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Die Entscheidung des alten Erfinders

Oft frage ich mich, wie es passieren konnte, dass die grossen Errungenschaften der Antike wie die praezisen mechanischen Rechenmaschinen [1], einfache Dampfmaschinen [2], galvanische elektrische Batterien [3], Bibliotheken mit Bestaenden von hunderttausenden Werken, darunter grosse Werke der Philosophie, Mathematik, Medizin, Astronomie und der Ingenieurswissenschaften [4], also alles, was unmittelbar zur Industrialisierung haette fuehren koennen, fuer fast 2000 Jahre einfach verschwand und dann wieder neu erschaffen werden musste? Diese Frage beschaeftigt mich seit langem.

Jesus als Guter Hirte, frühchristliche Deckenmalerei in der Calixtus-Katakombe in Rom, um 250

Wieso konnten die Roemer anscheinend, unserem Verstaendnisses von Entwicklung nach,  mit all dem nichts anfangen? Sie waren doch in der Architektur, im Strassen- und Wasserbau und der Organisation ihres grossen Reichs ansonsten ganz geschickt. Sie waren doch Techniker, warum haben sie die herausragendsten Griechischen Erfindungen nicht weiterentwickelt? Waren sie zu dumm? Gewiss nicht.

Warum haben die Griechen, zwar zwangseingebuergert in das Imperium Romanum, aber darin als typische Roemische Provinz doch relativ frei in ihrem Handeln, nicht weitergemacht und ihre Erfindungen perfektioniert, stattdessen anscheinend alles aufgegeben?

Der alte Erfinder und sein Enkelsohn

Neulich belauschte ich in einem Berliner Tagescafe folgende Unterhaltung zwischen einem aelteren Herrn und seinem etwa acht- bis zehnjaehrigen Enkelsohn:

„Klaeuschen, wir haben uns doch neulich ueber die Erfindung des Autos unterhalten..“

„Ja.“

„Und Du weisst doch noch, was das fuer grosse Auswirkungen auf die Welt hatte?“

„Ja, alles hat sich veraendert, und das Denken der Menschen hat sich auch veraendert, weil sie jetzt selbst ueberall hinfahren konnten.“

„Genau. Aber jetzt pass mal auf. Angenommen ich haette eine Erfindung gemacht, eine Maschine gebaut, die alle Menschen reich machen koennte. Eine Maschine, die alles ganz billig macht und jeder kann sich viel kaufen, und keiner muss mehr hungern. Mehr aber nicht. Sie macht die Welt nicht gerechter. Es koennte sein, dass einige noch viel mehr haetten als heute schon und andere gerade soviel, dass sie nicht hungern muessen und ein Dach ueber dem Kopf haben. Sie macht auch keinen Menschen gluecklich. Es gibt Menschen die sind mit wenig Geld gluecklich, andere mit viel Geld ungluecklich.“

„Ich weiss, Opa, das hat uns unsere Lehrerin auch schon mal erzaehlt.“

„Ok, dann sind wir uns einig. Meine Maschine wuerde die Welt also nur reich machen, nicht gerechter, nicht gluecklicher, nicht schoener, nicht friedlicher, einfach nur sehr reich.“

„Was ist das fuer eine Maschine, Opa?“

„Darauf kommt es nicht an. Es ist erst einmal ein Gedankenspiel. Aber pass auf: angenommen, ich haette diese Maschine erfunden, ich wuesste aber auch, dass die Menschen diese Maschine gar nicht so wert schaetzen wuerden wie ich. Nein, im Gegenteil, sie wuerden mich mit Sicherheit dafuer auslachen oder sogar beschimpfen, bis sie vielleicht eines Tages ihren Wert entdecken wuerden.“

Der Kellner kam vorbei, stellte dem Grossvater einen zweiten Kaffee hin, dieser bedankte sich und erzaehlte weiter:

