenden Bakterie oder einem lebenden Insekt passieren wuerde. Das herausgeschlagene Stueck Permafrostboden kann nun das Planetensystem zum Beispiel nach einem Swing-By (einem Vorbeiflug, der die Geschwindigkeit erhoeht) an einem groesseren Planeten des Systems verlassen und langsam durch den interstellaren Raum ziehen, bis es irgendwann von der Gravitation eines anderen Sterns in dessen System gelenkt wird und dort als Komet auftaucht. Da die Permafrostboeden (= Kometen) meist nur unwesentlich schneller als die Fluchtgeschwindigkeit ihres Sternsystems unterwegs sind, dauern die Reisen zwischen den Planetensystemen millionen bis milliarden Jahre. Die Oortsche Wolke, eine in grosser Distanz um unser Sonnensystem sphaerisch geformte, gleichverteilte Ansammlung von Millionen von Kometen, die nach der Standardtheorie die unbewiesene Quelle der Kometen darstellt, existiert entweder gar nicht oder ist von einer wesentlich geringeren Anzahl von Kometen.

Die Dauerstadien der hoeheren Lebensformen ueberstehen diese viele millionen Jahre dauernden Reisen aus folgenden Gruenden: sie sind vakuumgefriergetrocknet, sie werden nahe dem absoluten Nullpunkt von -273°C aufbewahrt und – der wichtigste Grund von allen – hinter einem meter bis hundertmeter dicken Eispanzer ist die Strahlenbelastung fuer das aufbewahrte Genom aufgrund der physikalischen Halbwertsdicke von Eis um viele Groessenordnungen geringer als auf der Oberflaeche eines Planeten wie der Erde. Damit sind grosse Eiskoerper (= Kometen) im kalten Hochvakuum zwischen den Sternsystemen die ideale Aufbewahrungsmethode fuer Dauerstadien von Lebewesen, wesentlich besser noch als im Boden eines Planeten, da die Boeden immer eine gewisse Restradioaktivitaet aus dem darunterliegenden Gestein durch hinauf diffundierendes Radongas beziehen.

Die Kometen bilden daher ein zuverlaessiges schmalbandiges Transportmittel fuer hoehere Lebensformen zwischen den Planeten benachbarter Sternsysteme. Die Wahrscheinlichkeit zum Beispiel fuer ein einzelnes Samenkorn einer Pflanze, einen anderen Planeten zu erreichen und dort erfolgreich anzuwachsen, ist sehr, sehr gering. Noch geringer ist die Wahrscheinlichkeit fuer Fischeier, auf einem fernen Planeten zu schluepfen und sich dort weiter zu vermehren. Aber aufgrund der grossen Haeufigkeit solcher Ereignisse, bei denen Bodenmaterial auf Fluchtgeschwindigkeit beschleunigt wird (zum Beispiel in der Erdgeschichte nach heutigen Erkenntnissen zehnmillionenfach, oder ca. alle 100 Jahre), der weiten Verbreitung von Permafrostboeden und Meereis, und der jeweils sehr grossen Menge an Dauerstadien, die transportiert werden, passiert es eben doch staendig. Somit kommen andauernd hoehere Lebensformen von anderen Planeten ausserhalb unseres Sternsystems auf der Erde an und versuchen sich hier zu etablieren, wie auch staendig hoehere Lebensformen in den Permafrostboeden der Erde wegtransportiert werden, um irgendwann einmal auf einem fernen Planeten anzuwachsen – vielleicht lange nachdem die Erde nicht mehr existiert. Eine solch lange Haltbarkeit von Leben ist in einem Kometen ab einer gewissen Groesse (Strahlenschutz) ohne Weiteres moeglich. Die Natur benutzt diesen Mechanismus aus dem selben Grund warum sie hoehere Lebensformen ueber die Eiszeiten aufbewahrt: aus dem Energieminimierungsprinzip. Somit muss sie nicht staendig und ueberall immer wieder das Selbe aufwaendig erschaffen. In meinem Text „Interaktion der irdischen Biosphaere mit dem Kosmos“ fuehre ich ausfuehrlicher in die Prinzipien der Stellaren Oekologie ein.

Damit ist auch geklaert, warum die Natur ueberhaupt intelligentes Leben hervorbringt: sie hat keine andere Wahl. Will sie den schmalbandigen, rein statistischen Transport von Leben im interstellaren Oekosystem breitbandiger und zielgerichteter durchfuehren, ist sie auf schnellere und gelenktere Transportmittel als Kometen angewiesen, die nur von intelligentem Leben hergestellt werden koennen. Damit hoehere Lebensformen die begrenzten Resourcen eines Planeten nicht zu lange besetzen und damit die Entwicklung zum Beispiel von Saatschiffen und Archen zu lange verhindern, gibt es den Mechanismus des globalen Impakts, der sehr selten auftritt, dann aber alles hoehere Leben auf einem Planeten vernichtet, um die Evolution sozusagen zurueckzusetzen. Wenn hoehere Lebensformen bis dahin eine interstellare Raumfahrt betreiben, werden sie die Zerstoerung ihres Ursprungsplaneten verschmerzen, ja vielleicht sogar aufgrund ihrer Raumschifftechnik verhindern koennen. Wenn sie bis dahin keine interstellare Raumfahrt betreiben (z.B. die Dinosaurier nach 150 Millionen Jahren auf der Erde) dann handelt es sich nicht um die notwendige Spezies, die die Energie in der Stellaren Oekologie minimiert, und eine Totalzerstoerung und Ruecksetzung der fehlgeschlagenen Evolution um Platz fuer einen neuen Versuch zu schaffen ist ueberfaellig und notwendig. Die Natur hat diesen Mechanismus sehr weise, einfach, elegant und auch sehr gerecht eingerichtet. Jeder bekommt seine Chance.

Sternreisen zu anderen Planetensystemen werden auch fuer die intelligenteste Spezies immer Jahrhunderte bis Jahrtausende dauern. Dies gibt die Natur uns erstens anhand der absoluten Grenze der Einsteinschen Lichtgeschwindigkeit und zweitens vor allem durch die absolute Obergrenze der Freisetzung von Energie durch den Carnotschen Wirkungsgrad vor. Der Carnotsche Satz sagt uns wieviel umgewandelte Energie in jedem Prozess mindestens in Form von Waerme auftreten muss. Eine Abweichung von diesem universellen Gesetz fuehrt automatisch zum Perpetuum Mobile. Als Ergebnis kann kein Raumschiff ein Prozent der Lichtgeschwindigkeit in weniger als etwa einhundert Jahren oder 2% in weniger als 200 Jahren erreichen, ohne dabei durch seine eigene Abwaerme zu vergluehen. In der Praxis, bei einer realistischen Kombination von Hochtemperaturwerkstoffen, wird diese Beschleunigungszeit sogar noch wesentlich laenger dauern. Natuerlich kann der Altruist nun sagen: trotzdem ist interstellare Raumfahrt moeglich, wenn man Archen mit Generationen von Siedlern schickt, wo die Kindeskinder irgendwann am Ziel ankommen. Da hat er recht und es gibt noch weitere denkbare Methoden interstellarer Raumfahrt, die sich mit den absoluten physikalischen Grenzen arangieren koennen. Ich habe mich mit diesen grundsaetzlichen Fragen interstellarer Raumfahrt in meinem Text „Methoden zur Ueberwindung stellarer Distanzen“ intensiv auseinandergesetzt.

Die Natur hat uns neben den absoluten physikalischen Grenzen von Geschwindigkeit und Beschleunigung aber ein (riesengrosses) Hintertuerchen gelassen: unsere eigene Lebensspanne. Wir heutigen relativen Eintagsfliegen koennen unsere Lebenserwartung ohne weiteres so weit hinaus zuechten, dass wir tauglich fuer interstellare Fluege von 500 Jahren Dauer und mehr werden. Diese Zucht zum interstellaren Reisenden, der die Ankunft seines eigenen Raumschiffes aus egoistisch vertretbarer Sicht wenigstens selbst erlebt, ist moeglich. Nur deshalb hat die Natur dies so eingerichtet: sie braucht uns so dringend fuer den interstellaren, zielgerichteten Massentransport von Lebewesen um die aufzuwendende Energie im stellaren Oekosystem zu minimieren. Dafuer schenkt sie uns die Lebensspanne, die wir dazu benoetigen, wenn wir wollen. Nun macht alles einen Sinn: die Kometen, die Eiszeiten, die ersten schoenen Menschen, das intelligente und das geduldige Volk, die Adligen und ihre Helden, und der quasiunsterbliche Sternfahrer der sich der urspruenglichen Lebenskraft in sich erinnert. Sie alle sind Teile des Grossen und Ganzen. Die Natur hat es so eingerichtet, dass wir uns selbst zu Sternfahrern zuechten koennen, weil sie uns dringend braucht. Wenn wir zu den Sternen fahren, schenkt sie uns dafuer quasiunsterbliches Leben. Wenn wir nicht zu den Sternen fahren, toetet sie uns bald und stellt unserem evolutionaeren Nachfolger die selbe Wahl, falls er ueberhaupt genuegend Verstand besitzt, diese Wahl als solche zu erkennen. Aber wenn man es versteht, wie wir es nun verstehen, ist es eine freie Entscheidung. Wir haben die bewusste Wahl. Die Natur ist kein Despot. Schliesslich hat auch das Vergehen seine Vorzuege, ob bewusst oder unbewusst.

Nicht natuerliche Wege zur Unsterblichkeit

Wir haben im letzten Kapitel gesehen, warum die Natur uns die autogene Zucht zu quasiunsterblichen Wesen ermoeglicht: weil sie uns dringend braucht. Wir sind da, die Leben verbreitende Wirkung ihrer Kometen zu vervielfachen. Der Transport von hoeherem Leben mit Hilfe der Kometen ist sehr schmalbandig. Nur Bewusstsein entwickelnde Lebewesen wie Menschen koennen diesen Transport auf eine breitbandigere, weniger zufaellige Basis stellen. Dies senkt den Energiebedarf im stellaren Oekosystem immens. Die einzelnen weit voneinander entfernten Planeten muessen nicht jeder fuer sich alle Entwicklungsschritte der biologischen Evolution muehsam und energieintensiv durchlaufen. Was jetzt schon die Kometen zum Teil vollbringen, kann durch uns Menschen sehr viel besser geschehen. Unsere Saatschiffe und Archen mit unseren Besatzungen von kosmischen Bauersleuten sind die Kometen der Zukunft, die Ueberbringer des Lebens zwischen den Sternen. Und wenn wir es nicht tun, dann tun es entweder unserer Nachfahren nach einem katastrophalen Impakt oder die anderen Menschen, die von einem anderen Planeten kommen. Stellen wir uns dieser auf ewig sehr anstrengenden aber sicherlich auch sehr befriedigenden Aufgabe? Oder geniessen wir lieber unser vergaengliches Leben? Wir haben die freie Wahl. Das ist sehr schoen.

