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Space Canabis

– Illegaler Anbau psychogener Pflanzenwirkstoffe als kostenlose Studienobjekte fuer die Raumfahrt😉

Heute las ich in der Zeitung ueber den Fund einer riesigen unterirdischen Produktionsanlage fuer Marihuana mitten in Rom [1]. Das brachte mich auf folgenden Gedankengang: Ob Mars oder Mond, ob die Monde des Jupiter oder der anderen Gasriesen im Sonnensystem. Wir werden nicht um unterirdische Landwirtschaft herumkommen. Der Mond hat einen 28-taegigen Tag-Nacht-Zyklus. Die Pflanzen wuerden die lange Nacht in einem Treibhaus an der Oberflaeche nicht ueberleben. Ohne Magnetfeld und Athmosphaere ist die kosmische Strahlung auf dem Mond nur hinter Glas viel zu hoch fuer Pflanzengewebe. Auf dem Mars hat die Sonneneinstrahlung nur noch ein Drittel der Staerke des Sonnenlichts auf der Erde. Zu wenig fuer Pflanzen. Zumindest fuer einen nennenswerten Anbau, von dem sich Menschen ernaehren koennen. Auf den Jupitermonden Io, Europa, Ganymed und Callisto und den Monden der anderen Gasriesen herrscht ewige, eisige Nacht. Die Oberflaeche des Merkur ist viel zu heiss. Venus ist mit ihrem immensen Oberflaechendruck und ihrer Saeure-Athmosphaere unbesiedelbar. Ich weiss nicht, auf welche Gedanken andere Menschen bei Nachrichten von unterirdischen Farmen kommen. Ich denke an Kolonien im Weltraum, denn ich bin ein unverbesserlicher Philanthrop.

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Von der Aussenwelt abgeschottete High-Tech Canabis Produktionsfarm. Man beachte die Kuehlluftkanaele fuer die Beleuchtung. Damit wird die heisse Abluft der starken Beleuchtung abgefuehrt. Ausserdem wird damit verhindert, dass verraeterische aetherische Daempfe in die Umwelt gelangen. Aehnliche Vorrichtungen muessten auf dem Mond ebenfalls eingesetzt werden, um die unterirdischen Treibhaeuser durch die leistungsstarken Lampen nicht zu ueberhitzen. Quelle: [2]

Wenn wir also zum Mond oder Mars oder zu den Jupitermonden gehen, werden wir unser Gemuese, Getreide und Obst unterirdisch anbauen muessen. Dies ist auch die kostenguenstigste Anbaumethode, schliesslich ist das Baumaterial Fels vorhanden und muss nicht extra vor Ort hergestellt oder – noch schlimmer – angeliefert werden. Wir koennen jetzt schon viel von den heutigen Methoden im Berreich der illegalen Landwirtschaft darueber lernen. Auf diesen Gebieten sind die kriminellen Agrarexperten mit ihren praktischen und ausgereiften Alltagsloesungen erstaunlicherweise der Raumfahrtforschung um Jahrzehnte voraus. Fairerweise muss man dazu sagen, Raumfahrtforschung konsumiert Geld, Drogenproduktion produziert Geld. Schliesslich handelt es sich beim Drogenanbau um Primaerprodukte, genauso wie Getreide, Obst oder Gemuese. Primaerprodukte produzieren aus physikalischen Gruenden (Negentropie) ausnahmslos Wert und Geld. Die kriminellen Forscher sind also klar im Vorteil.

Niemand kann uns jedoch verbieten, die von der Polizei festgestellten Produktionsstaetten vor ihrer endgueltigen Vernichtung zu analysieren und daraus zu lernen. Nehmen wir uns den heutigen Fall in Rom vor [1]. Mitten in Rom in stillgelegten U-Bahnschaechten aus der Zeit Mussolinis haben Drogenproduzenten sozusagen gleich in der Naehe ihrer Abnehmer eine moderne Anlage betrieben. Sie war nicht ganz so ausgefeilt wie die Anlage, die im Jahr 2010 in der englischen Grafschaft Staffordshire entdeckt wurde [2], und letztendlich haben ueber das Abluftsystem austretende aetherische Oele, der typische intensive Marihuana-Geruch, den Produktionsbetrieb verraten, so heisst es. BBC-News berichtete ueber die roemische Anlage in einem Fernsehbeitrag [3]. Ein umfassenderes Polizeivideo der roemischen Steuerfahndungspolizei, das sich sehr gut zur Analyse der Produktionsanlage eignet, konnte ich in einem Artikel der oesterreichischen Zeitung krone.at finden [1]. Dieses Video findet sich als Youtube-Link auch in diesem Text weiter unten.