„Ich wuerde auch nie damit Geld verdienen und Papa und Du auch nicht, weil man sehr viel Geld braucht, um sie zu bauen, und es lange dauern wird, bis sie installiert ist und richtig funktioniert. Aber es bleibt dabei: die Maschine kann alle Menschen sehr reich machen und niemand muss mehr hungern, weil selbst fuer den Geringsten genuegend uebrig bleibt.“

„Nie mehr?“

„Nein, es waere alles im Ueberfluss da, so das man allen Menschen genug schenken koennte – auch denen, denen man bei Knappheit nichts abgaebe, weil man sie vielleicht nicht mag.“

Der Enkel nickte langsam und sah den Grossvater erwartungsvoll an.

„Klaeuschen, was meinst Du, sollte ich den Menschen diese Maschine schenken?“

Was hatte der Grossvater da gefragt? Ich spitzte die Ohren und wartete gespannt auf die Antwort des Kindes. Klaeuschen ueberlegte nicht lange und gab dann folgende Antwort:

„Nein.“

„Aha! Aber warum denn nicht?“

„Sie haben es nicht verdient. Wenn sie sich wenigstens dafuer bedanken wuerden, dann waere es in Ordnung, aber wenn sie Dich fuer Deine tolle Maschine auch noch auslachen und beschimpfen, dann solltest Du sie ihnen auf keinen Fall schenken.“

Ich fiel voellig aus den Wolken! Was hatte das Kind da gesagt?! Sollte es kein Gedankenspiel sein, und sein Grossvater waere ein genialer Erfinder, dann koennte diese Antwort das Zuenglein an der Waage in die Richtung ausgeschlagen haben lassen, dass der Alte seine Erfindung mit ins Grab naehme! Vielleicht wuerde es tausend Jahre dauern, bis wieder einer eine solche Maschine entdecken wuerde! Das Ende des Hungers und Elends auf der Welt! So nah! Nur meine Vernunft hielt mich davon ab, nicht aufzuspringen und laut „Nein!“ zu rufen. Das ganze war ja gewiss nur ein philosophisches Gedankenspiel.

Christentum und der Sprung in das Atomzeitalter

Die beiden gingen irgendwann wieder. Ich blieb noch eine Weile und ueberlegte, und dann wurde mir klar: Es war eine bewusste Entscheidung! Ja, bei den Griechen, damals vor zweitausend Jahren. Die Griechischen Ingenieure gaben damals die Weiterentwicklung ihrer grossartigen, wissenschaftlich-technischen Erfindungen ganz bewusst auf, damit die Roemer diese Erfindungen nicht weiter nutzen konnten. Die groben, ungebildeten und gewalttaetigen Roemer – eben noch Bauern aus Huegeldoerfern am Tiber, jetzt die Herren der antiken Welt – waren aus der Weltsicht der Griechen Menschen von sehr geringem Wert, das Gegenteil der Griechischen adligen, gebildeten Helden. Und da es nicht moeglich war, von den Roemern unbemerkt weiterzuentwickeln, sollte lieber niemand diese Erfindungen bekommen als die unwerten Roemer und man stellte die Entwicklungen einfach ein.

Aus der Sicht der Griechen waren die Roemer dieser Maschinen und Aufzeichnungen einfach nicht wuerdig. Die Griechen hatten ein ganz bestimmtes Menschenbild, wonach es Menschen von sehr hohem Wert gab, die den Goettern naeherstehen – Helden – und weniger wertvolle Menschen. Sie hatten einen Erfindergott: Hephaistos, den goettlichen Schmied und Herr des Feuers. Dieser stattete ausser den Goettern nur ganz wenige der größten Helden wie Achill mit Waffen und Technik aus aber sicher keine Roemischen Centurionen! „Stoere meine Kreise nicht“, soll der grosse Archimedes ohne aufzusehen zu einem Roemischen Offizier gesagt haben, als er auf seiner Sandflaeche – dem damaligen Aequivalent zur heutigen Kreidetafel – geometrische Berechnungen durchfuehrte, und schenkte der Legende nach dem Roemer keinerlei Beachtung, selbst nicht nachdem er mit dem Schwert zugestossen hatte. Und so starb das beruehmteste technische Erfindergenie der Antike wie ein Held an seiner aus seiner Sicht berechtigten Ueberheblichkeit gegenueber einfachen Bauernsoldatenoffizieren, die nicht annaehernd verstehen konnten, welche komplexen Gedankengaenge er gerade durchlief, und jeder Erklaerungsversuch nicht den geringsten Sinn ergab.