Wenn die Theorie der Stellaren Oekologie nun auch zum ersten Mal dem Menschen einen oekologischen und damit naturwissenschaftlich begruendbaren freiwillig zu waehlenden Sinn zuspricht, und gleichzeitig erklaert warum der Mensch quasiunsterblich werden sollte, wenn er seinen Sinn im Leben oder der Biologie – der Wissenschaft vom Leben – akzeptiert, so gab es doch auch schon zuvor immer eine – wenn auch unbewusste – Auseinandersetzung mit dem Wunsch des unsterblichen und ewigen Lebens und darueber hinaus eine lange Suche nach dem Sinn. Es scheint fast so, als haette die Natur uns in irgend einer Form mit einem unbewussten Drang dazu ausgestattet, damit wir unseren Sinn im Leben selbst entdecken und ihm genuegen koennen, wenn wir wollen.

Ich moechte nun einige in der Vergangenheit diskutierte naturwissenschaftliche Methoden zur Erringung von Quasiunsterblichkeit und Unsterblichkeit diskutieren, die keine einfache natuerliche Zucht beruecksichtigen, sondern kompliziertere und vielleicht schnellere Wege darstellen, schliesslich wird eine Zucht zur Quasiunsterblichkeit mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 500 Jahren und mehr selbst viele Jahrtausende und noch laengere Zeitraeume benoetigen.

Wir koennen also davon ausgehen, dass die Natur mit der Moeglichkeit zur autogenen Zucht unsere Quasiunsterblichkeit langfristig garantiert, wir aber vielleicht Abkuerzungen dorthin Kraft unserer Technik in der Lage zu entwickeln sind. Ich definiere diese Wege hier nun als nicht natuerlich und bezeichne nur die Zucht am Menschen durch den Menschen als den natuerlichen Weg, weil er uns mitgegebenen wurde, in uns bereits genetisch sozusagen veranlagt ist, und den wir auch ohne jede Technik jederzeit umsetzen koennen. Natuerlich koennte man nun kritisieren, dass all unsere Technik ebenfalls natuerlich sein muss, weil sie indirekt durch uns letztendlich von der Natur umgesetzt wird, um dem Energieminimierungsprinzip der Stellaren Oekologie zu genuegen. Damit waeren Techniken zur Lebensverlaengerung genauso natuerlich wie interstellare Raumschiffe, die alternativ zu den Kometen Saatgut transportieren. Jedoch ist mir diese Begriffsdefinition von natuerlich zu weitgehend, ich bevorzuge eine klassische Grenze der Anwendung von Technik und Werkzeug, um zwischen natuerlich und nicht natuerlich zu unterscheiden, nur um mich bei meinen Gedanken nicht selbst zu verwirren. So bleiben die Begriffe bereits bekannt und alles weitere weiterhin schoen klar und einfach, hoffe ich.

Genbehandlung zur Aufhebung des programmierten Alterns

Dies waere der direkteste aller nicht natuerlichen Wege, denn der Zustand des Aufgehobenseins des programmierten Alterns der Zellen waere ebenfalls das angestrebte Fernziel einer natuerlichen Zucht. Wenn es gelaenge eines Tages durch eine Genbehandlung alle zellularen, heute noch groesstenteils unbekannten Mechanismen des programmierten Alterns der Zelle auszuhebeln, dann waeren Menschen quasiunsterblich und man haette das Ergebnis einer Jahrtausende waehrenden Zucht auf eine kurze Uebergangszeit von ein paar Generationen verlegt. Dadurch das die Zellen dazu in ihrer DNA manipuliert werden muessten, waere diese Behandlung natuerlich vererblich, das heisst, folgende Generationen wuerden von dieser Uebergangszeit an quasiunsterblich geboren werden, genau wie nach einer erfolgreichen natuerlichen Zucht.

Das groesste Problem einer solchen gentechnischen Vorgehensweise zur Erringung der Quasiunsterblichkeit, waeren die aus dem augenscheinlichen ploetzlichen Platz- und Nahrungsmangel folgenden Konsequenzen. Ein zeitweises Verbot Nachkommen zu zeugen waere unvermeidlich. Erst wenn die Aktivitaeten zur Lebensraumgewinnung im Sonnensystem und den angrenzenden Sternsystemen einen gewissen Umfang erreichen wuerden, waere fuer die Neubesiedlung fremder Planeten wieder an eine breite Nachkommenschaft zu denken. Das heisst, die Gesellschaft wuerde geistig – aehnlich dem ersten Leben im Praekambrium und im Prinzip aus dem selben Grund – eine laengere Zeit der Stagnation oder aeusserst langsamen Entwicklung erleben. Dies zeigt wiederum: Unsterblichkeit ist nicht in jedem Fall eine gute Sache, sie kann auch sehr hinderlich fuer eine notwendige Entwicklung sein. Es handelt sich hier also um eine moegliche sehr grosse Gefahr fuer die Menschheit. Und ich meine sicherlich nicht den Mangel von Nahrung und Platz, denn der regelt sich letztendlich in jedem oekologischen System von alleine. Ich meine auschliesslich den Mangel von neuen guten Ideen, was in all seinen Konsequenzen zu viel mehr Leid unter den Menschen fuehren wird als Nahrungs- und Platzmangel. Damit wie man ueberhaupt neue gute Ideen erkennen kann, sie foerdern kann und ihre Ausbreitung unterstuetzt, habe ich mich in meinem Text „Wie breiten sich Ideen aus?“ ausgiebig beschaeftigt.

Medizinische Chirurgie

Es waere durchaus denkbar, dass die Medizin immer perfekter wird, und wir genuegend nachwachsende Organe zur Verfuegung haetten, aehnlich einem Ersatzteillager. Ich moechte nun nicht die Frage aufwerfen, woher diese vielen Ersatzorgane kaemen, sondern nehme einfach an, dieses Problem waere ohne Schrecken und Leid geloest. Immer wenn ein Organ versagt, gibt es ein neues. Irgendwann ist der ganze Koerper ein Flickenteppich neuer Organe. Die Schoenheitschirurgie beseitigt die dabei auftretenden Entstellungen wiederum, so dass ein oeffentlicher Auftritt wie Frankensteins Kreatur vermieden wird. Und niemand bemerkt, dass man nur noch ein kleiner Teil seiner Selbst ist. Mit diesem Problem zu leben duerfte fuer die meisten Menschen aus allgemeiner Praxis der konsum- und statusorientierten Industriegesellschaft kein unmoegliches Problem darstellen. Man wird immer aelter und aelter und besteht immer mehr aus fremden Organen und Geweben. Irgendwann wird wahrscheinlich ein Zustand erreicht, bei dem sich die Schaeden und Nebenwirkungen so summieren, dass man als Dauergast in der Intensivstation einer privaten Klinik endet. Dort liegt man dann und klammert sich an den letzten Lebensfaden: den letzten Konsum, das letzte Statussymbol. Medizin kann so sinnlos sein, wenn man dem dystopischen Gedanken einmal seinen freien Lauf laesst.

Ganzkoerpertransplantation

Unsere Hirnzellen wachsen staendig nach, wenn wir unser Gehirn fordern und anstrengen. Das Gehirn ist das einzige Organ das nicht altert. Dies bietet uns theoretisch die Moeglichkeit, wenn unser Koerper im Alter zerfaellt, eine Ganzkoerpertransplantation durchzufuehren und im Koerper eines jungen, hirntoten Menschen einzuziehen. Natuerlich ist dies heute neurochirurgisch noch voellig unmoeglich, wo man noch nicht einmal Querschnittsgelaehmte wieder gehend machen kann. Man koennte heute so allenfalls eine Art Gehirn im Tank erzielen, ein Gehirn das durch gefaesschirurgisch durchgfuehrte Arbeiten mit dem Blutkreislauf des jungen Koerperspenders verbunden waere. Das Ergebnis waere ein alter Mensch der wie beim Locked-In Syndrom voellig abgeschlossen von der Aussenwelt in einem jungen Koerper weiterleben wuerde, ohne alle Sinne, ganz allein mit seinen eigenen Gedanken eingeschlossen. Niemand weiss, ob solch ein Mensch mit der Zeit wahnsinnig wird, oder fuer immer in einer Art Traum versinkt oder ob sein Verstand sich aufgrund mangelnder Reize mit der Zeit aufloest und er so langsam stirbt (aehnlich der schlimmsten Variante des Kaspar-Hauser-Syndroms). Ohne jede Frage ist eine solche Existenz schlimmer als die Bewusstlosigkeit des Todes. Ich weiss nicht ob eine derartige Operation irgendwo bereits gelungen ist, wenn ja, haette ich tiefstes Mitleid mit dem Menschen und Patienten, der ja unrettbar verloren ist, und wuensche ihm eine moeglichst kurze Tortur.

Aber sollte die Heilung Querschnittsgelaehmter eines Tages gelingen, wird die Ganzkoerpertransplantation in realistische Reichweite ruecken. Es sind jedoch grosse Nebenwirkungen zu erwarten, denn schliesslich muessten genauso wie bei der Transplantation von Organen, staendig starke Medikamente gegen eine Abstossung des fremden Gewebes (spricht man hier von fremdem Koerper oder fremden Gehirn?) eingenommen werden. Auch wuerde sich die Hormonzusammensetzung des fremden Koerpers auf den Geist des neuen Besitzers des jungen Koerpers auswirken und ihn veraendern. Im Extrem koennte es sich um einen Koerper des anderen Geschlechts handeln und aus einem Mann wuerde eine Frau und umgekehrt – auch geistig, aufgrund der psychogen wirkenden Hormone des neuen Koerpers. Weniger extrem als das Geschlecht austauschende Koerpertransplantationen waeren rassenuebergreifende: Negride wuerden Mongolide und Europide wuerden Negride, jede Kombination waere denkbar. Stellen sie sich vor, sie wuerden in Ihrem naechsten Leben im Koerper eines ihnen fremd erscheinenden Menschen leben, wie wuerden sie sich fuehlen? Wenn seine Hormonspiegel ungefaehr ihren jetzigen entsprechen wuerden, wuerden sie sich wahrscheinlich ziemlich gleich fuehlen. Als Gedankenspiel ist die Koerpertransplantation auf jeden Fall sehr lehrreich, besonders fuer Rassisten.