Aufbau einer hydroponischen Indoor-Anlage zur abgeschlossenen Produktion von pflanzlichen Substanzen, Quelle [11]

Technische Analyse der Roemischen Anlage

Die Zeitung krone.at schreibt, es sind 340kg auf 4000 qm geerntet worden. In dem Video habe ich drei Kammern mit Deckenbeleuchtung entdecken koennen:

  1. eine leere Kammer, entweder gerade in der Kulturfolge oder im Aufbau befindlich
  2. eine Kammer in Ruhephase bei kuenstlicher Nacht und
  3. eine Kammer in der Wachstumsphase bei kuenstlichem Tag

Jede der Kammern hatte etwa 40 Halogenstrahler an der Decke. Ich habe verschiedene Lampen recherchiert, das muessten – die gelbe Lichtfarbe beruecksichtigend – typische, in der Marihuana-Szene verbreitete – 600W-Natriumdampflampen sein fuer unter 100 Euro pro Stueck sein. Die dazugehoerigen Ersatzbirnen von Philips kosten etwa 50 Euro, haben eine Lebensdauer von 16.000 Stunden und strahlen im rot/gelben Spektrum bei 1950K.

Der Tunnel hat ungefaehr 4m Hoehe (=Radius) und 8m Durchmesser. Dies kann man gut abschaetzen wenn man einen der groesseren italienischen Polizisten im Video als Mass fuer etwa 1,80m nimmt. Die Kammern sind ungefaehr 20m lang und wurden ungefaehr mit einer Flaechenausnutzung von 0,5 bewirtschaftet. Die Flaechenausnutzung beschreibt hier die wirkliche Anbauflaeche der Kammer im Verhaeltnis zur Gesamtflaeche der Kammer. Das sind 8*20*0,5=80qm pro Kammer bebaute Flaeche. Bei drei Kammern macht dies eine gesamte Anbauflaeche von 240qm auf 480qm Gesamtlaeche der drei Kammern und nicht 4000qm, wie die Zeitung schreibt. Bei den 4000qm wird es sich um die vom Mieter offiziell angemietete Flaeche gehandelt haben, inklusive Zufahrt, Vorhof, Vorraum, Champignonfarm (zur Tarnung) und Verarbeitungsflaechen fuer die Haschisch-Produktion. Die sichergestellte Ernte stammte offensichtlich aus der gerade leerstehenden Kammer.

Vierzig Natriumdampflampen pro Kammer mit 600W elektrischer Leistung ergibt 3*40*600W=72kW Leistung fuer 3*80qm=240qm oder 300W/qm elektrische Leistung pro Flaeche. Jetzt muss ein wenig Physik ins Spiel gebracht werden: Ein thermischer Strahler von 6600K hat 96 Lumen/Watt Lichtstrom pro Waermeleistung. Unser Sonnenlicht ist ein typischer thermischer Strahler bei ungefaehr dieser Temperatur, denn die Temperatur dieser thermischen Strahlung ist die Temperatur der Sonnenoberflaeche. In Deutschland haben wir im Freien ungefaehr 400W/qm oder 38400 Lumen/qm durchschnittliche Sonnenleistung ueber 2000 Sonnenstunden. Eine typische Natriumdampflampe der Leistungsklasse 600W hat ungefaehr 150 Lumen/Watt Lichtausbeute. Ich komme jetzt mit 300W/qm auf 300W/qm*150Lumen/W=45.000Lumen/qm oder 45.000 Lux. Typische Bestrahlungsdauern fuer Canabispflanzen sind 12 bis 16 Stunden pro Tag. Das sind bei 16 Stunden 5840 Sonnenstunden im Jahr. Der Ertrag pro Flaeche muesste also im Durchschnitt bei dem 45000/38400 * 5840/2000 = 1,17 * 2,92 = 3,42-fachen liegen als in Deutschland im Freien.