Der naive, urzeitliche Mensch dachte genau so, der vorchristliche Mensch dachte so, die meisten Menschen ausserhalb des christlichen Kulturkreises dachten so, Kinder denken so, alle denken natuerlicherweise so, wie die Griechen waehrend der Roemischen Besatzungszeit: man verschenkt nichts an denjenigen, der es nicht wert ist. Diesen Satz gibt es in seiner Bedeutung wahrscheinlich in allen Sprachen, eine moderne Deutsche Variante lautet: „Warum die Perlen vor die Saeue werfen?“ Eine eigentlich sehr vernuenftige und pragmatische Sichtweise. Natuerlich ist die Legende um Archimedes Tod zugespitzt, in Wirklichkeit duerften sich die Soldaten und Offiziere des Imperium Romanums wahrscheinlich eher weniger fuer Geometrie als fuer starken Wein und junge Frauen interessiert haben. Es war fuer Techniker und Wissenschaftler sicherlich bequemer, ihre Forschungen einfach zu beenden, als sie dem Buerokratiestaat Rom anzubieten und dabei eventuell noch in das Visier neidischer Provinzbeamter zu geraten. Es bedurfte einer christlichen Philosphie der bedingungslosen Naechstenliebe, die erst viele Jahrhunderte spaeter groessere Verbreitung fand, dass Erfinder, Philosophen und Wissenschafler ihre genialen Werke nicht mehr aufgaben, wenn sie realisierten, dass ihre Mitmenschen es nicht wert waren, und dass eine Weiterfuehrung ihnen mehr schaden als nutzen wuerde.

Viele beruehmte Forscher der christlichen Welt wurden verleumdet, gefoltert, verstuemmelt und getoetet und trotzdem machten sie weiter. Es war die christliche, bedingungslose Naechstenliebe, die sie zum Weitermachen verpflichtete. Wenn man etwas entdeckt hatte, von dem man fest ueberzeugt war, dass es den Mitmenschen von Nutzen sein wuerde, dann war es eine christliche Pflicht, weiterzumachen. Man nahm die Schmach und Trauer hin, falls die Umwelt die neuen Ideen erst einmal ablehnte, und dankte Gott fuer die schlimmen Pruefungen, die er einem auferlegte und in denen man seinen festen Glauben unter Beweis stellen konnte. Jeder Mitmensch – selbst der boshafteste und gemeinste  – war es nun wert, sich fuer ihn aufzuopfern. In den meisten anderen Kulturen haette man seine Aufzeichnungen laengst verbrannt und ein schoenes Leben gefuehrt, statt es sich selbst so schwer zu machen.