Hohler Zwilling

Um das Problem der Nebenwirkungen bei der Ganzkoerpertransplantation zu umgehen, koennte man einen Klon, einen perfekten Zwilling der Person erzeugen. Im utopischen Fall, wuerden diese Zwillinge ohne Gehirn, sozusagen hohl, in kuenstlichen Huxleyschen Gebaermuettern bei Bedarf erzeugt, danach mit Wachstumshormonen im Tank schnell heranwachsen gelassen, bis der Schaedel genuegend Groesse erreicht haette, um das alte Gehirn in den geklonten hohlen Zwilling einzusetzen. Das ist der utopische Fall, und der klingt schon ganz schoen gruselig. Der dystopische Fall wurde in einem Hollywoodfilm namens Die Insel ausgiebig von allen Seiten betrachtet. In diesem Szenario ging man davon aus, dass ein Koerper ohne Geist nicht lebensfaehig waere und liess die Klone keineswegs hohl sondern als lebenslustige, froehliche junge Menschen in einer unterirdischen, von der Aussenwelt abgeschlossenen Stadt nichtsahnend ihrer Schlachtung entgegenleben. Die Kunden zahlten sehr viel Geld fuer ihre Zweitkoerper, was die Moral in den Hintergrund treten liess.

In einer solchen Welt will ich nicht leben – so oder so. Und Sie? Sie merken, lieber Leser, wie die augenscheinliche, unglaubliche, verdammenswerte autogene Zucht am Menschen durch den Menschen selbst, aufgrund des Mangels besserer Alternativen relativ betrachtet mehr und mehr zu einer vertretbaren und relativ sanften Form der Erreichung einer Quasiunsterblichkeit wird – falls man diese ueberhaupt erreichen will. Denn mindestens drei alternative Formen zur Erreichung der Quasiunsterblichkeit (Chirurgie, Koerperspender, Klon) waren bisher wesentlich radikaler bis unmenschlich. Aber zwei weitere alternative Techniken, die ernsthaft allgemein gesellschaftlich diskutiert werden, und auf die ich nun zu sprechen komme, werden zu wahren Ausgeburten der Hoelle einer unmenschlichen Technologie fuehren – und diese Wortwahl ist keineswegs uebertrieben, wie sie gleich hoeren werden.

Cyborg

Statt eines menschlichen Koerpers ist es auch vorstellbar, dass die Neurochirurgie Wege findet, alle ein- und ausgehenden Nervenimpulse des Gehirns mit elektronischen Apparaturen zu verbinden und die Sinne durch Sensoren zu ersetzen. Dann kann man vielleicht irgendwann das alte Gehirn mit seinen neuen elektronischen Sinnen in einen robotischen Koerper einsetzen und hat den klassischen Cyborg der Science Fiction Literatur erzeugt. Der beruehmte dystopische Action-Reisser Robocob hat uns alle Vor- und Nachteile spektakulaer vorgefuehrt. Ich brauche mich dazu nicht auszulassen. Aus medizinischer Sicht waeren weniger Abstossungsreaktionen als bei fremden Koerpern zu erwarten. Hormone muessten dem Gehirn regelmaessig durch Injektionen oder Dispenser zur Verfuegung gestellt werden, damit es geistig nicht verkuemmert. Man koennte das Prinzip Cyborg medizinsch auch als Ganzkoerperprothese bezeichnen. Ob es Totschlag waere, ein solches Maschinenmonster auf der Strasse zu ueberfahren oder doch nur eine Sachbeschaedigung, kann ich nicht sagen. Ich moechte mit dieser Frage aber die Unmenschlichkeit des Cyborg noch einmal anschaulich hervorheben. Natuerlich wuerde ich lieber sterben, als so weiterzuexistieren – und Sie?

Robot

Wir treiben den Cyborg auf die Spitze und bilden uns ein, es waere eines Tages moeglich, den menschlichen Geist in einer Computersimulation nachzustellen. Die sogenannten Transhumanisten Minski, Kurzweil und Moravec – nur um die bekanntesten zu nennen – sind als Computerwissenschaftler davon ueberzeugt, dass dies eines Tages moeglich waere. Man muesse nur alle Funktionen des Geistes in Echtzeit simulieren, dann haette man den menschlichen Geist in materieloser Form. Ich glaube auch, dass dies moeglich waere. Warum nicht? Ich bin jedoch keineswegs euphorisch bei diesem Gedanken und hege die selben Gedanken ueber sie wie der gute Professor Joseph Weizenbaum dies tat. Spielen wir es doch einmal durch: Best Case und Worst Case. Im besten Falle kann ein Mensch am Ende seines Lebens seinen Geist in eine Computersimulation uebertragen und diesen durch einen Roboter mobilisiert herumtragen. Mensch und Roboter werden eins.

Genauso wie man den Geist verstorbener Menschen – die sich einen teuren Roboterkoerper leisten konnten – in ihren neuen mechanischen Koerpern in einer Computersimulation weiterleben laesst, genauso koennen logischerweise nun auch voellig neue Geister und „Menschentypen“ durch einfache Variation aus dem Nichts erschaffen werden, die den Verstorbenen, die ja nun als Roboter weiterleben, nicht unaehnlich sind. Das bringt mich gleich zum schlechtesten Fall: Wenn man sich nun Menschen genausogut neu erschaffen kann, dann macht man das auch. Man erschafft erst einmal den perfekten Soldaten, dann den perfekten Polizisten und dann den perfekten Feuerwehrmann. Und so geht es weiter und immer weiter bis zum perfekten Lebenspartner.

Es bleibt kein Platz mehr fuer unperfekte Roboter. Ich sagte Roboter. Man kann also das Gedankenspiel weiterdenken, dass sich der Jetztmensch, ob nun organisch als Orginal, als Klon, oder in einer Prothese, ob in einem Koerpertransplantat, oder als reines Simulat in einem Roboter, immer unperfekt, unvoraussehbar, unberechenbar, unkontrollierbar verhaelt; wohingegen der Transhumane Neumensch eine optimalisierte, kontrollierbare, berechenbare, voraussehbare, perfekte Version des Menschen sein wird und damit der Idealmensch fuer jeden Machthaber, fuer jeden Patriarchen, fuer jede Matriarchin. Und so ist der Transhumanismus meiner Meinung nach zu verstehen: als eine Abschaffung des unperfekten Geistes und damit die Abschaffung von uns selbst, die wir ganz besonders durch unsere Unperfektheit definiert sind, unsere Einzigartigkeit mit unseren besonderen Staerken und Schwaechen – ob als Mensch oder als menschlicher Roboter. Das Humane wird ueber das Transhumane zum Antihumanen. Das Transhumane in seiner wortwoertlichen Bedeutung ist der Uebergang zur Abschaffung des Menschen.

Und was ist eigentlich mit den Menschen, die sich keinen kostspieligen Roboterkoerper leisten koennten? Diese duerfen dann in ihrer geistigen Simulation in einer immerwaehrenden virtuellen Welt weiterleben, einem ewigen Computerspiel. Feuer Frei! Sie hoeren es schon aus meiner Andeutung heraus, meine Leser, es wird noch schlimmer. Und deshalb und weil mir nichts mehr einfaellt will ich das Thema der nicht natuerlichen technischen Alternativen zur natuerlichen Zucht zur Quasiunsterblichkeit hiermit beenden.

Die Wuerde des Menschen

Was waere Ihnen lieber: entweder eines Tages fuer immer ihr Bewusstsein zu verlieren, oder eines Tages zu erwachen und auf die Haende und den Koerper eines anderen Menschen zu blicken; oder eines Tages zu erwachen und auf mechanische Haende und einen mechanischen Koerper zu blicken? Was ist Ihnen lieber: sich fuer immer zu verabschieden oder fuer immer weiterzumachen, auf der Suche nach einem Sinn oder ohne jede Sinnfrage nach Anweisung von irgendwem?

Es gibt nicht wenige Menschen, die empfaenden das Leben in einem anderen Koerper oder in einem Maschinenkoerper als eine so schreckliche Vorstellung, dass sie lieber tot waeren. Der Tod ist gar nicht mal uebel als Alternative, wenn man an die vielen Nebenwirkungen, Schmerzen, Aengste, Alptraeume, Panikatacken, Zurueckweisungen, Ekel und Aengste der noch Lebenden, und Erinnerungen an glueckliche Zeiten denkt. Mary Shelly’s Frankenstein – oder der moderne Prometheus kommt mir dabei immer in den Sinn. Die Transhumanisten sagen hier natuerlich – unkompliziert wie sie sind: kein Problem, wir loeschen euch eben alle hinderlichen Erinnerungen, Aengste und Schmerzen und es geht euch garantiert gut. Aber wollen wir als lobotomierte Software immerfroehlich und gutgelaunt auf unseren Metallbeinen durch die Gegend watscheln, als nette Maschine von Nebenan? Das war mal ein Mensch, wuerden sich die Nachbarskinder erzaehlen, und uns vielleicht verlegen und aengstlich zurueckgruessen, oder auch mal einen Stein nach uns werfen. Wir wuerden sie lieben, so wie wir alles lieben wuerden, zweifellos, fuer immer.

Die schnelle Abkuerzung einer moeglichen Genbehandlung, die das selbe erreicht wie die autogene Zucht, koennte unter Umstaenden auf groessere Akzeptanzprobleme stossen, weil die gesellschaftlichen Veraenderungen einem gemeinschaftlichen revolutionaeren Kulturschock gleich kaemen (der Verbot des Kinderkriegens zum Beispiel). Aber vielleicht koennten zukuenftige Generationen einen solchen Schock problemlos ueberleben, das laesst sich sehr schwer sagen, weil uns vielleicht viele Dinge heute als schrecklich und grauenhaft vorkommen, die man in Zukunft als harmlose Selbstverstaendlichkeit annimmt. Mein Lieblingsbeispiel hierzu ist und bleibt Facebook. In den Achtziger Jahren haette man sich bei dem Gedanken an Facebook mit absoluter Sicherheit sofort in den Suizid gefluechtet. Zum Glueck hatte aber niemand einen solchen grauenhaften Gedanken der perfekten – weil freiwilligen – Buergerueberwachungsmaschine. Heute leben fast alle Jugendlichen mit einer solchen freiwilligen Selbstueberwachung, so als haette es niemals etwas anderes gegeben und nur wenige toeten sich aufgrund von Facebook selbst.

Ob die Gesellschaft Huxleysche Zuchtfarmen fuer hohle Klone, die geistlos auf das alte Gehirn ihres sterbenden Zwillingsbruders warten, akzeptieren wird, wage ich zu bezweifeln. Aber ich kann mich taeuschen, bei Facebook habe ich mich ja auch getaeuscht, die Jungen haben es mit Begeisterung aufgenommen, und: ich benutze es auch. Ich weiss nicht wie ich darueber denken wuerde, wenn ich in einem autokratischen Land leben wuerde, und die falschen Saetze dort zu einem Gefaengnisaufenthalt aufgrund von Staatsfeindlichkeit fuehrten. Aber vielleicht ist es mit den hohlen Zwillingen so aehnlich wie mit sozialen Netzwerken: solange sie nicht missbraucht werden sind sie ganz nett, werden sie missbraucht, werden sie zum Monster.