Bei den angegebenen 340kg auf 80qm kaemen wir also rechnerisch auf eine Ernte von 4,25kg/qm oder umgerechnet 42,5 t pro Hektar. Dieser Wert ist viel zu hoch, auch bei optimaler Duengung und Bewaesserung. Ich habe mal nachgesehen: typische Ertraege von Canabis-Pflanzen werden im Handel zwischen 700g/qm und 900g/qm fuer den Indoor-Anbau angegeben [6]. Dabei geht man fuer gewoehnlich von 30.000 Lumen/qm zum Wachsen und 50.000 Lumen/qm zum Bluehen bei einer Beleuchtungsdauer von 12 Stunden am Tag aus [7]. Das Roemische Treibhaus koennte mit seinen 300W/qm und 45.000 Lumen/qm bei einer Beleuchtungsdauer von 16 Stunden um den Faktor 45.000/30.000 * 16/12 = 1,5 * 1,33 = 2 hoeher als die typischen Angaben der Haendler sein. Dann kaemen wir bei einer Hochertragssorte mit 900g/qm auf 1,8kg/qm oder 18t/ha. Meines Erachtens nach muesste es sich bei 42,5 t pro Hektar im Vergleich mit typischen Weizenernte von 7t/ha in Deutschland und mit Beruecksichtigung des Faktor 3,42 einer hoeheren Ernte der Roemischen Anlage gegenueber einer Deutschen Freilandernte um mindestens zwei Ernten handeln. Ausserdem kann man sich auch aus den Polizeibildern erschliessen, dass eine Ernte noch unverarbeitet in Saecken gelagert wurde (die frische Ernte der leeren Kammer) und die andere, aeltere Ernte schon zu braunem Konzentrat verarbeitet und in Plastikfolie verpackt war.

Somit bleibt pro Quadratmeter eine zu erwartende Ernte von 2,1kg/qm bei einer Elektrischen Leistung von 300W/qm und 45.000 Lux mit Natriumdampflampen und 16 Stunden taeglicher Beleuchtungszeit. In Hektar umgerechnet 21,25t/ha Ertrag bei 3MW/ha elektrischer Leistung. Optimale Duengung und Bewaesserung sowie Luftfeuchtigkeit sind vorausgesezt. Ueber eine Beleuchtungszeit von 5840h pro Jahr macht das pro Quadratmeter 1750 kWh/qm und bei einem Kilowattstundenpreis von 25Cent/kWh ungefaehr 437Euro/qm pro Jahr. Der Kilogrammpreis laege mit dem Ertrag von 2,1kg/qm bei 208Euro/kg.

Wirtschaftlichkeit

Ich moechte reinen Interesses halber einmal die Wirtschaftlichkeit der Anlage abschaetzen. Die Ernte von 340kg hat also mit den eben ermittelten Werten 340kg * 437Euro/qm : 2,1kg/qm = 70.800 Euro Strom gekostet. Ich gehe davon aus, dass es sich bei den 340kg um zwei Ernten handelt und das die Anlage pro Jahr drei dieser Ernten von jeweils 170kg Ertrag abwirft. Der gesamte Strompreis fuer drei Ernten waere dann 106.200 Euro. Die Polizei gibt einen Handelswert von 3 Millionen Euro an. Das gilt natuerlich nur fuer den Endverbrauchswert beim Buerger und ist wahrscheinlich etwas zu optimistisch, um den Zugriff sehr erfolgreich darzustellen.

Der Produzent duerfte eher ungefaehr 1/10 dieses Wertes also 300.000 Euro fuer seine Ware im Handel erzielen, wenn man mit mindestens einem Grosshaendler, einem Zwischenhaendler und dem Endverkaeufer rechnet, typische Margen von etwa 50% annimmt und annimmt, der Endverkaufspreis laege bei 20% weniger, also 2,4 Millionen Euro oder 7 Euro pro Gramm. Dieser Wert erscheint realistischer als der von der Polizei sehr optimistisch angenommene Endverbrauchspreis von rund 9 Euro pro Gramm. Das waeren bei drei Ernten nun 3 * 300.000Euro / 2 = 450.000Euro im Jahr, die der Produzent mit dem Verkauf der Ernten einnehmen koennte.