Es ist meiner Meinung nach ein kurzsichtiger, historischer Fehlschluss, zu glauben, die christliche Religion haette die Entwicklung im Mittelalter aufgehalten. Man hoert ja nur deshalb von den vielen verfolgten und verteufelten Forschern in der christlichen Welt des Mittelalters und der aufkommenden Neuzeit, weil es sie gab! Weil nur die Forscher der christlichen Welt ueberhaupt bereit waren, gleich ihrem religoesen Vorbild, Jesus,  ein Maertyrium zum Wohle der Menschheit einzugehen. In anderen Kulturen war man zu jener Zeit sicherlich auch nicht zimperlich bei der Verfolgung ungewuenschter oder unangenehmer Ideen. In diesen Kulturkreisen gingen die Forscher das Risiko herausgeschnittene Zungen und abgehackter Haende aber erst gar nicht ein! Das muss die richtige Erklaerung sein, anderenfalls wuerde der Gedankengang weitergefuehrt ergeben, in anderen Kulturen haette es wegen allgemein mangelnder Vorstellungskraft solche Ideen nie gegeben, was ich nicht glauben kann. Hier wuerde man sich einmal wieder mit bequemem Chauvinismus ein paar unangenehme Gedanken ersparen. Warum hat sich Europa in der Neuzeit vor allen anderen Kulturen, die teilweise schon viel aelter waren, am schnellsten weiterentwickelt? Die christlichen Forscher und Wissenschaftler lasen jeden Tag in Texten wie diesen:

„[..] Liebet eure Feinde, segnet, die euch verfluchen, tut Gutes denen, die euch hassen, bittet für die, die euch beleidigen und verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten, und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr dafür erwarten? [..] Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist. [Mt 5,43-48]“

Und aus der beruehmten Bergpredigt:

„[..] Selig sind die, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen. [..] Selig sind die, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das HimmelreichSelig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet. Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein. Denn so wurden schon vor euch die Propheten verfolgt. [Matthäus 5,3-12]“

Ploetzlich wurde mir klar, ich hatte vielleicht endlich eine plausible und allgemein gueltige Erklaerung gefunden, warum die Griechische Zivilisation den Sprung in die Moderne nicht geschafft hatte und auch niemals schaffen konnte – genauso wenig wie alle anderen Kulturkreise der Erde: Nur durch bedingungsloses Geben und Verschenken, durch bedingungslose Naechstenliebe, auch zum persoenlichen Schaden, kann Wissen (und Fortschritt) sich so weit ausbreiten und stabilisieren, dass es Kriege, Zeitenwenden, Katastrophen und Jahrtausende uebersteht.

Der Grossvater wuerde sich – sollte die Geschichte eine wahren Kern besitzen – wahrscheinlich nur dann fuer eine Veroeffentlichung seiner Erfindung entschliessen, wenn er aus Ueberlegungen christlicher Ethik heraus handelte. Ansonsten hatte sein Enkelsohn voellig recht: wozu sich fuer etwas aufopfern, was einem selbst nur schaden wird!?

Die einsame Stellung der Wahrheit ohne Wissenschaft

Mir wurde klar, warum er sich seinen Beinamen „Der gute Hirte“ verdient hatte, dass sein historischer Weitblick der keines gewöhnlichen Menschen war, und warum seinem Beispiel so viele gefolgt sind. Es geht um das ganze, es geht mehr um die vielen Menschen, die in zehn- oder zwanzigtausend Jahren an den verschiedensten Orten im Universum leben werden und weniger um uns wenige heute oder vor nicht allzu langer Zeit – nur 60 Generationen entfernt, als er in Judaea predigte und lebte: Jesus Christus. Ich fing an, die wirkliche Bedeutung der Bergpredigt fuer die ueber alle Zeiten vereinte, gesamte Menschheit zu verstehen. Ich bin nicht religioes und werde es niemals werden. Aber ich habe die Worte des Guten Hirten sehr gut verstanden.

Viele Jahrtausende liegen noch vor uns in denen sich vieles veraendern wird: zerstörerische Naturkatastrophen, grosse Kriege, Revolutionen, Macht auf das grausamste missbrauchende Autokratien, alles Unerwünschte mit Inbrunst zerstörender Radikalismus und sein fauler Bruder,  der alles Unangenehme ignorierende Hedonismus. Ueber diese langen Zeitraeume wird vieles Gutes und bereits Bestehendes wieder verloren gehen. Auch heute schon entdecken unsere Historiker staendig Dinge, die es laengst schon einmal  gab, die keineswegs in der Neuzeit erfunden wurden, die die Menschheit aber ueber Jahrtausende vergessen hatte: Rechenmaschinen, elektrisches Licht, Heissluftballons, Hochseenavigation, etc.