Die medizinische Chirurgie, als Loesung das Leben zu verlaengern, mit ihren ausgetauschten Organen und Gliedmassen und plastischen Verschoenerungsoperationen, geniesst auch in unserer Zeit schon den Ruf des monsterhaften, und Boulevardzeitschriften fuehren die Reichen, die sich so verjuengern, als Zombis oder Freaks zur allgemeinen Belustigung vor. Wo ist da die Menschenwuerde? Nicht dass ich das lachende Volk kritisieren wollte.

Wenn Sie jetzt die Nase von Gedanken zur Unsterblichkeit komplett voll haben, und ihnen alle vorgeschlagenen Methoden pervers vorkommen, dann gebe ich Ihnen Recht. Wobei ich allerdings der Meinung bin, dass eine langsame Zucht zur Quasiunsterblichkeit ueber hunderte von Generationen, bei dem sich die durchschnittliche Lebenserwartung mit der Zeit sukzessive erhoeht, ein sanfter und menschlich vertretbarer Weg waere, wenn er passiv und weise durchgefuehrt wird. Eine Zucht muss keine Bevoelkerungsgruppen bevorteilen oder benachteiligen und kann voellig freiwillig geschehen. So koennen Menschen zum Beispiel freiwillig beschliessen, erst ab 42 Jahren Nachkommen zu zeugen. Wuerde dies zum Trend, wuerde die durchschnittliche Lebenserwartung nach wenigen Generationen bei mindestens 100 Jahren liegen bei einer allgemeinen Jugendlichkeit der meisten Menschen bis in ein Alter von durchschnittlich mindestens 70 Jahren.

Implizit gibt es natuerlich ein Bevorzugung: das Zuchtziel – die bessere Gesundheit und laengere Lebenserwartung. Diese ist aber wesentlich weniger offensichtlich und von Natur aus gerecht ueber alle Bevoelkerungsgruppen verteilt. Eine freie, objektive Wissenschaft und damit eine Beurteilung von genetischen Wahrheiten und statistisch-mathematischen Fakten ist hier die Grundlage einer Verhinderung des Missbrauchs. Sobald Wahrheiten ignoriert, verboten und umgedeutet werden und Eugenik den Machtinteressen einer Fuehrung untergeordnet und zur willkuerlichen genetischen Hygiene umgedeutet wird, muessen Menschen sinnlos leiden und sogar sterben.

Wir duerfen Missbrauch, wissenschaftliche Korrumpierung und Machtzielen unterworfene Technik niemals zulassen. Hier steht zum Beispiel die heutige Informationstechnik der Atomphysik oder der Genetik in nichts nach. Missbrach von Wissenschaft und Technik gilt es als latente Gefahr zu verhindern. Es gibt keine gute und keine schlechte Wissenschaft und Technik. In den falschen Haenden wird jede Technik zum Monster: selbst Solarenergie, selbst Medizintechnik, selbst Kinderspielzeug [1].

Autogene Zucht wuerde keine Selektion bedeuten sondern Zurueckhaltung: wer dazu beitragen will, dass die Menschheit in Zukunft aelter und gesuender wird, der muss mit dem Kinderkriegen so lange es ueberhaupt geht warten. Man benoetigt auch keinen Erbpass oder andere restriktive Mittel wie Gentests bei Einstellungen oder beim Abschluss von Versicherungen, die so mancher Politiker, Volkswirtschaftler oder Wissenschaftler hier und da vorschlaegt. Solche Tendenzen sind der falsche Weg zum falschen, faschistischen Gedankengut. Die Freiwilligkeit und Ungezwungenheit muss Grundlage bleiben. Wie will man den neuen sternfahrenden, nahezu unendlich freien, quasiunsterblichen Menschen erhalten, wenn man seinen Vorfahren von Anfang an die Freiheit nimmt? Das geht nicht, da kommt etwas anderes heraus, aber sicherlich kein Sternfahrer.

Der riesige Vorteil einer auf langer Sicht angelegten Zucht zur Quasiunsterblichkeit gegenueber den im letzten Kapitel besprochenen, staendig in der philophischen, und medizinisch-utopischen oder technisch-utopischen Literatur anzutreffenden Vorschlaege zur Unsterblichkeit, ist die Zeit. Man hat viel Zeit zu reagieren, man hat viel Zeit zum Ueberlegen, zur konstruktiven Kritik, zur gemeinschaftlichen, demokratischen Abstimmung (Demokratie braucht Zeit), man kann Fehler revidieren und Opfer eines ungewollten Seiteneffektes oder Unfalls (so etwas wird es geben) entschaedigen. Der schnelle Weg – zum Beispiel die Genbehandlung – kann mit etwas Glueck gut gehen, die Effekte eines Fehlschlags sind aber in jedem Fall Katastrophal und wahrscheinlich einem Holocaust gleichzusetzen.

Am gefaehrlichsten ist der Transhumanismus, weil er aufgrund der technischen Prinzipien der digitalen Datenverarbeitung die hoechste Geschwindigkeit von gesellschaftlicher Veraenderung bewirken wuerde. In die augenscheinlich richtige und dann doch als sich falsch herausstellende Richtung gelenkt, wuerde er mit grosser Wucht einschlagen und milliarden Menschen verletzen oder toeten. Wobei ich wie Weizenbaum glaube, dass die Transhumanisten hier andere Prioritaeten setzen.

Wie ich jetzt schon mehrmals gezeigt habe, Unsterblichkeit ist nicht in jedem Fall erstrebenswert und schoen. Ab einer gewissen Entfernungsweite interstellarer Distanzen ist eine Quasiunsterblichkeit der Sternfahrer sicherlich eine notwendige Bedingung. Entfernungen bis vielleicht zwanzig Lichtjahre lassen sich noch in Generationenraumschiffen mit einigen zehn Generationen heutiger Menschen ueberbruecken, wovon die letzten drei Generationen das Ziel erreichen. Irgendwann aber verliert sich das Fernziel und die Menschen wuessten gar nicht mehr, wozu sie ueberhaupt Leben. Ab einer groesseren Distanz sollten die Sternfahrer den Groessenverhaeltnissen des interstellaren Raums durch ihre Lebensspanne angepasst sein, um ihnen unnoetiges, grosses Leid einer anscheinenden Ziel- und Sinnlosigkeit ihres Lebens zu ersparen.

Mit den Generationenschiffen habe ich es vorweg genommen: der Gedanke der Unsterblichkeit kennt Formen, die zwar keine individuelle, persoenliche und egoistische Unsterblichkeit ermoeglichen, also das was man fuer gewoehnlich unter Unsterblichkeit versteht, aber eine Unsterblichkeit aus altruistischer Sicht ermoeglicht.

Altruistische Formen der Unsterblichkeit

Der Gedanke der Unsterblichkeit ist so alt wie das Denken selbst. Schon der Steinzeitmensch blickte auf sein neugeborenes Kind und sah sich, wie er in der Zukunft noch weiter jagen wuerde, wenn sein alter Koerper schon laengst zu Erde und Knochen geworden waere. Die ersten Schriftsteller freuten sich bei dem Gedanken, dass ihre geschriebenen Worte auf Stein, Ton oder Papier noch blieben und man ihre Stimme noch hoeren wuerde, lange nach ihrem Tod. Haetten sie gewusst, dass man sie jetzt, fuenftausend Jahre spaeter noch liest, sie waeren sicherlich vor Ehrfurcht vor ihren Steintafeln erschaudert. Mit solchen Zeitraeumen hatten sie sicherlich nicht gerrechnet. Ich kann jedem meiner Leser nur die Lektuere jahrtausende alter Schriften der Menschheit empfehlen, ihre Epen, Kommoedien, Abenteuergeschichten. Sie werden feststellen, dass sich das Leben der damaligen Menschen nur ganz geringfuegig von unserem heutigen Leben unterschied, und sie oft die selben Wuensche, Ansichten, Ideen und auch den selben Humor hatten.

Ich moechte in diesem Abschnitt noch einmal etwas detaillierter auf die Moeglichkeiten zur Erringung einer Unsterblichkeit eingehen, die zwar keine individuelle, persoenliche und egoistische Unsterblichkeit des Bewusstseins ermoeglichen, also das was man fuer gewoehnlich unter Unsterblichkeit versteht, aber eine Unsterblichkeit aus altruistischer Sichtweise. Auch moechte ich noch kurz eine immer wieder mal diskutierte und heute bereits seit langem technisch machbare Mischform zwischen egoistischer und altruistischer Unsterblichkeit vorstellen: den verzoegerten Zwilling.

Die eigenen Gedanken veroeffentlichen

Die Gedanken aufzuschreiben und zu veroeffentlichen ist eine altbewaehrte Form der Bewahrung von Teilen des eigenen Verstandes ueber den Tod hinaus. Seit der Antike gab es eine handschriftliche Vervielfaeltigung, in der Neuzeit kam dann der Buchdruck hinzu, heute gibt es den Internetblog. Damit kann jeder seine Gedanken veroeffentlichen. Auch ich. Wenn ich morgen durch einen dummen Zufall sterben sollte, dann koennten Sie zum Beispiel uebermorgen genauso meine Texte lesen wie heute und wuessten gar nicht, dass es den Autor nicht mehr gibt. Vielleicht wuerden Sie mir einen erbosten Kommentar schreiben, weil Ihnen einer meiner Texte nicht gefiel. Fuer Sie waere es so, als wuerde ich noch leben, nur dass sie natuerlich nie eine Antwort von mir bekaemen.

Die geschriebenen Worte ermoeglichen es, das eigene Wissen, die Wertvorstellungen und Erkenntnisse, selbst die eigenen Gefuehle, ueber viele Generationen uebergreifend zu vermitteln. Prosa, Lyrik, Mathematik und Musik sind dabei verschiedene Sprachen, die sich fuer die Notation bestimmter Gedanken jeweils besonders eignen. Mit wenig Ueberlegung kommt man zu dem Schluss, dass diese Sprachen wahrscheinlich universellen Charakter haben und jeder Art von Intelligenz im Kosmos zur Verfuegung stehen, nicht nur Menschen eines bestimmten Kulturkreises oder ueberhaupt nur Menschen. Damit besteht die Moeglichkeit durch einfuehlsame Uebersetzung, die Gedanken und Gefuehle zwischen Voelkern und Rassen selbst ueber sehr weite Distanzen zu uebertragen.