Zu den jaehrlichen 106.200 Euro fuer den Strom addieren sich nun noch die Miete und die kosten der Arbeitskraefte. Wenn wir fuer die Miete einen guenstigen Wert von 3 Euro pro Quadratmeter annehmen, dann waeren dies nochmal 12.000 Euro pro Monat oder 144.000 Euro im Jahr. Die Verarbeitung von Canabis soll aufwendig sein. Bei den abgeworfenen Ertragsmengen der Anlage duerfte jedoch zwei (fuer die Verhaeltnisse) gering verdienende Vollzeitarbeitskraefte voellig ausreichen, die sich auch um die Duengung und Bewaesserung kuemmern. Das waeren noch einmal 4000 Euro pro Monat oder 48.000 Euro im Jahr.

Damit wuerde das Einkommen des Anlagenbetreibers bei etwa 450.000 Euro – 106.200 Euro – 144.000 Euro – 48.000 Euro = 151.800 Euro im Jahr liegen. Viel weniger als man bei den Polizeiangaben von 3 Millionen Euro fuer den Wert der sichergestellten Ware erst einmal vermutet. Offensichtlich hat er keine Steuern bezahlt, auch nicht fuer die Pilzfarm. Schliesslich war es die Steuerfahndungspolizei, die den Zugriff durchfuehrte. Die angegeben Geschichte mit dem Geruch ist vermutlich ein Vorwand, um von einer Steuerfahndung als Anlass der Untersuchung abzulenken, was eine gewisse Ironie haette.

Wirtschaftlicher Zusammenbruch

Wenn wir nun davon ausgehen, dass das Handelsnetz von Haendlern und Zwischenhaendlern zumindest zum Teil von dieser Produktionsanlage abhing, verlieren durch den polizeilichen Zugriff und die Schliessung und Zerstoerung des Produktionsbetrieges folgende Menschen ihr Einkommen:

  • der Agrarunternehmer, der in das Gefaengnis kommt
  • seine zwei Angestellten, die vielleicht aufgrund ihrer finanziellen Abhaengigkeit mit Glueck wegen Mitwisserschaft auf Bewaehrung davonkommen
  • etwa 7 unentdeckte Zwischenhaendler mit jeweils 10 Endverkaeufern verlieren ihr Einkommen
  • etwa 70 unentdeckte Endverkaeufer mit etwa 10 Stammkunden verlieren ebenfalls ihr (sehr geringes) Einkommen

Damit werden von nun an 80 Menschen mitsamt ihren Familien verarmen und auf Staatskosten von insgesamt rund 80.000 Euro pro Monat ernaehrt werden muessen. Vorher haben sie jedoch mit drei Ernten im Jahr (3,6 Millionen Jahresumsatz) zusammen 300.000 Euro pro Monat umgesetzt, das sind im Durchschnitt 3800 Euro pro Monat pro Kopf. Das Durchschnittseinkommen schluesselte sich folgendermassen auf: die 70 Endverkaeufer und die beiden im Produktionsbetrieb angestellten Hilfskraefte verdienten etwa 2000 Euro/Monat, die 7 Zwischenhaendler etwa 10.000 Euro/Monat, der Farmbetreiber etwa 12.000 Euro/Monat und der Grosshaendler etwa 37.000 Euro/Monat abzueglich seiner Werbungskosten und der Ausgaben fuer den Personenschutz (der Grosshaendler als Zentrale Figur des Drogenhandels verarmt natuerlich nicht und verfuegt ueber weitere Produktions- und Vertriebsstrukturen). Diese Einkommen waren allesamt Einkommenssteuer- und Abgabenfrei, wurden aber in Form von Stromkosten, Wasserkosten, Duengemittelkosten, Anlagen- und Maschinen, Mieten, Benzin, Fahrzeugen, Reisen und allgemeinem Konsum in die Gesellschaft als Umsatz eingebracht und zusaetzlich mit einer Umsatzsteuer beim Erwerb aller Produkte und einer Benzinsteuer sowie einer Stromsteuer sogar zum grossen Teil auch noch direkt dem Staat zugefuehrt.