Sich auf die wissenschaftliche Wahrheitsgebundenheit unserer Historiker zu verlassen, und zu glauben, ein solcher großflächiger Verlust an Wahrheitsfindung und Erkenntnis wuerde heute nicht mehr passieren koennen, waere fatal und auch sehr kurzsichtig. Viele Beispiele zeigen, besonders aus den stark politisierten, aber urspruenglich einmal technisch-wissenschaftlichen Gebieten der Rohstoff- und Energiewirtschaft, dass auch heute, gerade in diesem Moment, bereits funktionierende aber unangenehme Loesungen fuer grosse Probleme gerne fuer ein angenehmes Wunschdenken gegen – aus wissenschaftlicher Sichtweise – ausgemachten Unsinn ausgetauscht werden. Damit muessen wir leben. Das ist normal. Menschen glauben gerne die schoenen Dinge, die man ihnen erzaehlt.

Wir, die wir klar und deutlich sehen ohne die verzerrende Brille von Glaube, Wunsch, Hoffnung, Bequemlichkeit und Angst,  sind verpflichtet, das heutige Wissen und das Wissen unserer Vorfahren um jeden Preis zu erhalten. Warum? Die einzige Antwort lautet: Wer soll es sonst tun? Wir koennen uns dabei nicht auf die eigentlich urspruenglich an das Wahrheitsprinzip gebundene Wissenschaft verlassen, da sie offensichtlich mehr und mehr der Politik unterworfen wird. Wir sind dabei also mal wieder ganz auf uns alleine gestellt – genau so wie die ersten Forscher vor der Gruendung der institutionellen Wissenschaft. Das heisst auch: jeder Einzelne muss wieder bereit sein die Schmach und den Hass fuer das Unerwuenschte zu ertragen, auch wenn er den grossen Nutzen seiner Ideen als einziger erkennt. Und er muss natuerlich bereit sein, auf Ansehen, Karriere, Anerkennung, ja sogar Freunde zu verzichten. Genau das ist die Pruefung, von der Jesus Christus sprach und zu der er aufrief. Und er hatte natuerlich voellig recht damit. Denn wie soll es anders in solchen dunklen Zeiten mit der Menschheit vorangehen?

So lange der Wissenschaftsbetrieb funktioniert, so lange er seine Macht aufrecht erhalten kann, deckt die Wissenschaft das Meiste ab und erhaelt die Vorarbeiten der Vorfahren beziehungsweise beschuetzt die neuen Ideen der Jungen. Darum muessen wir uns nicht kuemmern. Staendig nach alternativen, besseren Erklaerungsmodellen nur um der Streithaftigkeit Willen zu suchen, fuehrt meist zu nichts. Manchmal, sehr selten fuehrt es zu Neuem, Grossartigem, jedoch meist zu nichts. Aber es gibt selbst in Zeiten, in denen die Wissenschaft stark ist, bereits Gebiete auf denen sie sich zurueckziehen musste und ihre Forscher abgezogen oder neuen Herren ueberlassen hat. Diese arbeiten dann nicht mehr am Wahrheitsfindungsprinzip sondern der reinen Durchsetzung von willkuerlicher Macht.  Hierum muessen wir uns kuemmern. Hier muss mit Mathematik und allen bekannten Methoden der Wahrheitsfindung das leuchtende Licht der Wahrheit hochgehalten werden, wo die Dunkelheit des Wunschdenkens und der politischen oder wirtschaflichen Karriere den Wissenschaftsbetrieb korrumpiert hat.