Es ist also vorstellbar, dass die aufgeschriebenen Gedanken bei Lebewesen voellig anderer Natur einen geistigen Nachfahren produzieren, der biologisch nicht annaehernd verwandt mit seinen geistigen Eltern ist. Ich denke an dieser Stelle eigentlich – im omniliberalen fast schon Roddenberry’schen Sinne [2] – mehr an exobiologische geistige seelenverwandtschaft als an menschliche Rassen untereinander. Bei letzteren wuerde ich moegliche Seelenverwandtschaften als Selbstverstaendlichkeit bezeichnen. Ich finde diesen Gedanken der interstellaren seelenverwandtschaft so reizvoll, dass ich diese Art altruistischer Unsterblichkeit auf jeden Fall aufgrund ihres universellen Charakters mit jeder noch so perfekten egoistischen Unsterblichkeit gleichsetzen wuerde. Wenn Sie mich ernsthaft fragen wuerden, fuer wen ich diesen Text schreibe, und ich Ihnen die Wahrheit antworten wuerde, dann wuerde ich Ihnen vielleicht erzaehlen: ich hoffe auf einen seelenverwandten Leser auf Kepler 22-b, Gliese 581 d oder HD 85512 b, den drei ersten erdaehnlichen Planeten, die entdeckt wurden. Sie sind mir relativ egal. Entschuldigung, aber ich sehe es als Selbstverstaendlichkeit an, dass hier und da zufaelligerweise ein schwarzer, ein brauner, ein gelber, ein roter Mensch und ein weisser Mensch, und von mir aus auch ein Robot Roderick auf der Suche nach dem Glueck, oder ein Robocop in Rente, meine Texte liest, waehrend sie im Laufe der naechsten Jahrzehnte und laenger auf den Webservern herumliegen. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich freue mich natuerlich um so mehr, wenn jemand, der jetzt und hier lebt, mir sagt: schoen dass Du so aehnlich denkst wie ich.

Es handelt sich bei der Methode, die eigenen Gedanken zu veroeffentlichen, also um keine Ersatzhandlung, eine egoistische Unsterblichkeit zu erreichen, sondern vielmehr um die Freude an der moeglichen Kommunikation auch ueber sehr weite Distanzen und sehr lange Zeitraeume und ueber Bezugssysteme wie Kontinente, Rassen, Religionen hinaus, lange nach dem eigenen Tod und Vergehen. Gerade wenn man schwierig zu verdauende, alte und neue Gedanken aeussert. Es wird diese Art von Kommunikation und Weitergabe von Gedanken immer geben, auch wenn egoistische Unsterblichkeit laengst ein trivialer Teil des normalen Lebens geworden ist.

Kinder zeugen und aufziehen

Der allgemein angewandte Klassiker in unserer Welt, in der wir jetzt gerade leben, zum Erreichen von Unsterblichkeit, ist Kinder zu zeugen und aufzuziehen. Jedes der eigenen Kinder besteht zu rund 50% aus den eigenen Genen und zum selben Teil aus den Genen des Partners. Purer Zufall bestimmt in unendlicher Kombinationsmoeglichkeit, welche neuen Menschen aus den Genen ihrer Eltern entstehen. Und doch erkennt man gewisse Eigenschaften von sich in seinen Kindern klar und deutlich. Durch die Erziehung der Kinder ist es moeglich, das eigene Wissen, die eigenen Erinnerungen, Erfahrungen, Rueckschluesse und Werte an die Kinder weiterzugeben. Es entsteht dabei zu der Teilkopie der eigenen Gene ebenfalls eine Teilkopie des eigenen Geistes, die sich mit den Erinnerungen und Erfahrungen, die die Kinder von anderen Menschen in ihrem Umfeld erlernen, und vor allem denen, die die Kinder im Laufe ihres Lebens selbst machen, vermischt.

Wenn man diese Gedanken zu Ende fuehrt wird klar: sterblich kann nur der Mensch sein, der selbst keine Kinder hat und den Kontakt zu Kindern und juengeren Menschen meidet. Jeder Mensch der aufgeschlossen mit Kindern und jungen Menschen umgeht und ihnen zu irgend etwas Nutze sein kann, wird auch irgendwie unsterblich. Dies ist weitaus mehr als ein schwacher Trost: Unsere gaengige Begriffsdefinition von Sterblichkeit und Tod, wonach diese mit dem Ende eines individuellen Lebens definiert ist, ist eigentlich ein rein ideelles, rein theoretisches Gebilde, was es so in seiner absoluten Polarisierung niemals wirklich gab. Ein allgemeiner Zustand irgendwo zwischen unseren gaengigen Definitionen von Leben und Tod ist vielmehr der, den wir antreffen, wenn wir uns die Welt um uns betrachten – nicht nur generationsuebergreifend, auch in einem individuellen Leben, denken wir doch nur an den Schlaf.

Der verzoegerte Zwilling

Das Prinzip Kinder zu zeugen und aufzuziehen laesst sich ins Extreme bis zum perfekten eigenen Nachkommen erweitern. Normale sexuelle Fortpflanzung ist aufgrund der Meiosis eine Vermischung der Allele mehr oder weniger nach dem Zufallsprinzip, es gibt praktisch unendlich viele moegliche Kombinationen wie der neue Mensch aufgebaut sein wird, einer der beiden Elternteile wird nie ganz dabei herauskommen koennen, die Wahrscheinlichkeit dazu ist unendlich klein. Bei einer Mitose, einer asexuellen Fortpflanzung waere dies anders. Koerperlich waere der Nachkomme eine 1:1-Kopie. Somit koennte man heute sofort der Selbstreproduktion recht nahe kommen, wenn man einen verzoegerten Zwilling von sich selbst haette, dessen Embryo man jederzeit auftauen und durch eine Leihmutter austragen lassen koennte. Er waere trotzdem ein eigenstaendiger Mensch, der seine eigenen Erfahrungen und Erinnerungen hat. Wenn man ihm wie einem Kind alles beibringen wuerde, was man weiss, kaeme dies einer Selbstreproduktion ohne Bewusstsein sehr nahe. Ohne Bewusstsein ist hier so zu verstehen: Natuerlich haette der verzoegerte Zwilling ein Bewusstsein – sein eigenes, nur das Bewusstsein des alten Menschen, der versucht sich mit dem Zwilling moeglichst weitgehend zu reproduzieren, wuerde ganz normal fuer immer vergehen.

Es waere vorstellbar, dass man so zum Beispiel selbst bei seinen eigenen Kindern als der eigene Enkel ein zweites Mal aufwachsen wuerde. Der Grossvater oder die Grossmutter waere dann der eigene Zwillingsbruder oder die Zwillingsschwester. Die eigene Tochter oder die Schwiegertochter waere dann die Leihmutter. Man ahnt schon, welche grossen ethischen und rechtlichen Probleme sich bei so einer einfachen Sache wie dem perfekten eigenen Nachkommen auftun.

Die Idee des verzoegerten Zwillings betritt damit einen Grenzbereich zwischen egoistischer und altruistischer Unsterblichkeit. Es ist eigentlich ein Versuch, mit heute technisch machbaren Mitteln das zu erreichen, was man sonst mit dem hohlen Zwilling erreichen wollte, wenn die medizinische Verfahrenstechnik und die Neurochirurgie soweit waeren. Wir erinnern uns, der hohle Zwilling kam geistlos auf die Welt und erwartete den Geist seines noch lebenden, jetzt sehr alten oder kranken Zwillingsgeschwisters. Der verzoegerte Zwilling ist jedoch ein eigenstaendiger Mensch, der andere Erfahrungen machen wird und damit keine Weiterfuehrung des eigenen Lebens und Bewusstseins. Er ist ein viel juengeres Zwillingsgeschwister. Das eigene Bewusstsein wird fuer immer vergehen. Damit hat der verzoegerte Zwilling nicht den Vorteil der egoistischen Unsterblichkeit, der Bewahrung des Bewusstseins, aber auch nicht die Vorzuege der altruistischen Unsterblichkeit, des schnellen Generationswechsels und statistischen Rekombination von Genen, und der damit verbundenen schnellen Entwicklung. Damit macht der verzoegerte Zwilling eigentlich weder als egoistische noch als altruistische Form der Unsterblichkeit einen Sinn. Es handelt sich um einen schlechten Kompromiss aus beidem.

Gegenueber dem menschenverachtenden Cyborg oder Robot ist der verzoegerte Zwilling natuerlich relativ harmlos. Trotzdem sollte man jedem, der derlei Ideen der Selbstklonung in der Hoffnung auf Unsterblichkeit hegt, erklaeren, welchem neurologischen, psychologischen und auch philosophischen Fehlschluss er unterliegt. Dass so etwas als Gesetz im Parlament – ob als explizites Verbot oder allgemeine Erlaubnis – diskutiert werden muesste, empfaende ich als unschoen und des Menschen nicht wuerdig. Ich nehme aber mit grosser Sicherheit an, dass hier und da Wissenschaftler eine Selbstklonung so schon im Geheimen durchgefuehrt haben. Wer soll es bemerken? Kuenstliche Befruchtungen, Embryotransfer und Leihmuetter sind heute an der Tagesordnung. Reden wir lieber nicht darueber, die verzoegerten Zwillingskinder, die es vielleicht hier und da gibt, koennen nichts dafuer. Wenn jedoch die Neurochirurgie bald soweit ist, dass man ein Gehirn verpflanzen kann, dann muessen wir uns ueberlegen, wie wir so manchen geheim erzeugten verzoegerten Zwilling vor seinem gierig auf seinen jungen Koerper starrenden Grossvater (und Zwillingsbruder) beschuetzen koennen. Kain wird seinen juengeren Bruder Abel diesmal nicht erschlagen, wenn wir gut aufpassen.

Xenophobie

Viele Leser werden bei meinen Ausfuehrungen zu einer Veraenderung am Menschen hin zu groesserer Gesundheit und hoeherem Alter, indem man das Fortpflanzungsalter freiwillig erhoeht, gestutzt haben: Moment einmal, was ist dann mit dem Down-Syndrom? Ist es nicht so, dass dies gehaeuft bei aelteren Muettern auftritt? Ja, das stimmt. Die Ursache fuer Trisomie 21 liegt in 95 Prozent der Faelle in einer unueblich verlaufenden Meiose. Wodurch diese unuebliche Zellteilung verursacht wird, ist nicht bekannt. Es wird jedoch aufgrund von Messergebnissen im Umkreis des Tschernobyl-Reaktors, wo die Wahrscheinlichkeit von Trisomie 21 einmalig um das Vierfache angestiegen war, vermutet, dass der Einfluss ionisierender Strahlung die unuebliche Zellteilung foerdert. Es wird auch vermutet, dass generell Schaedigungen von Eizellen, die Fehlerhaeufigkeit waehrend der Meiose steigern, und daher das Alter der Mutter eine Rolle spielt, denn mit zunehmendem Alter steigt die Fehlerhaeufigkeit in den Zellen und der DNS. Daher ist das Down-Syndrom auch nicht zu den Erbkrankeiten an sich zu rechnen.