Wenn man davon ausgeht dass die meisten der Beteiligten schlauerweise auch schon vorher Staatshilfen von etwa 1000 Euro im Monat zusaetzlich zu ihrem illegalen Einkommen in Anspruch genommen haben, wird nun aus positiven +3800 Euro – 1000 Euro = +2800 Euro durchschnittlich pro Kopf und Monat fuer die italienische Gesellschaft von einem Tag auf den anderen negative -1000 Euro pro Kopf und Monat. Dies, plus den Kosten fuer die Ermittlung und den Zugriff, ist eine wirklich sehr schlechte wirtschaftliche Bilanz! Vor allem wenn man die relative Harmlosigkeit des Canabis gegenueber anderen weit verbreiteter psychogenen Substanzen, wie z.B. Alkohol oder Kokain bedenkt. Wobei der verheerende koerperliche, psychische und soziale Schaeden verursachende Alkohol sogar absolut legal ist. Menschen, die vorher durch hohe indirekte Steuern den Geldbedarf der Polizisten aus Staatsgeldern mitfinanzierten, werden nun wie die Polizisten zu reinen Empfaengern von Staatsgeldern. Dies klingt doch irgendwie volkswirtschaftlich ungesund, oder? Und auch so, als waeren dieser Methode irgendwo natuerliche Grenzen gesetzt.

Der Grosshaendler wird wahrscheinlich aufgrund guter Kontakte unbelangt bleiben, denn gute Kontakte sind sein Geschaeft. Er ist von allen Beteiligten die einzige wirklich kriminalistisch relevante Person und typischerweise gleichzeitig der einzige, der ohne Nachteile, ausser einer temporaeren prozentualen Gewinneinbusse, aus der Geschichte herauskommt. Die etwa 700 Kunden sind ebenfalls betroffen und muessen sich nun auslaendische, wahrscheinlich Nordafrikanische Quellen suchen. Dieser Wechsel der Lieferanten ist auch mit Risiken fuer Leib und Leben verbunden. In der Welt der illegalen Drogen gibt es keine Schutzpolizei, die einem helfen kann. Hier zahlt die Gesellschaft ueber Krankenversicherungskosten und Hinterbliebenenrenten in einigen ungluecklichen Faellen, in denen kontaktsuchende Kunden (vielleicht mit schlechter Zahlungsmoral oder undiplomatischem Auftreten) an die Falschen gerieten, wiederum anteilsmaessig. Eine wirklich sehr schlechte Wirtschaftlichkeit im Gesamtergebnis. Sie war vorher schon nicht hoch aufgrund der vielen Investitionen, der muehsamen Kleinarbeit und der versteckten Steuern, bot aber 80 Menschen und ihren Familien Arbeit, Obdach und Unterhalt. Nach dem Zugriff und der polizeilichen Zerstoerung aller Geldstroeme (ausser der Sozialhilfe und der Gefaengnisunterbringung vom Staat) ist die Bilanz katastrophal.

Soviel zu unserem kleinen volkswirtschaftlichen Ausflug in die Welt der Kleinkriminellen im Marhiuana-Milleu und die Ermittlung der nach einem polizeilichen Zugriff folgenden finanziellen Katastrophe. Das war mir vorher so nicht klar. Ich finde es aber einleuchtend. Was mich hier aber eigentlich interessiert, ist die (agrar-) technische Analyse, die ich bereits im vorigen Abschnitt durchfuehrte und ihre Bedeutung fuer die Raumfahrt, ueber die ich im naechsten Abschnitt schreiben moechte.

Bedeutung fuer die Raumfahrt

Viel interessanter als der Anbau des Marihuana ist natuerlich, dass man genausogut Aepfel, Birnen, Pflaumen, Getreide, Salat, Gurken, Wurzelgemuese, Kuerbisse und Kohl in diesen unterirdischen Anlagen anbauen koennte und hoehere Ertraege als auf der Oberflaeche erhalten wuerde. Natuerlich wuerde sich das auf der Erde nicht rechnen. Hier rechnet sich nur Marihuana, so lange es illegal bleibt. Aber auf dem Mond wuerde sich ein solcher Anbau von Lebensmitteln fuer die Kolonisten sehr wohl rechnen. Denn selbst bei extrem billigen Transportkosten von ca. 2000 Euro/kg [5] waeren dies verdammt hohe Gemuese-, Obst- und Brotpreise. Die Herstellungspreise auf der Erde kann man hier getrost vernachlaessigen.

Bei 437Euro/qm Stromkosten in der Roemischen unterirdischen Farm bei 25 Cent/kWh Stromkosten und 2,1kg/qm Ertrag waere dies ein Kilogrammpreis von etwa 208Euro/kg, der fuer einen unterirdischen Anbau zu erwarten waere. Dieser Preis pro Kilogramm waere so genauso auf dem Mond oder Mars fuer die dort lebenden Siedler zu erwarten, weil sich der unterirdische Anbau dort von dem unterirdischen Anbau auf der Erde nur gering unterscheiden wuerde. 208Euro/kg waere dann nur noch rund ein Zehntel von 2000Euro/kg, also extrem kostenguenstig.