Die modernen, freien Kommunikationskanaele sind gerade am zusammenbrechen. Wenn man die Berichte in den noch unabhaengigen Massenmedien aufmerksam verfolgt, liest man von riesigen Nachrichtendiensten, die mit tausenden von Agenten und den groessten je gebauten Computern unser Datennetz observieren und auch manipulieren. Diese Berichte wird es vielleicht bald ueberhaupt nicht mehr geben. Das kann passieren. Genau so, wie es gerade an anderen Orten passiert, oder schon frueher hier passierte, dass freie Stimmen das Rufen einstellten, wenn ihre Familien mit Armut oder sogar dem Tode bedroht wurden. Die einstmals wild gewachsenen und  freien Computerdatennetze werden gerade komplett umgebaut und restrukturiert, sie werden von maechtigen Kraeften ausgehorcht und dabei nebenbei gefiltert. Offiziell sucht man die Feinde aller guten und friedlichen Menschen. Inoffiziell wird alles Unerwuenschte eliminiert. Eigentlich hat sich auch hier, im modernen Internet, nichts gegenueber antiken Zeiten geandert, als Rom Hellas unter seine Kontrolle brachte, bis auf die reine technische Umsetzung der grundsaetzlichen Ueberlieferung von Information. Das Ergebnis bleibt gleich: nur das Erwuenschte setzt sich durch, das Unerwuenschte macht dem Urheber, egal wie friedlich, wie klar und wissenschaftlich er vorgeht, nur Schwierigkeiten und grossen Kummer.

Der Urheber des unerwuenschten Gedanken wird mit dem Moerder und Terroristen gleichgesetzt: denn er terrorisiert ja in gewisser Form mit seinen Worten den schoenen Glauben, und er mordet in gewisser Form das gute Gefuehl. Und deshalb wird er angegriffen werden und in Zukunft auch wieder mehr, auch hier bei uns, man sehe sich nur in der Welt um, wie es um die politische Freiheit in den einzelnen Laendern der Erde gerade bestellt ist. So etwas macht fuer gewoehnlich Schule. Dann ist wieder Schweigen und Vergessen angesagt, wenn man etwas im Leben erreichen will. Aber wir sind unseren Nachkommen verpflichtet, wir haben jetzt die Moeglichkeiten, ihre Welt aufzubauen, wenn wir Wissen und Wahrheit irgendwie ueber die Zeiten retten koennen. Was ist mit den vielen Kindern, die vielleicht im  Jahr 12.000 A.D. geboren werden? Sind wir ihnen nicht als ihre unmittelbaren Vorfahren zutiefst verpflichtet?

Von der Macht der Naechstenliebe

Es bleibt dabei: Jeder Mechanismus, jede Technologie, jeder Wissensspeicher, wie auch immer aufgebaut, wird letztendlich irgendwann verloren gehen, wahrscheinlich sogar im Zuge einer politischen Mode bewusst geloescht werden. Nur das Prinzip der bedingungslosen Naechstenliebe ist die einzige Möglichkeit einer gesicherten Kommunikation zwischen weit entfernten Generationen, die durch Jahrtausende voneinander getrennt sind, indem Wissen und Weisheit von Generation zu Generation gegen alle Widerstaende zumindest muendlich weitergegeben werden. Ohne die bedingungslose Naechstenliebe wird sich die Geschichte der Menschheit auch weiter nur im Kreise drehen, weil alles Wissen letztendlich auf einer schmalen, ungesicherten Basis stehen wird, wenn es nicht von Menschen unter Menschen verbreitet wird. Nur wenn jeder von uns aus freien Stuecken gibt und verschenkt und zu grossen Opfern bereit ist, breitet sich unser Wissen und unsere Erfahrung mit etwas Glueck vielleicht genügend aus, um den entropischen Prozessen langer Zeiträume zu widerstehen, und bleibt am Ende vielleicht etwas von unserer Vorarbeit, die wir jetzt noch mehr oder weniger egoistisch fuer unsere Kinder und Kindeskinder leisten. Wir muessen verstehen, dass auch die Kindeskinder der Anderen unsere Kinder sind. Spaetestens nach einigen tausend Generationen ist durch die Prinzipien der Vererbung praktisch fast jedes Kind auf der Welt unser Nachfahre. Wir muessen diese Kinder lieben, wie wir unsere Kinder und Enkel lieben. Es sind unsere Kinder!