Aus diesen Gruenden ist es auch wiederum einleuchtend, dass eine weitere Verschiebung des Fortpflanzungsalters zu hoeherem Lebensalter hin, die ja die Fehlerraten im Erbgut an sich statistisch bis zu diesem neuen Lebensalter minimiert, weil sich viele Individuen, die Fehlstellen im Erbgut besitzen, aufgrund von bereits in diesem Alter vorliegender Unfruchtbarkeit, nun nicht mehr fortpflanzen koennen, die Fehlerwahrscheinlichkeit im Erbgut in diesem Alter veringert. Das heisst zum Beispiel dass, Trisomie 21 bei einem Alter der Muetter von Anfang Vierzig viel seltener auftreten wuerde, wenn es in Zukunft mehr Frauen gaebe die noch mit Ende Vierzig fruchtbar waeren. Das ergibt sich aus einfachen statistischen Ueberlegungen im Hinblick auf die Gesamtpopulation.

Die Folge koennte sein, dass entweder die Wahrscheinlichkeit zur Trisomie 21 nun erst ab einem wesentlich hoeheren Alter nachweislich ansteigt, oder die Trisomie 21 mit der Zeit verschwindet, oder dafuer ein anderes Syndrom aufgrund von anderen Fehlerstellen im Erbgut zu Tage tritt, das wir noch nicht kennen.

Haben Sie sich jemals gefragt, warum die Menschen mit Down-Syndrom, obwohl sie meist ganz besonders freundlich, herzlich und in ihrer naiven, kindlichen Art besonders sympathisch sind, gemieden werden? Es gibt wie bei den „Normalen“ so viele unterschiedliche Charaktere wie es Menschen gibt, jedoch ist trotz einer oft auftretenden allgemeinen geistigen Behinderung, die emotionale Intelligenz bei den Menschen mit Trisomie 21 meist besonders hoch, im Durchschnitt hoeher als bei den „Normalen“. Die Kinder gelten daher sogar als weniger „anstrengend“ als die „Gesunden“ aus der Sicht der psychischen Belastung der Eltern und Erzieher. Fuer diese daher voellig unlogische Ausgrenzung aus der Gesellschaft gibt es eine ganz einfache Erklaerung: Xenophobie, die Angst vor dem Fremden. Denn anders und fremd wirken sie natuerlich auf normale Menschen, und da viele Menschen eine tiefe Angst vor dem Fremden in sich tragen, haben sie Angst vor einer Begegnung mit Menschen mit Down-Syndrom und meiden sie.

Wenn Sie wie ich glauben, dass es im Universum oft sehr gute Gruende fuer die Phaenomene um uns herum gibt, dann haben Sie sich ganz gewiss auch einmal gefragt, warum es so unterschiedliche Menschentypen gibt? Die folgende These ergibt sich logisch aus der Theorie der Stellaren Oekologie.

Wir erinnern uns, in der stellaren Oekologie haben intelligente Lebewesen die Aufgabe, den Transport von Leben durch die Kometen zwischen den Sternsystemen zu intensivieren. Deshalb gibt es sie ueberhaupt. Wir erinnern uns ebenfalls, dass die Natur es intelligenten Lebewesen ermoeglicht, sich selbst durch Manipulation des Erbgutes, oder nennen wir es einfach autogene Zucht, in jeder Art und Weise zu veraendern. Besonders wichtig ist dabei die Moeglichkeit, die individuelle Lebensspanne mit der Zeit und ueber die Generationen beliebig verlaengern zu koennen. Die Mechanismen wurden besprochen. Warum sind wir noch nicht viel Aelter? Warum haben die Maenner der Menschen immer die juengeren Frauen der Menschen vor den Aelteren als Partnerinnen bevorzugt, nur aufgrund aeusserlicher Merkmale? Nein, natuerlich nicht. Vor allem aus Angst vor dem fremdartigen Kind mit Down-Syndrom, dass aus einer solchen Verbindung eben etwas haeufiger hervorgeht als aus einer Verbindung mit einer Jungen. Deshalb sind wir nicht viel aelter geworden, obwohl wir genausogut erst mit 200 Jahren oder mit 300 Jahren sterben koennten, waeren die Maenner in den letzten Jahrtausenden bevorzugt Verbindungen mit Frauen am Ende statt am Anfang ihrer Fruchtbarkeit eingegangen.

Diese Angst vor dem Kind mit Down-Syndrom hat in den letzten Jahrzehnten etwas nachgelassen. Leider aus – meiner Meinung nach – falschen medizinisch indikativen Gruenden. Es ist sehr schoen, dass sich viele Paare dann trotzdem fuer ein Aufziehen eines Kindes mit Trisomie 21 entscheiden. Es zeigt, wie viel positive Kraft und Mut dennoch unter den Menschen vorhanden ist. Die Natur ermoeglicht uns hier das Erleben der Praesenz von voellig andersartigen Menschen. Solange wir Angst vor diesen Fremden haben, werden wir die notwendigen Schritte zu einer Lebensverlaengerung nicht wagen, weil wir aus unser tiefen Xenophobie heraus eine grosse Angst vor unseren gezeugten fremdartigen Variationen von uns selbst haben. Damit ermoeglicht die Natur der geistig emotionalen Unterentwicklung der Xenophobie keine koerperliche Weiterentwicklung zum sternfahrenden, langlebigen Wesen. Und das ist sehr, sehr wichtig so.

Wir erinnern uns: Die Nationalsozialisten hatten ein Eleminierungsprogramm fuer Menschen mit Trisomie 21, die Aktion T4, in dem sie diese Menschen systematisch ermordet haben. Wuerden xenophobe, emotional unterentwickelte Technokraten mit ihren von thermonuklearer Energie angetriebenen titanischen interstellaren Maschinen auf andere, technisch und militaerisch unterlegene Voelker treffen, wuerde dies zu einer Katastrophe schlimmer als der im nationalsozialistischen Europa fuehren. Aus ihrer Xenophobie heraus wuerden sie alles ihnen fremd und andersartig erscheinende und Furcht einfloessende vernichten oder unterdruecken. Xenophobe Raumfahrer waeren keine Ueberbringer des Lebens sondern die von ihren eigenen Aengsten und Alptraeumen getriebenen Bringer des Todes fuer jede ihnen unterlegene Rasse. Das laesst die Natur nicht zu.

Es ist damit zu rechnen, dass wir, waehrend wir uns in den naechsten Jahrtausenden zu langlebigeren Menschen entwickeln, auf noch viel fremdartiger erscheinende Variationen unserer Selbst stossen werden als unsere freundlichen Mitmenschen mit dem Down-Syndrom. Der emotional gereifte Sternfahrern wird sicherlich eine aehnlich hohe emotionale Intelligenz besitzen wie heute schon unsere Mitbuerger mit Trisomie 21. Sie zeigen uns bei all ihren Handycaps zu einem kleinen Teil einen besseren, intelligenteren Menschen der Zukunft und wir wiederum erkennen unsere Schwaechen beim Umgang mit ihnen. Wir brauchen sie. Ich habe gelesen, es gibt Menschen mit Trisomie 21, die Universitaeten absolvieren. Diese Menschen sind jeden Tag ausschliesslich von fuer sie voellig fremden, andersartigen Menschen umgeben und trotzdem haben sie keine Angst. Versetzen Sie sich selbst einmal in eine solche Situation – nur anders herum: es ist bewundernswert. Vielleicht ist einer philosophisch interessiert und liest gerade meinen Text.

Die Angst vor dem Tod

Wenn Menschen Angst vor ihrer Sterblichkeit haben, haben sie eigentlich Angst vor ihrer Bewusstlosigkeit. Dessen sollten sie sich klar werden. Wer Kinder hat oder Buecher schreibt und altruistisch unsterblich wird, besitzt nach seinem Tod zwar kein Bewusstsein, aber er lebt. Das ist nichts besonderes, das geht den meisten Tieren der Erde ebenso. Der Wunsch nach einer egoistischen Unsterblichkeit, die das Bewusstsein bewahrt, kann nicht aus der Angst vor dem Tod resultieren – allenfalls bei sehr schlichten Gemuetern. Der Tod ist schliesslich auch ein gnaediger Helfer, der vor langem Leid bewahren kann.

Der Drang nach egoistischer Unsterblichkeit kommt aus viel tieferen Gruenden heraus als einer Angst vor dem Tod. Eine egoistische Unsterblichkeit nutzt letztendlich nur dem Navigator und Sternfahrer, der eine Jahrhunderte lange anstrengende Odyssee zu bestehen hat. Er wird sich oft wuenschen, er waere lieber tot, und wird doch seiner Verantwortung, die er seinen Mitmenschen gegenueber hat, genuegen und durchhalten. Die egoistische Unsterblichkeit nutzt somit nur dem Altruisten, der bereit ist fuer die Seinigen zu leiden. Wer hingegen keine Verpflichtungen gegenueber seinen Anvertrauten hat, wird sich irgendwann nach laengerer Zeit, wenn er alles gesehen und alles erlebt hat, was er ueberhaupt zu erfassen in der Lage ist, letztendlich aus freiem Entschluss fuer immer zur Ruhe legen wollen. Der Sternfahrer wird ihn nur dafuer beneiden.

Leider gibt es heute geradezu eine Industrie, die mit der Angst vor dem Tod einfacher Menschen grosse Geschaefte machen. Es werden Techniken und Methoden angeboten, die den Tod so lange wie moeglich hinauszoegern sollen. Wie wir im vorigen Kapitel feststellten, ist der Tod ein Idealzustand, den es eigentlich nur theoretisch gibt. Es bleibt sehr viel von jedem Menschen, koerperlich und/oder geistig, wenn er Platz macht fuer die naechste Generation. Was es gibt, das ist die Bewusstlosigkeit. Und vor dieser Bewusstlosigkeit eine solche Angst zu haben, ist schon ganz schoen verrueckt, wenn man bedenkt, dass man jeden Tag fuer etwa acht Stunden einen Vorgeschmack davon bekommt – in den Stunden des Schlafes.

Folgende Methoden zur Hinauszoegerung des Todes werden immer wieder einmal diskutiert und in Form von Therapien, Seminaren, Kongressen, Buechern und Pharmazeutika zum Kauf angeboten: Frischzellentherapie, Parabiose, Antioxydantien (Ascorbinsaeure, Tokopherole, Cystein, Taurin, Methionin, Selen, Deanol, BHT, BHA, Ethoxyquin, NDGA, Ascorbylpamitat, etc.), Vitamine, Mineralstoffe, Autoimmuntherapie, LSD, Katecholamin-Therapie, Sulfonamide, Hormontherapie, usw. Wer sich die Medikamente beschafft, sollte genau wissen was er tut. Viele der Stoffe, auch anscheinend harmlose wie Vitamin E (Tokopherole) haben falsch dosiert eine organzerstoerende und keineswegs lebensverlaengernde Wirkung, sondern genau das Gegenteil. All diese Methoden sind aber im Grunde groesstenteils ein Geschaeft mit der Angst vor dem Tod. Natuerlich ist es sehr praktisch, wenn man zum Beispiel durch die langfristige Ueberdosierung von Vitamin C keinen Schnupfen mehr bekommt, man wird aber nach einiger Zeit feststellen, dass der Koerper Erkaeltungen anscheinend als Ruhe- und Erholungsphasen benoetigt, und eine solche einseitige Manipulation andere Nebenwirkungen zeigt.