Nun haben wir auf dem Mond oder den Planeten die Moeglichkeit exzessiv Nuklearenergie einzusetzten. Die Verseuchungsproblematik ist um einiges reduziert [4]. Hinzu kommt, das es neben Nuklearenergie auf Mond oder Mars keine wirkliche Alternative gibt. Alle Energieerzeugungsformen auf der Erde ausser die Solarenergie entfallen und Solarenergie ist mit Abstand die teuerste aller Energieformen. In der heutigen Weltraumfahrt wird sie ausschliesslich aufgrund ihrer Unkompliziertheit und Zuverlaessigkeit haeufig eingesetzt. Auf dem Mond mit seinen 14-taegigen Naechten und auf dem Mars mit nur 1/3 der Sonnenenergie, entfaellt die Solarstromoption komplett, wenn man mehr will als eine wackelige Sonde temporaer einzusetzen. Die Jupitermonde und entferntere Objekte sind fuer Menschen ueberhaupt nur mit dem massiven Einsatz von Nuklearenergie zu erreichen. Koennte man den Strompreis nun von 25 Cent/kWh auf 5 Cent/kWh fuer billigen Nuklearstrom reduzieren, wuerden die Lebensmittelpreise fuer die Marssiedler auf 42Euro/kg fallen. In diesem Bereich werden die Lebensmittelpreise der Weltraumsiedler der Zukunft dann wohl auch liegen. Denn weniger als 5Cent/kWh sehe ich selbst beim Einsatz billigster Kernfusionsanlagen, die auf der Technik der einfachen thermonuklearen Dampfmaschinen basieren [4], in absehbarer Zeit nicht.

Deshalb ist dieses Thema der geheimen Drogenfarmen, so verrueckt dies auch klingen mag, fuer die Raumfahrt von grosser Bedeutung. Die illegalen Farmer und Agrarexperten haben im Laufe von vier Jahrzehnten viele technische Probleme kostenguenstig und pragmatisch zu loesen gelernt. Sie haben funktionierende Mechanismen und Strategien auf der Basis von Erfahrungswerten erlernt. Es ging nur um Wirtschaftlichkeit, Effektivitaet, Bedarsfsdeckung und Gelderwerb im Geheimen und nie um Promotionen, Kongresse und Reputation. Der ideale Naehrboden fuer Innovationen also.

Growing Room in Tunnelform, Quelle [12]

Auf einem Hektar kann man mit den Methoden der biologischen Landwirtschaft in Deutschland ungefaehr 8 Menschen vollwertig ernaehren (mit Gefluegel und Kleinvieh als Abfallkonsumenten) [8]. In unserem Roemischen unterirdischen Treibhaus liegt der lichtstromgebundene Ertrag um das 3,42-fache pro qm hoeher als in Deutschland im Freien. Damit koennte man pro Hektar 27 Menschen oekologisch ernaehren. Man braeuchte also 3MW/ha fuer 27 Menschen/ha oder 111kW kontinuierliche elektrische Leistung pro Kopf, um dies zu ermoeglichen. Oder anders ausgedrueckt, mit einem Nuklearkraftwerk von 1GW elektrischer Leistung koennte man so 9000 Menschen oekologisch vollwertig ernaehren und mit Sauerstoff, Waerme, Frischwasser und allem anderen versorgen.