Seid ihr bereit fuer Eure Kinder zu sterben? Deshalb und nur deshalb haltet unbedingt auch die andere Wange hin, wenn man euch schlägt! Solch ein Verhalten ist nicht die groesste Schwaeche und Feigheit, nein es ist der groesste Mut und die groesste Staerke und die groesste heldenhafte, sture Opferbereitschaft, zu der ein denkendes und Menschen ueber alles liebendes Lebewesen faehig sein kann.

Nur so werdet Ihr niemals nachgeben muessen, wenn man eure Arbeit behindert, sondern noch haerter und intensiver an Euren Werken arbeiten.

Nur so werdet ihr niemals widerrufen, wenn man Euch fälschlicherweise der Unwahrheit bezichtigt, sondern noch lauter die Wahrheit herausschreien.

Nur so werdet ihr niemals anderer gute Werke und lange Vorarbeit zerstoeren, wenn man Euch dazu auffordert, sondern nur selbst zerstoert werden.

Nur so werdet ihr niemals gute, faehige Menschen toeten, wenn man Euch selbst mit dem Tode bedroht, sondern nur selbst getoetet werden.

Mit dieser unendlichen Staerke werdet ihr, genau so wie es der Gute Hirte vorlebte, die ganze Welt auf Eurer Schulter ein kleines Stueck nach vorne tragen koennen – bis der naechste Mensch sie eines Tages aus Euren toten Haenden entgegen nimmt und wiederum fuer uns weitertraegt.

ENDE & ANFANG

[1] Das belegt der Antikytera Mechanismus, eine Rechenmaschine zur praezisen Vorausberechung von Eclipsen ueber Jahrzehnte, siehe auch https://monstermaschine.wordpress.com/2012/04/27/antike-analogcomputer/

[2] Die sogenannte Helden-Maschine: http://en.wikipedia.org/wiki/Aeolipile

[3] Elektrogalvanische Energiequelle, genannt Bagdad-Batterie: http://de.wikipedia.org/wiki/Bagdad-Batterie

[4] Man schaetzt den Bestand der Bibliothek von Alexandria heute aufgrund verschiedener Quellen auf 500.000 bis 700.000 Rollen, das entspraeche etwa 80.000 bis 100.000 Baenden. Nur kleine Teile des Bestandes blieben nach ihrer Zerstoerung oder Aufloesung fuer die Menschheit erhalten und wurden viel spaeter durch die Araber ueber das maurische Spanien wieder fuer Europa zugaenglich. Aus den erhaltenen Werken koennen wir heute nur erahnen, was alles verloren ging.

Über monstermaschine

Blogger, Diplom-Ingenieur, TU, Raumfahrttechnik, Embedded Systems, Mitglied VDI, DGLR

Eine Antwort zu “Die Entscheidung des alten Erfinders

  1. Christoph ⋅

    Hallo, zum nicht ganz unähnlichen Thema hatte ich letztens einen Artikel gelesen http://www.heise.de/tp/artikel/36/36880/1.htm . Ansonsten ist die christliche Nächstenliebe schon ein hohes Gut. Begonnen in einer kleinen Jüdischen Sekte .. verändert, modifiziert, erweitert .. zur römischen Staatsreligion erhoben. Schlussendlich eine Weltreligion. Aber nicht desto trotz ist sie auch zu einem dogmatischen Machtinstrument geworden. Und für nicht wenige ist die christliche Nächstenliebe nur praktiziert unter gleich gesinnten bzw. nur ein Lippenbekenntnis.

    Andererseits werden Maschinen immer komplexer und wenn das know how nicht vollständig weiter gegeben wurde, dann geht die beste Maschine irgendwann kaputt ohne das sie repariert werden kann und gerät anschliessend in Vergessenheit.

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