Wesentlich bewaehrter sind die Methoden, die buddhistische und christliche Moenche schon seit ueber tausend Jahren anwenden, und damit in ihren von der restlichen Welt abgeschlossenen Kloestern eine sehr hohe durchschnittliche Lebenserwartung unabhaengig von der Entwicklung der medizinischen Versorgung erreichten: Vermeidung von Stress durch Abwendung von der Welt und viele feste Rituale, eine ideale ausgewogene aber knappe Ernaehrung, Hypothermie durch chronische leichte Unterernaehrung, Kraeutertherapien, regelmaessiges Fasten und Entschlacken, Vermeidung von Abusus und anderen geistig und koerperlich unguenstigen Verhaltensweisen. Diese – ich nenne es mal ganzheitliche – Lebensweise ist natuerlich nicht auf dem verzweifelten Versuch begruendet, den Tod so lange es geht abzuwenden, sondern vielmehr die koerperliche und geistige Leistungsfaehigkeit der Moenche bis ins hohe Alter zu erhalten, um das Funktionieren der kleinen Klostergemeinschaften zu gewaehrleisten und nur wenige Faelle von Pflegebeduerftigkeit und Alterssenilitaet neben den vielen anstehenden Arbeiten betreuen zu muessen. Die Verlaengerung der durchschnittlichen Lebenszeit der Moenche ist dabei lediglich ein Nebeneffekt ihrer hohen koerperlichen und geistigen Gesundheit.

Aehnliche jugend- und lebensverlaengernde Effekte wie in den klassischen Kloestern beobachten wir heute zusaetzlich in einer anderen relativ stressarmen, geistig befriedigenden, und stark rituell ablaufenden Umgebung: den weltlichen Universitaeten – den Kloestern der saekularisierten Demokratie. Es scheint so – die Schnittmenge des Kloster- und Universitaetslebens betrachtend, dass vor allem ein Leben ohne staendig wechselnde Anforderungen der Umwelt und daher ohne viel seelischen und koerperlichen Stress und damit viel Freude am Tun, die Jugend und das Leben lange bewahrt. Dies ist – nach allem was bisher in diesem Text ueber populationsgenetische Veraenderungen der Lebenserwartung gesagt wurde – eine voellig logische und sinnvolle Einrichtung der Natur: aendert sich die Umwelt, muessen die Individuen schneller sterben, dass die evolutionaere Anpassung beschleunigt wird, um ein Ueberleben zu gewaehrleisten; bleibt die Umwelt relativ gleich, ist der evolutionaere Druck geringer und sie duerfen laenger leben, damit das Oekosystem fuer Veraenderung moeglichst wenig Energie aufwendet, denn schnellere Generationswechsel verbrauchen mehr Energie als langsamere Generationswechsel.

Die Auferstehung

Die alten Aegypter glaubten einst, dass sie, wenn es ihnen gelaenge, ihre Koerper vor dem Vergehen zu bewahren, wieder auferstehen wuerden. Heute lachen einige von uns darueber und kaufen sich gleichzeitig bei einem amerikanischen oder russischen Kryonikunternehmen eine Moeglichkeit, ihren toten Koerper in fluessigem Stickstoff aufzubewahren. Sie hoffen, wie die Aegypter, dass irgendwer ihren Koerper eines Tages wieder auferstehen lassen wuerde, diesmal nicht die aegyptischen Goetter sondern Goetter in Weiss, aber ansonsten sehe ich hier prinzipiell keinen Unterschied.

Ich frage mich jedoch oft, warum Menschen der Zukunft Muehe und Geld in die Auferstehung eingefrorener Leichen stecken sollten? Fuer wissenschaftliche Experimente, ja – aber sind Menschenversuche dann wieder erlaubt? Um einen Menschen zu besitzen, in dessen zweites, kuenstliches Leben man sehr viel privates Geld gesteckt hat, eine Ausnahmeregelung fuer bestimmte Formen der Sklaverei? Wohl kaum um den Eingefrorenen zu helfen, schliesslich geht es ihnen ja in ihrem Kryostaten sehr gut – so sorgenfrei. Bestenfalls aus historisch wissenschaftlichen Gruenden – das wuerde aber wiederum heissen, dass unser heutiges nahezu perfektes Informationsnetz nicht bis dahin ueberlebt haette, und daraus lassen sich wiederum andere Schluesse ziehen. Also, mir fallen bei realistischer Abwaegung der Moeglichkeiten fast nur ziemlich unangenehme Dinge ein, und deshalb – und weil ich nicht glaube, dass das zweite Leben ohne ein aus der schwierigen Wiederbelebung resultierenden Siechtum verliefe – lasse ich mich spaeter bestimmt nicht einfrieren.

Die Christen glauben bekanntermassen ebenfalls an eine Auferstehung der Toten. Ihr Heiland, Jesus Christus, ist der Prototyp, so wie er seinem Grab entstieg, so werden alle Christen, die ihm folgen, eines Tages auferstehen und ewiges Leben erringen. Es gibt sicherlich in vielen anderen Religionen aehnliche Bilder und Hoffnungen. Auch wenn diese Bilder alle durchweg metaphysisch und zu interpretieren sind, so finde ich sie gerade im Vergleich mit den Ideen aus den Naturwissenschaften sehr interessant. Oft haben die alten Religionen viele grundsaetzliche Ideen bereits vorweggenommen, wenn auch keine praktischen, biologisch physikalischen Loesungsansaetze vorgeschlagen.

Ich habe vorhin erklaert, warum die Natur uns dieses gewaltige Hintertuerchen des quasiunsterblichen Lebens gewaehrt. Sie braucht uns als Sternfahrer, die den interstellaren Transport von Leben intensivieren. Ihre Kometen sind ein zuverlaessiger, aber sehr schmalbandiger Kanal. Da die Naturgesetze Reisezeiten von mindestens Jahrhunderten bis zu Jahrtausenden vorschreiben, gibt sie uns die Moeglichkeit uns diesen Umweltbedingungen anzupassen. In diesem Fall beduerfen weite Entfernungen und lange Reisezeiten langer Lebenszeiten, um die empfundenen, relativen Entfernungen schrumpfen zu lassen.

Koennte es sein, dass die Natur ausser der Quasiunsterblichkeit in ihrem genetischen Repertoir auch eine Art Auferstehung der Toten anbietet, die sie fuer den Fall, dass wir diese benoetigen, vorhaelt? Sehen wir uns wieder einmal auf der Erde um und staunen wir. In Nordamerika gibt es in der Tat einige Lurche, die im Winter komplett einfrieren und im Fruehjahr wieder auftauen und weiterleben. Der kanadische Laubfrosch ist einer dieser Lurche. Seine Koerperfunktionen kommen im Winter komplett zum Erliegen: kein Herzschlag, keine Hirntaetigkeit mehr. Er stirbt also im Winter. Aber in jedem Fruehjahr steht er wieder von den Toten auf. Man hat ihn im Labor mehrere Male hintereinander auf -7°C eingefroren und damit getoetet und dann wieder auferstehen lassen.

Wie macht die Natur das? Normalerweise platzen Zellen, wenn sie einfrieren, das Gewebe wird dabei komplett zerstoert. Die Pflanzen schuetzen sich dagegen, indem sie im Herbst austrocknen und ihre Saefte durch Salze soweit verdicken, dass ein komplettes durchfrieren der Zellen verhindert wird. Die Zellen ueberstehen so den Frost und wenn die Temperaturen im Fruehjahr wieder ueber Null steigen, verduennen sich die Saefte im Pflanzengewebe wieder und die Zirkulation nimmt zu und die Pflanze waechst und lebt weiter.

Die kanadischen Laubfroesche und andere Lurcharten ueberstehen den Winter ungefaehr genauso wie Baeume: ihre Zellen bilden derart hohe Salzkonzentrationen, dass sie auch bei -7°C noch nicht durchfrieren und dadurch nicht zerstoert werden. Friert man die Froesche auf weniger als -7°C ein, dann kann man sie nicht mehr wiederbeleben, weil Gewebeschaeden sie mechanisch von innen toedlich verletzt haben. Aber wenn die Froesche bei minus sieben Grad lagern, dann sind sie tatsaechlich zu einem gewissem Prozentsatz gefroren und damit sind alle Vitalfunktionen lahmgelegt. Sie sind tatsaechlich tot: herztot, kreislauftot, hirntot, vegetativ tot. Aber durch das Einfrieren verwesen sie nicht. Und im Fruehjahr stehen sie von den Toten auf. Wer jetzt seine religioesen Gefuehle verletzt sehen mag, der sollte meine Angaben noch einmal auf ihre Richtigkeit hin ueberpruefen (Forschungsberichte lesen oder am besten selber Versuche an Laubfroeschen durchfuehren) oder seine Position zu den Naturwissenschaften in Bezug zu seiner Religion grundlegend ueberdenken – vielleicht ist er weniger Naturwissenschaftler als er bisher glaubte.

Wer jetzt befuerchtet, dass ich dies im naechsten Satz auf den Menschen verallgemeinere, so wie ich dies mit der Quasiunsterblichkeit tat, den muss ich beruhigen oder enttaeuschen – je nachdem. Eine autogene Zucht zur Quasiunsterblichkeit ist relativ einfach durch die allmaehliche Verschiebung des Fortpflanzungsalters nach hinten zu erreichen, weil sich nur, die bereits vorhandene innere Uhr, die den Tod ausloest, zu einem spaeteren Zeitpunkt hin verstellen muss. Eine autogene Zucht zum Ueberleben des Eingefrorenseins durch hohe Salzkonzentration in den Koerperzellen ist eine derartige biochemische Veraenderung des Organsismus, dass sie sehr, sehr viel laenger dauern wuerde, wenn es bei Saeugetieren wie dem Menschen ueberhaupt moeglich ist. Boreale Baeume und Straeucher koennen das, einige Lurche koennen das, wahrscheinlich auch manche Fische, aber ansonsten kennen wir keine Lebewesen die sich so vor Frost durch Sterben und Widerauferstehen schuetzen. Wohingegen wir grosse Abweichungen der durchschnittlichen Lebenszeit bei allen Spezies ob Planzen, Saeugetiere, Insekten, Fische, Echsen, usw. beobachten. Teilweise sind nahe verwandte Arten extrem unterschiedlich in ihrer Lebenszeit. Das laesst erahnen, dass gezielte Zucht bei einer Art schnell grosse Veraenderungen der durchschnittlichen Lebenszeit erreichen wird.