Wenn nun 9000 Mondsiedler gleichzeitig zu ihrem eigenen Nuklearkraftwerk 9 weitere Kraftwerke betreiben wuerden, die insgesamt 9 GW Leistung zur Erde senden wuerden, dann koennten sie damit sehr viel Geld verdienen. Und irgend einer Taetigkeit muessen sie ja nachgehen, um sich nicht zu langweilen. Wie dies technisch im Prinzip geht, erklaere ich hier: [4]. Wenn man davon ausgeht, dass der Strom 5 Cent/kWh kosten und fuer billige 12 Cent/kWh dem Erdenbuerger verkauft wuerde – eine klassische Win-Win-Situation – dann wuerden die Mondsiedler 7 Cent/kWh verdienen und ihre 9 zusaetzlichen Kraftwerke, die sie ausschliesslich fuer den Verkauf des Stroms betreiben wuerden, braechten ihnen pro Jahr 5,5 Milliarden Euro ein oder bei 9000 Mondsiedlern 610.000 Euro pro Jahr durchschnittliches Jahreseinkommen pro Kopf. Der (ueberernaehrte) Mensch benoetigt rund 500kg Lebensmittel pro Jahr. Wenn nun unsere Mondsiedler fuer diese 500kg bei 42Euro/kg insgesamt 21.000 Euro im Jahr fuer Lebensmittel ausgeben muessten, wuerde ihnen dies bei ihrem hohen Einkommen gewiss nichts ausmachen. Die Menschen auf der Erde haetten nun durch die Halbierung der Stromkosten und der damit ungefaehren Halbierung der Herstellungskosten aller Gueter ungefaehr das doppelte Einkommen zur Verfuegung.

Zusammenfassung

Wir koennen durch die Analyse sichergestellter illegaler komplett abgeschlossener oder unterirdischer Farmen sehr viel ueber die Landwirtschaft zukuenftiger Siedler auf dem Mond und dem Mars lernen. Solches Wissen verdanken wir nun tatsaechlich der Analyse von Anbaumethoden, die in messbarer und statistisch relevanter Ausbreitung mit zehntausendfachen Erfahrungswerten ueber lange Zeitraeume nur im Bereich des kriminellen Anbaus von pharmazeutisch indizierten Pflanzen vorzufinden sind. Hier wird seit fast vierzig Jahren im Verborgenen geforscht, verbessert und optimiert. Zur Schande der Agrarwissenschaft, der Raumfahrtforschung, der Wissenschaftspolitik, und der gesamten Gesellschaft, die all dies uebersahen und noch immer uebersehen, und die jene ingenioesen Erfinder bei der Umsetzung unwichtiger, teilweiser sinn- und richtungloser Erdpolitik verfolgen und einsperren, anstatt sich ihrer Erfahrung und ihres Wissens bei der aeusserst wichtigen Besiedelung des Weltalls zu bedienen.

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Im Miniaturformat gibt es aehnliche Erfahrungen auch im Bereich der Aquaristik und Terraristik. Darauf haben die Forschungsarbeiten im Bereich der Raumfahrt und der kontrollierten oekologischen Lebenserhaltungssystem meist aufgebaut und sind teilweise grandios gescheitert [9]. Der illegale Anbau von pharmazeutischen Substanzen im Verborgenen ist aufgrund hoher Motivation und einer unfassbaren Kreativitaet der Beteiligten vierzig Jahre durch alle Entwicklungsstufen gegangen und heute schon weit ueber dem Niveau einer reinen Aufrechterhaltung. Hier geht es schon lange um maximale Ertraege. Sauerstoffproduktion und Recycling sind hier triviale Randerscheinungen. Hier werden keine Ernten durch Doktrinen gefaehrdet, es herrscht gesunder Pragmatismus. Trotzdem ist der Grad an Abgeschlossenheit der Systeme mittlerweile faszinierend hoch. Ich wage eine lustige (leider nicht mehr ueberpruefbare) Behauptung: Haette man Biosphere II [9] damals von suechtigen „Indoor Marihuana Growers“ statt oekologisch interessierten aber voellig unerfahrenen biologischen Wissenschaftlern betreiben lassen, es waere auf der Basis funktionierenden Hanfanbaus und einer allmaehlichen Ausweitung auf neue Gebiete ein voller Erfolg geworden. Aber selbst heute ignorieren die meisten Oekologen unter den Biologen in ihrem verqueren Berufsstolz jede Existenz einer in Erfahrung haushoch ueberlegenen kuenstlichen Oekosystemtechnik im Verborgenen.

Ich moechte einen Wettstreit vorschlagen: man koennte zwei Treibhaeuser mit zwei Mannschaften auf dem Mars absetzen. Die eine Mannschaft bestuende aus praktisch erfahrenen Canabis-Home-Growers, die andere Mannschaft aus wissenschaftlich-biologisch ausgebildeten Oekologen. Sie haetten die gleichen Startbedingungen: gleiches Material und Anlagen, gleiche Lichtmittel, das gleiche Kraftwerk, gleiche Duengemittel, gleiches Saatgut, gleiche Anbauflaechen. Nach fuenf Jahren wuerde man die beiden Mannschaften abholen. Ich wette: die Wissenschaftler waeren alle erstickt oder verhungert, die Canabis-Growers jedoch haetten ihr Treibhaus zum Teil (durch geschmuggelte Canabis-Samen) zur Marihuana-Farm umgewandelt, weil sie sich damit auf ihre umfassenden Erfahrungswerte stuetzen koennten, waeren vielleicht unterernaehrt und durch jahrelangen massiven Drogenmissbrauch fahrig und phlegmatisch, aber ansonsten gesund und munter.

Treten wir einmal zurueck und sehen uns die Erde einmal aus einiger Entfernung an: Konsum und Verkauf, Verbot und Erlaubnis bestimmter chemischer Substanzen ist vor dem Hintergrund universeller, evolutionaerer Mechanismen wie die Entwicklung des Affen zu einem raumfahrenden, intelligenten Wesen von voelliger Bedeutungslosigkeit, und als Privatvergnuegen einiger Individuen keine Sekunde auch nur einen einzigen Gedanken wert. Die Besiedelung des Weltraums ist der Schluessel zu Wohlstand, Frieden und Menschlichkeit. Harmlosen kreativen Outlaws, die einem Laster froenen, niemandem schaden, und dabei ganz nebenbei diese haenderingend benoetigten Arbeitsplaetze fuer gering ausgebildete Menschen erschaffen (auch hier versagt die Politik komplett), ganze Polizeihorden hinterherzuhetzen und ihre in Jahrzehnten erarbeiteten hervorragenden technisch-wissenschaftlichen Leistungen in keiner Weise zu wuerdigen, nein, ihre Werke sogar aus Unverstaendnis und Ignoranz zu verbieten und zu zerstoeren, ist Faschismus. Die illegalen unterirdischen Farmen auf der Erde sind ein ebenso wichtiger Schritt fuer die Entwicklung der Menschheit wie funktionierende Fusionskraftwerke und kostenguenstige Traegerraketen. Sie werden einst die Nahrungsquellen der weltraumfahrenden Menschheit sein. Ich achte diese Vorarbeiten, auch wenn ihre Intention natuerlich urspruenglich eine andere war.

Quellen

[1] Unterirdische Cannabis-Farm entdeckt: http://www.krone.at/Welt/Cannabis-Farm_in_verlassenem_Tunnel_unter_Rom_entdeckt-Hightech-Anbau-Story-331106

[2] Autarke Cannabis-Farm in Staffordshire: http://www.lincs.police.uk/News-Centre/News-Releases/2010/8-11-2010-Update,-Cannabis-Crackdown,-Colsterworth-in-conjunction-with-Staffordshire-Police.html

[3] BBC-News ueber die Roemische Farm: http://www.bbc.co.uk/news/world-europe-19261316

[4] Der Nomad-Kernfusionsreaktor: https://monstermaschine.wordpress.com/2012/07/23/a-revised-version-of-the-fusion-steam-machine/#more-2228

[5] Ueber den kostenguenstigen Transport von Schwerlasten zum Mond: https://monstermaschine.wordpress.com/2012/07/30/transporting-heavy-duty-to-the-moon/#more-2357

[6] Canabis-Pflanzen fuer den sogenannten Indoor-Anbau: http://de.azarius.net/seedshop/greenhouseseeds/

[7] Anleitung fuer den Indoor-Anbau von Canabis: http://forum.hanfburg.de/fhb/showthread.php?t=230258

[8] Zur oekologischen Landwirtschaft: https://monstermaschine.wordpress.com/2012/05/08/wieviele-menschen-koennte-die-oekologische-landwirtschaft-ernaehren/

[9] Die Geschichte der Biosphere II: http://de.wikipedia.org/wiki/Biosph%C3%A4re_2

[10] Sicher gestellte Anlage in Malakwa bei Sicamous, Canada: http://shuswapnews.com/2010/05/17/malakwa-marijuana-farmer-raided/

[11] Modernste hydroponische Treibhaustechniken: http://greenbookpages.com/blog/272510/how-to-clean-a-grow-room/

[12] Tunnelfoermiger Growing Room: http://www.coolchaser.com/graphics/129271

Über monstermaschine

Blogger, Diplom-Ingenieur, TU, Raumfahrttechnik, Embedded Systems, Mitglied VDI, DGLR

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