Und selbst wenn wir den kanadischen Laubfrosch in uns entdecken wuerden, was haetten wir davon? Froesche muessen nur jeweils einen Winter tot ueberstehen. Das sind nur ein paar Monate. Sternenfahrer, die ihre Reise tot ueberstehen und dann am Ziel wieder auferstehen wollten, muessten aber mindestens Jahrhunderte, vielleicht Jahrtausende eingefroren sein. In dieser langen Zeit wuerden aber bei -7°C oder 266 Kelvin die entropischen thermischen Prozesse so gross sein, dass ihre DNS mit der Zeit durch molekulare Diffusion zerstoert wuerde. Eigentlich muesste man sie auf Temperaturen moeglichst nahe dem absoluten Nullpunkt (-273°C oder 0 Kelvin) kuehlen, aehnlich den eingefrorenen Toten in den heutigen Kryonik-Unternehmen, damit der thermische Zerfall der DNS fuer diesen Zeitraum quasi zum Erliegen kaeme. Nur da friert natuerlich jeder menschliche Koerper, jeder Baum und jeder Frosch komplett durch und wird auf zellularer Ebene mechanisch aufgrund des Platzens aller seiner Zellen von innen zerstoert. Eis hat nunmal ein groesseres Volumen als Wasser, und die ploetzliche Volumenzunahme zerstoert das Gewebe des Frosches bei unter -7°C und auch unseres, allerdings schon bei rund -1°C, wenn unsere Koerpersalze das Durchfrieren nicht mehr verhindern koennen. Eine Wiederbelebung ist dann nicht mehr moeglich. Ich rede hierbei nicht von Dauerstadien von Lebewesen, bei denen so etwas moeglich ist – sonst gaebe es keine Theorie der Stellaren Oekologie, sondern von den ausgewachsenen Lebewesen selbst.

Das heisst aber auch, dass uns eine Zucht zu dieser Auferstehung von den Toten, wie es die Baeume oder Froesche beherrschen, nichts nutzen wuerde. Eigentlich muessten wir unser Koerperwasser gegen ein hypothetisches (physikalisch bisher undenkbares) Wasser austauschen, dass beim Frieren keinen Sprung seiner Dichte zeigt, sondern sein Volumen ungefaehr beibehaelt. Dann koennten wir unsere Sternfahrer auf -196°C in fluessigem Stickstoff tiefkuehlen, hinter dicken Bleiwaenden vor der ebenfalls die DNS zersetzenden kosmischen Strahlung schuetzen, und am Ziel ihre Koerper ohne mechanische, entropisch-thermische Schaeden und Strahlungsschaeden der Zellen wiederbeleben. Die Auferstehung der Toten wuerde zum Bestandteil jeder Sternfahrt.

Was fuer den ganzen Koerper auf zellularer mechanischer Ebene gilt, gilt natuerlich genauso fuer das Gehirn, von daher wuerden alle Gehirn tranplantierenden Verfahren, wie Ganzkoerpertransplantat, hohler Zwilling und Cyborg hier keinen Ausweg bieten. Nur der Robot, der koennte sich einfach ausschalten und schlafenlegen, aber der ist kein Mensch mehr sondern ein Maschinenmonster, dass wir nicht als unseren Vertreter auf das Leben ferner Planeten loslassen wollen, oder? Was sollen die Wesen dort von uns denken, das wir Sachen sind? Oder dass uns selbst der Mut fehlt? Dies koennte zu verheerenden Missverstaendnissen fuehren, vor allem bei einem folgenden Gegenbesuch. Hat jemand ueber diesen Gedanken schon einmal nachgedacht?

Manche Menschen hoffen, dass es eines Tages hypothetische Nanoroboter gaebe, die Gewebeschaeden auf zellularer Ebene reparieren koennten. Niemand weiss allerdings auch nur annaehernd wie das gehen soll. Dann wuerden Sternreisen im eingefrorenen Zustand, ohne dass man auf hypothetisches Wasser zurueckgreifen muesste, moeglich und selbst unsere eingefrorenen reichen Nachbarn koennten eines Tages ihren Fluessigstickstofftank im Kryonik-Unternehmen wieder verlassen, und wie sie es sich wuenschen, von den Toten wieder auferstehen. Hoffen wir mal fuer sie, dass alles gut geht und sie in ferner Zukunft wieder menschenwuerdig in Freiheit, bei Verstand und ohne Schmerzen leben koennen.

Schlusswort

Alles Leben ist von Natur aus unsterblich. Das Leben auf der Erde hat nach anfangs sehr langer Zeit der Stagnation die Sterblichkeit als eine recht komplizierte und intelligente Technik des Vergehens hervorgebracht, um in einer Umwelt beschraenkter Resourcen regelmaessig Platz zu schaffen und sich damit schneller entwickeln zu koennen. Von da an verlief die Entwicklung des Lebens auf der Erde recht schnell. Mindestens eine evolutionaere Sackgasse, die nicht zum erwuenschten Ergebnis der Energieminimierung durch interstellaren Transport im stellaren oekologischen System fuehrte, wurde durch einen grossen Impakt nach Plan eleminiert. Jetzt sind wir an der Reihe. Wir haben die Wahl. Wir muessen nicht. Auch Vergaenglichkeit hat ihre Vorzuege. Wir haben die Unsterblichkeit in unserern Genen von Natur aus mitbekommen und koennen diese Lebenskraft in uns jederzeit ueber hunderte Generationen auch ohne jede Technologie durch eine autogene Zucht an uns selbst wieder hervorbringen. Dadurch koennen wir uns den natuerlichen Bedingungen des interstellaren Raums und der riesigen, nur relativ langsam zu ueberbrueckenden Entfernungen anpassen, wenn wir wollen. Wir koennen damit unseren Sinn als Boten des Lebens erfuellen, wenn wir wollen. Heute noch sind wir Eintagsfliegen im Verhaeltnis zu den Sternen, morgen schon koennen wir beginnen ihnen als freie Menschen zu begegnen – ohne Angst.

Ende

Quellen und Anmerkungen

Da es sich bei diesem Text vor allem um die Ergebnisse meiner eigenen Ueberlegungen handelt moechte ich ausnahmsweise nur auf vorherige Texte von mir selbst verweisen. Ich habe sie als direkte Links in den Text eingebaut. Ich moechte in meinem Text niemandes religoese, philosophische, ethische Empfindung versehentlich verletzen oder gar angreifen. Dieser Text ist nicht als Provokation gedacht. Dieser Text soll Philosophie in ihrer reinsten Form darstellen: freie, unabhaengige Gedanken, die als Bausteine zusammengefuegt ein Gedankengebaeude ergeben, das in sich schluessig und logisch erscheint. Es handelt sich bei dem Text natuerlich um keine akademische philosophische Wissenschaft. So wie der Maler meist kein Kunstwissenschaftler ist so ist der kleine Philosoph meist kein grosser Philosophiewissenschaftler. Uebrigens eine Wissenschaft, die ich als die Mutter aller Wissenschaften – auch der Technikwissenschaften – sehr verehre.

Ich habe etwas laenger (so ungefaehr 16 Jahre) ueber die richtige und unmissverstaendliche Formulierung der meisten in dem Text geaeusserten Gedanken nachgedacht, daher bitte ich Sie, lieber Leser, bevor Sie vorschnell irgend eine Meinung dazu aeussern, auch wenigstens 14 Tage darueber nachzudenken. Es handelt sich teilweise um empfindliche Gedanken, die sowohl vom Autor als auch vom Leser so behandelt werden sollten. Wer mich trotzdem missversteht und mich nicht leiden mag, der kennt mich nicht, aber ich hoffe, dass er mich eines Tages kennenlernt und positiver ueber mich denkt, als er es jetzt vielleicht tut. Um andere Autoren und Wissenschaftler nicht versehentlich in den Einflussbereich der teilweise sehr gewagten Thesen dieses Textes hineinzuziehen, verzichte ich ausnahmsweise auf jede Art von Quellenangaben ausser meinen eigenen. Sie sind auch nicht notwendig, wenn man dem Autor soweit vertraut, dass er die rein wissenschaftlichen Grundlagen seiner Ausgangsgedanken sauber recherchiert hat. Die darauf aufbauenden Gedanken, die sich zu einem hoffentlich schluessigen Gedankengebaeude ergaenzen, besitzen (soweit bekannt) eh keine andere Quelle als den Autor selbst.

Fuer F.S.

[1] Mein Lieblingsbeispiel fuer extrem gefaehrliches, menschenverachtendes Kinderspielzeug sind die Nahkampfsimulatoren, gebraeuchlich Ego-Shooter genannt, sie koennen meine Ansichten darueber hier lesen: Das Problem der Nahkampfsimulatoren, und hier: Der virtuelle Massenmoerder

[2] Gene Roddenberry war Drehbuchautor und Erfinder der Fernsehserie „Star Wars“, die in den sechziger Jahren in den USA ausgestrahlt wurde. Bekanntermassen erzaehlte die Serie die Abenteuer der Besatzung des Raumschiffs Enterprise. Bemerkenswert war, dass die Besatzung aus amerikanischen, russischen (mitten im kalten Krieg!), ja sogar japanischen Offizieren und am gewagtesten, einer schwarzen Offizierin, bestand. Damals hassten die meisten Amerikaner Japan immer noch wegen Pearl Harbour. Die schwarze Schauspielerin wurde am Filmset mit allen Mitteln von einigen weissen Maennern und Frauen diskriminiert, verachtet und gemobbt, so dass sich sogar Martin Luther King einschaltete und sie bat die Rolle weiterzuspielen. Das allerbesonderste war aber, das der erste Offizier und persoenliche Freund und fast schon Seelenverwandte des Kapitaens in der Serie ein ausserirdisches Wesen mit merkwuerdigen spitzen Ohren namens Mr. Spock war. Roddenberry galt als ueberzeugter Humanist, der mit seinen utopisch technischen Geschichten die menschliche Idee unabhaengig von Rasse und Religion ausbreiten, ja den Humanismus universell verstehen und zum Ausdruck bringen wollte. Die Geschichten moegen manchmal merkwuerdig und kitschig sein, aber es steckt immer dieser Gedanke dahinter. Ich halte Roddenberry fuer einen visionaeren Unterhaltungsgeschichtenerzaehler aehnlich Jules Verne.

Über monstermaschine

Blogger, Diplom-Ingenieur, TU, Raumfahrttechnik, Embedded Systems, Mitglied VDI, DGLR

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